Erkenntnis über Freundschaft

Und erneut gibt es Anlass für totales Chaos. In einigen Ecken des Systems herrscht Wut, in anderen große Traurigkeit, in einigen auch Angst usw.

Ein Durcheinander von “ Ich hab euch von Anfang an gesagt das Freundschaft nicht existiert! Selbst schuld!“, “ Du weißt doch, am Ende rettet jeder nur seinen eigenen Arsch, ohne Rücksicht auf Verluste!“, “ Warum machen die das, haben die uns nicht mehr lieb?“, “ Sind wir jetzt keine Freunde mehr mit denen?“, “ Luftschlösser bauen. Da habt ihr eure scheiß Bestätigung!“, “ Wir hätten uns von Anfang an raushalten sollen, am Ende sind wir eh die gearschten.“, “ Wieso kann nicht mal einmal Rücksicht genommen werden, wenn wir hundert Mal darum bitten?“ bis hin zu Schuldvorwürfen endend in Selbsthass.

Selbsthass warum? Weil wir so dumm waren und nicht früh genug wahr haben wollten, dass man keine Rücksicht nimmt, dass Freundschaft nichts bedeutet, dass sich das Blatt jederzeit wenden kann, dass wir nicht wichtig sind usw. Es finden sich genug weitere Gründe die wir aufzählen könnten, zumal sich der Selbsthass in den letzten Tagen doch wieder ganz schön potenziert.

Sicher könnten wir auch wütend auf die betreffenden Personen sein und sind dies teilweise auch.

Viel wütender aber auf uns!

Auf unseren dämlichen Wunsch nach Harmonie, unserem dämlichen Glauben an das Gute im anderen, unsere verdammten Schwierigkeiten darin uns abzugrenzen, unserem Wunsch danach gute Freunde zu sein.

Wir solltens vielleicht einfach lassen und einsehen, dass es das, was wir unter Freundschaft verstehen, nicht gibt.

Das hat sich gelohnt!

Wir sind gerade so erleichtert und froh und möchten auch das gern mit euch teilen.

Wir haben vor einiger Zeit einen Antrag auf Reha gestellt und bekamen zwei Wochen dann zwar die Genehmigung für die Reha, allerdings nicht für die Klinik in die wir möchten.

Die Klinik in die wir möchten kennen wir bereits und es war die erste und einzige Klinik die uns wirklich etwas gebracht und geholfen hat. Die erste aus der wir nicht desolater Heim kamen als wir rein sind, die erste in der wir wirklich gut an uns arbeiten konnten und selbst völlig geflasht davon waren, das wir anscheinend doch nicht so Therapieunfähig sind, wie wir bis dahin dachten.

Durch diese Klinik und die Erfahrungen, die wir dort machen durften, haben wir es geschafft nicht aufzugeben, weiter zu kämpfen für uns und unseren Sohn.

Als wir also nun die Zusage für eine andere Klinik bekamen, brach hier erstmal alles ein. Wieder zuviel gewünscht, zu sehr drauf gehofft, nicht gut genug um zu dürfen, nicht verdient zu dürfen. Sämtliche Selbstzweifel und Ängste wurden freigesetzt.

Wir haben all unseren Mut zusammen genommen und in der zugewiesenen Klinik angerufen, uns informiert über deren Konzept, deren Ansichten und darüber, ob wir mit unserer Problematik dort gut aufgehoben wären. Zuerst hatten wir ein Gespräch mit dem Chefarzt welches katastrophal lief. Er verstand nicht was wir von ihm wollten und versuchte uns die ganze Zeit zu sagen, wie gut seine Klinik zu uns passen würde, wie toll dort alles ist. Wir haben ihm immer wieder versucht zu erklären das wir von unterschiedlichen Dingen sprechen und aneinander vorbei reden. Das hat er auch überhaupt nicht so gesehen.
Da er uns also gern dort haben wollte, Betten müssen ja belegt werden, bot er uns an mit der Oberärztin zu sprechen, welche bei Aufnahme auch therapeutisch für uns zuständig wäre.
Dieses Gespräch war dann schon deutlich besser. Sie verstand wovon wir sprachen und wir konnten in Ruhe klären, ob die Klinik passend sein kann oder nicht. Ende vom Lied war, sie würden uns natürlich aufnehmen, allerdings wäre es nicht möglich an unseren tatsächlichen Problemen zu arbeiten, es würde ausschließlich um Alltagsstabilität gehen. Auch die Art wie dort mit uns als System gearbeitet werden würde, entspricht genau dem, was uns überhaupt nicht hilft, sondern Indikator für weiteres abstürzen wäre.

