Ein bisschen von allem

Unsere Gedanken spielen verrückt- sind verrückt. Heut wird es etwas durcheinander gehen, Themenhopping sozusagen 😉

Ständige Zweifel an allem und jedem. Grundlos setzen sie sich fest. Hätten wir nicht überleben sollen? Gingen unsere Mitmenschen davon aus das wir es nicht schaffen?
Bei der Therapeutin haben wir für das kommende Jahr erneute Termine bekommen. Grundsätzlich gibt es da auch nichts dran zu rütteln. Dennoch Fragen wir uns, ob sie nicht eher davon ausging, das wir nun nicht mehr sind? Ob sie den Therapieplatz nicht vielleicht schon wieder neu besetzt hat oder das gerne würde?
Warum fühlen wir uns schuldig noch zu leben?
Gleichzeitig bedrängen uns Ängste, man wird uns nicht mehr glauben können, weil wir noch leben. Wäre es wirklich alles so schlimm, wie wir es geschildert haben, hätten wir es doch nicht schaffen können!

Wir fühlen uns lächerlich und erbärmlich, als hätten wir unser Recht auf ein Leben verloren. Irgendwo in den letzten Tagen wurd es unbemerkt abgegeben und wird nun verzweifelt gesucht. Äußerlich wirken wir ruhig und ausgeglichen, unser Alltagsteam ist relativ entspannt und ausgeglichen. Es funktionieren wieder einige Dinge die in den letzten Wochen kaum bis gar nicht gingen. Im Haushalt geht es langsam wieder bergauf, es ist nicht mehr ganz so ein enormer Kraftakt. Mit dem Kind wird endlich wieder richtig gespielt zwischendurch. Unsere Innenkinder finden die Geschenke vom Kleinen so cool und *Schleichwerbung* Geomag ist richtig genial. Damit können wir uns stundenlang beschäftigen und bauen und wahrscheinlich wirds nicht lang dauern bis Teile dafür nachgekauft werden, damit man noch mehr und noch größer bauen kann 😉 Außerdem passierts uns zwischendurch, dass wir uns dabei erwischen zu lachen und Spaß zu haben, loszulassen. Es werden Pläne gemacht, überlegt was wir nun mit unserer Zukunft anstellen. Wir trauen uns und erlauben uns an die Zukunft zu glauben. Wir erlauben uns Ziele für uns zu suchen und Vorstellungen und Wünsche manifestieren sich.

Wir haben noch so viel vor, doch so viele Zweifel die uns ausbremsen. Mit denen wir uns selbst in ein Gefängnis der Einsamkeit und Fremdheit sperren. Mit denen wir uns fern halten, vom Leben und dem wirklichen Sein. Wir wünschen uns sehr uns wieder zu erlauben, unseren Hobbies nachzugehen, Dinge zu tun die wir gerne machen oder gemacht haben. Wir möchten das es weitergeht. Stillstand ertragen wir nicht gut. Stillstand bestätigt uns nur unsere Gefühle der Nutzlosig- und Wertlosigkeit.

In den letzten zwei Tagen hatten wir etwas Ruhe. Ruhe im Sinne von nicht ständig Leute um sich rum, abgesehen von unserer Familie. Wir haben diese Zeit gebraucht, zum durchatmen, sortieren, uns wiederfinden (noch nicht sehr erfolgreich), runterfahren.

