Ein Tag mit Höhen und Tiefen

Angefangen hat der Tag mit Panik, pure Panik. Der Termin beim Zahnarzt war erst für den Nachmittag, dennoch war die Anspannung extremst hoch und schlug immer mal wieder in Panik um.

Eine Stunde vor dem Termin kam dann unsere Vertraute, die uns auch zu dem Termin begleitete, vorbei und lenkte uns noch ein wenig ab und redete beruhigend auf uns ein. Außerdem haben wir eine zweite Packung von dem Schmetterlingsmagnetendingsda bekommen und haben versucht noch mehr Schmetterlinge auf einen Magneten zu kriegen. Beendet ist das Projekt noch nicht, da muss noch ein wenig an der Technik gefeilt werden. Instabiles, gemeines Dingens, das einfach ständig umkippt und dann kleben alle schönen Schmetterlinge, die eigentlich schön übereinander gestapelt bleiben sollten, unten auf dem Magneten. Sieht dann weniger schön aus, naja. Übung macht bekanntlich den Meister und wir geben nicht auf. Nee, von 16 Schmetterlingen lassen wir uns nicht unterkriegen *kopfschüttel*. Sollten wir tatsächlich irgendwann mal als Gewinner aus diesem Projekt hervorgehen, gibts auch nochmal ein Foto.

Nachdem dann klar war, dass es nicht hilft sich tot zu stellen, in Panik zu erstarren, weggedisst in der Ecke zu sitzen oder sonstiges, man also definitiv zum Zahnarzt muss, wenn man möchte das es irgendwann mal nicht mehr weh tut und man ein anständiges Kauwerk haben möchte, machten wir uns dann auf den Weg.

Unten dann nochmal schnell in den Briefkasten geschaut und siehe da, die Überraschung des Tages. Endlich, Post von der Rentenkasse. Man hoffte auf Mitteilung, dass geprüft wird, ob die Rente verlängert wird, man nen Gutachtertermin zugeschickt bekommt etc. hauptsache irgendetwas das erstmal bestätigt, dass unser Antrag auf Weiterbewilligung eingegangen ist und bearbeitet wird. Man muss ja schließlich wissen, wovon und wie man in der nahen Zukunft weiter leben kann.

Ganz anders als erwartet, war es nicht die Mitteilung über einen Gutachtertermin oder die Bestätigung der Bearbeitung. Nee! Wir könnens noch gar nicht glauben, wir haben direkt den Bescheid bekommen, dass die Rente weiterhin bewilligt wurde und das für die kommenden drei Jahre!!! Krass! Am liebsten hätten wir vor Erleichterung direkt losgeheult. Das tut so gut. Etwas zu bekommen ohne nochmal ewig drum kämpfen zu müssen. Ja, auch irgendwie eine Anerkennung unserer Probleme. Keine erneute Überprüfung, anscheinend reichten die vorhandenen Unterlagen und das Gutachten von vor nem halben Jahr. Und dann direkt drei Jahre! Damit haben wir auch überhaupt nicht gerechnet, nee gar nicht. Vielleicht höchstens nen Jahr oder so aber nee, direkt für drei Jahre. Und wir sind dankbar, froh darüber durchatmen zu dürfen, ein Problem weniger zu haben, eine Sorge weniger, eine Möglichkeit uns auf Dinge zu konzentrieren die wichtiger sind, als der ständige Kampf mit irgendwelchen
Ämtern oder versuchen zu arbeiten.

Die Partnerin sagte später, dass man uns glaubt und es keinen Grund gibt, erneut zu überprüfen, zu begutachten etc.

Und genau das war es auch was uns so überrascht hat. Das man uns glaubt, dass  wir nicht wieder Beweise vorlegen müssen, nicht wieder kämpfen müssen, nicht wieder rechtfertigen müssen warum man noch nicht wieder arbeiten kann und warum es einem immer noch so schlecht geht und überhaupt, ob das denn alles auch so stimmt.

Ja, da wären wir dann wieder bei unserer ständigen Angst, man könne uns nicht glauben, würde uns für Faker und Lügner halten oder jemanden der einfach nach Aufmerksamkeit schreit. Und ich wundere mich darüber, es jetzt hier aufgeschrieben zu haben. Normalerweise sprechen wir die Angst nicht an, sie ist zu groß und unbändig, etwas womit man uns in die Knie zwingen kann. Sie begleitet uns überall hin, hängt ständig wie ein dunkler Schatten an uns. Es tut uns so gut, bestätigt zu bekommen, dass man uns glaubt und gleichzeitig können wir das dann wiederum nicht glauben. Vielleicht sagt der andere das ja auch einfach nur damit wir uns in Sicherheit wiegen… (umfangreiches Thema. Vielleicht schreiben wir dazu nochmal gesondert)

Zurück zum Zahnarzttermin. Wir sind also wirklich hin, dort dann einen Bogen ausgefüllt und ab ins Wartezimmer. Bevor wir uns jedoch in die Angst absolut reinsteigern konnten, wurden wir auch schon aufgerufen. Peinlich aber uns rutschte ein „scheiße“ raus, welches die Zahnarzthelferin natürlich gehört hat (obwohl wir hofften es wäre leise genug gewesen oder gar nicht draußen angekommen) und auch gleich kommentierte, in dem sie uns versuchte zu beruhigen. Was sie uns erzählt hat haben wir schon gar nicht mehr wirklich mitbekommen, war aber wohl auch nicht so wichtig.

