Aufgeben… oder nicht?!

Wir wissen nicht wohin mit uns, drehen innerlich total durch!
Äußerlich versuchen wir Funktion und Ruhe zu bewahren. Scheint allerdings nicht so super zu funktionieren.
Ich weiß nicht ob man dahinter ein Programm vermuten sollte, bin manchmal einfach zu blöd das unterscheiden zu können, was „nur“ Konditionierung und was Programmierung ist.
Dieser enorme Drang sterben zu müssen. Nicht aufzuschieben, am besten sofort!
Und es ist nicht nur ein einfaches sterben wollen. Immer wieder sehe ich genau vor mir wie der Ablauf des Sterbens sein muss damit es richtig ist. Damit wir wenigstens in Frieden gehen dürfen.
Ich sehe genau vor mir wie wir uns schneiden und dann langsam ausbluten. Immer dieses ausbluten! Es macht uns Angst. Vielleicht weil wir nicht wissen woher es kommt, von wem oder warum. Wir versuchen es auszuhalten, es zu ignorieren, uns abzulenken, uns an irgendwas anderes zu klammern aber es ist so aufdringlich und durchgängig. Es lässt keinen Raum für anderes. Ist immer und zu jeder Sekunde deutlich spürbar. Es treibt uns in den Wahnsinn. Jeder Wechsel macht Angst weil es jemand sein könnte der dem Drang nachgibt, weil es jemand sein könnte der wieder irgendwas gefährliches macht.

Ist das nicht bescheuert? Ich will leben, habe Angst davor zu sterben, will Leben erleben und dennoch spüre ich nichts stärker als den Drang ausbluten und sterben zu dürfen.

Ständige Widersprüche, chaotisches, nicht sortierbares Durcheinander. Wortfetzen, Teilsätze, Bilder, Halluzinationen, Panik, alles fliegt uns um die Ohren. Unhaltbar, nicht zu steuern, nicht greifbar, nicht aushaltbar. Und ich wünschte jemand anders wäre jetzt da, könnte es besser aushalten als ich, mir die Hand halten und mir einfach die Sicherheit geben, dass wir das aushalten und schaffen können.

Gleich wird mir schwindelig werden, ich spüre dann bereits mein Gehen, danach wird es dunkel und ruhig um mich, langsam werde ich dahinschwinden… bis zu meinem nächsten Auftauchen… oder auch nicht.
Vielleicht werde ich auch weiter hier sitzen. In einem ständigen auf- und abtauchen, in einem ständigen da und weg, in einem ständigen Kampf nicht aufzugeben.

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Bist du „Viele“ oder tust du nur so?

Bist du „Viele“ oder tust du nur so?

Warum ist das so wichtig und bekommt in vielen Internetforen, für Menschen mit dissoziativen Störungen bis hin zur dissoziativen Identitätsstörung, so viel Raum und Energie, wie kaum ein anderes Thema?

Wir haben selbst die Erfahrung gemacht öffentlich in einem Forum als angebliche „Faker“ enttarnt zu werden.
Faker werden in diesem Zusammenhang Menschen genannt, die vorgeben multipel zu sein, es aber nicht sind.
Ich möchte das für uns persönlich nochmal weiter einschränken. Für uns sind Faker Leute, die absichtlich und wissentlich vorgeben an einer Störung zu leiden, an der sie tatsächlich nicht leiden. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Traumatisierte getroffen, die sich als aufgespalten/fragmentiert wahrnehmen. Manche nur in bestimmten Phasen, manche dauerhaft und konstant. Wenn man also auf der Suche nach sich selbst ist, danach was mit einem los ist, warum man so ist wie man ist, warum man wahrnimmt wie man sich wahrnimmt und sich dabei wiederfindet in Texten anderer, kann es sicher schnell passieren das man das Gefühl entwickelt, genauso zu sein, genauso zu erleben, das alles zu kennen oder vielleicht auch nur den Gedanken, vielleicht könnte das auf mich auch zutreffen.
Wenn also jemand bei der Suche, sich selbst zu verstehen, über die DIS stolpert und sich darin (zeitweise) verstanden fühlt, obwohl er/sie keine DIS hat aber es selbst glaubt oder in Erwägung zieht, haben wir persönlich gar kein Problem damit.
Wenn jemand aber absichtlich vorgibt diese Diagnose würde auf ihn /sie zutreffen, obwohl sie es nicht tut, haben wir durchaus ein großes Problem damit.
Durch verschiedenste Internetplattformen und Selbsthilfeforen haben wir mehr als einmal niederschmetternde Diskussionen und Angriffe um und auf diese Faker mitbekommen und sind, wie oben bereits erwähnt, selbst auch einmal üblen Angriffen ausgesetzt gewesen.

