Wir fühlen uns miserabel

Wir machen gerade so etwas in Richtung Beschäftigungstherapie mit bisher mäßigem Erfolg. Aber dazu müsste man es vielleicht auch länger machen und nicht nur zwei Tage und Nächte? Seit dem gönnen wir uns keine ruhe mehr. Es wurde geputzt, Möbel wurden gerückt, Marmelade gekocht, gebastelt, Katzen gebürstet.

Wir rennen und rennen und rennen. Ruhiger wird es dennoch nicht

Es fällt uns so schwer den Glauben nicht zu verlieren, nicht „einfach“ das Handtuch zu schmeißen und uns alles egal sein zu lassen.

Wir fühlen uns miserabel.

Wir verstehen nicht warum es Menschen gibt die uns mögen, die sich für uns einsetzen, uns helfen und womöglich noch wirklich an uns glauben. Wir verstehen nicht warum sie trotz ständiger Enttäuschungen bleiben und nicht selbst einfach das Handtuch schmeißen. Es wäre so viel leichter!
Und häufig um das überhaupt aushalten zu können, beruhigen wir uns indem wir uns immer wieder sagen, dass sie uns einfach überschätzen. Immer wieder lassen wir uns dieses Schlupfloch sagen zu können, man würde uns nur noch nicht genug kennen, sonst würde man auf dem schnellsten Wege zusehen das man Abstand gewinnt.

Die Aktion der Therapeutin unseres Sohnes stürzt uns mehr ins Chaos als wir uns selbst eingestehen wollten.
Es sind wahnsinnige Ängste damit verknüpft und die Drohungen unserer Täter, uns unser Kind zu nehmen, in Verbindung mit dem Wissen darüber wie da wiederum die Verbindungen im Hintergrund sind, tun ihr übriges.
Es schleudert uns gefühlt meilenweit zurück. Treibt uns in Verhaltensweisen zurück, von denen wir dachten, wir hätten sie hinter uns.
Wir wollen nicht denken, wir wollen nicht mitbekommen, wir können nicht aushalten zu fühlen!

Es macht uns traurig uns selbst bei diesem andauernden Überlebenskampf zuzusehen. Wir sind traurig darüber ständig nur damit beschäftigt zu sein irgendwie weiter zu leben. Wir hangeln uns von Termin zu Termin mit Helferpersonen und versprechen uns dann immer wieder bis zum nächsten Termin auszuhalten. Nur bis zum nächsten Termin und dann entscheiden wir neu.

Seit einigen Jahren gibt es in diesem Haushalt keine Rasierklingen mehr, da wurde peinlichst genau drauf geachtet. Immer wieder wurde gezielt danach gesucht um sie in Fall des Falles entsorgen zu können. Sind sie da nutzt man sie auch schneller.

Beim letzten Mal als sich geschnitten wurde, war das sicher einer der Gründe, weshalb wir dazwischen kamen und es sich in einem oberflächlichen schnibbeln bewegte. Ihr würdet lachen, würde ich euch erzählen, wie viele Messer probiert wurden und wieder zurück gelegt wurden, weil sie zu stumpf waren um sich damit anständig verletzen zu können. Bis man dann irgendwann auf eine altbekannte, schlechte Lösung des Problems kam, verging einiges an Zeit.

Derzeit können wir nur in wenigen Momenten überhaupt einkaufen gehen. Nicht nur, weil wir gerade überhaupt nicht mit Geld umgehen können, keiner weiß wohin und wofür es verschwindet und man sowieso nicht das kauft war man wollte oder braucht, sondern hauptsächlich weil wir es nicht schaffen an den Klingen vorbei zu gehen. Weil wir sofort die Bilder davon vor Augen haben was wir mit uns machen wollen/müssen/würden. Und weil wir sofort wissen, dass wir es tun, wäre die Gelegenheit da.

Und unsere Angst unsere Helfer und Freunde zu sehr zu belasten ist so groß. Die Angst zuviel zu bekommen, der Gedanke, es stehe einem nicht zu und sie würden ihre Energie und Zeit in die falsche Person investieren. Die Strafe wird kommen… irgendwann…

Wir haben doch gar nichts dafür getan und was sollten wir auch tun. Wir sind ja gar nicht mehr in der Lage wirklich etwas zu tun, dafür reicht die Energie längst nicht mehr. Gut wir könnten in altbekannten, gut erlernter Manier sexuelle Dienste anbieten, zu Dienst stehen für egal was man von uns möchte, kein Problem, das können wir, darin sind wir gut, da wissen wir was wir können.

Warum wissen wir es da aber bei all den anderen Dingen, wo es so nötig wäre, fehlt uns jegliches Selbstvertrauen. Selten wirken wir so. Eher noch wirken wir häufig selbstbewusst, manchmal ein bisschen arrogant, manchmal etwas überheblich aber auf jeden Fall nicht wie jemand der sich selbst nichts zutraut (ausser vielleicht das zu tun was andere verlangen).

Morgen/Heute bzw in ein paar wenigen Stunden ist ein Termin bei der Therapeutin unseres Sohnes. Es sollte ein Termin für ihn sein, allerdings haben wir entschieden ohne ihn hin zu gehen. Wir möchten nochmal ein klärendes Gespräch mit ihr, ohne den Druck im Rücken das unser Sohn im Wartezimmer hockt und sich langweilt, ohne Rücksicht auf ihn nehmen zu müssen.
Das Gespräch wird nicht mehr viel ändern können aber wir möchten zumindest besprechen können, wie es weitergeht und außerdem erhoffen wir uns vielleicht noch den ein oder anderen Hinweis, was sie antreibt.

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Seelenlabyrinth
    Mrz 25, 2013 @ 08:20:46

    Ich habe Euch gelesen und hoffe sehr, dass Ihr den Termin heute gut meistert. Zu dem was Ihr ansonsten geschrieben habt, habe ich gerade tausende von Gedanken im Kopf, die ich aber nicht sortiert bekomme, so dass mir nur bleibt Euch viel Kraft zu wünschen. Ausserdem wünsche ich Euch, dass Ihr in die Menschen zu vertrauen lernt, die für Euch da sind.

    Antwort

  2. mariesophie
    Mrz 25, 2013 @ 10:55:45

    Ich möchte diesen Artikel verlinken. Er zeigt so viel an Fühlen auch in mir! LG

    Antwort

  3. Trackback: Der Glaube, mit uns kommt kein Mensch klar! | Zwischenräume
  4. anja
    Mrz 25, 2013 @ 11:57:25

    Wir wünschen euch auch viel Kraft und hoffen das der Termin doch noch irgendwas bringt…..

    Viele liebe Grüße
    anja und die sterne

    Antwort

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