Heute haben wir uns getraut bei unserer Rentenversicherung anzurufen und nachzufragen warum unser Klinikwunsch und der unserer Ärztin nicht berücksichtigt wurde und wir nun in eine Klinik sollen, die uns nicht helfen kann.
Ihr werdet es kaum glauben aber die Dame am anderen Ende der Leitung war sehr freundlich und hörte sich in Ruhe an welche Einwände bestehen und warum es uns so wichtig ist in die Klinik zu dürfen, von der wir wissen, dass wir dort Hilfe bekommen.

Sie schaute sich die Akten durch und nachdem sie feststellte, dass wir bereits in der Wunschklinik waren, ging sie sofort auf unseren Wunsch ein.
Wir dürfen in die Klinik in die wir so gern möchten! Wir sind sehr dankbar dafür, froh darüber uns getraut zu haben anzurufen und vor allem erleichtert und dankbar mit einem Menschen telefoniert zu haben, der sich tatsächlich dafür interessierte uns als Anrufer ernst zu nehmen und zu helfen. Keine abgedroschene, gefühlskalte Bürotuse (entschuldigt bitte den Ausdruck).

Wieder bestätigt sich, sprechenden Menschen kann geholfen werden. Es lohnt sich nicht den Kopf in den Sand zu stecken (was nicht heißt, dass wir es nicht getan hätten und immer wieder tun), sondern es lohnt sich immer weiter zu kämpfen und sich für seine Bedürfnisse einzusetzen. Auch wenn wir immer gelernt haben keine Bedürfnisse und Wünsche haben zu dürfen…

Die verbotene Sehnsucht

Ich-die jetzige Schreiberin-Eine von Vielen

Scham breitet sich aus, fließt in jeden Winkel meines Selbst. Gedanken und Gefühle sind ein unkontrolliertes gut. Ich kann mir verbieten bestimmte Gedankengänge weiter zu verfolgen, denke sie aber dennoch. Ich kann mir verbieten bestimmte Gefühle zu fühlen, dennoch sind sie deshalb nicht weg, beeinflussen dennoch mein Handeln und Sein, ob bewusst oder unterschwellig, vertreiben lässt es sich nicht.

Als ich geboren wurde stand mein Leben bereits geschrieben, nicht jede Einzelheit aber ein Grundgerüst war vorbereitet, beschlossen, auferlegt, ohne Zweifel zu akzeptieren. Eigenes denken war unerwünscht und nicht nur das, es war verboten. Phantasien von einem anderen Leben, inakzeptabel und unter Strafe gestellt.

Ich bin kontrolliert, schon immer gewesen. Ich habe gedacht und geschwiegen, gewartet und geplant. Das tue ich noch heute, ich plane und warte. Ich warte auf den richtigen Moment. Auf den Moment von dem mir heute bewusst wurde, dass es ihn nie geben wird. Es wird nie der richtige Zeitpunkt sein, nie die Richtige Gelegenheit, nie ein guter Moment.
Denn es ist die Entscheidung die den richtigen Augenblick ausmacht. Sie ist es, die den nächsten Moment bestimmt.

Und ich dachte ich hätte mich entschieden, ich hätte einen klaren Weg, eine klare Entscheidung gefunden. Auch jetzt habe ich sie nicht verloren, den Weg nicht aus den Augen verloren, allerdings zweifel ich an mir.

