An Tagen wie diesen…

Gut überstanden! Wirklich gut überstanden! Anstrengende harte Tage, überstanden!

Wir können stolz auf uns sein, ein kleines bisschen. Erlauben dürfen wir uns das nicht. Auf uns stolz sein gibt es nicht. Warum sollte man auch, ich habe nichts getan um wertvoll zu sein und es wird immer mehr dafür getan, den letzten Wert zu verlieren. Aber EGAL! Wir haben es geschafft und das ist gut!

Eine sehr enge Freundin hat uns die letzten Tage ertragen. Okay, so schlimm sagt sie sind wir gar nicht. Müssen ihr da dann auch zustimmen, es ist immer eine schöne Zeit. Die Gespräche sind hilfreich, manchmal etwas aufdeckend, manchmal fangen wir an besser zu verstehen. Ein hilfreicher Einwurf oder Satz von der Gegenseite bewirkt Wunder in Sachen Selbstverständnis. Etwas seltsames aber doch so gutes, sie kann mit Worten Dinge beschreiben über uns und unsere Struktur. Nicht alles passt 100%ig aber einiges doch ziemlich gut. Sie findet Worte für Dinge die uns so unbeschreiblich erscheinen. Bei denen wir grundsätzlich, wenn wir versuchen jemand anderem das zu erklären, an unsere Grenzen stoßen. Wir finden keine Worte die der andere verstehen könnte.

Ein Phänomen was uns häufiger unterkommt. Wir versuchen über Dinge zu sprechen die Innen passieren, versuchen Vorgänge zu beschreiben und für die Dinge Worte/Bezeichnungen zu finden. Super ist es dann, wenn du minutenlang brabbelst, innerlich die Panik in unbeschreibliche Höhen steigt, der innerliche Machtkrieg ausbricht. Darüber ob man das was man sagt überhaupt sagen darf. Bzw. wohl eher das man all das nicht sagen darf. Das es niemanden etwas angeht, das es alles nur eine riesen große Lüge ist, dass es das größte Verhängnis ist man kann niemanden und zwar unter keinen Umständen traun. Egal wie lang man den Menschen kennt, egal wie oft er/sie schon gezeigt hat das man Vertrauen kann, ganz egal. Vertrauen ist uns so zerstört worden, es liegt uns fern.

Das bedeutet natürlich nicht das wir mit niemandem sprechen auch über vertrauliche Themen. Auch nicht das wir nicht glauben was andere uns erzählen. Aber es wird alles hinterfragt und die Möglichkeit offen gelassen, jederzeit und immer hintergangen zu werden, belogen oder betrogen zu werden. Man rechnet absolut damit und ist eher überrascht, tritt dies dann nicht ein.

Zu häufig wurde die Erfahrung gemacht nicht auf Worte vertrauen zu können. Oft im Zusammenhang mit Hilfsangeboten, Therapeuten, Kliniken, Beratungsstellen. Zu oft wurde man allein gelassen. Gerade Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren haben uns da nochmal ordentlich den Boden weggerissen. Weil es den Boden wegreißt, wenn man immer wieder hört, dass einem nicht geholfen werden kann/will. Das sämtliche Hoffnung und Bemühung mit einem Faustschlag in den Boden gerammt wird. Das ist hart und muss verarbeitet werden, dabei dachten wir doch es würde uns nichts ausmachen. Jetzt, im Nachhinein, stellen wir fest, es war eine Fehleinschätzung. Wir haben das nicht verarbeitet, es hat weh getan und vor allem hat es wahnsinnig hilflos gemacht. Hilflosigkeit ist etwas was schwer auszuhalten ist, also versucht man verzweifelt etwas dagegen zu tun. Glück gehabt, wir haben eine neue Therapeutin gefunden, nach langem Suchen, nach vielen Rückschlägen, aber vor allem weil wir nicht aufgeben wollen. Wir wollen uns nicht geschlagen geben. Wir wollen leben. Wir wollen frei sein! Endlich frei sein und nicht jeden Tag und jede Nacht mit überleben verbringen.

