Wertlosigkeit

Unterschiedliche Welten, unterschiedliche Selbstwahrnehmung, unterschiedliche Werte.

Da haben wir einmal die Welt außerhalb der RiGaG, die allseits bekannte „normale“ Welt. In dieser Welt fühlen wir uns wertlos, nicht dazugehörig, nicht passend, fremd. Es gab Zeiten in denen das anders war, da haben wir etwas geleistet, Anerkennung über die Arbeit bekommen, funktioniert sozusagen. In dieser Zeit konnten wir unseren Wert daran messen was wir geleistet haben. Da war zum einen unsere Arbeit mit durchschnittlich 50 Stunden in der Woche, zum anderen alleinerziehende Mutter sein. Wir hatten eine Führungsposition, vorgegebene Ziele/Wünsche und die Entscheidung darüber, wie diese Ziele erreicht werden. Wir hatten Anerkennung/Wertschätzung unserer Arbeit von circa 100 Angestellten, von unserem Chef, von Geschäftspartnern, von Freunden, Bekannten, Familie.

Derzeit können wir das nicht leisten. Seit inzwischen drei Jahren sind wir arbeitsunfähig, seit kurzem bekommen wir EU-Rente befristet auf ein halbes Jahr erstmal.  Im Grunde haben wir derzeit nur noch die Aufgabe Mutter und Hausfrau zu sein und stoßen damit schon immer wieder an unsere Grenzen. Wobei das noch eine Untertreibung ist, wir sind dem derzeit tatsächlich nicht gewachsen.

In unserer Beziehung stoßen wir ebenfalls an unsere Grenzen oder auch an die Grenzen unserer Partnerin. Es ist schwer für sie, unsere Situation ertragen zu können, schwer nicht ständig in der Sorge um uns in Angst zu verfallen, schwer nicht selbst den Boden unter den Füßen zu verlieren und durchzudrehen. Als Folge der Überforderung entstehen auf beiden Seiten Unsicherheiten und Rückzug. Unsere Partnerin versucht, soweit es ihr möglich ist, Gefühle auf Distanz zu halten aber das hält nicht nur die negativen Gefühle fern, auch die positiven dürfen nicht zugelassen werden. Wir können es gut verstehen, könnten andersherum die Situation auch nur schwer bis gar nicht ertragen. Durch die dadurch entstehende Distanz verlieren wir auch hier das Gefühl wichtig oder wertvoll zu sein. Da hilft auch nicht das Wissen das es anders ist und man der Partnerin durchaus wichtig ist, sie uns durchaus für wertvoll hält. Wir selbst erleben uns als Belastung für alles und jeden und sicherlich auch für uns selbst.

Also suchen wir danach was für einen Wert wir haben und finden nur Katastrophen vor. Nur Dinge in denen wir versagt haben, aus verschiedenen Gründen. Wir können auch sehen, dass das Versagen durch verschiedene Umstände geprägt ist, wir vielleicht mit anderen Voraussetzungen nicht versagt hätten. So sehen wir aber dennoch nur das wir nichts geschafft haben was in dieser Welt wert hätte. Wir haben weder eine Ausbildung beendet, noch das Abitur oder das vor Jahren mal angefangene Studium. Wir haben eine gescheiterte Ehe hinter uns und nur langsam entwickelt sich der Mut sich für die Zukunft nochmal Ziele zu suchen. Sich überhaupt nochmal zu trauen aufzustehen und den Weg zu beschreiten. Dinge nochmal neu anzufangen. Langsam, denn die Angst erneut zu versagen ist immer da. Das Selbstvertrauen ist soweit im Keller, dass man sich nichts mehr zutraut. Hat ja bisher auch nicht geklappt, dann kann man es ja auch direkt lassen.

Uns fehlt das Gefühl in dieser „normalen“ Welt wertvoll zu sein. Und noch mehr, weil wir es so dringend als Gegengewicht brauchen zu dem Wert den wir in der RiGaG haben. Uns ist bekannt, dass unser Wert dort absolut abhängig von unserem Verhalten und unserem Handeln ist und das wir diesen Wert ganz schnell verlieren können. Es ist (nicht bei allen) bekannt, dass dieser Wert am Ende keiner ist, weil wir bei falschen Handlungen mit Strafe zu rechnen haben und nur dann Anerkennung erlangen und Wert haben, wenn wir im Sinne der RiGaG agieren. Aber, tun wir das haben wir Wert, haben wir unsere Aufgabe und für die Erfüllung dieser, auch Anerkennung.