Ich habe Sehnsucht nach der RiGaG, meinem Zuhause, meiner „Familie“, meinem Sinn. Nur dort bin ich ich. Nur dort fühle ich mich nicht fremd in der Welt, nicht wandelnd in Nebelschwaden, nicht klein und unbedeutsam, nicht allein.
Ich kenne meine Aufgaben, mache keine Fehler, kenne die Regeln und Vorgaben.

Und dagegen setze ich mein Wissen darüber, wie falsch dieses Leben ist, wieviel Leid es bedeutet. Meine Entscheidung dagegen und für ein eigenes Leben. Ein echtes eigenes Leben, in dem wir Entscheidungen treffen, weil wir sie treffen wollen, weil wir es wirklich selbstbestimmt tun und nicht vorgegeben von einem auferlegtem Verhaltenskodex, der weder meiner Vorstellung von Leben gerecht wird, noch sich in rechtlich legitimem Rahmen bewegt.

In mir brennt trotz diesem Wissen die Sehnsucht und der Kampf mit mir nimmt Ausmaße an, die ich kaum ertrage.

Wie kann ich so versagen und dieses Verlangen, diese Sehnsucht spüren! Wie kann ich real in Zweifeln versinken, ob ich nicht doch zum Treffen gehe und nicht doch bei dem bleibe was mir vertraut ist! Wie kann es sein, dass ich überhaupt nur daran denke?!?

Und weil ich das nicht will eigentlich und weil dieses eigentlich ein gefährliches EIGENTLICH ist, schäme ich mich, hasse ich mich, verachte mich und begreif mich nicht!
Es dürfte kein „eigentlich“ geben, es dürfte mich nicht so sehr greifen und vor allem dürfte es mich nicht steuern.

Trotz dieses Wissens tut es aber genau das! Es steuert und zerreißt mich!
Dafür hasse ich mich, verachte und verabscheue ich mich!

Nächtliche Gedanken

Ich bin traurig, sehr traurig und viele andere von uns ebenfalls. Einigen rinnen die Tränen wie Bäche aus den Augen, andere machen sich zu und zeigen kein Gefühl und dennoch spürt man hinter ihrer Mauer einen großen Schmerz, eine tiefe Traurigkeit, eine schreiende Verzweiflung, eine beißende Sehnsucht.

Es tut weh zu sehen und zu spüren, wie sehr wir uns gegenseitig im Weg stehen, wenn wir unterschiedlichen Vorstellungen nachjagen. Wie sehr der eine darunter leidet, dass ein anderer gerade nicht leiden muss.

Es gibt keine Systementscheidung, immer nur Einzel oder Kleingruppenentscheidungen.

So entstehen Verletzungen auf allen Seiten…
Das macht mich traurig.

Wer die Kontrolle hat beeinflusst unser aller Leben, nicht nur seinen kleinen Teilbereich.

Wer die Kontrolle hat entscheidet nicht immer gegen den Rest. Viele sind bemüht darum möglichst Wege zu gehen, Entscheidungen zu treffen oder Dinge zu sagen, die, ihrer Ansicht nach, Systemkonform sind. Das bedeutet häufig, nicht den Einzelwunsch zu beachten zu können, denn dann würde es zu keinen Entscheidungen kommen können. Einigkeit ist unmöglich.

Vorhin gab es ein Gespräch, ein sehr wichtiges mit einem sehr wichtigen Menschen. Es war weder geplant, noch abgesprochen, war okay aber dennoch nicht in Ordnung.

