So ist es also heute…

Endlich!!! Endlich mal wieder eine Nacht mit Schlaf! Das war so gut, für den Körper so wichtig, es konnte Kraft getankt werden wieder. Wir haben uns gestern Abend mit allem zur Verfügung stehendem abgeschossen um endlich mal wieder schlafen zu können. Wahrscheinlich würde jeder Arzt den Kopf schütteln bei der Kombination an Substanzen die wir eingenommen haben. Aber das war uns egal, einfach egal. Wir wollten Ruhe und Schlaf und das um jeden Preis!

Außerdem haben wir nun angefangen nicht nur Bedarfsmedikation zu nehmen, sondern für eine gewisse Zeit jetzt erstmal den Bedarf zu einer Dauermedikation umzuwandeln. Wir schaffen es anders einfach überhaupt nicht mit den laufenden Programmen etc fertig zu werden. Normalerweise fällt es uns sehr schwer dauerhaft Medikamente zu nehmen, wir sind da sehr sehr vorsichtig und es kostet uns jedesmal eine Menge Überwindung. Bisher haben wir uns dagegen auch immer gewehrt, nur in einer Klinik hatten wir keine andere Wahl und mussten die Verordneten Medikamente, die leider aber völlig entgegengesetzte Wirkung hatten, nehmen. Zu allem Überfluss waren sie dort etwas unfähig und haben, statt einem anderen Medikament, die Dosis immer weiter hoch gesetzt, muss ja irgendwann mal die richtige Wirkung zeigen, statt einfach auf ein anderes Medikament umzusteigen. Nachdem wir aus der Klinik raus waren, haben wir die Medikamente sofort eingestellt und uns mit selbstgebastelter Bedarfsmedikation durchs Leben gemauschelt. Dabei ist nur oft das Problem, dass wir, wenn es nötig ist, gar nicht auf die Idee kommen, dass Medikamente gerade helfen können und sie darum dann vergessen und nicht nehmen. Hat man das „Glück“ von einer Außenperson daran erinnert zu werden, dass es helfen könnte etwas zu nehmen, wird es auch genommen und stellt sich oft als hilfreich heraus. Es macht das was da ist nicht weg, nur erträglicher und klarer manchmal.

Nun müssen wir uns noch überwinden bei unserer Psychiaterin anzurufen, brauchen einen neuen Termin, um auch mit ihr durchzusprechen, wie uns was wir nun nehmen. Im Grunde nehmen wir nun das, was sie uns schon längst vorgeschlagen hat, wir uns aber nicht getraut haben zu nehmen. Nun, es hilft, weswegen wir es wohl zumindest für ein paar Tage, vielleicht auch ne Woche oder zwei, bei der Medikation belassen werden. Und dennoch ist der Kampf nicht ausgestanden, aber wir können uns ihm etwas ruhiger widmen, ohne unter ständigem durchdrehen zu leiden 😉

Gestern hatten wir dann nochmal ein Gespräch mit der Partnerin, darüber ob und wie wir unseren Sohn aufklären. Dazu hatten wir vor ein paar Tagen schon mal hier geschrieben.
Nun, nachdem wir uns vorher eigentlich einig waren, dass es an der Zeit ist, ihm ein bisschen mehr zu erlären, zu erklären wie seine Mutter ist, was da manchmal mit ihr passiert etc., haben wir ein Buch dazu bestellt, welches wir uns dann auch gemeinsam angeschaut haben. Mit dem Ergebnis, dass wir alle der Meinung waren, dass es so wie es geschrieben ist, nicht für ihn geeignet ist. Also ging die Suche weiter, nach Möglichkeiten, den Kleinen aufzuklären. Wir haben also selbst angefangen zu schreiben und dabei auch Ansätze und Ideen, die uns gefielen, aus dem bestellten Buch übernommen. Noch längst nicht fertig, dafür fehlt die Konzentration und die Zeit aber man arbeitet dran.
Gestern dann sagt die Partnerin, dass sie es besser finden würden, wenn wir das noch weiter hinauszögern, warten bis er älter ist. Wahrscheinlich hat sie Angst, es könnte ihn verunsichern, verängstigen oder in eine Krise stürzen. Wir sind uns unsicher, denken aber dennoch, dass es ihm eher zum Verständnis dienen würde. Wir glauben nicht, dass es ihn tatsächlich verunsichert, schließlich würde er „nur“ eine Erklärung für etwas erhalten, für  etwas das ihm eh schon bekannt ist.
Gerade vor ein paar Tagen hatten wir wieder ein beiläufiges Gespräch mit dem Kleinen. Während wir gemeinsam das Zimmer aufräumten, sagte er wieder das wir anders sind als andere Mütter. Daraufhin fragten wir nach, wie er das meinen würde und er sagte uns, dass man mit uns andere Sachen machen kann, dass wir manchmal wie ein Kind sind beim Spielen oder so. Wir haben ihm zugestimmt und gefragt ob ihn das stört, worauf er sagte, dass er es total cool findet, weil das einfach viel mehr Spaß bringt.
Da fragen wir uns, würde es ihn wirklich verwirren, wenn er weiß warum wir so sind? Oder würde es ihm nicht viel mehr helfen können, mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können? Wir sind nun auch wieder total verunsichert.