Sicherlich sind das Folgen dessen was vielen von uns „Vielen“ mit in die Wiege gelegt wurde. Misstrauen allem und jedem gegenüber, der unstillbare Wunsch nach Sicherheit, Machtkämpfe, demütigendes Verhalten, verachtendes Benehmen, Manipulation. Wir beobachten, bewerten in den uns möglichen Mustern und reagieren dementsprechend.

Als wir vor Jahren diejenigen waren, die es traf hat uns das anfangs ziemlich den Boden weggerissen. Wir stürzten in ein Loch voller Selbstzweifel, Angst, Bestätigung dessen was man uns täterseits ständig eingetrichtert hat. Wir fühlten uns unglaublich allein, unverstanden, falsch, fehl am Platz und dennoch wussten wir, es gab keinen Grund die Unwahrheit zu sagen. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Vorteile durch unsere Problematiken und Symptome und erst recht keine durch unser „viele“ sein, außer vielleicht, dass liegt immer ganz dran aus welcher Perspektive man es betrachtet, keine Ahnung von den heftigen Dingen die wir erlebten.

Wir haben lange gebraucht um diesen Angriff verarbeiten zu können. Eine inzwischen enge Freundin, die ebenfalls multipel ist, hat sich viel Zeit genommen, um immer wieder da zu sein, wenn wir selbst uns nicht mehr einsortieren konnten und den Halt verloren.

Was bei uns aber auch passierte und davon profitieren wir heute ist, dass wir lernen mussten, dass es völlig egal ist wie andere uns wahrnehmen, ob sie uns glauben oder nicht, weil das alles nichts an unseren Problemen änderte. Nur der Beginn uns selbst zu trauen brachte uns in eine Position aus der wir weiter agieren und arbeiten konnten.
Es ist uns nicht egal was andere von uns halten oder ob sie uns glauben, allerdings können wir uns inzwischen gut abgrenzen von Menschen die uns nicht weiter kennen, vielleicht ein paar Zeilen von uns gelesen oder gehört haben und meinen sich daraus ein Urteil bilden zu können.

Diese Erfahrung öffentlich an den Pranger gestellt zu werden war ermorm heftig aber auch wir hinterfragen regelmäßig die Menschen mit denen wir zu tun haben, egal ob nun real oder nur virtuell. Was wir völlig daneben finden ist diese öffentliche Diskussion die wir in Foren häufiger erlebt haben, nicht aber zu hinterfragen.

Wir sind und davon sind wir noch immer überzeugt, Menschen begegnet, die bewusst Geschichten anderer kopieren, die absichtlich getäuscht haben und haben selbst erlebt, dass Teile unserer Geschichte in einer eins zu eins Kopie von solchen Leuten als ihre Geschichte ausgegeben wurde.

