Eine Innenperson berichtet: Wie ich erfuhr, dass wir viele sind und wie es für mich war.

Dies ist ein Bericht den eine Innenperson von uns vor ein paar Jahren geschrieben hat, als ihr bewusst wurde, dass sie Eine-von-Vielen/ multipel ist. Ein Bericht darüber, wie sie es für sich erlebt hat. Wie gesagt, einige Jahre her und inzwischen hat sich natürlich schon das ein oder andere geändert.

Was ist das für ein Gefühl, zu erfahren das man sich nicht alleine in diesem Körper befindet? Was geht da in einem vor?

Ich kann es nur aus meiner Sicht schildern. Es gab zuvor viele, wirklich viele Dinge die ich mir einfach nicht erklären konnte. Zeit von der ich nicht wusste was passiert ist. Menschen die mich angesprochen haben, mich kannten und ich sie nicht, Situationen, für die ich mir oder anderen mein Verhalten nicht erklären konnte. Viele Momente in denen ich an mir und meinem Verstand gezweifelt habe, weil so unendlich viele Dinge passiert sind, die so gar nicht zu mir passen.

Anfangs habe ich wohl auch diese Situationen gut verdrängt oder nicht wahrgenommen. Nach und nach wurde es mir allerdings immer bewusster, was dazu führte das ich mich für absolut verrückt und unnormal gehalten habe. Dann begann die Zeit in der ich Stimmen hörte. In mir gab es Unterhaltungen. Mein Tun wurde kommentiert und ich hörte weinen und bitten. Das war der Zeitpunkt an dem ich alle Hoffnung aufgab nur ein wenig “normal” zu sein. An dem ich dacht: Du bist verrückt dir kann niemand mehr helfen. Am liebsten wäre ich vor mir selber davongelaufen. Aber bekanntlich funktioniert das nicht. Und somit hatte ich nur die Möglichkeit mich mit all den Geschehnissen auseinander zu setzen.

Nachdem ich dann meinen Mut zusammen gefasst habe, erkundigte ich mich in einer Klinik, die ich vor etwa vier Jahren besucht habe über die Diagnosen, die damals gestellt wurden.

Ich erfuhr, dass man dort schon im Vorstellungsgespräch Dissoziationen diagnostizierte und im Verlauf der Therapie (insgesamt waren wir 5 Monate dort) die Diagnose DIS stellte. Ich habe anschließend ein Gespräch mit meiner damaligen stationären Therapeutin gesucht und sie bestätigte mir die Diagnose, sagte mir auch das sie mit uns damals auch darüber gesprochen hätte. Wobei ich von diesem Gespräch nichts mitbekommen habe.

Danach kam die Zeit in der ich mich erst einmal darüber informierte was DIS/MPS ist, denn ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nichts darüber gehört und überhaupt keine Ahnung was man darunter versteht.

Je mehr ich darüber las, desto mehr hatte ich das Gefühl meine eigene Geschichte zu lesen. Immer wieder sagte ich mir. Ja, genau so fühlst du dich. Genau solche (oder teilweise eben auch so ähnliche) Situationen erlebst du immer und immer wieder.

Es war ein Schock. Ich hatte das Gefühl mir wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Aber gleichzeitig war da auch ein Gefühl der Erleichterung. Nun war ich vielleicht doch nicht so verrückt. Endlich konnte ich mir viele Situationen erklären und verstand warum oder wieso ich bestimmte Dinge einfach nicht wusste. Warum ich so oft schon gehört habe: Du bist manchmal so anders!

Aber es brachte auch viel Verunsicherung mit sich. Mir wurde bewusst, dass in den Zeiten, die für mich einfach weg waren, andere Personen draußen waren und ich keinerlei Kontrolle darüber habe, was sie in dieser Zeit machen. Ich überlegte, wie ich all das ganz schnell wieder unter Kontrolle bringen konnte. Wie ich ganz ganz schnell die Kontrolle über den Körper zurück bekomme. Wie ich es verhindern kann, dass z.B. ein Kind in einer für mich unmöglichen Situation zum Vorschein kommt. Wie kann ich garantieren, dass ich meinem Sohn eine gute Mutter bin, wenn ich doch oftmals gar nicht da bin. Woher weiß ich, dass die Anderen ihn gut behandeln und mit ihm liebevoll umgehen. Ich habe mich geweigert mich mit Ihnen auseinander zu setzen. Aber dann musste ich feststellen das der einzige Weg, irgendwas besser hinzubekommen, mein Leben besser zu verstehen und mein Misstrauen zu verringern, der ist mich mit den Innies auseinander zu setzen. Auf sie zuzugehen und mich auf sie einzulassen.

Immer wieder mache ich auch in diesem Punkt Rückschritte und verleugne alles was damit zu tun habe. Rede mir selber ein, dass ich mir all das nur einbilde und es nichts mit der Realität zu tun hat.

Unsere Therapeutin erwähnte irgendwann einmal, dass ich mir lieber wünsche verrückt zu sein, als das was ich sehe, höre und fühle anzunehmen, da mich das wesentlich mehr verletzen würde und in diesem Fall verrückt sein vielleicht noch die einfachste und leichter zu verkraftende Alternative wäre. Wahrscheinlich hat sie Recht damit, denn die Dinge die ich erfahre machen mir Angst. Sie erschüttern mich, versetzen mich in Panik,mu sorgen dafür das ich mich ekel etc.

Das ist momentan der Stand der Dinge. Mal schaffe ich es Kontakt zu Innenpersonen aufzunehmen und manchmal bekomme ich keinerlei Reaktion, manchmal will ich von allem gar nichts wissen und nur alleine sein.

Advertisements

Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Jan 17, 2013 @ 07:53:51

    „[…]manchmal will ich von allem gar nichts wissen und nur alleine sein.“
    Das ist bestimmt die normalste Reaktion der Welt, ein Wunsch den auch jeder andere Mensch von Zeit zu Zeit empfindet.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: