Mit (anderen) Worten

Wieder vergeht ein Tag der der Verzweiflung gewidmet ist. Ein Tag an dem man jegliche Hoffnung an den blutigen, rostigen Nagel in der Wand gehängt hat. Während das Blut langsam aus der Wand, über den rostigen Nagel hinweg, auf die Hoffnung rinnt und von dort, fast lautlos, auf den Boden tropft, hockt mitten im Raum der nackte Körper einer Frau. Der Frau, deren Hoffnung dort am Nagel hängt. Zitternd, leise nach Luft schnappend, verlassen und schutzlos ausgeliefert! Bespuckt und beschimpft, geschlagen und benutzt, gedemütigt und gequält, ein häufchen Elend!
Gestern noch stand sie aufrecht und gerade, von Hoffnung getragen. Nicht ohne Angst aber mit Wünschen, mit Träumen, mit Zuversicht und Kampfgeist, gestern noch.

Hinter den Wänden aus Glas, schütteln Zuschauer verständnislos die Köpfe, begreifen nicht die vor  ihnen ablaufenden Spielchen. Traurig über den Anblick des seltsamen Geschöpfes, traurig über die nicht zu übersehende Verzweiflung in den Augen. Ausgeschlossen, hilflos, nicht fähig einzugreifen, nicht fähig zu handeln, nicht fähig die Erniedrigung des seltsamen Wesens zu mildern. Nicht fähig die Verzweiflung zu stoppen, die Hoffnung vom Nagel zu heben um sie ihm wieder zurück zu geben.

Gestern noch haben sie die Hand der Frau gehalten. Hielten sie fest und gaben ihr den benötigten Halt um geradeaus zu laufen, gestern noch, bevor sie ihre Hände losließ, sich abwandt und in die andere Richtung zurück lief.

Das Wesen hockt auf dem Boden unfähig seine Glieder zu bewegen, unfähig aus eigener Kraft die Hoffnung zu erreichen. Ohne Hoffnung in den Händen fehlt der Glaube aufstehen zu können, ohne Hoffnung gibt es kein Ziel. Sie hockt da, zusammengekrümmt, die Arme um die Beine geschlossen als müsste sie sich selbst fest- und zusammenhalten.

Stunden vergehen, die Zuschauer verlassen ihre Stehplätze und wenden sich wieder ihren alltäglichen Belangen zu.

Das zerbrechliche Geschöpf versinkt in sich selbst, verliert sich irgendwo im Nirgendwo…

Tage später findet es sich wieder. Die Wände sind vom Blut gereinigt, ihr Körper frisch gewaschen mit sauberer Kleidung bestückt.
Alles nur geträumt?

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