Allgemeiner Männerhass oder auch: Sex ist schlimm

Große Teile der Bevölkerung scheinen davon auszugehen, dass Frauen die sexuellen Missbrauch und/oder Vergewaltigung erlebt haben ein Problem mit Männern haben, das ist sozusagen eine „normale“ Folge. Genauso wie der Glaube, dass jemand der Vergewaltigt wurde kein Spaß mehr an Sex haben kann.

Da gibt es also nun zwei Möglichkeiten. Entweder bilden wir uns unsere Vergangenheit nur ein oder aber es gibt tatsächlich ein dazwischen und differenzieren.

Nein, wir sind keine Männerhasser „nur“ weil wir in unserer Vergangenheit Gewalt auf sexueller Ebene erlebt haben und nein, wir haben kein Problem mit Sex. Wir mögen Männer immer noch und auf Sex würden wir nur ungern verzichten müssen.

Beinahe lächerlich ist, dass wir uns für diese Aussagen schon fast schämen bzw. allein für den Gedanken. Aber warum ist das so? Warum haben wir das Gefühl so nicht empfinden zu dürfen? Nur weil die Gesellschaft das nicht versteht? Weil ich als Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfer das doch nicht mehr mögen kann.

Nun, ich finde es schade und unfair den Menschen gegenüber, die durchaus in der Lage sind richtig und falsch zu unterscheiden. Denen gegenüber, die durchaus in der Lage sind, die Grenzen anderer Menschen einzuhalten und sie nicht, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, zu zerbrechen.

Wir leben in einer lesbischen Beziehung und auch da begegnen uns immer wieder Aussagen wie: Ja bei deiner Vergangenheit verständlich. oder: Wenn das nicht passiert wäre, würdest du bestimmt lieber mit einem Mann zusammen leben, oder? Hätte ich deine Vergangenheit wäre ich bestimmt auch so geworden!

Darauf kann ich nur eine ganz klare Antwort geben: lächerlich. Diese Verallgemeinerungen empfinde ich als anmaßend und lächerlich.

Was uns besonders stört, dass in vielen Fällen vergessen wird, dass Frauen ebenso Täter sind wie Männer. Wir haben beides erlebt, damit schließt sich ein grundsätzlicher Männerhass schon einmal aus. Und wenn wir dann verallgemeinern muss ich die gesamte Menschheit erstmal als böse, grenzüberschreitend, pädophil oder was auch immer abtun. Das wäre verdammt traurig, wenn an dem so wäre und ich bin froh das wir durchaus Menschen kennenlernen durften, die diesem Bild nicht entsprechen.

Das wir nun in einer lesbischen Beziehung leben, ist wohl eher den Umständen, dass wir uns in den Menschen und nicht in das Geschlecht verlieben, zuzuschreiben. Wir haben ebenfalls schon die ein oder andere Beziehung mit einem Mann gehabt und es funktionierte weder besser noch schlechter 😉

Der andere hier angesprochene Punkt ist die Sexualität. Es stimmt sicherlich, dass es viele Frauen/Männer gibt die, nach der Erfahrung von sexuellen Übergriffen, Probleme mit Sexualität haben. Schwierig finde ich, dass allgemein davon ausgegangen wird, dass es nach solchen Erlebnissen so sein muss und es bei jedem so ist. Oder, das andere Extrem, dass man völlig promiskuitiv, destruktiv durch die Betten fremder Menschen hüpft. Warum gibt es eigentlich immer nur das eine oder andere? Warum ist es so schwer nachvollziehbar, dass wir durchaus Interesse und Spaß an Sex haben? Sicherlich wird er bei uns auch das ein oder andere mal eingesetzt um zu kompensieren. Aber auch das schließt nicht aus, dass wir es dennoch genießen.

Wir könnten uns ein Leben ohne Sex nur schwer vorstellen und uns würde doch etwas (für uns) sehr wichtiges fehlen. Gegensätzlich dieser allgemeinen Annahmen, haben wir ein erfülltes, glückliches Sexualleben. Ich gehe auch soweit zu behaupten, dass wir deutlich offener und freier mit diesem Thema umgehen, als es viele andere Menschen tun, auch nicht Betroffene. Wenn ich da teilweise sehe, wie eingeschränkt einige Menschen in ihrer Sexualität sind, wie sehr sie sich schämen anzusprechen was sie gern haben, was ihnen gefällt, worauf sie Lust haben, welche Phantasien sie haben oder was sie gern mal ausprobieren möchten, stimmt mit das schon fast traurig. Traurig, weil ich das Gefühl vermittelt bekomme, nicht in Ordnung zu sein, wenn ich Sex und Männer immer noch toll finde.