Es macht uns wütend und zwar ziemlich. Warum? Weil wir uns verarscht vorkommen, weil diese Menschen Aufmerksamkeit erhalten wollen (und sie häufig auch bekommen) für etwas von dem sie sich nicht im Ansatz vorstellen können was das tatsächlich bedeutet.
Weil es uns wütend macht, wenn diese Menschen die rar gesähten Therapieplätze belegen für die wirklich Betroffenene über Jahre hinweg kämpfen müssen. Weil es uns wütend macht, wenn wenig gute Klinikplätze von Menschen belegt werden, die sie nicht nutzen um Hilfe zu bekommen, sondern um Vorteile aus etwas zu ziehen, was nicht ist. Weil es die Menschen bestätigt die eh von einer hysterischen Persönlichkeit sprechen und nicht glauben (wollen) das es sowas wie rituelle Gewalt, organisierte Hintergründe und dissoziative Identitätsstörung überhaupt gibt.
Weil es unseren Tätern in die Hände spielt, wenn man den ganzen Kram eh nicht glauben kann.

Weil jemand bewusst das Leid eines anderen benutzt um egoistische Wünsche erfüllt zu bekommen ohne Rücksicht darauf wieviele heftige Ohrfeigen er damit den tatsächlich Betroffenen erteilt.

Wir finden es furchtbar, wenn Therapeuten ein völlig verschrobenes Bild bekommen und dann überfordert sind, wenn sie mit jemandem arbeiten wollen, der tatsächlich eine DIS hat.

Wir kriegen einen Anfall, wenn die DIS vorgeschoben wird um alles zu rechtfertigen und entschuldigen a la man kann ja nichts dafür, war es ja nicht!

Nachtgefesseltes

Stechen von Nadeln an/in Füßen und Händen.
Körpererinnerungen die wieder all unsere Kraft fordern durchzuhalten!

Es sticht, als würde man uns gerade in diesem Moment Nadeln unter die Nägel schieben, ein stechender Schmerz der durch die Glieder geht, den Körper zusammenzucken lässt.

Unkontrolliert dem Schmerz ausgeliefert!

Schlafen unmöglich…

Ablenkung unmöglich, weils komplett greift. Da können wir uns hundert mal sagen das real keine Nadeln in uns stecken oder gesteckt werden, das wir real in unserem Wohnzimmer sitzen und allein sind. In Folge dessen niemand da der uns das gerade zufügen könnte.

Tiefste Nacht, alles schläft und die Zeit, die mir sonst so gern entgleitet ist zäh und klebrig und hängt an mir, lässt mich nicht los, fesselt mich in meiner Hilflosigkeit. Wie Fesseln legt sie sich um meine Hand- und Fußgelenke, schneidet immer tiefer ins Fleisch und lässt mich hängen… hängen bis ich nachgebe, Schwäche zeige, ein leichtes Opfer bin, aufgebe.
Zwischendurch nochmal ein hysterisches Aufbäumen, nach Hilfe schreiende Augen blicken ins Leere, sehnen sich nach Frieden, Ruhe, Schlaf…

Weiter und dabei das Atmen nicht vergessen

Tief durchatmen, einfach nur atmen nicht vergessen.

Wir haben uns zuviel aufgehalst und kommen ins schleudern. Nicht gut. Wir müssen uns eingestehen das wir derzeit nicht so funktional sind, wie wir es mal waren und wie wir es vor allem gern wieder wären.

Es fällt uns sehr schwer, dieses ganze nicht funktionieren. Wir können und eigentlich auch wollen es uns nicht eingestehen, zugestehen. Einzelne von uns halsen uns so immer wieder Aufgaben auf, die uns eigentlich zuviel sind. Bei denen wir auch vorher abgesprochen haben, dass wir das nicht machen. Und?! Nichts hats gebracht. Nun stehen wir da und kommen nicht hinterher mit organisatorischem Kram, der eigentlich hätte schon längst erledigt sein müssen. Organisation einer Abschlussfeier und im Grunde steht noch nichts.
Wenn wir ehrlich zu uns sind, müssen wir sagen das wir es nicht geregelt kriegen und es in den kommenden Tagen wohl auch nicht schaffen werden.

Wir müssen die Aufgaben abgeben, andere Eltern bitten sich darum zu kümmern aber auch dafür müssen wir mit den Menschen in Kontakt treten und das ist grad recht schwierig.

