Vielen Dank lieber Arzt! Also doch nur Einbildung…

Heute kommen wir zu einem der Gründe warum wir, unter anderem, so unglaublich gerne zu Ärzten gehen.

Wir könnten uns diesen Gang getrost sparen. Denn, als psychisch „kranke“ ist die Chance ernst genommen zu werden, doch verschwindend gering.

Nicht nur, dass der Arztgang selbst schon eine große Herausforderung ist, dass davor und danach macht die Sache deutlich komplizierter.

Angefangen vor (vielen) Jahren. Wann genau, keiner erinnert sich so wirklich daran, ob es mal anders war. Wobei es das sicherlich mal war, muss es ja schließlich, oder? *grübel*

Wir können uns aber erinnern vor mindestens 12 Jahren schon beim Arzt gewesen zu sein, wegen dauernden Schmerzen in den Knien. Man wurde immer wieder weggeschickt mit den Worten das dort nichts wäre und nichts sein könnte. Wirklich untersucht hat uns nie jemand. Ein bisschen hier getastet, ein bisschen dort. Nochmal auf ein paar fiese Schmerzpunkte gedrückt und das ganze mehr oder weniger halbherzig. Da ist nichts, so schlimm können die Schmerzen also nicht sein, sie sind ja auch noch ziemlich jung!

Ähm ja, natürlich! Gut zu der Zeit waren wir noch nicht ganz volljährig ABER haben sie denn nicht zugehört, als ich erwähnte, sehr viel Sport zu treiben und als ich sagte das der Körper manchmal extremen Belastungen ausgesetzt ist und das es wirklich weh tut?  Vermutlich nicht, oder ist es doch alles nur Einbildung? Habe ich eigentlich gar keine Schmerzen, bilde ich mir das nur ein?

Klar! Sagt ein Arzt das, muss es ja so sein!                  oder?

Also, was tut man als braves Mädchen, dass niemandem zur Last fallen möchte und es als hauptsächliches Hobby nutzt, ständig an sich zu zweifeln? Man glaubt was der Arzt sagt und schweigt. Was nicht echt ist bedarf keiner Beachtung, gehört verdrängt, aufgeräumt!

Nun, weg gingen die Schmerzen damit nicht und weniger wurden sie ebenfalls nicht. Inzwischen könnte man lieber aufzählen wo keine Schmerzen sind und wäre schneller fertig. Aber wir sind gut erzogen worden, also erwähnen wir es nicht, na gut manchmal doch, entschuldige. Wir bemühen uns es uns nicht anmerken zu lassen, es gibt Tage an denen es uns nicht gelingt. Ist das nun gut oder schlecht?

Lange Überzeugungsarbeit, über Jahre hinweg, von Menschen an unserer Seite, sorgte dafür das wir uns doch noch einmal aufraffen wollten. Doch nochmal einen Arzt aufsuchten und doch nochmal hofften ernst genommen zu werden.

Und wir waren dort, waren erneut bei einem Facharzt und haben bekanntes Spielchen noch einmal gespielt.

Wir haben versucht zu erklären wie die Schmerzen sind, wo sie sind, Worte zu finden die erklären. Das fällt uns sehr schwer. Zum einen, weil das innerliche Chaos in solch einer Situation arg zu wünschen übrig lässt und zum anderen, weil wir nicht wissen wie man Schmerzen beschreibt, weil uns die Zuordnung der Begriffe zu dem was man empfindet kaum möglich ist und man sich bei der Beschreibung überhaupt nicht sicher ist, ob es die richtigen Worte für das sind, was man sagen möchte.

Als wäre das nicht schon blöd genug, sorgt diese Unsicherheit dafür das der Körper anfängt zu zittern, leider unübersehbar. Die Stimme wird unsicher und vibriert. Damit ist dann schon mal sicher das man sich die ersten schrägen Blicke des Arztes einfängt.

Dann auf zur körperlichen Untersuchung.

Bitte die Schuhe und Strümpfe aus und dann dort drüben auf die Liege legen.

Puh, erstmal durchatmen. Ich soll also wirklich meine Schuhe und Strümpfe ausziehen??? Ein Blick in sein Gesicht verrät er meint es ernst. Und ich soll mich dann auch noch auf diese Liege legen? Ist das wirklich notwendig???

Okay, überredet! Ich gehorche ja schon, bin doch schließlich ein braves Mädchen. Ich weiß wie das geht, das habe ich schließlich ausführlich gelernt!