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. sternendertrauer
    Nov 24, 2012 @ 12:34:44

    Hochachtung vor eurem mut und euren klaren Worten !
    Es gibt Menschen die können und wollen danach nicht mehr aber es gibt auch Menschen die Freude an initmitäten haben und das ist nicht falsch , nicht schlecht ! Menschen die anderes behaupten wissen es einfach nicht – sie springen alle auf den Zug der Vorurteile auf ! Tausend dank für diesen mutigen ehrlichen offenen Artikel

    Antwort

  2. pandorasshowcase
    Dez 07, 2012 @ 00:12:22

    Der Mythos, dass missbrauchte und vergewaltigte Frauen Sex und Männer verabscheuen müssen scheint sich recht hartnäckig zu halten. Nicht nur das, es sieht für mich auch oft so aus, als „wolle“ man das auch glauben.

    Ich hatte da auch schon ähnliche Gespräche wie du sie beschrieben hast. Einer sehr geschätzten Freundin von mir entfuhr es mal (konfrontiert mit der Tatsache, dass ich auch sexuelle Beziehungen zu Frauen unterhielt): „Ich konnte sowieso nie verstehen, dass du mit deiner Geschichte überhaupt noch mit Männern zusammen sein willst.“

    Außerdem missbrauchen nicht nur Männer und wenn wir uns unsere Geschichte betrachten, dann müssen wir sagen, dass die eher einen negativen Einfluss auf unsere Beziehungen zu Frauen hat.

    In einer anderen Situation wurde ich mal sehr heftig von einer Angehörigen einer Betroffenen angegangen. Vor Jahren schrieb ich mal kurze Zeit in einem Forum für Betroffene von sexualisierter Gewalt. Eine Betroffene berichtete dort von einigen konkreten, „technischen“ Schwierigkeiten beim Verkehr… und wie ich nunmal bin 😉 , versuchte ich einige praktische Tipps zu geben. Für die Betroffene war das in Ordnung. Die oben erwähnte Angehörige hingegen begann mich aufs Übelste zu beschimpfen, was mir denn einfallen würde so über Sex zu reden, keine Betroffene könne Sex je wieder genießen, das sei so und es wäre eine Frechheit, dass ich als Betroffene noch immer versuchen würde so zu tun als wäre Sex was „Normales“.

    Ich frag mich manchmal echt, was manche Leute da fürn Thema mit haben, wenn man sich nicht in seine Opferrolle ergibt…

    Antwort

  3. Claudia
    Jul 26, 2013 @ 16:23:03

    Ohne dich kritisieren zu wollen, aber Ich finde deinen Artikel ziemlich schädlich. Und zwar weil Missbrauchsopfer oft Probleme mit Sex haben und ein riesen Ekel.

    Erst wenn ein Opfer darüberhinweg ist, vielleicht kann es dann wieder Lust und Liebe empfinden.- Ich kann es heute noch nicht.
    Aber glaubt man deinen Zeilen,- ist jedes Opfer gleich eine geile Sau die an jeder Ecke einen abkriegen will. Denke mal nach was das für ein Opfer bedeuted.- nämlich das es gleich wieder den Mund hält und sich zurück zieht.

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jul 26, 2013 @ 18:29:43

      Hallo Claudia,
      zuerst auch ein danke für deine „Kritik “ auch wenn es keine sein soll 😉

      Es ist schade das du diesen Artikel so aufgefasst hast, denn zum einem haben wir das weder geschrieben noch gemeint.
      Es gibt viele Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfer, die ein Problem mit Sexualität haben, genauso wie es auch genügend gibt, die gerne Sex haben.

      Wie du aus sämtlichen unserer Artikel entnehmen kannst sind wir von klein auf Opfer (obwohl mir persönlich das Wort nicht gefällt) von sexueller Gewalt in sämtlichen Formen. Zu behaupten wir wären darüber hinweg oder man müsste dies sein, ist eine Verallgemeinerung die uns sehr widerstrebt. Wir kennen einige Betroffene die ebenfalls gerne Sex haben, trotz einer üblen Vergangenheit und trotz der Tatsache die Vergangenheit noch nicht verarbeitet zu haben und auch wir haben unsere Erlebnisse nicht mal im Ansatz verarbeitet.

      In diesem Beitrag haben wir ausschließlich von uns gesprochen und dies auch betont.
      Warum wir ihn geschrieben haben? Weil wir genauso wenig die Verallgemeinerung mögen in der es heißt, alle Betroffenen von sexuellem Missbrauch, sexueller Gewalt haben ein Problem mit Sex und ekeln sich oder haben Angst vor Männern.

      Vielleicht liest du den Beitrag nochmal und kannst sehen, dass wir auch einfach mal die andere Seite aufgezeigt haben, die es ebenfalls gibt und auch ganz klar betont haben, das jedes individuell mit seinen Erlebnissen umgeht, auch auf der sexuellen Ebene.

      Deine zwei letzten Sätze hingegen finde ich schon fast übergriffig, denn nirgendwo aus diesem Artikel geht hervor, dass wir uns irgendwelche Kerle an Straßenecken einsammeln oder dies für erstrebenswert halten nur um Sex zu haben. Und wenn du unsere Beiträge kennst, hast du gelesen, dass wir selbst Betroffene sind und uns durchaus in die Lage und Gefühlswelt genau dieser versetzen können. Wir sind sozusagen dauerhaft damit konfrontiert.

      LG

      Antwort

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