Alle waren unglaublich nett und rücksichtsvoll, schauten die ganze Zeit danach wie es uns geht, redeten mit uns und beruhigten. Dann wollte der Arzt sich erstmal mit uns unterhalten. Das hat mehr oder weniger gut funktioniert, irgendwie falsche Leute anwesend, nicht wirklich in der Lage sich so auszudrücken wie mans gern gewollt hätte und überhaupt kaum möglich zu folgen. Was geredet wurde, keine Ahnung. Anschließend hat er dann nur einmal schnell geguckt und die  Geräte, die ihm untersagt wurden, hat er tatsächlich liegen gelassen und nicht benutzt.

Das das nun folgende Röntgen nicht gerade unsere beste Disziplin ist, haben wir dann auch direkt unter Beweis gestellt. Schon bevor man den Raum betreten hatte, wollte man nur noch weg und wir mussten unglaublich aufpassen, nicht einfach aus der Praxis zu rennen. Im Raum angekommen, Wechsel, in die Ecke rennen, zittern, heulen, Panik. Unsere Begleitung und die Dame die uns röntgen sollte, versuchten zu beruhigen und zu erklären. Was sie sagten wurde nicht mehr registriert. Nach einer Weile, uns kams ne halbe Ewigkeit vor, konnte man sich dem Gerät dann nähern, es anschauen und mit Händchen halten dann auch irgendwann die Aufnahme machen. Wie gut nur, dass man auf dem Bild trotz des zitterns und nicht stillhalten könnens, alles erkennen konnte.

Bis das Bild dann fertig war, hatten wir uns auch einigermaßen wieder beruhigt, die Piercings und Ohrringe wieder eingebaut und waren in der Lage anzuhören, welche Behandlung der Zahnarzt vorschlägt.

Er möchte uns nicht unter Vollnarkose behandeln, was für uns Grundvoraussetzung war. Seine Vorstellung ist, dass wir eine normale Behandlung schaffen. Immer wieder gucken, was gerade geht oder was nicht mehr, flexible Termine machen mit der Möglichkeit jederzeit abzubrechen oder, wenn es gut läuft, länger zu machen. Er möchte uns unsere Angst nehmen und langsam wieder aufbauen können.

Klingt nett, ist nett gemeint, wir wissen nicht ob wir dazu in der Lage sind. Auch wenn unsere Vertraute uns zugesichert hat uns zu allen Terminen zu begleiten, dabei zu bleiben etc. , die Angst und Panik ist unglaublich groß. Diese Panik und Starre die uns ereilt, wenn wir auf diesem Stuhl liegen, Gesichter und Hände über uns, Gerätschaften mit denen man uns im Mund rumfummelt *kreisch* unerträglich, unaushaltbar!

Und nicht nur während wir dort liegen. Jetzt, einige Stunden nach dem Termin ist innen noch immer alles im Chaos versunken, schlägt man sich rum mit alten Gefühlen, schiebt man Panik obwohls schon längst vorbei ist, zittert und kann sich kaum beruhigen.

Der Arzt hat sich viel Zeit genommen. Eineinhalb Stunden waren wir dort und alle, wirklich alle waren sehr bemüht es uns so angenehm wie möglich zu machen. Aber dennoch… Panik und das Gefühl das niemals zu schaffen…

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. seelenlabyrinth
    Feb 15, 2013 @ 06:22:08

    Ihr könnt so stolz auf Euch sein, dass Ihr beim Zahnarzt wart und das ausgehalten habt. Ich bin beeindruckt. Zahnarzt ist auch mein völligstes Angstdingens. Und auch toll das mit der Rente. 3 Jahre Ruhe, dass ist klasse und zeigt, dass auf der anderen Seite offensichtlich nicht nur „Beamte“ arbeiten 😉

    Zu dem Thema, worüber Ihr vielleicht nochmal gesondert schreiben wollt. Manchmal bin ich völlig geplättet, wenn ich wo Gedanken lese, die den meinen so ähnlich sind. Nicht gleich und definitiv nicht vergleichbar, dass ist mir bewusst. Habe da echt „Glück gehabt“. Aber dennoch kenne ich das so gut, dass ich glaube, dass mein Gegenüber, Dinge nur deswegen sagt, um mir danach „in den Rücken zu fallen“. Gibt da nur wenig Menschen, von denen ich das nicht denke.

    Antwort

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