Geh niemals eine Bindung ein!

Geh niemals und unter keinen Umständen, eine Beziehung/Bindung ein, die gefährlich werden kann! Gefährlich im Sinne von zu nah, zu emotional, zu eng, zu wichtig, vielleicht (gefühlt) lebensnotwendig.

Eine Zeit lang war es für uns lebensnotwendig keine Beziehungen einzugehen, keine emotionalen Beziehungen, solche, die einen erpressbar machen. Wir haben gelernt ohne Bindung zu leben, das gibt Sicherheit im eigenen Selbst. Wir haben gelernt, dass es uns egal sein muss, wichtige Dinge oder Menschen zu verlieren.

Heute zeigt sich das darin, dass wir wissen, egal was oder wen wir verlieren, würde es uns im schlimmsten Fall für ein paar Tage niederschmettern und/oder ins Chaos stürzen, danach würden andere von uns aufstehen und weitermachen, sich der neuen Situation anpassen und ihren Weg damit finden. Wie auch immer der dann genauer aussehen würde,  dass ist sicher abhängig von der Situation.

Das mag ja erstmal richtig stark klingen, nach jemandem der in sich so gefestigt ist, dass er auf eigenen Beinen stehen kann und nichts seinen Stamm umhauen kann. Am Ende zeugt es aber eher von einer ziemlich gestörten Gefühlswelt. Uns stimmt es eher traurig.

Im Zuge unseres Ausstiegs und den damit verbundenen Entscheidungen der letzten Monate, haben wir uns mehr als einmal Gedanken über genau diesen Punkt machen müssen. Jeder der das Leben in einer RiGaG kennt oder der sich schon etwas mehr damit auseinandergesetzt hat, wird wissen, dass dort viel mit Ängsten gearbeitet wird, mit Druck, Erpressung und dem Anschein von Macht (und manchmal ist es auch nicht nur der Anschein). Es wird damit gedroht, dass dem Kind etwas passieren könnte oder dem Partner, dass einer nahestehenden Person ein Unfall passieren könnte, dass andere, noch in der RiGaG verankerte, dafür bezahlen/bestraft werden usw. die Liste ist unendlich lang und an die zu bedrohende Person anzupassen.

Und wenn man in einer RiGaG aufgewachsen ist, hat man meist über viel Jahre gelernt, dass diese Drohungen nicht nur leere Drohungen sind, sondern ganz schnell böse Realität werden können.

Nun ist es bei uns nicht so, dass wir keinerlei Beziehungen oder Bindungen eingehen, allerdings wissen wir, bei jedem in unserem Umfeld, wie wir damit umgehen, wenn er/sie weg ist. Sei es nun komplett verschwunden, weil nicht mehr lebendig auf dieser Erde oder aber aus unserem Leben verschwunden, aus welchem Grund auch immer. Das ist auch etwas, was immer und immer wieder überprüft wird und wenn man dann doch mal die festgesetzte Grenze der selbst-erlaubten Bindung überschreitet und man sich nicht mehr sicher sein kann, wird die Beziehung/Bindung wieder in einen Status zurück versetzt, der überschaubar und einschätzbar bleibt.

Beim Schreiben entwickelt sich eine Abscheu vor unserer eigenen Kälte, diesem abgeklärt sein, diesem Wissen, dass uns nichts das Genick wirklich brechen kann, es sei denn man bricht es uns direkt 😉

Es fühlt sich nicht gesund, nicht gut an. Sicherlich auch, weil wir wissen, dass es purer, über viele Jahre hinweg trainierter, Selbstschutz ist und Teil unserer Überlebensstrategie.

Es fühlt sich nicht gut an, wenn man weiß, dass egal welcher Verlust es wäre, er nur für kurze Zeit offensichtlich weh tun würde. Man würde wieder spalten, Innenpersonen den neuen Gegebenheiten anpassen und so würde es weitergehen, immer weiter. Die ein oder andere Person unseres Systems würde sicherlich dabei draufgehen, dran zerbrechen, irgendwie sowas. Am Ende wäre aber (wieder) ein Alltagsteam da, welches einfach weitermachen würde, unbemerkt oder unbeeindruckt von den vorherigen Geschehnissen,

…das macht uns traurig…

Ergänzung:
und das schlimme ist: innerlich sind wir unsicher, klein, verletzt, allein, einsam. All das ist nur die riesengroße Schutzmauer, damit niemand im Außen erkennt wie zerbrechlich und zerbrochen wir sind, damit es niemand wagt uns so nahe zu kommen, dass diese Mauer bricht.

