Übel oder Übel? Bitte entscheiden Sie sich!

Man stelle sich vor, man hat genau zwei Möglichkeiten, oder nein, es sind drei. Im Folgenden werden diese drei Möglichkeiten ausführlich dargestellt.

Vielleicht sollten wir an dieser Stelle erwähnen das der Text für Betroffene durchaus Triggerpotential haben kann. Wir möchten kein Blatt vor den Mund nehmen. Wer nicht stabil ist, steigt an dieser Stelle dann bitte aus.

Nun kommen wir zu den Möglichkeiten:

Möglichkeit 1

Man tut nichts. Einfach gar nichts, benimmt sich also ganz „normal“ und geht seinen Alltagsaktivitäten nach (sofern der vorhandene Zustand dies zulässt). Mit dem Wissen das die RGpG (diese Abkürzung steht für die Bezeichnung: Rituelle Gewalt praktizierende Gruppen und ist übernommen von Pandoras. Da wir nie genau wissen wie wir diese „Gruppierung“ benennen sollen, durften wird die Bezeichnung klauen 😉 ) zu jeden Zeitpunkt weiß wo wir uns aufhalten und was wir tun, vielleicht mit wenigen Ausnahmen und nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet uns abzugreifen und mitzunehmen. Andere Alternative beim Nichtstun wäre, dass ein programmierter Anteil die Kontrolle übernimmt und uns umgehend dorthin befördern würde. Dritte Alternative, ein Täterloyaler oder absolut ängstlicher und folgender Anteil übernimmt die Kontrolle und bringt uns zu RGpG.

Alles aufgezählte endet in den Armen der RGpG und hätte Strafen zur Folge, zumindest  für einige von uns und damit auch für den Körper. Man würde gefickt werden mit den zur Verfügung stehenden Materialien, was auch immer es dann ist. Vielleicht wird noch mal ein bisschen Programmauffrischung betrieben, vielleicht auch etwas neues installiert. Also alles in allem, nicht unbedingt erstrebenswert.

Möglichkeit 2

Man tun auch hier erstmal nichts. Wartet ab auf den Moment in dem es knallt. Unter „knallt“ verstehen wir den Moment in dem die Kontrolle nicht mehr gehalten werden kann. Den Moment in dem wir dem Drang nachgeben. Dem Drang nach dem Ende, nach Ruhe, nach Frieden, nach Tod. Das mag erstmal recht pessimistisch klingen. Eventuell ist es das auch, wir sind wohl nicht in der Verfassung das beurteilen zu können. Wir empfinden es nicht als pessimistisch sondern als realistisch. Wir wollen unter diesen Umständen nicht leben. Denn so werden wir nie ein Leben führen können, dass tatsächlich lebenswert ist. Lebenswert im Sinne von frei, mit der eigenen, gewählten Familie. Unter den gegebenen Umständen werden wir nie in der Lage sein unsere eigenen Ziele zu erreichen, unsere eigenen Träume zu verwirklichen und bleiben Sklave und Teil der RGpG. Da das für uns absolut keine Alternative ist, tritt Möglichkeit 2 in Kraft, der Suizid. Auch in Betracht ziehen und zu Möglichkeit 2 hinzuzuzählen, muss man das Risiko, dass ein Suizidprogramm Oberhand gewinnt und sein Ziel erreicht.

Möglichkeit 3

Kommen wir zur letzten Wahlmöglichkeit. Wir weisen uns in die geschlossene Psychiatrie ein. Geschlossene, denn dann muss ausgeschlossen werden, das Möglichkeit 1 oder 2 überhaupt möglich sind. Das wäre auf einer offenen Station leider nicht gegeben. Somit geschlossene Psychiatrie. Nun, es ist absehbar das es einem dort nicht allzu gut gehen wird. Zum einen haben diese Einrichtungen im Laufe der Jahre und der verschiedenen Aufenthalte in gerade solchen, Spuren hinterlassen. Retraumatisierungen, Probleme mit dem Personal (leider gibt es nicht viele, die sich mit DIS auskennen und angemessen reagieren können), Situationen in denen man vor die Wahl gestellt wird, sich so zu verhalten wie es der-/diejenige gerade erwartet oder mit richterlichem Beschluss weiter festgehalten werden muss. Unabhängig davon ist der Aufenthalt in einer solchen Einrichtung auch ansonsten nicht gerade unproblematisch. Man ist eingeschlossen, keine Möglichkeit sich frei zu bewegen, das Haus zu verlassen, wenn man es nicht mehr aushält. Man ist von Patienten umgeben mit denen man evtl. nicht zurecht kommt, die einen, wenn man Pech hat, noch stark triggern. Privatsphäre ist nicht gegeben, man hat nicht seine Sachen, darf viele nicht bei sich haben, denn es könnte eine Gefahr für einen selbst oder andere darstellen.