Wir sind wütend und hoffen das wir daraus gelernt haben und in Zukunft auch einfach mal Nein sagen und andere Eltern sich bemühen müssen. Ist ja schön einfach, wenn man uns das immer zuschieben kann. Hat das Jahr zuvor ja auch super geklappt. Tja, dieses Jahr wird das nichts mit uns.

In einigen Tagen ist unser 30 Geburtstag, passend zu anderen stressigen Termintagen. Und schon jetzt steigt die Angst und die Panik und man würde am liebsten schon wieder im Nichts verschwinden.

Atmen, atmen, einfach weiter atmen…

Bemühungen um mich? Was Helfer so tun…

Ich geh kaputt! So viele Bemühungen um mich??? Gut, nicht explizit um mich aber ja dennoch ein bisschen. Egal, so viele Bemühungen um uns??? Es wird nicht zugelassen das wir die Kontakte abbrechen, wir werden nicht fallen gelassen, obwohl wir derzeit wirklich schwierig sind. Von hinter mir schallt es ein: „Ja noch nicht du Idiot!!!“, aber das werde ich überhören. Selbst wenn es nur ein noch nicht ist und wir diese Kontakte verlieren, weil wir doch zu viel werden, weil die Situation zu sehr fordert, weil wir zu strange sind oder oder oder, Gründe gibt es genug, selbst dann erleben wir gerade eine Art von Hilfe, wie wir nie auch nur getraut hätten zu glauben das es sowas gibt. Nein, wir haben tatsächlich niemals danach gesucht, nicht in der Form. Das hätten wir auch gar nicht gekonnt. Wie soll man nach etwas suchen, von dem einem nicht bewusst ist, dass es existiert. Und wenn wir ganz ehrlich sind, vor  gar nicht allzu langer Zeit haben wir uns in Gesprächen, mit einer unser besten Freundinnen, eher negativ geäußert. „Nein von einem Therapeuten möchte ich nicht in den Arm genommen werden, das gehört da nicht hin“ oder “ Außerhalb der Sitzungen Kontakt, nee das muss nicht sein. Höchstens mal ne Mail schicken oder so wäre gut. Aber das muss schon alles auf der professionellen Ebene bleiben.“ sind so typische Sätze, wie man sie noch vor kurzem von uns gehört hätte.

Tja, Zeiten ändern sich. Vielleicht, so kann ich inzwischen darüber denken, waren wir nur unglaublich neidisch auf diejenigen, die gute Therapie machen durften und verzweifelt darüber, selber keine Hilfe finden zu können. Diese Verzweiflung hat sich zu all den bisherigen Erfahrungen mit Therapeuten durchgewuselt und wir haben uns aus Schutz vor Verletzung und Abweisung nicht erlaubt überhaupt solche Hilfe haben zu wollen, geschweige denn, sie als hilfreich anzusehen.
Inzwischen machen wir so gegenteilige Erfahrungen, dass wir völlig ins Rudern kommen.
Denn tatsächlich ist es so, dass wir diese enorme Unterstützung gerade bekommen. Sicherlich aus unterschiedlichen Gründen aber sie ist real und sie ist gut!

Die Zeiten gerade sind hart, die innerlichen und auch äußerlichen Kämpfe kosten uns enorm viel Kraft und derzeit stoßen wir täglich an die Grenzen des für uns aushaltbaren. Aber wir sind da und machen weiter. Häufig ist es so, das wir nicht wissen wie wir die nächsten Minuten geschweige denn Stunden oder Tage überstehen sollen. Woher wir die Kraft nehmen sollen morgens nochmal aufzustehen und nicht einfach im Bett liegen zu bleiben und langsam auszusterben. Aber wir stehen immer wieder auf, machen immer einfach weiter, lächeln, tanzen, singen, arbeiten. Arbeiten an uns, so hart und so konfrontativ wie nie zuvor.
Rückzug und Kontaktabbruch sind noch nicht vom Tisch, es ist auch nicht so, das nicht immer mal wieder der ein oder andere Zwischenfall kommt, der uns noch mehr in diese Richtung zieht. Aber wir wollen nicht aufgeben, wollen uns nicht selbst wieder alles nehmen und es uns erst recht nicht wieder zerstören lassen.