Heute waren wir das erste Mal wieder draußen, nach etwas mehr als einer Woche eingeschlossen in der Wohnung sein. Das hat gut getan, Menschen sehen, Leben sehen, körperliche Aktivität. Auch wenn es (zumindest war das der Plan) nur zum Einkaufen gehen sollte. Unser Zwerg sollte auch mal wieder vor die Tür, hatte aber keine Lust uns zu begleiten und mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Also hat er seine Sachen gepackt, ein bisschen Geld mitgenommen und ist allein ein paar Kleinigkeiten einkaufen gegangen. Das findet er immer richtig super, fühlt sich wie ein  Großer weil er das alles schon kann. Wir also zum Auto unserer Freundin gestapft und beim öffnen der Fahrertür festgestellt, dass wir Besitzer eines kleinen Swimmingpools geworden sind. Es hat vor ein oder zwei Tagen kräftig geregnet und das Fenster der Fahrerseite scheint nicht so ganz dicht zu sein. Zumindest hatten wir hinten als auch vorne auf der Fahrerseite mindestens 15 cm hoch das Wasser stehen. Zur Belustigung unserer Nachbarn und der Leute im Restaurant gegenüber, haben wir also erst einmal 20 Minuten fleißig Wasser aus dem Auto geschöpft, Handtücher und Zeitungen darin verteilt, um dann endlich zum Einkaufen fahren zu können. Grundsätzlich wurde nicht viel benötigt, man hatte zuvor einen Einkaufszettel geschrieben mit weniger als 10 Dingen und man hat ihn sogar mitgenommen. Ansonsten sind wir eher meister darin geschriebene Einkaufszettel liegen zu lassen und im Laden dann keinen Plan davon zu haben, was man nun eigentlich dort wollte. Fazit des heutigen Einkaufs ist: Wir sollten nicht einkaufen gehen, wenn bestimmte Innenleuts nicht da sind und geregelt den Einkauf abarbeiten! Nach Hause gekommen sind wir mit fünf, bis zum Rand vollgestopften, Einkaufstüten, deutlich weniger Geld im Portemonnaie als geplant, einem furchtbar schlechten Gewissen, dennoch vollkommen entspannt. Manches was gekauft wurde, musste wohl auch einfach sein.

Und dann, immer wieder zwischendurch, tauchen Erinnerungen auf, Bilder die wir nicht sehen wollen, die nicht da sein dürfen, die ausbremsen.

Unser Alltagsteam kämpft dagegen an, möchte weiter kommen, in der realen Welt Fuß fassen, ein normales Leben führen, Ziele erreichen, etwas schaffen. Innen hingegen das totale Durcheinander, Verwirrtheit, Haltlosigkeit, Verzweiflung, Schmerz, Erinnerung, Angst. Innen schreit es nach gesehen werden, nach da sein dürfen, nach Aufmerksamkeit bekommen. Wir müssen einen Mittelweg finden, einen der es möglich macht beides zu kombinieren. Einen der das Chaos sortierbar macht.

Wir versuchen unsere Ängste zu verdrängen, wegzudrücken, zu überspielen, nicht wahrzunehmen um am Leben teilnehmen zu können. Hinter jeder Ecke wird jemand vermutet, der uns abfängt, mitnimmt, bestraft. Es wird kommen und wir wollen darauf vorbereitet sein, nur wie man sich darauf tatsächlich vorbereitet ist uns schleierhaft. Also versuchen wir es zu verdrängen, drauf ankommen zu lassen und dennoch zu Leben, die Wohnung zu verlassen, Einkaufen zu gehen und vielleicht schaffen wir es in der nächsten Zeit auch mal wieder laufen zu gehen.

Sport hat uns immer sehr gut getan und wir wünschen uns schon so lange wieder aktiver sein zu können, uns frei bewegen zu können, uns nicht mehr auszubremsen…

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Jan 03, 2013 @ 10:27:55

    Lasst euch, jedem von euch, die Zeit in dem neuen Leben anzukommen. Nicht nur für das Alltagsteam ist es derzeit schwer, vor allem eure Anteile der Nachtgesellschaft haben Vieles verloren und brauchen nun Zeit und Gelegenheit zur Neuorientierung. Ihr als System habt gewonnen, Einzelne unter euch haben dafür alles geopfert. Jene die den Gewinn einstreichen tun das auf Kosten derer die nun mit dem Verlust ihrer Lebensweise und Zukunftsperspektive zurechtkommen müssen. Ich bin überzeugt davon das es nun eines eurer Ziele sein sollte, den Gewinn mit allen zu teilen, anderenfalls wird ein wichtiger Teil von euch unglücklich bleiben. Dieses Ziel wird viel Zeit zur Verwirklichung benötigen.