Heute ist wieder ein Tag an dem alles schief läuft, durcheinander und unkontrolliert. In der früh noch einen Termin bei unserer Therapeutin wahrgenommen und im Anschluss direkt noch zu einem anderen wichtigen Termin. Beides gut geschafft aber danach war vorbei. Wir wissen noch das wir nach Hause gegangen sind aber schon auf dem Weg dorthin irgendwann einfach weg. Erst am späten Nachmittag waren wir (das Alltagsteam) wieder da und bei dem Blick auf unser Handy wurde klar, das gar nichts funktioniert hat in unserer Abwesenheit. Zumindest nichts von dem was hätte passieren müssen. Ein recht wichtiger Termin gegen Mittag wurde nicht wahrgenommen und auf dem Handy waren ungelesene SMS und Anrufe und weitere Anrufe von der ambulanten Betreuuerin mit der wir ebenfalls einen Termin gehabt hätten.

Nun gut, was macht man in solch einem Fall? Erstmal schämt man sich zu Tode und dann fängt man an dem Chaos wieder Herr zu werden und SMSn mit Entschuldigungen zu schreiben und hofft, dass sich alles wieder klären lässt. Zum gefühlten tausendsten mal.

Und dann die Suche nach dem großen Warum? Was ist in den verloren gegangenen viereinhalb Stunden passiert? Sind wir Zuhause gewesen, waren wir unterwegs, gibt es irgendwelche Spuren/Hinweise darauf was in der Zwischenzeit passiert ist? NICHTS, einfach gar nichts! Nicht einmal der Ansatz einer Ahnung.

Was machen wir nun damit? Feststellen, dass immer noch so viel außerhalb unseres Wissens passiert? Ohne unser Bewusstsein und ohne eine Ahnung davon was es ist? Wenn man Glück hat, viel Glück, dann gibt es eine Vermutung, oder irgendwer von uns hat irgendwas mitbekommen. In diesem Fall scheint das nicht der Fall. Gut, also ist es nun an uns raus zu finden was passiert ist, wer aktiv war und warum. Jetzt kommen die großen Fragezeichen. WIE sollen wir anfangen? WO sollen wir suchen? WAS sollen wir machen? Lieb und nett nachfragen nützt leider nichts. Wen soll man auch fragen, wenn alle bekannten hier vorn nichts wissen?

Wir könnten es wieder einmal einfach hinnehmen, drüber lächeln und verdrängen. Mit dem Erfolg das sich nichts verändert. Wie denn auch, wenn man nicht daran arbeitet. ABER damit machen wir uns angreifbar, abgreifbar, hilflos. Und da wären wir wieder bei: Hilflosigkeit. Das was wir nicht gut aushalten. Also suchen wir, im System wird ein Chaos verbreitet sondergleichen. Die einen rennen panisch hin und her und verbreiten ihre Angst, die nächsten suchen nach irgendwelchen Auffälligkeiten/Veränderungen im System, wieder andere versuchen die Paniker zu beruhigen indem sie ihnen erzählen das alles gut ist, nicht zu vergessen dazwischen die die wiederum erzählen das es die größte Lüge ist zu behaupten es sei alles gut usw.

Nun versinken wir wieder im Chaos, in einen Zustand zwischen Dissoziation und Realität indem sich niemand lange vorne halten kann. Verbringen den Abend/die Nacht mit Dingen die uns ablenken von destruktiven Schallplatten. Spielen Spiele, schreiben, putzen, stricken, rauchen und wünschen uns das die Nacht vorbei geht. Morgen geht das Spielchen von vorne los. Funktionieren, denn der Tag beginnt um halb sieben, müde werden wir ihn wieder überleben. Und so stecken wir in der immer gleichen Spirale fest.

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