Bedenkliche Entwicklung

Es wird ruhig um uns, wortlos. Vielleicht werden wir in der kommenden Zeit weniger schreiben können, ich weiß nicht genau. So richtig weiß hier keiner was los ist und wir haben Zeitlücken, schwarze Löcher, unfüllbar mit eigenen Möglichkeiten. Zu abgetrennt, zu fremd, bedenklich. Wir machen uns Sorgen. Nicht um uns (vielleicht auch ein bisschen), viel mehr um nahe stehende, um unsere Familie (womit wir nicht die Herkunftsfamilie meinen). Wir schlagen uns mit Symptomen rum, mit denen wir in der Form lang nichts mehr zu tun hatten. Ist es ein Essprogramm was uns nicht essen lässt? Ist es eine Essstörung die uns nach Jahren wieder einholt? Wobei, wir fühlen uns nicht essgestört. Zumindest nicht so, dass es uns tatsächlich beeinflusst, gestörte Gedanken ja, gestörtes Verhältnis zum Körper und falsche Wahrnehmung auch (zumindest, wenn man den Worten von Freunden glauben schenken möchte) aber ich glaube nicht, dass es das ist was uns gerade steuert. Komplett ausschließen kann ich es aber auch nicht. Angefangen hat das ganze irgendwann Ende letzten Jahres mit Essprogrammen, inzwischen sind wir so verunsichert, dass wir es nicht mehr unterscheiden können. Vielleicht haben aber auch die Unbekannten die hier derzeit gehäuft rumschwirren irgendein noch unbekanntes Problem mit dem Essen. Gesund ist das längst nicht mehr, auch wenn es gewichtsmäßig noch kein Problem darstellt, dazu möchte ich es aber auch ungern kommen lassen. Bin vom Thema abgekommen. Eigentlich hatte ich nicht vor übers Essen zu schreiben. Als sich eine unserer Innenkinds eben mit der Freundin unterhielt, sprach die Freundin ihre Bedenken bezüglich der derzeit anwesenden Personen an und bei dem was sie sagte gehen hier sämtliche Alarmglocken an. Ihre Frage war: “ Sag mal L. du weißt ja meist recht viel. Weißt du wer die Person bei euch ist, die in der letzten Zeit soviel da ist, die eurer Mutter so ähnlich ist, so extrem cholerisch, laut und aggressiv? Kennst du sie?“ L. war genauso überrascht wie wir anderen auch! Jemand der so ist wie unsere Mutter???!!! Das geht gar nicht! Also wurde sie erstmal ausgefragt. Wie hat sie sich verhalten? Was meinst du, wenn du sagst wie unsere Mutter? Und ich sitz nur hier und könnte heulen! Ich ertrag echt viel aber das ist mir zuviel!!! Scheiß Kontrolllosigkeit! Scheiß Zeitlücken! Scheiß Hilflosigkeit! Scheiße alles! Es wurden keine gesetzlichen Grenzen überschritten, unsere eigenen jedoch! Das ist nicht in Ordnung. Die Vermutung der Freundin ist, das besagte Innenpersonen helfen wollen, weil wir einfach durch sind. Ich bin die letzte die nicht froh wäre gerade, wenn andere hier unterstützen. Das ist aber keine Unterstützung, das macht es nur schlimmer!

Langweilig wirds leider nie!

Wir liegen wach, sehnen uns nach Schlaf, nach Erholung, nach Pause. Nicht nach dem Tod, wie sonst so häufig. Nein, nur nach einer Pause. Nach einem ruhigen Tag, einer ruhigen Nacht, nach ausgeschlafen aufwachen.

Heute ging es uns gut in der Therapie. Es konnte über die letzte Stunde gesprochen werden, über Nähe, Distanz und Grenzen. Bei einer Übung dazu sind wir dann auch direkt an unsere Grenzen gestoßen, weil wir überhaupt nicht in der Lage waren das umzusetzen. Das wiederum hat uns echt erschrocken, wir hätten es uns absolut zugetraut.
Soviel zum Thema Selbstüberschätzung 😀

Der restliche Tag war nur noch anstrengend!
Unsere Partnerin ist überfordert von unserer enormen Anspannung derzeit, von unbekannten Innenpersonen die fast hauptsächlich da sind und wenn nicht ohne uns, dann neben und durch uns, die keine Beziehungen zu ihr haben, die wohl recht diskussionsfreudig sind. Führt zu Streit und kaum ist der eine geklärt gehts auch schon auf in den nächsten. Damit kommen wir wiederum nicht klar, die Streitereien machen uns fertig, sorgen für noch mehr Anspannung, noch mehr Innenstress, noch mehr emotionales Chaos.