    Zweifel und Ängste gehören zu einem neuen Lebensabschnitt, das ergeht kaum jemandem anders. Auf der anderen Seite konntet ihr in den vergangenen Tagen erleben wie sehr ihr euch auf euer soziales Netz verlassen konntet und dieses Wissen muss sich wahrscheinlich auch erst setzen.
    Das eure Therapeutin erst jetzt wieder Termine mit euch macht, wird kaum damit zu tun haben das sie nicht an euer überleben geglaubt hat, sondern damit, das sie Schritt für Schritt mit euch geht. Und jeder Schritt den ihr macht, erfordert es von eurem Umfeld aktuell darauf zu reagieren. Hättet ihr die Tage in der Geschlossenen verbringen müssen und der Aufenthalt dort hätte länger gedauert als geplant, wäre jetzt eine andere Hilfe von eurer Therapeutin notwendig gewesen, als es nun tatsächlich der Fall ist.
    Zögern resultiert nicht aus der Annahme des Scheiterns, sondern lediglich aus der Unsicherheit über die kommenden Bedingungen und Erfordernisse.

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jan 03, 2013 @ 12:19:02

      Hallo Orakel,
      die Gedanken bzgl unserer Therapeutin hast du, glaub ich, anders verstanden als sie hier gemeint waren. Wir hatten keine Sorge, weil wir „erst“ in diesem Jahr wieder Termine bekommen haben, denn die standen bereits vor Weihnachten fest und unsere Therapeutin hat uns auch nie das Gefühl gegeben, nicht an uns zu glauben oder nicht weitermachen zu wollen. Eher das Gegenteil war der Fall. Die Zweifel sind viel mehr wohl unsere eigenen Zweifel gewesen. Da wir selbst nicht daran geglaubt haben zu überleben, konnten wir nicht glauben, dass jemand anderes (so auch die Therapeutin) daran hat wirklich glauben können. Somit war hier die Angst, sie hätte uns die Termine gegeben, vielleicht auch um uns zu beruhigen, ist aber im Grunde davon ausgegangen uns nicht wiederzusehen. Diese Angst konnten wir glücklicherweise, mit ihrer Hilfe, wieder loswerden und hatten nun auch bereits den ersten Termin der gut verlaufen ist.

      Was du bezüglich unserer Nachtgesellschaft schreibst ist ziemlich zutreffend. Glücklicherweise wird es von mir aber derzeit sehr gut fern gehalten, wahrscheinlich würde es mich böse überfordern. Ich kriege hier vorn nur die Ausläufer mit sozusagen, unsere Partnerin begegnet derzeit aber häufig Anteilen mit denen sie bisher nicht zu tun hatte und bei denen sonst eher weniger das Bedürfnis vorzufinden war eine Orientierung im Aussen zu finden, glücklichrweise aber nicht die ganz finsteren Gestalten sondern einfach anders als wir, die sonst hier vorn rumschleichen. Da schleicht sich dann auch direkt wieder der ein oder andere Konflikt ein und ein neues Kennenlernen wird gefordert. Gleichzeitig bietet uns unsere Beziehung gerade sehr viel Halt und die Möglichkeit uns neu zu entdecken. Man lässt uns sein, spricht Unsicherheiten an und lässt uns Zeit uns langsam wieder zu finden. Wenn wir uns selbst das nun auch noch erlauben, könnte es tatsächlich erfolgreich werden 😉
      LG

      Antwort

  2. Orakel
    Jan 03, 2013 @ 14:11:57

    Dann habe ich den ersten Teil offensichtlich missverstanden.
    Aber gut, das der Glaube an euch der von außen kam, den fehlenden Glauben innen ein Stück weit ersetzen konnte 🙂

    Ich würde das als sehr positives Zeichen bewerten, das nun neue Leute vorne auftauchen. und wenn erst einmal die „Hellgrauen“ ihren Weg in das neue Leben finden können und wollen, schaffen das die „Dunkelgrauen“ auch. Und irgendwann vielleicht sogar die „Schwarzen“, oder zumindest einige von ihnen.
    Konflikte tragen immer das unschätzbare Potential in sich, durch ihre Auflösung das gemeinsame Vertrauen auf- und aus zu bauen. Allein der Umgang mit solchen Konflikten ist entscheidend.

    Willkommen in eurem neuen Lebensabschnitt 🙂

    Antwort

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