Denn es ist wieder nur eine Teilentscheidung. Eine die von manchen begrüßt wird, die anderen die Luft zum atmen nimmt und den Boden unter den Füßen entreißt, wieder anderen egal ist, manchen sämtlichen Lebensmut raubt. Und erneut bricht ein innerer Kampf aus…

Gerne würde ich alles wieder in Ordnung bringen, gesprochene Worte zurücknehmen, ihnen ihre Bedeutung rauben, Verletzungen ungeschehen machen.
Normalerweise würde ich genau jetzt alles versuchen um noch zu retten was zu retten ist.
Warum ich es heute nicht tue, vielleicht erst morgen, übermorgen oder auch gar nicht? Wer weiß, vielleicht mag ich nicht mehr, vielleicht fehlt mir die Energie, vielleicht steh ich diesmal auf der Seite derer, die das Gespräch führten, vielleicht gestehe ich mir auch nur ein, dass es Windmühlen sind gegen die ich ständig kämpfe, vielleicht bin ich zu mutlos. Vielleicht ist es auch nur die Erkenntnis, dass wir noch viel zu weit voneinander entfernt sind, als dass das wofür ich kämpfen wollen würde, irgendwann zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Vielleicht nehme ich hin, das ich mein Ziel nicht erreichen kann.

Es ist das Gesicht der Mutterfrau

Seit einigen Tagen erschrecke ich, schaue ich in den Spiegel und sehe mein Gesicht.

Ich erstarre, der Puls steigt spürbar und sprunghaft an. Ich sehe das Gesicht dieses Körpers mit der Fratze der Mutterfrau. Mit ihren Gerichtszügen, ihrem starren, eiskalten, alles durchdringenden Blick, diesem unausweichlichen Bösen!

Panik!!! Ich ertrage eine Menge aber das geht zu weit! Ich ertrage diesen fratzenhaften Blick nicht! 

Alles vermischt sich, Ereignisse überschlagen sich. Ich will nicht werden wie die Mutterfrau! Ich will nicht ihre Fratze tragen müssen als meine Maske! Ich will, will, will das nicht!

Panik, ich will mir die Haut vom Gesicht reißen, um diese Fratze nicht sehen zu müssen! Ich will schreien doch der Hals ist zu, komplett verengt, lässt nur noch das geringste an Luft hindurch, gerade genug, nicht umzufallen, gerade genug zum überleben.

Alles verschwimmt, Realität kleingehackt, vermengt mit Angst und Panik, Vergangenheit als Zusatzgewürz.

Ich will nicht werden wie sie! Will nicht aussehen wie sie, diese Teufelsfratze nicht in meinem Gesicht wiedererkennen!

komplexe Beziehungen oder: Beziehung mit einem multiplen System

Vor einiger Zeit fragte Sebastian (ein Partner einer Person mit DIS) wie er in Streitfällen mit seiner Partnerin umgehen soll oder wie er damit umgeht, dass es im System seiner Partnerin eine (oder auch mehrere) Unterpersönlichkeit (-en) gibt, die die Beziehung beenden möchte. (nachzulesen unter: Bist du „Viele“ oder tust du nur so?)

Ein Beziehungsleitfaden dazu gibt es leider nicht und wir werden auch keinen liefern können, noch möchten wir das. Es gibt kein System, welches einem anderen gleicht, kein immer richtig oder immer falsch.

Wir können aber von unseren eigenen Beziehungsideen schreiben, davon wie wir selbst Beziehung erleben, was uns wichtig ist und davon, dass all das jederzeit veränderbar und in Bewegung ist.

In einer Partnerschaft geht es auch immer um Kompromisse und darum eine gemeinsame Vorstellung von Beziehung zu entwickeln. Das bedeutet für uns, dass es wichtig ist über aufkommende Fragen zu sprechen, sich zu trauen Unsicherheiten und Befürchtungen anzusprechen und möglichst offen miteinander umzugehen. Was es nicht für uns bedeutet ist, dass der Partner alles wissen muss und es keine Geheimnisse geben darf. Wir empfinden es als wichtig, dass die gefundenen Strukturen und Vereinbarungen keine starren Vereinbarungen sein müssen, sondern immer wieder besprochen und angepasst werden dürfen.