Ach und dann, nicht zu vergessen, gab es mit dem Kind dann auch nur Ärger über Hausaufgaben nicht verstanden, weil hat nicht aufgepasst und überhaupt auch eigentlich keine Lust und aaahhhh!!!! Das was er in höchstens einer halben Stunde hätte erledigen können, zog sich über sage und schreibe dreieinhalb Stunden. Sein persönlicher Rekord und wir hoffen er hat nicht so schnell vor einen neuen aufzustellen! Dafür ist unser Nervenkostüm gerade echt nicht stabil genug! 

Nachdem dann alle im Bett verschwunden sind, wollten wir uns endlich eine Wärmflasche und einen Cappuccino machen und waren wenig erfreut als wir feststellen mussten, dass unser Wasserkocher ebenfalls nen schlechten Tag hatte und seinen Dienst quittiert hat.

Danach dann also zum guten alten Kochtopf gegriffen, Wasser gekocht und es beim Versuch es umzufüllen, komplett über uns zu ergossen. Zwei Liter kochendes Wasser reichten um uns den Rest zu geben. Unser kurzer Aufschrei und der Aufprall vom Topf auf dem Boden, sorgte dafür, dass Freundin und Kind erschrocken aus den Zimmern stürzten um uns zu retten. Was unseren Stress- und Aggressionspegel nur noch weiter nach oben schnellen ließ. Musste man doch jetzt, statt sich selbst erstmal beruhigen zu können, erstmal den Sohn beruhigen und wieder ins Bett bringen, danach die Freundin ankeifen, weil sie, helfen wollend, auf uns einredete, man soll doch bitte kühlen, was uns noch mehr überforderte…
Inzwischen waren wir total getriggert, konnten uns kaum auf den Beinen halten und heulten hysterisch, während irgendwer von uns das Wasser vom Boden entfernte.
Der nächste Versuch der Freundin konnte dann etwas freundlicher zurückgewiesen werden. Man bat sie einfach nur zu gehen und allein sein zu dürfen, was sie dann auch tat. Es hat nun über vier Stunden gedauert uns zumindest im Außen soweit zu beruhigen, dass wir nicht mehr heulend, zitternd und übergebend über der Toilette hängen, sondern zitternd, frierend und ohne Wärmflasche, mit allen verfügbaren Kuscheltieren und Decken vor dem Fernseher auf der Couch.

Die getriggerten Anteile sind längst noch nicht beruhigt und wir sind völlig durch.

Schlafen wäre jetzt wirklich nett!

Sonntags morgens um acht

Man war das früh heut morgen! Um acht klingelte es bereits an der Haustür, kurz danach auf dem Handy. Die Türklingel war noch abgestellt und wir haben verschlafen. Der wachreißende Klingelton und der Blick auf das Handy ließen uns sofort hellwach aus dem Bett springen. Unten vor der Haustür stand bereits der Handballtrainer unseres Kleinen um uns zum Spiel abzuholen. Und während wir ihn aus dem Bett und uns selbst im Schale schmeißen, verfluchen wir beide kleinlaut die Leute, die dafür zuständig sind Spieltermine und Zeiten festzulegen.
Ganz im Ernst, wer möchte bitte an einem Sonntagmorgen sooo früh aufstehen?
Aber egal, wir haben uns raus in die Kälte und den Regen gestürzt, den gute Laune Button auf dem Weg durchs Treppenhaus gedrückt und schon war das übliche Lächeln zurück auf dem Gesicht.

Nichts mehr zu sehen von dem Schlafentzug, auch wenn sämtliche Gliedmaßen sich anfühlten als wären sie frisch durch den Fleischwolf gequetscht.

Beruhigend, dass wir nicht die Einzigen waren, denen, Sonntag früh um acht, nicht nach Handball ist. Die Hälfte der Mannschaft hatte kurzfristig abgesagt und so war dann nur noch die Minimalbesetzung da und das Spiel lief katastrophal. Wären wir wohl doch lieber im Bett geblieben. Der Heimvorteil der anderen Mannschaft, eine Stunde mehr Schlaf, hat sich ausgezahlt 😉

Den Rest des Tages haben wir bisher mit putzen verbracht und mit unseren inneren Kämpfen, wovon es doch einige gibt derzeit.