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Jan 07, 2013 @ 18:19:06

    Nach einem gesunden und ausgeglichenen Gefühlsleben klingt das tatsächlich nicht. Wissen deine Freunde und deine Familie das du so fühlst? Und wenn ja, wie gehen sie damit um?
    Würde meine Frau so fühlen, würde mich das sicher zuerst sehr irritieren. Beziehungen leben allerdings nicht von den Gefühlen allein, Loyalität und Zuverlässigkeit sind ebenfalls wichtige Pfeiler. Ich glaube mir wäre das deshalb am Ende gar nicht so wichtig, sofern ich die Gründe kennen würde.
    Deine Gefühlsdistanz klingt nicht nur nach Selbstschutz, sondern auch nach Schutz für dein Umfeld. Wenn dir letztlich niemand wirklich nahe steht, ist jeder in deiner Familie und Freunde als Druckmittel gegen dich nutzlos und damit auch ein Stück weit vor Repressalien geschützt.

    Eines Tages, wenn du dich sicher genug fühlst, wirst du diese Einstellung ablegen können. Das dieser Tag kommen kann, verdankst du dann vielleicht genau deiner jetzigen Einstellung. Das ist doch das wichtigste, oder nicht?

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jan 08, 2013 @ 02:57:17

      Seit deiner Antwort überlegen wir, was du gemeint haben könntest mit der Frage ob Freunde und Familie von diesen Gefühlen wissen und das es dich, würde es deine Partnerin betreffen, irritieren würde.
      Also, nicht falsch verstehen, das wir unseren Umgang damit nicht unbedingt für gesund halten, lässt sich ja aus dem Artikel erkennen.
      Dennoch ist es ja so, das wir, auch auf der emotionalen Ebene, Beziehungen führen. Wir lieben durchaus, sehr sogar und allen voran unsere Familie. Diese Liebe ist echt, nicht nur eine Verbindung aus Loyalität oder einer Basis von vertrauen, wobei das unweigerlich miteinander verknüpft ist. Denn um jemanden so umfassend lieben zu können ist vertrauen und loyalität nötig.
      Vielleicht haben wir nicht ganz geschafft auszudrücken was wir sagen wollten, manchmal fällt es uns schwer die Worte zu finden, die beschreiben was wir meinen, vielleicht verstehen wir auch deine Irritation einfach nicht. Ist es wichtig für diese, uns nahen Menschen, zu wissen? Würde das etwas an den Beziehungen verändern? Erneute Unsicherheiten bei allen Beteiligten auf sämtlichen Ebenen schaffen?
      Vielleicht ist auch der falsche Tag um zu verstehen oder auszudrücken.

      Antwort

  2. Orakel
    Jan 08, 2013 @ 17:25:42

    Ich finde es gibt keine falschen Tage um im Gespräch zu einem besseren gegenseitigen Verständnis zu kommen.

    So wie du es jetzt noch einmal erklärt hast verstehe ich sehr viel besser was du meinst. Und du hast recht, deine Freunde und Familie könnten tatsächlich missverstehen wie du fühlst, würdest du deine Einstellung darlegen. Dieses Risiko einzugehen würde ich, wäre ich an deiner Stelle, nicht wagen. Im übrigen habe ich nicht angezweifelt das du deine Familie nicht lieben würdest. Jeder Mensch liebt anders, es gibt da keine allgemeingültigen Regeln.
    Meine Irritation entstand, weil ich die Schilderung der Natur deiner Gefühlswelt nicht so richtig nachvollziehen konnte. Sehr wohl kann ich aber deine Gründe verstehen und die kann ich gut nachvollziehen. Deshalb empfinde ich dein Denken letztlich auch nicht als negativ.
    Ich bin der Meinung das Liebe nicht nach Gegenleistung fragen sollte oder danach wie Ausgeglichen sie erwidert wird. Wenn meine Partnerin mich so liebt wie sie kann, dann soll mir das genügen. Mir wäre, wie in deinem Fall, nur wichtig die Gründe zu verstehen und die verstehe ich sehr gut. Mehr noch, ich halte sie sogar für überaus vernünftig.

    Antwort

  3. Orakel
    Jan 08, 2013 @ 17:27:54

    P.S.: kleiner grammatischer Fehler, ich wollte schreiben: Ich habe nicht angezweifelt das du deine Familie lieben würdest.

    Antwort

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