Manchmal ist es gut, wenn jemand da ist und uns zeigt was wir alles schaffen oder geschafft haben (herzlichen dank an unsere Therapeutin!).
Manchmal ist das gut, weil es neben all den Katastrophen eben doch auch kleine Siege gibt die wir gern man übersehen weil wir nur mit dem aushalten der Katastrophen beschäftigt sind.

Ist aber ganz wichtig das auch immer wieder zu sehen.
Wir haben den Kontakt zu den zwei wichtigen Menschen nicht abgebrochen, agieren gegensätzlich und versuchen zu kommunizieren welche Schwierigkeiten bestehen und nicht wie sonst zu verschwinden sondern zu halten, zu bleiben.

Und weil wir so angetan sind von der Unterstützung die wir gerade erfahren dürfen, möchten wir das hier gern teilen. Es ist einfach etwas besonderes was diese Menschen leisten.

Die eine Person, unsere ehemalig ambulante Betreuerin, hat uns nicht aufgegeben als wir die Betreuung nicht mehr finanzieren konnten. Sie ist geblieben:-) nicht mehr als Betreuung sondern als Freundin und Vertraute. Als jemand der bereit ist zu unterstützen, den man anrufen darf (wenn man es schafft), den man besuchen darf, mit dem man etwas unternehmen darf. Als jemand dem wir nicht egal sind!

Und dann ist da unsere Therapeutin die einfach so ganz anders ist als das was wir bisher mit Therapeuten erlebt haben. Andere Therapeuten etc. würden ihre Unterstützung teilweise sicher als unprofessionell abtun. Und vielleicht haben sie recht, denn sie unterstützt nicht nur in einer Stunde in der Woche, sondern ist da. Man darf ihr mailen, darf ihr sms schreiben und bekommt Antworten. Man hat Unterstützung erhalten in manchen Nächten. Telefonisch, per Mail, per sms. Vor allem aber sind wir ihr wichtig. Weil man nicht egal ist und nicht allein. Weil sie uns nicht das Gefühl vermittelt nichts wert zu sein. Weil sie auch bei Rückschlägen da ist, hält und auf das hinweist was gut war, was funktioniert hat.

Unsere Helfer tauschen sich miteinander aus. Beraten über Situationen, helfen Lösungen zu finden, unterstützen sich gegenseitig.
Und genau das, genau diese „un-„professionelle Art zu helfen und da zu sein, gibt Halt und bewirkt unglaublich viel in uns!

Wir möchten das erwähnen, weil uns bekannt ist, welchen Gegenwind diese Helfer teilweise bekommen, weil sie zu weit gehen, vorgegebene Grenzen überschreiten, es zu privat ist, unprofessionell mit einem Patienten in der Nacht Mails zu schreiben, smsn hin und her zu schicken oder zur Not auch zu telefonieren.

Vielleicht ist es unprofessionell aber es ist eine Hilfe und Unterstützung, die eine wirkliche Hilfe und Unterstützung ist!!!

Geschützt: Das bringt mich nicht weiter!

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Kontakt – Abbruch – Programme

Ein Abbruch steht kurz bevor oder anders formuliert, wir schaffen es nicht. Wir schaffen es nicht Kontakte zu halten. Vor allem Kontakte zu Helferpersonen.

Sobald jemand zu hilfreich wird, zuviel da ist, zuviel erfährt, zuviel tatsächlich unterstützt, landet sein Name automatisch auf der roten Liste, der zu entfernenden Personen.