Heute hätten wir eigentlich einen Termin bei seiner Therapeutin gehabt, um genau darüber zu sprechen und auch nochmal gemeinsam zu überlegen, wie man am Besten an das Thema rangehen kann. Sie war auch dafür ihm das zu erklären. Leider hat die Grippewelle auch seine Therapeutin erreicht und der Termin konnte nicht stattfinden. Nun warten wir, wann wir einen neuen Termin bekommen können und wann sie wieder fit ist.

Wir werden uns nun an die Hausarbeit machen, versuchen uns damit weiter abzulenken, den destruktiven Gedanken, uns selbst zu zerstören, keinen Raum geben. Das gestaltet sich leider nicht so leicht, es ist viel zu allumfassend, alles ergreifend, alles betreffend. Es hat sich wie ein schwarzer Mantel über alles gelegt und erdrückt, nimmt die Luft zum Atmen, den Raum sich frei zu bewegen. Aber wir wollen uns davon nicht erdrücken und einnehmen lassen, kämpfen immer weiter dagegen an und geben die Hoffnung nicht auf, dass es nachlässt, wieder ruhiger wird, wieder weniger zwanghaft und sicherer.

Wir müssten das Haus verlassen, müssten einkaufen gehen, müssten Post wegbringen und einen Antrag für einen Klinikaufenthalt besorgen. Ob wir das heut schaffen ist noch dahingestellt. Hoffnung ist noch nicht aufgegeben. Bisher sieht es nicht danach aus, dass wir auch nur einen Fuß vor die Wohnungstür bekommen aber noch ist der Tag ja nicht vorbei, schaun wir mal.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. mariesophie
    Feb 19, 2013 @ 15:49:47

    Hallo Steinchen, ich glaube, wir unterschätzen unsere Kinder meist. Ich weiß nun nicht, wie alt dein Kleiner ist, aber glaub mir, er spürt sehr wohl, wie verschieden du sein kannst. Warum man so geworden ist, dass würde ich ihm erst in der Pubertät sagen, das würde ihn nur belasten. Aber deine Vielschichtigkeit erlebt er ja schon oft wohlwollend, wenn er dich mit anderen Müttern vergleicht. Ihn auf deine schweren Zeiten hinzuweisen, die ihm ja auch nicht verborgen bleiben können, wäre z.B. so sehr deutlich: Der Mensch kann was er fühlt meist vor den Augen anderer verstecken, so als hätte man einen geheimen „Versteckmantel“. Du kannst es nicht, weil du diesen Zaubermantel verloren hast. Und deshalb kann jeder sehen, wie es dir geht. Dass es dich aber traurig macht, wenn andere dein geheimes Fühlen sehen, aber du nichts daran ändern kannst. Punkt und fertig. Was meinst du? Ist nur sone Idee. Steinchen, gib mehr auf dich Acht, was die Medikamente betrifft, versprochen? LG

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Feb 19, 2013 @ 16:34:15

      Hey Kathrin,

      mit den Medikamenten geben wir gut acht, da brauchst du dir keine Sorgen machen. Das was wir nun nehmen ist gut überlegt und sprengt keinen Rahmen. Wir nehmen auch nicht einfach so irgendwas von dem wir die Wirkung nicht kennen.

      Unser Sohn ist acht Jahre alt. Wir wollen ihn auf keinen Fall über die Gewalt in unserem Leben aufklären, dann könnte er sicher keine Nacht mehr ruhig schlafen. Viel mehr geht es darum, ihm einen Einblick in das Viele sein zu geben. Eine Möglichkeit für das was er erlebt Worte zu geben und somit auch eine Basis für einen gesunden Austausch zu schaffen. Selbst die Pubertät finden wir zu früh um ihm Einblick in die von uns erlebten Dinge zu geben. Das ist eine Zeit in der so viel passiert, so viel erlebt wird und sich soviel verändert. Vielen Kindern fehlt gerade in der Zeit der Halt, da wird es nicht sinnvoll sein ihm solche Dinge zu erzählen. Zumal es nochmal etwas anderes ist von Gewalt im Allgemeinen zu wissen oder zu wissen, was die eigene Mutter im Bezug dessen erlebt hat. Das ist für eine Kinderseele einfach viel zu viel und da werden wir, wenn überhaupt, erst drüber sprechen, wenn er gefestigt in seinem Leben steht und wir sicher sein können, dass er es auch verarbeiten kann und stabil genug ist.

      LG

      Antwort

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