Morgen haben wir wieder Therapie, wir werden sicher einiges an Energien aufbringen müssen, um dort anzukommen. Würden doch so einige gerade lieber die Beine in die Hand nehmen und wegrennen. Glücklicherweise ist unser Auto wieder nutzbar, das erspart dann zumindest die weiteren Schwierigkeiten.

Gestern hatten wir wieder eine Verabredung mit einer Vertrauten und ihrem Hund. Von dem letzten Treffen hatten wir hier bereits erzählt. Wieder lief es richtig gut, keine Angst vor dem Hund und das obwohl die Anspannung ansonsten schon recht hoch war. So ging es uns bis zu dem Treffen gar nicht gut, Schwindel und Übelkeit hatten uns absolut im Griff und kurz vorher beförderte man den restlichen, nicht vorhandenen Mageninhalt, auf dem schnellstmöglichen Wege in die Bad-Keramik-Schüssel.
Nachdem wir dann aber draußen waren beruhigte sich das relativ schnell und so konnten wir ein paar schöne Stunden genießen und uns am Ende noch gemütlich im Restaurant, mit einem leckeren Latte Macciato, aufwärmen.
Auf der Rückfahrt bot besagte Vertraute an, später am Abend zu uns zu kommen, um uns sicher durch die Nacht zu begleiten, was wir dankend angenommen haben.

Und wieder ist es der Kampf mit dem Positiven, der Kampf nicht sämtliche gut tuenden und helfenden Kontakte zu zerstören, die Angst so groß, immer wieder die vorsichtige und unsicherere Nachfrage, ob man uns immer noch mag. Oder haben wir es doch geschafft endlich zu beweisen wie schlecht wir sind? Und wenn jetzt nicht, dann kommt es noch, sobald uns diese Helfer näher und besser kennenlernen. Sobald sie hinter die freundliche, lächelnde Fassade schauen und feststellen, welche hässlichen Grimassen sich dahinter verbergen. Grimassen, die nur zum Schein und dem Zweck der Täuschung  die freundliche, lächelnde Fassade schützend vor sich tragen.

Hate those nights! *trigger*

I hate those nights! I’d like to kill myself. Take a knife and feel the blood running down, falling on the floor!
Time to say goodbye! That’s the only way to feel good. I do not, everything’s okay. Of course it’s okay.

Take my head pounding through the wall. I’d like to do this since it’s over, but I don’t. Only a few times.
I’d like to take the knife, but I know it isn’t ok. I’d like to die, but I have  to stay. Staying in a life, I won’t live in!

Oh sorry, everything’s alright! I’m fine!

Therapiechaos! Wie konnte das passieren?

Irgendwas wurde heut angestoßen.
Wiedergefunden habe ich mich in. den Armen unserer Therapeutin. Heulend und zitternd. Heulend? Was ist los? Sowas passiert uns doch nicht!

Früher, also so vor zwei Jahren, waren wir ganz klar der Meinung, dass wir keine Therapie wollen die zu eng ist. Wir wollen nicht abhängig werden, keine Sehnsucht nach einer Therapeutin haben. Wir wollten keine Therapeutin, die uns in den Arm nimmt.

Und jetzt haben wir genau das. Eine Therapeutin die mit einer unserer kleinen da sitzt, sie im Arm hält und mit ihr spricht. Sie ist da!

Angst, Angst, Angst, Angst, Angst!!!

Die Therapeutin darf nicht so wichtig werden! Abhängigkeit ist gefährlich! Warum ist sie so zu uns?! Warum bemüht sie sich für uns?
Ist ihr Job, kriegt Geld dafür. Das ist der Grund.
Und dann kommt die Angst. Wenn wir zulassen, wenn wir uns öffnen, wenn wir vertrauen. Dann kommt der große Knall. Dann laufen die Stunden irgendwann aus, dann ist sie weg!

Über: Rückmeldungen die verwirren! Oder: Positive Überforderung!

Wir sind überwältigt und sprachlos.

Angefangen damit, dass wir auf den Beitrag, in dem wir über unsere Wut unserer Mutter gegenüber geschrieben haben, einige Rückmeldungen kamen, die uns arg überfordern, gleichzeitig aber unglaublich gut tun.

Es fällt uns selbst oft schwer zu erkennen, wie schlimm unser Leben bisher teilweise verlief. Selbst jetzt, wenn wir hier das Wort „schlimm“ nutze, kommt es mir wahnsinnig übertrieben vor. Als würde ich mich wichtig machen wollen, in den Mittelpunkt drängen wollen, Ausreden für mein jämmerliches im Leben zurecht finden suchen, als würde ich lügen, mir etwas aus den Fingern saugen.