Begegnet mir im System meines Partners eine Unterpersönlichkeit, die mich an ihrer Seite nicht akzeptiert, die kein Interesse an einer Beziehung hat, mich gar nicht liebt und die Beziehung vielleicht sogar beenden möchte, wäre meine erste Intension dahinter zu schauen und zu hinterfragen.

Warum möchte die Person sich trennen?
Sind es Ängste die dahinterstehen, so lässt sich vielleicht ein gemeinsamer Weg finden, diese Ängste abzubauen oder einen Umgang damit zu finden.
Will die Person sich nicht binden oder fühlt sich mit dem Partner nicht wohl, kann auch dafür eine Lösung gefunden werden. Das könnte bedeuten, dass sich diese Person zwar mit der Beziehung arrangiert, dennoch die Freiheit hat sich aus der Beziehung raus zu nehmen.
Egal was es ist, nur wenn darüber gesprochen wird, ist es möglich einen Umgang damit zu finden.

Wir hatten lange Zeit den Wunsch nach Normalität und wollten eine Beziehung wie sie sich „gehört“. Wir wollten unserer Partnerin treu sein, sie nicht hintergehen oder verletzen und dennoch, obwohl dieser Wunsch enorm stark war, ist es uns nicht gelungen und innerhalb der vergangenen Jahre hat sich unser Beziehungsmodell immer mehr anpassen müssen um bestehen zu können.
Wir ( wir als System aber auch unsere Partnerin) mussten lernen, dass nicht alle von uns bereit sind diese Beziehung zu führen.
Dass dahinter oft nicht die Intension ist, uns anderen die Beziehung zu zerstören oder zu nehmen, sondern viel mehr der Wunsch, nach eigenen Bedürfnissen leben zu dürfen oder auch uns als System vor Verletzungen und Enttäuschungen zu schützen.
Wir mussten und müssen immer noch lernen zu akzeptieren, dass es hier Unterpersönlichkeiten gibt, denen unsere Beziehung nichts bedeutet, die unserer Partnerin gegenüber abgeneigt, ablehnend, aggressiv und distanziert sind und unsere Partnerin musste lernen sich davon abzugrenzen und/oder mit entsprechenden Personen Vereinbarungen zu treffen, wie man dennoch miteinander respektvoll umgehen kann.

Für uns heißt es, ein gemeinsames Beziehungsmodell zu finden, dass sowohl für uns, als auch für unsere Partnerin passend ist. Es bedeutet loslassen von starren Beziehungsvorstellungen, loslassen von der Vorstellung eine Beziehung führen zu können, als wären wir eine Person und zu verstehen, dass unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse bestehen und das es nicht immer möglich ist einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber auch dann ist es möglich einen gemeinsamen Umgang zu finden aber das erfordert die Bereitschaft von allen Beteiligten einen guten Umgang miteinander führen zu wollen und es heißt nicht automatisch, dass das immer gelingt.
Was wir verstanden haben ist, dass wir wahrscheinlich niemals eine, von der Gesellschaft als normal deklarierte, Beziehung führen werden. Es bedeutet aber nicht, dass Beziehung nicht möglich ist. Es bedeutet vielleicht etwas mehr Gespräche, etwas mehr Verständnis füreinander aufbringen, gemeinsame Lösungssuche und Akzeptanz.

Wie geht man im Streit miteinander um.
Würd ich ein Lehrbuch schreiben, würde ich vermutlich schreiben, man solle darauf achten den Streit mit der Persönlichkeit zu klären, mit der das Problem besteht und möglichst ruhig und sachlich bleiben.
In der Realität ist das sicherlich nicht so einfach umsetzbar. Zum einen ist für den Partner nicht immer unbedingt klar, mit wem er es gerade zu tun hat (kann ja innerhalb weniger Sekunden wechseln, hintergründig wechseln usw) und zum anderen kann die Person auch während des Streits verschwinden und eine andere an ihre Stelle treten (vielleicht auch unbemerkt vom Partner). Schwierig wird es, wenn die Unterpersönlichkeit die den Körper übernommen hat, nicht weiß warum oder worüber gestritten wird, wenn sie nicht einsortieren kann warum der Partner gerade so abweisend, wütend, verzweifelt (was auch immer) ist. Vielleicht hat die nun aktive Unterpersönlichkeit gar keinen Bezug zu dem Thema, nur ein Teilwissen, streitet ab (weil sie keinerlei Erinnerung hat).

