Multipel und Mutter- passt das zusammen?

Ein Thema über das ich immer wieder gestolpert bin und was mich nicht los lässt ist: Multipel und trotzdem Mutter ober können psychisch kranke gute Mütter sein?

Zuerst war die Überlegung den Fakt, selbst Mutter zu sein, aus unserem Blog fern zu halten. Wir haben uns nun aber dagegen entschieden.

Die Gründe dafür sind, dass unser Leben sehr geprägt davon ist Mutter zu sein. Wir leben vom Vater des Kindes getrennt und bezeichnen uns hauptsächlich als allein erziehend. Das ist, um unsere Argumentation zu dem oben genannten Thema einordnen zu können, sicher auch von Vorteil zu wissen.

In den meisten Fällen, in denen wir mit diesem Thema konfrontiert waren, trafen wir entweder auf das eine Extrem oder das Andere. Einerseits: psychisch Kranken sollte es verboten sein Kinder zu bekommen! Andererseits: psychisch Kranke, die sich ihrer Krankheit bewusst sind, sind oft die besseren Mütter!

Nun wir vertreten keine dieser Meinungen und finden uns irgendwo dazwischen wieder. Natürlich aus der Sicht einer psychisch kranken Mutter.

Hier wurde die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, zu einem Zeitpunkt getroffen, in dem wir uns unserer eigenen Geschichte nicht bewusst waren. Zu einer Zeit in der uns nicht bewusst war viele in einem Körper sein. Wir waren verheiratet und hatten einen Mann, der sich ein Kind mit uns sehr wünschte. Soviel erst einmal dazu…

Unserer Meinung nach, sollten solche Diskussionen einen ganz anderen Titel haben. Nämlich ist die Frau, die ein Kind bekommen möchte, sich der Verantwortung und ihrer Aufgabe bewusst. Denn am Ende ist das doch die entscheidende Frage.

Als Mutter ist es meine Aufgabe mein Bestes dafür zu tun, das mein Kind eine glückliche, freie Kindheit (sofern es in der heutigen Gesellschaft möglich ist) erleben kann. Eine Kindheit in der es sich möglichst frei entfalten und entdecken kann, in der es das Leben kennen-lernen kann. Das Wohl meines Kindes sollte ganz oben auf meiner Liste stehen.

Als Mutter trägt man Verantwortung für sein Kind und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit zumindest bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres.

Mein Kind kann auch glücklich und frei aufwachsen, wenn ich eine dissoziative Identitätsstörung habe. Allerdings ist das eine große Herausforderung. Aber auch eine Mutter die nicht multipel ist stößt an ihre Grenzen und erlebt in der Erziehung ständig Herausforderungen, denen sie mehr oder weniger gewachsen ist.

Nun gut, wir haben uns oft mit dem Gedanken auseinander gesetzt ob wir unserem Kind schaden weil wir multipel sind.

Hätten wir uns, mit unserem heutigen Wissen über uns und unsere Geschichte, auch zu einem Kind entschieden?  Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, können wir das verneinen. Wir hätten anders entschieden. Nicht weil wir unser Kind nicht unglaublich lieben, ohne ihn möchten wir absolut nicht sein. Sondern, weil es vieles in der eigenen Heilung, Findung etc. deutlich erschwert. Und gleichzeitig ist es ein unglaublicher Anker der mit dem Leben verbindet.

Kann man eine gute Mutter sein? Was bedeutet gute Mutter, wann bin ich eine?

Bei der Entscheidung ein Kind zu bekommen, darf nicht vergessen werden, was Mutter sein bedeutet.

Es bedeutet nach einer schlaflosen Nacht aufzustehen, egal ob ich mich dementsprechend fühle oder nicht, denn mein Kind braucht mich.

Es bedeutet die Schmerzen zu ignorieren, die Ängste zu unterdrücken und entgegen aller Bedürfnisse, trotzdem zu funktionieren.

Es bedeutet meinem Kind einen guten Start in den Tag zu ermöglichen, unabhängig davon wie ich dem Tag innerlich begegne.

Es bedeutet meinem Kind die Möglichkeit geben die Welt zu entdecken, Fehler zu machen, zu lernen, auch wenn ich die Welt kaum ertrage.

Es bedeutet mein Kind mit offenen Armen empfangen, wenn er mich braucht. Auch wenn ich vielleicht viel lieber allein wäre in dem Moment.