Ab auf die Liege, zittern, wegdriften… klammern an Worte aus seinem Mund, konzentrieren, er fragt etwas. Hat jemand verstanden was er gesagt hat? Nein? Wirklich keiner? Mist! Also versuch ich diese Worte in meinem Mund zu formen: Entschuldigung, ich hab gerade nicht richtig hingehört. Was haben sie gefragt? Statt dessen stolpert holprig und zitternd ein: was soll ich tun? aus uns heraus.

Und wieder trifft uns dieser verwirrte Blick und natürlich fängt er nun an erst recht nachzufragen. Sie sind sehr nervös, oder? Ähm, ja. Entschuldigung! Nicht schlimm aber es wäre gut wenn Sie locker lassen könnten und aufhören zu zittern. Ja. Entschuldigung, dass war wirklich keine Absicht!

wieder wegdriften… ich darf nicht zittern, halt still du Körper, bitte halt still!

Er drückt an dem Körper rum, drückt auf die Gelenke, wir spürn nichts mehr, wollen still halten, ein braves Mädchen sein. Er fasst an die Füße, der Körper zuckt zusammen, die Tränen wollen raus, werden aber wieder runter geschluckt. Sei ein braves Mädchen, halte still!

wegdriften…

später, irgendwann danach sitzen wir in einem anderen Raum, Blutabnahme steht an. Auch das dann noch irgendwie geschafft.

Puh, endlich nach Hause. Der Körper zittert und wir müssen noch zum Auto…

10 Tage später

Endlich können wir anrufen und die Ergebnisse erfragen. Wieder voller Hoffen, voller Zuversicht nun endlich zu erfahren was man hat.

Das Ergebnis lässt sich schnell zusammenfassen. Sie haben nichts. Die Blutuntersuchung ist ohne Ergebnis. Seien sie froh! Oh, okay. Und was mach ich jetzt? Weil Schmerzen hab ich ja trotzdem! An wen soll ich mich denn jetzt wenden? Ja, wie gesagt, sie haben nichts! Sie sind da bei ihrer Psychiaterin wohl schon ganz richtig aufgehoben! Ähm, ja okay. Dankeschön!

Gespräch beendet, alles gut! Durchatmen nicht vergessen! Konzentrieren, durchatmen nicht vergessen, du weißt sonst kippt der Körper um, also atme!

Wenn es nicht eine nahestehende Person gäbe, die nun wieder auf uns einredet und uns bittet zu einem anderen Arzt zu gehen. Wieder jemand, der uns bestätigt das die Gelenke geschwollen sind teilweise, das geglaubt wird das die Schmerzen echt sind, dass geglaubt wird das wir nicht nur wegen der kranken Psyche manchmal kaum oder gar nicht stehen können usw.

Alte Spiralen holen wieder ein. Einbildung! Alles nur Einbildung! Dein krankes Hirn spielt dir einen Streich!

 

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. diepaulines
    Nov 10, 2012 @ 20:03:28

    hier kommt ein mitfühlendes, verstehendes Kopfnicken… beim Lesen können wir echt nachfühlen, wie beschämend, entwürdigend, beängstigend dieser Arztbesuch gewesen sein muss- und wie frustriert, ernüchtert und ratlos Ihr Euch hinterher gefühlt haben müsst. Ihr wisst: die Schmerzen sind da, sie sind nicht eingebildet. Und es ist soooo schwer, einen Umgang damit zu finden, nicht zu wissen, was man dagegen tun kann…. Liebe Grüße!

    Antwort

  2. zweisatz
    Nov 12, 2012 @ 22:22:36

    Könnte es etwas sein, das mit Hilfe einer Physiotherapie behandelbar wär? Die kann man von der*m Hausärzt*in verschrieben kriegen (in Deutschland)… falls der Besuch nicht zu viel Stress wär.

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Nov 12, 2012 @ 23:09:45

      Das ist eine gute Frage, die so einfach nicht zu beantworten ist. Dadurch das wir keine Ahnung haben was es ist. Bisherige Empfehlung der Ärzte ist, entzündungshemmende Schmerzmedikamente zu nehmen.

      Antwort

      • zweisatz
        Nov 13, 2012 @ 06:21:58

        Hm. :/ Also ich kenne jemanden, bei der*m es letztendlich durch ’ne Fehlstellung/zu stark beanspruchte Muskeln kam. Aber gute Ärzt*innen sollten da eigentlich selbst drauf kommen… Viel Glück weiterhin.

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