Also grundsätzlich kein einfaches Thema, denn Streit bedeutet für viele Systeme große Gefahr und je nach dem wie die Streitkultur ist, kann es auch schnell zu triggernden oder retraumatisierenden Erfahrungen kommen, ohne das es von der beteiligten Person gewollt ist.
Es ist sicher als Partner nicht leicht, wenn die Person mit der man gerade diskutiert oder streitet, einfach verschwindet und die Person die dann zum Vorschein kommt, in einer ganz anderen Verfassung ist und einen anderen oder auch keinen Bezug hat. Es ist nicht einfach dann erstmal eine Streitpause einzulegen und darum zu bitten mit der Person sprechen zu können, mit der das Problem besteht. Wenn es gelingt das zu trennen, heißt es noch nicht, dass auch die Möglichkeit besteht, betreffende Person erneut zu sprechen. Vielleicht funktioniert es gleich, vielleicht auch erst Stunden, Tage oder Wochen später. Vielleicht ist es aber auch gar nicht möglich den Streit mit der Person zu klären mit der man ihn hat. Dann wäre es sicher hilfreich mit Personen aus dem System zu sprechen, die einen Bezug dazu haben, soviel Hintergrundwissen haben, dass es möglich ist eine Klärung zu erreichen… manche Themen liegen vielleicht auch lange auf Eis und warten dort auf Klärung oder auch nicht…
In der Realität ist die Trennung gar nicht einfach umzusetzen, denn gerade in Streitsituationen ist man häufig emotional, gerät evtl. in Rage und möchte seinen Frust loswerden. Häufig entsteht auch ein Gefühl von: das muss geklärt werden und kann nicht ruhen. Manchmal entsteht eine zusätzliche Wut des Partners, weil die Person mit der man gerade streitet einfach verschwindet und man mit seiner Problematik allein zurückgelassen wird, ohne die Möglichkeit der Kärung.

Unsere Empfehlung (und man bedenke dabei das wir keinerlei gesunde Erfahrung in der Streitkultur haben und selbst hart daran arbeiten müssen, Streit gut und überhaupt klären zu können) ist, möglichst ruhig und sachlich zu bleiben, bei sich zu bleiben und nicht in die Anklage zu gehen. Während dem Streit darauf zu achten, ob ein Wechsel stattfindet und zu überprüfen ob es möglich ist den Streit/das Gespräch weiter zu führen oder ob es mehr Sinn macht, etwas zu vertagen und erneut anzugehen.

Für uns ist es ganz wichtig zu lernen und zu verstehen, dass ein Streit nicht dazu führen muss, dass wir verlassen werden, dass wir bestraft oder erniedrigt werden und dennoch sind es diese Ängste, die in Streitmomenten dominieren und unser Verhalten (und somit auch Wechsel) beeinflussen. Es bedarf immer wieder einer Überprüfung der Situation und dem Bezug zur Realität, denn häufig finden Übertragungen von alten Erfahrungen auf die neue Situation statt und häufig auch, ohne das es einem bewusst ist.

Ansonsten gilt für eine Beziehung mit einer Multiplen das selbe wie für jede andere Beziehung.
Ein rücksichtsvoller und respektvoller Umgang und reden… rede… reden…

Wortlosigkeit

Es fällt uns sehr schwer momentan hier zu schreiben. Nicht nur hier auch sonst gelingt es uns kaum. Als wäre das noch nicht genug, schmeißen wir uns sämtliche anderen Hürden in den Weg, die uns das Leben weiter erschweren können. In den vergangenen Beiträgen haben wir auch schon immer mal wieder davon geschrieben, wie schwer es uns fällt, den Kontakt zu wichtigen Personen zu halten.

