Warum unsere Mutter ist, wie sie ist.

Es ist äußert interessant, ja vielleicht sogar bedenklich, dass wir, seit wir gestern hier über unsere Mutter schrieben, ein enormen Drang haben, euch allen (vielleicht auch uns selbst) zu erklären, warum unsere Mutter so ist, wie sie ist. Das sie ja nicht anders konnte, selbst keine besseren Erfahrungen gemacht hat, dass sie das niemals gewollt hätte, wenn sie nicht selbst so gefangen wäre.

Immerhin, uns ist irgendwo auch noch klar, dass es schwachsinnig ist, sie zu verteidigen oder Rechtfertigungen für sie zu suchen. Aber damit dieser enorme Drang, schnell wieder alles gut zu machen, etwas abnimmt, werden wir nun dennoch schreiben, warum unsere Mutter ist, wie sie ist 😉

Unsere Familie mütterlicher seits ist seit mindestens drei Generationen fest in der RiGaG verankert. Unser Großvater (also der Vater unserer Mutter), war ein recht hohes Tier und hatte ne Menge zu sagen. Wir haben immer unter seinem persönlichen Schutz gestanden und es kam uns sicher zu gute, dass geplant war, dass wir in seine Fußstapfen treten. So hatten wir einen gewissen Wert innerhalb der RiGaG. Für unsere Mutter galt das nicht, was sicherlich auch in einer gewissen Art und Weise zu Eifersucht uns gegenüber geführt hat, wenn auch nicht unbedingt bewusst. Gleichzeitig bekam sie Anerkennung, wenn sie in unserer Erziehung wieder etwas „richtig“ gemacht hat (aus der Sicht der RiGaG) und hat sicherlich ihr Wertgefühl damit aufbessern können. Was für sie aber sicherlich auch galt, war eine ähnliche Art der Erziehung durch die RiGaG und durch besagten (Groß-) Vater. Auch unsere Großmutter war/ist (irgendwie) eingebunden, wobei wir da bisher nicht sagen können in welcher Form, es wäre wohl noch zu schmerzhaft, da genauer hinzugucken. Mit ihrer Tochter, unserer Mutter, haben wir sie nie liebevoll erlebt, eher abwertend, verachtend, kalt und erniedrigend. Noch heute, wenn unsere Oma über ihre Tochter spricht, lässt sie kein gutes Haar an ihr.

Unsere Mutter hatte aber noch ein anderes Problem, nämlich keine Möglichkeit sich in einem Leben ausserhalb der RiGaG umzusehen, bzw. diese Möglichkeit erst viel zu spät, als sie sie nicht mehr nutzen konnte. Der ideologische Hintergrund unserer RiGaG ist gemischt aus Esoterik, Spiritualität, Satanismus und einem Hauch von allem anderen was man nutzen kann. In Teilen recht alltagstauglich angepasst, zum Teil aber auch ganz schön schräg und abgehoben. Das Umfeld unserer Mutter besteht (und das schon seit vielen vielen Jahren) ausschließlich aus Menschen, die selbe oder ähnliche Ideologien vertreten, beruflich ist sie ebenfalls RiGaG- tauglich  unterwegs.

Wir vermuten, dass die Ehe mit unserem Vater für sie hätte ein Ausweg sein sollen, die Flucht in ein anderes Leben, denn geliebt hat sie ihn sehr. Leider scheint er nicht stark genug gewesen zu sein, um ihr die benötigte Sicherheit zu geben. Er war selbst in sich zu instabil und für sie keine Hilfe.

Wir wissen, dass unsere Mutter im Alter von etwa 35 Jahren einige Termine bei einer Therapeutin wahrgenommen hat. Sie wusste nicht warum, hatte „nur“ mit verschiedensten Symptomen zu kämpfen, die sie nicht zuordnen konnte, nicht (be-) greifen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie keinerlei Erinnerungen an die Gewalt und den Missbrauch, den sie selbst erlebte. Nach einigen Terminen, bekam sie Erinnerungen, nur einige wenige. Diese waren für sie aber so zerstörend, so schrecklich, das sie nicht weiter hingucken konnte. Sie war abhängig von den Menschen, die ihr das angetan haben, allein und mittellos (zumindest ließ man sie das glauben), mit zwei kleinen Kindern. Sie wollte und konnte diesen Erinnerungen keinen Raum lassen, war nicht in der Lage die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Nicht weil sie ihre eigenen Kinder nicht schützen wollte, sondern weil ihr nicht bewusst war, das es nicht schon längst vorbei war, dass ihre Kinder genauso betroffen sind, wie sie selbst. Sie hielt es für alte Erinnerungen und wollte nichts vergangenes wieder aufwühlen.

Bei all dem ist fast davon auszugehen, dass unsere Mutter ebenfalls multipel ist, auch wenn wir uns da, Systemintern, nicht einig sind. Hoch dissoziativ ist sie aber auf jeden Fall.

Unsere Mutter hat uns immer sehr geliebt, sicher auf eine kranke Art und Weise. Sie wollte mit uns immer eine Einheit bilden, in uns jemanden haben, der ihr so nah ist, wie sonst keiner. Den sie lieben kann! Unser Bruder, ihr erstgeborenes Kind, steht da weit hinter uns, hält ihr aber bis heute die Stange.

 

 

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Orakel
    Jan 24, 2013 @ 10:40:57

    Es ist schwer auf diese Erklärung etwas wertfreies zu schreiben. Ich will es trotzdem mal versuchen.

    Es gibt keine Entschuldigung für das Verhalten deiner Mutter. Keine Rechtfertigung die du schreibst kann das ändern.
    Jeder Mensch hat die Wahl, über seine Taten und darüber wie er mit seinen Mitmenschen umgeht. Mir ist klar das es im Fall deiner Familie und deren Verflechtung in die RiGaG nicht so einfach ist. Trotzdem ist meine Aussage grundsätzlich wahr. Du hast doch auch einen anderen Weg gewählt? Die Mutter hätte das ebenfalls tun können, wenn sie es nur wirklich bereit gewesen wäre.
    Nichts von dem was sie „gut“ gemacht hat ist von irgendeinem Wert. Dazu hat sie zu viel falsch und schlecht gemacht. Und damit negiert sich alles an Gutem was von ihrer Seite kam. Gleiches gilt für die RiGaG.
    Wenn ich ein Kind vergewaltige und misshandle bin ich ein schlechter Mensch. Wenn ich dem Kind vorher ein Spielzeug kaufe und es hinterher zum Arzt bringe, dann bin ich auf einmal doch nicht so schlecht? Diese Argumentation ist so absurd das sich mir der Magen umdreht!

    Wenn du wissen willst wie schlimm das ist was man dir angetan hat, dann überlege mal folgendes: wenn du dein Kind so behandeln würdest oder deine Freunde, wäre das für dich auch „vielleicht gar nicht so schlimm“?

    Es freut mich das dich das positiv überfordert. Das zeigt das du auf dem richtigen Weg bist. Das zeigt das dein Verstand, nicht durch all dieses perverse Gedankengut zerstört worden ist. Ein bisschen verbogen vielleicht, aber das wäre jedem so ergangen.

    Antwort

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