Es ist eine große Herausforderung an der „normalen“ Welt festzuhalten, wenn man sich von ihr so weit entfernt fühlt, sie einem unglaublich fremd erscheint, man sie nicht versteht und den Anforderungen dieser nicht gerecht wird. Wenn es bei grober Betrachtung nicht so wäre als würde man in der RiGaG viel eher das Gefühl haben dazu zu gehören, seinen Platz zu haben, zu wissen was erwartet wird, zu wissen was die Zukunft bedeutet.

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Nov 27, 2012 @ 17:55:58

    Das ihr in der RiGaG ein Gefühl von Wert vermittelt bekommt ist von den Tätern durchaus erwünscht.
    Zuckerrohr und Peitsche, guter Cop böser Cop. Es sind genau diese Spielchen die euch vorgaukeln in der Gruppe Wert zu haben. Dabei ist es wie bei den beiden Cops, sie stehen beide auf der selben Seite, nämlich ihrer eignen und ihr einziges Ziel ist es den Tatverdächtigen zu kontrollieren.
    Damit ist dieser angebliche Wert nur leider keiner, denn Wert würde bedeuten das man etwas zu sagen hat, das man als Mensch geschätzt wird, das das Wort und die eigene Meinung Gewicht haben. Und darauf nun die Frage: habt ihr auch diesen Wert als geschätzte Stimme in der RiGaG? Oder ist es nur euer Wert als Ware, als Objekt?

    Euer Wert in der „normalen“ Welt hingegen ist sehr viel größer. Eure Freunde und Familie sind bei euch und für euch da, ohne das ihr etwas dafür tun müsst. Und selbst dann wenn ihr unbequem oder anstrengend oder einfach nur ’nicht nützlich‘ seid. Sie alle sind bei euch aus freier Entscheidung. Ihr verwechselt in eurer Sichtweise „Wert“ mit „Nutzen“.
    Es stimmt, ihr seid derzeit in der Gesellschaft nicht so „nützlich“ wie andere. Das ist aber aufgrund der Manipulation durch die RiGaG so, genau das soll euch ja ebenfalls an sie binden. Und im Grunde springt ihr genau darauf auch in eurem Beitrag an. Und weil sie euch so erzogen haben legt ihr euren Selbstwert über euren Nutzwert fest.
    Die normale Gesellschaft funktioniert so aber nicht. Die Wirtschaft mag so funktionieren, aber Familie, Soziales Umfeld, unsere Gesellschaft und unser ganzes Staatswesen ist anders: es ist eine Solidargemeinschaft, in der die Starken die Schwachen tragen. Und derzeit seid ihr eben nicht bei den Starken, auch wenn das in der Vergangenheit anders war. Und damit das ihr zu eurer starken Zeit euren Beitrag geleistet habt, erwarbt ihr euch das Recht, nun von den anderen getragen zu werden. Nur seid ihr dort wo ihr jetzt steht nicht aus Eigenverschulden gelandet.
    Ich finde ihr solltet zuerst das Wort „Wert“ für euch selbst neu definieren. Ihr seht euch noch selbst genauso wie man es euch beigebracht hat. Und im Kopf seid ihr damit noch immer an der Sklavenkette.

    Euch fehlt ein Ziel? Euch fehlt Anerkennung?
    Ihr kämpft um ein selbstbestimmtes Leben, das ist euer Ziel. Dieser Kampf kostet Kraft und wird von euch in jeder Sekunde, in jeder kleinen Situation in eurem Alltag ausgetragen.
    Eure Freunde und Familie unterstützen euch nach Kräften, damit erkennen sie euch an, damit erkennen sie die Große Leistung an die ihr vor habt zu vollbringen.
    Und nicht zuletzt hast du die Hochachtung von deinen Bloglesern für deinen Mut. Ihr seid ein Vorbild für alle die selbst um ihre Freiheit kämpfen oder dies noch vorhaben. Es mag der Mut der Verzweiflung sein der euch leitet und er mag auch nicht aus der Stärke geboren sein doch um so größer mein Respekt das du es trotzdem wagst. Denn aufgeben wäre um so vieles einfacher.

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