Irgendwie stimmt es auch, denn warum schreiben wir diesen Blog? Warum sprechen/schreiben wir über unsere Vergangenheit und Gegenwart, über unsere Familie, Dinge die uns beschäftigen, unsere Probleme und Erfolge usw.

Natürlich weil wir gesehen werden wollen, weil Teile unseres Systems nicht mehr schweigen können/wollen. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass diese Parallelwelten nicht mehr im Verborgenen bleiben, wir möchten auffordern zu reagieren und nicht weg zu schauen, wir möchten auffordern zu Hinterfragen und nicht zu verurteilen. Für uns möchten wir die Möglichkeit nutzen, unaussprechliches zumindest aufzuschreiben, zu teilen, zu verarbeiten ( zumindest ein bisschen), unseren Käfig in winzig kleinen Schritten zu verlassen. Hier müssen wir nicht so viel Show machen wie im Alltag, nicht funktionieren, nicht lächeln (sieht ja eh keiner), nicht vollkommen kontrolliert sein. Hier ist es uns möglich, das zu sagen, was wir sonst nicht über die Lippen bekommen, weil es uns viel zu lächerlich scheint, zu unberechtigt, zu falsch, zu Scham behaftet, zu intim und überhaupt unmöglich.

Wenn wir nun Kommentare lesen, in denen steht, dass es jemanden sprachlos, zornig, betroffen macht, sollte es uns wohl nicht wundern. Dennoch tut es genau das. Es wundert uns? Haben wir es vielleicht schlimmer dargestellt als es war? War es wirklich so schlimm? Sind die Reaktionen anderer darauf normal? Wie weit sind wir dann von dem „normal“ weg? Übertreiben wir nicht einfach nur? Sind wir unfair unserer Familie und unseren Tätern gegenüber? Haben sie das wirklich verdient? Ist das in Ordnung was wir hier machen?

Unsicherheiten über Unsicherheiten. Und gleichzeitig tut es uns so gut, wenn anerkannt wird, dass wir keine schöne Kindheit hatten, dass unsere Familie nicht gut mit uns umgeht, das es traurig ist, unbegreiflich ist (das ist es für uns auch), sprachlos macht. Es tut uns gut diesen Raum zu haben, gesehen zu werden und dennoch nicht angesehen zu werden.

Wir sind dankbar für jeden einzelnen Kommentar, für jeden lieb gemeinten Wunsch und jedes Kraft spendende Wort!

Und gestern schleichen wir um die Kommentare herum und sind unfähig eine Antwort zu schreiben, nicht einmal ein kleines Danke oder so wollte gehen, einfach weil sie uns komplett überfordert haben 😉

Dann plötzlich, später am Abend, haben wir eine E-Mail bekommen, die uns noch viel sprachloser gemacht hat, die uns so gut getan hat, die einfach so ohne Anlass kam.

Da schreibt uns jemand einfach so, einfach nur, um uns was gutes tun zu wollen. Einfach nur so! (krass ne?!?)

Die Überschrift ließ erahnen, was da kommt. Sie lautete: nur ein paar aufmunternde Worte 🙂

Da wird uns geschrieben, dass man uns lieb hat, dass man uns als wertvoll empfindet, dass man uns noch besser kennenlernen möchte, dass man sich auf uns freut.

Wahnsinn!!! Danke!!! Jetzt ist die Überforderung perfekt 😀

Warum unsere Mutter ist, wie sie ist.

Es ist äußert interessant, ja vielleicht sogar bedenklich, dass wir, seit wir gestern hier über unsere Mutter schrieben, ein enormen Drang haben, euch allen (vielleicht auch uns selbst) zu erklären, warum unsere Mutter so ist, wie sie ist. Das sie ja nicht anders konnte, selbst keine besseren Erfahrungen gemacht hat, dass sie das niemals gewollt hätte, wenn sie nicht selbst so gefangen wäre.