Es ist schwer darüber zu schreiben, gefährlich mitzuteilen zumal uns eh bereits alles um die Ohren fliegt. Aber es ist ein Auflehnen, ein Versuch all dem entgegen zu wirken. Wir wollen SIE nicht gewinnen lassen, uns nicht von ihnen kontrollieren und steuern lassen.

Erpressungen und Drohungen haben gewirkt, es hat einige „Rückschritte“ gegeben in den vergangenen Wochen. Daraus ergeben sich weitere Probleme.

Gerade die Beziehungen zu Helfern, Vertrauten, Freunden, Therapeutin sind so wichtig für uns. Sie sind das was uns einen Anker in der „normalen“ Welt bietet, das woran wir uns festhalten können, wenn unsere Welt nur noch dunkel und ohne leben ist, wenn bei uns nur noch Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit walten.

Genau deshalb sind sie unseren Tätern/der RiGaG ein Dorn im Auge. Ohne diese Beziehungen, ohne den Halt in der „normalen“ Welt, ohne den Glauben daran das es ein anderes Leben gibt, ohne die Hoffnung auf Änderung/Besserung, ohne all das funktionieren wir doch so viel besser!

Wir verschleißen einen Helfer nach dem nächsten, einen Freund nach dem anderen, weil wir nicht in der Lage sind, diese Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Eine Freundin hat uns vor zwei Jahren an wichtigen RiGaG-Feiertagen geschützt, war bei uns, war da und hat geholfen selbst da zu bleiben. Danach bzw. seit dem können wir kaum noch mit ihr sprechen. Manchmal gehen zwischendurch Kleinigkeiten, manchmal nicht einmal oberflächliches Geplenkel weil keine Kommunikation erlaubt ist.

Ende vergangenen Jahres hat wieder eine Freundin viel Zeit bei und mit uns verbracht, hat geholfen eine sehr schwere Entscheidung durchzustehen, geholfen den Glauben nicht zu verlieren. Seit dem kann auch zu ihr kein Kontakt mehr gehalten werden, nicht mehr gesprochen werden, sich nicht mehr ausgetauscht werden.

Und nun trifft es die nächsten zwei so wichtigen Kontakte. Versuchen wir dennoch Kontakt aufzunehmen, strecken uns heftigste Schmerzen über Stunden nieder, geraten wir in einen innerlichen Strudel, in eine Abwärtsspirale und der Sog ins dunkle Nichts reißt uns mit. Die Todesangst und Panik steigt ins Unermessliche und vor lauter abstürzen ist dann gar kein Kontakt mehr möglich, womit das Ziel dann ebenfalls erreicht wäre.

Wir kämpfen dagegen an, versuchen die Schmerzen, den Schlafentzug, den Essensentzug, den Suiziddrang, den Selbstverletzungsdruck auszuhalten, versuchen dennoch irgendwie weiter an diesen Kontakten festzuhalten, wollen sie nicht verlieren, nicht aufgeben, nicht allein sein, nicht haltlos durch die Gegend wanken. Wir kämpfen Stundenlang um eine SMS oder Mail zu schreiben und ertragen davor und danach die Strafe, den Schmerz, die Panik, das Chaos. Und wir haben Angst, wirklich Angst auch diese Kontakte wieder zu zerstören, auch diesen Halt wieder zu verlieren, auch diese Menschen wieder aus unserem Leben zu verbannen.

Und eigentlich, eigentlich sind wir nur noch traurig und erschlagen. Dieses ständige Kämpfen, dieses ständige aushalten müssen, dieses ständige eigentlich nicht mehr können. Wir sind müde und wissen das wir uns das überhaupt nicht erlauben dürfen. Das wir nicht aufgeben dürfen, dass die RiGaG diesen enormen Druck nur ausübt, weil wir nicht mehr einwandfrei funktionieren, weil sie sich Sorgen machen.

Wir wissen das wir an diesem Punkt nicht erneut einbrechen dürfen!!!

Wir fühlen uns nur noch klein, hilflos, ausgeliefert und müssen aber groß und stark sein, kämpfen und aushalten!

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