Niemandem von uns wird damit wirklich geholfen sein auch, wenn der ein oder andere meint, es wäre der schlauste Weg sich aus dem Staub zu machen, schnell wieder alle Fenster und Türen zu schließen, bevor wirklich jemand dahinter schaut. Bevor es wirklich jemand schafft, dass wir sie/ihn lieb haben, ins Herz schließen und schlimmer noch, bevor man uns vielleicht wirklich gern hat. Denn am Ende sind wir doch dann nur enttäuschender Ballast usw. bla bla bla… scheiß Tätergedönsgelaber!!! Dummerweise schwirrt es uns aber sowas von durchs Hirn, dass man kaum was hat zum gegensetzen und ja auch eigentlich wirklich genug Zweifel da sind, ob das alles so gut und richtig ist, wie es ist oder ob wir uns damit dann nicht doch noch die eigene Grube graben. Wo Zweifel vorhanden sind, ist es leicht die Gedanken zu vergiften. Viel zu schwer ist es, sich davon zu distanzieren, sich bewusst zu machen, dass man so eigentlich gar nicht denkt und denken möchte.

„Nimm das was da ist und was irgendwann daraus wird, wird man sehen.“ Gerne würden wir das für uns übernehmen. Gerne hätten wir den Raum in uns den Moment zu genießen, das festzuhalten, was ist und nicht nach der Zukunft zu fragen. Zumal uns ja auch bewusst ist, dass niemand sie uns voraussagen kann, dass niemand eine Garantie aussprechen kann und das wir lernen müssen dieses Risiko einzugehen, wenn wir andere, gute Erfahrungen machen möchten. Das möchten wir. Alles in uns schreit danach Leben zu erfahren, Freiheit kennen lernen zu dürfen, Selbstbestimmtheit fühlen zu dürfen, sagen zu dürfen was man sagen möchte, fühlen zu dürfen was man fühlen möchte, Entscheidungen treffen zu dürfen, ohne ständige Gefahr der Bestrafung. Das und noch vieles mehr möchten wir sehr gern, unsere Angst aber steht uns im Weg, Kontaktverbote stehen im Weg, Schweigegebote stehen im Weg, VERBOTE VERBOTE VERBOTE!!! sie stehen im Weg und fesseln uns an alte Verhaltensmuster. Schmeißen uns zurück in den Stillstand und die Wortlosigkeit, in die Gelähmtheit und Hilflosigkeit, in die Verzweiflung, in die Todessehnsucht, in die Todesangst, in die Flucht, den Rückzug, die Einsamkeit, das Alleinsein.

Vor zwei Tagen mussten wir notfallmäßig zum Zahnarzt. Der totale Trigger für uns und schier unaushaltbar aber es ging kein Weg mehr dran vorbei und wir wurden zwangsmäßig (lieb gemeint) zum Zahnarzt geschliffen. Der Weg dorthin war schon ein einziger Kampf. Wegrennen wollen und versuchen, hysterisch werden, dissoziieren, streiten, heulen, durchdrehen. Dort angekommen, am ganzen Körper zitternd und panische Angst, hat ne kleine von uns dann (wie so häufig) übernommen und mutig die Behandlung über sich ergehen lassen. Es war schlimm für sie, zumal es uns zwischendrin total weggeflasht hat und unsere Partnerin doch ne Weile gebraucht hat uns da wieder raus zu holen. Am Ende waren wir froh das sie dabei war, denn sie kennt uns gut genug um die Situation zuordnen und reagieren zu können, was sie dann auch tat und auch die Zahnärztin samt Helferinnen waren super und haben richtig gut reagiert. Sicher auch weil unsere Partnerin ihnen nebenbei erklärte was da gerade bei uns passiert und woran es uns erinnert, was soviel Angst auslöst. „Hier bricht euch keiner den Kiefer, das Knacken ist normal und kommt vom Zahn. Hat sich genauso schlimm angehört aber es passiert euch hier nichts. Der Kiefer ist noch ganz und das bleibt er auch!“ Diese und ähnliche Sätze kamen dann auch von der Zahnärztin, die relativ schnell verstanden hat. Unsere Lütte hat das so super gemacht und trotz des heftigen Flashs und Dauertriggers durchgehalten und war am Ende furchtbar stolz, wir andern auf sie auch und wir sind es noch. Was wir ohne diesen Zwerg machen würden… ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen…