Und nun müssen wir uns entscheiden zwischen gefickt werden und auf die Fresse kriegen, Suizid als letzten Ausweg, Psychiatrie, Retraumatisierung inbegriffen.

Man könnte auch sagen, wir dürfen uns aus der Scheiße den Haufen raussuchen, der am wenigsten stinkt.

Sollte man also plötzlich nichts mehr von uns lesen, kann man erstmal davon ausgehen das wir uns für Möglichkeit 3 entschieden haben.

Natürlich gibt es Dinge die uns in diesem Leben halten. Hätten wir diese nicht würden wir uns diese Frage nach der richtigen Wahl wahrscheinlich nicht stellen. Wir haben eine Partnerschaft, ein Kind, eine sehr enge Freundin die für uns zur Familie gehört, Menschen die uns in diesem Kampf unterstützen, Menschen die an uns glauben und uns Mut machen, Kraft geben und Hoffnung aufrecht erhalten.

Aber wie groß auch die Angst ist all diese Menschen zu verlieren, am Ende allein da zu stehen, sie zu enttäuschen, nicht so stark zu sein wie sie glauben, an der Entscheidung zu zerbrechen, darüber dürfen wir nicht nachdenken. Tun wir das, drängt alles zur Möglichkeit 2, dann kann man ihnen und uns vieles ersparen.

Und so pendelt es zwischen den Möglichkeiten und der Verstand ist der Einzige der am Ende noch die Entscheidung treffen kann, die, dass Schutz die einzig richtige Entscheidung sein kann. Und das auch, wenn Möglichkeit 3 soviel Angst auslöst und man da niemals wieder hinwollte aber man am Ende doch keine Wahl hat.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Nov 20, 2012 @ 17:34:48

    Eine sehr kluge Therapeutin hat mir mal gesagt ‚die Freiheit beginnt mit der Zahl 3‘. Und sie hat mir aufgetragen für jedes Problem das ich habe, immer mindestens drei Lösungswege zu suchen. Du hast also schon angefangen frei zu sein, denn du wählst bereits.

    Du hast noch mehr Möglichkeiten:
    Du kannst dich covern lassen. Wenn du zu hause nicht sicher sein kannst, dann verlasse das Zuhause. Komme bei Freunden unter die weiter weg wohnen. Lass deine Kommunikationsmittel allesamt von einer vertrauten Person überwachen oder gleich ganz behalten. Halte dich von jedweder Post fern. Hinterlasse vielleicht auch ein Schreiben mit Anweisungen für den Fall das du abgegriffen wirst. Mache dir keine Sorgen, sollte dein Kind die Schule eine Zeit nicht besuchen können – dein Verlust ist das schlimmste was dem Kind passieren kann, alles andere ist dagegen nur Kleinkram und lässt sich wieder einrenken.
    Weihe so viele vertraute Menschen in deinem Umfeld ein, wie du nur einbinden kannst. Lasse dir von ihnen Hilfe und Unterstützung geben. Schließe einen Vertrag innerhalb des Systems. Wenn notwendig auch mit dem festen Entschluss den Suizid als letzte Möglichkeit der freien Wahl zu garantieren, sollte das notwendig sein. Aber erst sollten alle anderen Alternativen versagt haben.
    Das sind nur mal ein paar Denkanstöße, es gibt sicher noch mehr Tipps und Ideen von anderen Menschen. Du bist nicht die erste die Aussteigen will und auch nicht die erste die es schaffen würde.
    DU bist im Recht. Und deine RGpGs haben die größte Angst davor das ihre Machenschaften bekannt werden könnten.

    Noch bist du in Freiheit und du hast Freunde die hinter dir stehen. Jede Sekunde die du Widerstand leistest und lebst, ist ein Sieg.
    Du hast mehr als nur 3 Möglichkeiten, viel mehr. Und selbst wenn es nur die ersten zwei wären, dann wäre es noch immer deine freie Entscheidung welche Wahl du triffst. Du hast bereits gewählt: du willst kein Sklave mehr sein und allein damit bist du auch keiner mehr, selbst wenn es Rückschläge geben sollte.

    Antwort

  2. Trackback: Hope defies all agony « Parallelwelten der Mosaiksteinchen

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