Immerhin, uns ist irgendwo auch noch klar, dass es schwachsinnig ist, sie zu verteidigen oder Rechtfertigungen für sie zu suchen. Aber damit dieser enorme Drang, schnell wieder alles gut zu machen, etwas abnimmt, werden wir nun dennoch schreiben, warum unsere Mutter ist, wie sie ist 😉

Unsere Familie mütterlicher seits ist seit mindestens drei Generationen fest in der RiGaG verankert. Unser Großvater (also der Vater unserer Mutter), war ein recht hohes Tier und hatte ne Menge zu sagen. Wir haben immer unter seinem persönlichen Schutz gestanden und es kam uns sicher zu gute, dass geplant war, dass wir in seine Fußstapfen treten. So hatten wir einen gewissen Wert innerhalb der RiGaG. Für unsere Mutter galt das nicht, was sicherlich auch in einer gewissen Art und Weise zu Eifersucht uns gegenüber geführt hat, wenn auch nicht unbedingt bewusst. Gleichzeitig bekam sie Anerkennung, wenn sie in unserer Erziehung wieder etwas „richtig“ gemacht hat (aus der Sicht der RiGaG) und hat sicherlich ihr Wertgefühl damit aufbessern können. Was für sie aber sicherlich auch galt, war eine ähnliche Art der Erziehung durch die RiGaG und durch besagten (Groß-) Vater. Auch unsere Großmutter war/ist (irgendwie) eingebunden, wobei wir da bisher nicht sagen können in welcher Form, es wäre wohl noch zu schmerzhaft, da genauer hinzugucken. Mit ihrer Tochter, unserer Mutter, haben wir sie nie liebevoll erlebt, eher abwertend, verachtend, kalt und erniedrigend. Noch heute, wenn unsere Oma über ihre Tochter spricht, lässt sie kein gutes Haar an ihr.

Unsere Mutter hatte aber noch ein anderes Problem, nämlich keine Möglichkeit sich in einem Leben ausserhalb der RiGaG umzusehen, bzw. diese Möglichkeit erst viel zu spät, als sie sie nicht mehr nutzen konnte. Der ideologische Hintergrund unserer RiGaG ist gemischt aus Esoterik, Spiritualität, Satanismus und einem Hauch von allem anderen was man nutzen kann. In Teilen recht alltagstauglich angepasst, zum Teil aber auch ganz schön schräg und abgehoben. Das Umfeld unserer Mutter besteht (und das schon seit vielen vielen Jahren) ausschließlich aus Menschen, die selbe oder ähnliche Ideologien vertreten, beruflich ist sie ebenfalls RiGaG- tauglich  unterwegs.

Wir vermuten, dass die Ehe mit unserem Vater für sie hätte ein Ausweg sein sollen, die Flucht in ein anderes Leben, denn geliebt hat sie ihn sehr. Leider scheint er nicht stark genug gewesen zu sein, um ihr die benötigte Sicherheit zu geben. Er war selbst in sich zu instabil und für sie keine Hilfe.

Wir wissen, dass unsere Mutter im Alter von etwa 35 Jahren einige Termine bei einer Therapeutin wahrgenommen hat. Sie wusste nicht warum, hatte „nur“ mit verschiedensten Symptomen zu kämpfen, die sie nicht zuordnen konnte, nicht (be-) greifen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie keinerlei Erinnerungen an die Gewalt und den Missbrauch, den sie selbst erlebte. Nach einigen Terminen, bekam sie Erinnerungen, nur einige wenige. Diese waren für sie aber so zerstörend, so schrecklich, das sie nicht weiter hingucken konnte. Sie war abhängig von den Menschen, die ihr das angetan haben, allein und mittellos (zumindest ließ man sie das glauben), mit zwei kleinen Kindern. Sie wollte und konnte diesen Erinnerungen keinen Raum lassen, war nicht in der Lage die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Nicht weil sie ihre eigenen Kinder nicht schützen wollte, sondern weil ihr nicht bewusst war, das es nicht schon längst vorbei war, dass ihre Kinder genauso betroffen sind, wie sie selbst. Sie hielt es für alte Erinnerungen und wollte nichts vergangenes wieder aufwühlen.

Bei all dem ist fast davon auszugehen, dass unsere Mutter ebenfalls multipel ist, auch wenn wir uns da, Systemintern, nicht einig sind. Hoch dissoziativ ist sie aber auf jeden Fall.

Unsere Mutter hat uns immer sehr geliebt, sicher auf eine kranke Art und Weise. Sie wollte mit uns immer eine Einheit bilden, in uns jemanden haben, der ihr so nah ist, wie sonst keiner. Den sie lieben kann! Unser Bruder, ihr erstgeborenes Kind, steht da weit hinter uns, hält ihr aber bis heute die Stange.

 

 

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