Und dennoch, es geht ihr nicht gut. Sie hat in den letzten Wochen einiges erfahren und erlebt, was ihr schwer fällt zu begreifen und zu verarbeiten. Sie versucht ihre Fröhlichkeit nicht zu verlieren, vielleicht auch, weil sie weiß wie wichtig sie für uns ist, ihre positive unbeschwerte Art. Sie überspielt wie es ihr geht und das bereitet uns Sorge. Lieber hätten wir es, sie würde reden, sich das holen was sie braucht, sich helfen lassen. Vielleicht braucht sie aber auch wirklich erst eine Zeit für sich um sich dann mit uns und den Thematiken auseinander zu setzen.

Wir sind an einem ziemlichen Tiefpunkt der schwer zu händeln ist, in dem es schwer ist nicht wirklich aufzugeben und denen das Feld zu überlassen, die diesem Leben einfach ein Ende bereiten. Genau deshalb aber fangen wir noch mehr an zu kämpfen und noch mehr zu fokussieren. Wir wollen das nicht einfach zulassen, wollen auch jetzt wieder irgendwie über diesen Punkt hinweg kommen. Also versuchen wir uns auf anderes zu konzentrieren. Heut haben wir Lampen in unserer Wohnung angebracht. Bisher gab es nur eine im Kinderzimmer, ansonsten nur die rohen Fassungen mit Glühbirnen drin. Und ständig haben wir es vor uns hergeschoben, weil es immer hieß wir würden hier bald wieder ausziehen und somit lohnt es sich nicht. Inzwischen ist uns egal ob wir morgen oder übermorgen ausziehen (was wir natürlich nicht tun), wir möchten die Wohnung endlich schön haben. Also, heute Lampen gekauft und auch direkt angebracht. Hat gut geklappt und wir haben es ohne Stromschlag oder Kurzschluss geschafft. Im Anschluss dann nochmal losgefahren und für unsere Wohnzimmerfenster Jalousien gekauft. Die haben wir dann natürlich auch direkt angebracht, sowas können wir dann ja doch nicht liegen lassen. Eine Jalousie muss morgen nochmal umgetauscht werden aber dann können wir die auch noch anbringen und dann ist es fertig. Hab schon überlegt, ob ich unserem netten Spannernachbarn zuliebe eine Zeit einrichten sollte, für die wir ihm versprechen, dass wir die Jalousien oben lassen. Nicht das ihm nachher zu langweilig wird und er wegen uns noch mehr Bier trinken muss… Ach nee… cool, wenn man auch einfach mal zu machen kann und man nicht ständig auf dem Präsentierteller hockt.

Morgen bekommen wir dann noch einen neuen, gebrauchten Esstisch und Stühle. Die werden wir abschleifen und neu lackieren. Da freuen wir uns schon riesig drauf. Solche Arbeiten machen wir gern und endlich wieder ein Esstisch zu haben, ist auch richtig toll!

So, das ist es nun erst einmal wieder gewesen. Ich bin gerade froh, dass wir es mal wieder geschafft haben etwas zu schreiben und wir möchten versuchen wieder häufiger zu schreiben. Ihr werdet sehen ob es uns gelingt oder ob es doch noch eine Weile still um uns bleibt.