Es bedeutet die Schönheiten des Lebens zu vermitteln, auch wenn ich sie selbst kaum erkennen kann.

Es bedeutet, obwohl es vielleicht nötig wäre, nicht in eine Klinik gehen zu können, wenn man sein Kind nicht bei irgendwelchen fremden Menschen unterbringen möchte.

Es bedeutet lieben, obwohl man kaum versteht was es bedeutet.

Es bedeutet sich selbst zu reflektieren, die Augen zu öffnen für Dinge vor denen man sie lieber verschließen würde.

Es bedeutet Entscheidungen treffen, Regeln aufstellen und durchsetzten.

Diese Liste könnte noch um unzählige Aufzählungen fortgesetzt werden, doch am Ende stehen wir immer wieder vor der gleichen Aussage. Eine Mutter sollte sich ihrer Verantwortung ihrem Kind gegenüber bewusst sein, dann hat sie die Möglichkeit eine gute Mutter zu sein.

Wir werden nicht immer allem gerecht, es gibt Zeiten in denen es gut funktioniert und Zeiten in denen es nicht so gut funktioniert. Nicht so gut heißt, wir werden unseren eigenen Ansprüchen manchmal nicht gerecht, die wir an uns als gute Mutter haben.

Wir bemühen uns unserem Kind gegenüber offen zu sein. In Zeiten in denen es uns nicht so gut geht offen mit ihm zu sprechen, damit er die Situation einschätzen kann und nicht unsicher sein muss. Offen bedeutet nicht das wir ihm unsere Geschichte auf die Nase binden. Dafür ist er zu klein und es würde ihn belasten. Nein, offen bedeutet für uns, ihm die Möglichkeit zu geben mit uns umgehen zu können. Fragen offen zu beantworten, dem Alter und den Fähigkeiten des Kindes entsprechend. Es bedeutet für uns, unserem Kind nicht das Gefühl zu geben, verantwortlich für unser Befinden zu sein. Es bedeutet für uns, Fehler eingestehen, Defizite erkennen und an uns arbeiten und immer und zu jedem Zeitpunkt die Augen offen behalten und selbstreflektiert Leben.

Und manchmal fällt es uns schwer Situationen richtig einzuschätzen und wir sind immer wieder dankbar für Rückmeldungen aus unserem Umfeld, von Menschen die uns kennen und von außen einen Blick auf die Situation haben. Kritik ist nichts schlechtes und konstruktive Kritik hat uns bereits einiges lernen lassen, Fehler haben uns lernen lassen und jeden Tag bemühen wir uns soviel wir können dazu zu lernen. Das ist unser Weg eine möglichst gute Mutter zu sein.

Wir sind krank, unser Kind bekommt es mit, denn er lernt uns so kennen wie wir sind. Für ihn sind wir nicht krank. Manchmal ein bisschen verrückt, manchmal ein bisschen komisch, manchmal ne wirklich schräge Mama, manchmal überfordert. Meistens aber eine Mama bei dem ihr Kind sich wohl fühlt und sein kann. Ist das nicht wirklich wichtig?

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7 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. pandorasshowcase
    Nov 14, 2012 @ 13:07:37

    Ihr habt es geschafft eure Sicht wunderbar in Worte zu fassen.

    Antwort

  2. pandorasshowcase
    Nov 14, 2012 @ 14:41:40

    Reblogged this on Pandora's Showcase und kommentierte:
    Die Mosaiksteinchen posteten in ihrem Blog unlängst einige wie wir finden äußerst interessante Überlegungen zum Thema Mutter-sein, wenn man gleichzeitig an einer Dissoziativen Identitätsstörung leidet. Mit ihrer Erlaubnis möchten wir auch hier diesen Artikel mit euch teilen.

    Antwort

  3. Mosaiksteinchen
    Nov 15, 2012 @ 00:34:11

    Dankeschön!!!

    Antwort

  4. sternendertrauer
    Nov 19, 2012 @ 02:23:13

    Zu eurem letzten Satz : Doch das ist das wirklich wichtige!

    Antwort

  5. Trackback: Mutter und multipel (Teil 2) « Parallelwelten der Mosaiksteinchen
  6. ueberlebenskampf
    Feb 13, 2013 @ 17:30:30

    Schön geschrieben & da ich mich momentan selbst sehr mit diesem Thema beschäftige, war ich gerade wirklich froh diesen Artikel lesen zu können.
    Danke! 🙂

    Antwort

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