Vermisst

Autsch! Da sappt man nichts suchend und nichts ahnend durchs abendliche Fernsehprogramm, braucht irgendwas was einigermaßen erträglich ist und ablenkt, bisschen Geräuschkulisse von außen tut ganz gut, hält in der Realität, bestätigt in der eigenen Wohnung zu sein, heute.

Bei „Vermisst“ sind wir dann hängen geblieben. Eine Frau mit einer nicht so schönen Kindheit, vom Stiefvater im Suff, er war Alkoholiker, geschlagen worden, die Mutter wohl auch nicht so super, hab es allerdings nicht ganz mitbekommen, in verschiedenen Heimen aufgewachsen.
Ihr größter Wunsch zu ihrem 50 Geburtstag, sie möchte ihren Vater kennenlernen, hat ihn noch nie gesehen, kennt nur den Namen und hat sich als Kind immer wenn es zu schlimm wurde gewünscht, ihr Vater würde kommen und sie einfach mitnehmen. Egal wohin, hauptsache nach Hause, wo auch immer dieses Zuhause dann wäre.

Wie gut wir diesen Wunsch kennen! Wir sind ohne unseren Vater aufgewachsen, durften auch nichts zu ihm fragen und nur sehr selten rutschte der Oma mal etwas zu ihm aus dem Mund. Meist unterbrach sie sich selbst dann schnell wieder und bei nachfragen gab es immer die selbe Antwort. Er hat unserer Mutter sehr weh getan, sie hätte ihn so geliebt und er hat sich einfach eine neue Familie aufgebaut. Wenn wir ihr nicht noch mehr wehtun wollen, sprechen wir am besten gar nicht mehr über ihn.

Wir haben uns so oft nichts anderes gewünscht, als das er uns rettet. Das er kommt und uns befreit! An diese Gedanken haben wir uns förmlich geklammert, sie hielten uns am Leben. Immer wieder der Traum ihn irgendwann zu treffen, von ihm geliebt zu werden, beschützt zu werden, zu ihn zu gehören, nicht mehr alleine sein.

Bei „Vermisst“ hat die Frau ihren Vater getroffen, er hat geweint, sich entschuldigt, gesagt das er sich 50 Jahre lang gewünscht hat sie zu treffen, dass er nicht sterben wollte bevor er sie nicht gesehen hat.

Das ist eine schöne Reaktion. Sie macht die 50 Jahre nicht wieder gut aber sie ist ein Anfang von einem zueinander finden.

So etwas hätten wir uns sehr gewünscht, würden es wohl auch heut noch gern hören. Bekommen haben wir es leider nicht. Wir haben ihn getroffen, Kontakt gibt es nicht.

Es tut weh und er fehlt uns noch immer unglaublich doll. Wir wünschen uns noch immer, das er irgendwann anruft und uns treffen möchte oder eine Email von ihm  in unserem Account aufpingt. Meinetwegen darf er auch einfach vor der Tür stehen, er dürfte jederzeit rein.
Aber das wird wahrscheinlich nicht passieren. Wir sollten diesen Traum ziehen lassen, sind erwachsen und nicht mehr auf seine Rettung angewiesen.
Dennoch sehnen wir uns nach ihm, hätten ihn gern an unserer Seite. Wenigstens einen kleinen Teil Familie, einen winzig kleinen. Unsere Ansprüche sind nicht groß, mit ganz wenig Familie würden wir uns zufrieden geben.
Erbärmlich immer noch darauf zu warten. Wirklich erbärmlich!

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4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. strandkrabbe
    Jan 13, 2013 @ 22:53:32

    Ich finde es gar nicht erbärmlich, dass ihr noch immer darauf wartet. Ihr habt jedes verdammte Recht darauf, euch nach etwas zu sehnen, was ihr nie fühlen und nie kennenlernen durftet. Und Sehnsucht ist ein wirklich schlimmes Gefühl.

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jan 13, 2013 @ 22:58:41

      Aber ist es nicht dumm hinter etwas her zu laufen, dass es für uns nicht geben wird? Sich etwas zu wünschen, was aussichtslos ist?

      Antwort

      • strandkrabbe
        Jan 13, 2013 @ 23:16:33

        Nein, es ist nicht dumm!!!!!!! Wir sind 39 fast 40 Jahre hinter etwas hergelaufen was wir für aussichtslos hielten. Und wir haben auch nicht mehr daran geglaubt, dass dieser Wunsch jemals in Erfüllung gehen könnte. Und nun können wir nicht glauben, dass es real ist, dass wir das heute nicht mehr ersehnen und phantasieren müssen, weil es ganz wirklich da ist.
        Vielleicht ist es nicht möglich, dass euer leiblicher Vater diesen Wunsch erfüllen wird. Vielleicht wird das so sein. Aber das heißt nicht, dass eure Sehnsucht nach einem Vater, der positiv da ist und euch beschützt nicht in Erfüllung gehen kann. Und vor allem bedeutet es nicht, dass diese Sehnsucht falsch ist.

      • Mosaiksteinchen
        Jan 14, 2013 @ 22:14:43

        Ich glaube wir sind da ganz schnell in dieser negativ-Bewertungs-Spirale-sobalds-Gefühle-betrifft.
        Darf man nicht haben, darf man nicht äußern und wünschen darf man schon mal gar nicht.
        Danke,

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