Es ist das Gesicht der Mutterfrau

Seit einigen Tagen erschrecke ich, schaue ich in den Spiegel und sehe mein Gesicht.

Ich erstarre, der Puls steigt spürbar und sprunghaft an. Ich sehe das Gesicht dieses Körpers mit der Fratze der Mutterfrau. Mit ihren Gerichtszügen, ihrem starren, eiskalten, alles durchdringenden Blick, diesem unausweichlichen Bösen!

Panik!!! Ich ertrage eine Menge aber das geht zu weit! Ich ertrage diesen fratzenhaften Blick nicht! 

Alles vermischt sich, Ereignisse überschlagen sich. Ich will nicht werden wie die Mutterfrau! Ich will nicht ihre Fratze tragen müssen als meine Maske! Ich will, will, will das nicht!

Panik, ich will mir die Haut vom Gesicht reißen, um diese Fratze nicht sehen zu müssen! Ich will schreien doch der Hals ist zu, komplett verengt, lässt nur noch das geringste an Luft hindurch, gerade genug, nicht umzufallen, gerade genug zum überleben.

Alles verschwimmt, Realität kleingehackt, vermengt mit Angst und Panik, Vergangenheit als Zusatzgewürz.

Ich will nicht werden wie sie! Will nicht aussehen wie sie, diese Teufelsfratze nicht in meinem Gesicht wiedererkennen!

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9 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. mariesofie
    Jun 07, 2013 @ 10:11:21

    Kann ich gut verstehen! Ich bin meiner Geburtsfrau wie aus dem Gesicht geschnitten …sehe es ab und an im Spiegel …. grauenvoll! Und oft sieht da jemand völlig fremdes aus mir heraus mit bitterbösem Blick, kalt und brutal. das macht mir auch Angst, weil ich es einfach nicht bin. Da gehe ich schleunigst weg vom Spiegel. Aber umso intensiver sehe ich hin, wenn im Spiegel ein Kind mich ansieht, lieb, verträumt und so gar nicht gemein! Und das ist zu 90 % der Fall. Das kann ich annehmen und mir bewusst machen, dass ich wirklich eben wer ganz anders bin als diese Geburtsfrau.
    Und das bin ich – völlig anders, weil in mir etwas Liebevolles steckt. Dessen bin ich mir ganz bewusst und atme auf!
    Und das kuriose ist:
    Wenn es dir im Spiegel bewusst wird, dass SIE herausschaut, das ist der erste Schritt zu erkennen, dass du es gar nicht bist mit deren Eigenschaften!! Echt, sonst würde es dir nicht auffallen! Also vertrau dir selbst und deinem Inneren. Glaub mir, du bist anders! Liebe Grüße von mir!

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jun 10, 2013 @ 16:57:16

      Eigentlich schauen wir unserer Mutter nicht ähnlich. Jeder der sie sieht und uns, stellt hinterher die Frage, ob wir uns sicher sind, dass sie unsere Mutter ist. Also eigentlich (hoff ich und glaub ich und will das auch glauben), dass es nicht wirklich Ähnlichkeiten gibt im Aussehen.
      Wie du schon geschrieben hast, da ist dann jemand anders da. Ich find das immer schwierig, es erschreckt mich. Diese Kälte im Blick, dieses Verachtende, Erniedrigende, alles durchdringende. Und dann dringt dieses Verhalten nach vorne, eine Kopie ihrer Person. Es ist so spürbar falsch was dann kommt… es macht uns angst, denn wir wollen auf keinen Fall so sein, wollen diese Charakterzüge nicht, dieses unberechenbare…

      Antwort

  2. diepaulines
    Jun 07, 2013 @ 15:03:56

    ich habe Deine Verzweiflung gelesen und kann Dich verstehen und würde Dir gern etwas Tröstendes oder Herzwarmes schreiben…. Hm… Du willst nicht werden wie die Mutterfrau, Du siehst Ähnlichkeit im Gesicht und Du wehrst Dich dagegen- das zeigt ja schon, dass Du anders bist. Du erkennst, wie Du NICHT sein willst.
    War die Mutterfrau jemals so „selbstreflektiert“?? Du bist Du, Du bist ein eigener Mensch und äußere Ähnlichkeiten zwischen Verwandten bedeutet doch im Grunde nichts besonderes – man kann jedem anderen, nicht verwandten Menschen, auch ähnlich sehen… Du bist keine Fratze, denn Du fühlst!

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jun 10, 2013 @ 17:02:06

      Oh nein, selbstreflektiert ist sie in keinster Weise oder nur sehr sehr selten… vermutlich wird sie es nie sein. Sie glaubt das richtige zu tun und hat, wie es aussieht, ihren Weg gefunden…

      Danke, wir haben so angst vor diesem Fratzengesicht. Vermutlich wirkt da auch noch etwas rein, was unser Ex-Mann mal gesagt hat, dass hat damals gesessen und ist leider immer noch etwas was unsere Selbstwahrnehmung beeinflusst…

      Antwort

  3. weltenallerlei
    Jun 07, 2013 @ 16:43:58

    ich sehe es wie die paulines. es mag zwar das gesicht ähnlichkeiten aufweisen, doch bist du nicht sie. du hast eigene eigenschaften, fähig- und fertigkeiten, vielleicht auch kleine macken 😉 alles was dich eben ausmacht…

    Antwort

  4. mariesofie
    Jun 09, 2013 @ 13:23:32

    Ich hoffe, ich durfte deine Zeilen „kopieren“ , weil du es wieder einmal tausendmal besser beschreiben konntest. Ich bewundere deine Offenheit! Falls das nicht o.k. ist, sags mir schnell! Drück an dich!

    Antwort

  5. feenja
    Jun 11, 2013 @ 22:15:52

    So wie ich euch kennen lernen dufte seid ihr so anders, ganz anders, vergleicht mal wie ihr mit eurem Kind umgeht und wie eure Mutter mit euch umgegangen ist, da ist kein Vergleich. Auch wenn ich das kenne wir sehen unserer Mutter zum Teil ähnlich und das erschreckt mich aber wir schauen so gut wie nie in den Spiegel und wenn dann sehen wir uns darin gar nicht richtig. Ihr seid nicht wie sie und ihr werdet niemals wie sie sein.

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jun 12, 2013 @ 06:34:37

      Auch euch vielen Dank für eure Antwort. Derzeit wird hier der Blick in den Spiegel auch vermieden. Wir ertragen diesen Blick gerade nicht. Es steht auch einfach eine riesige Angst dahinter, so zu werden wie sie. Nicht nur das Aussehen, auch ihre Charakterzüge. Diese Angst hatten wir schon immer bzw Teile von uns hatten sie schon immer. Je älter wir werden, desto mehr Ähnlichkeiten tauchen auf. Das macht Angst und wir versuchen alles um dagegen an zu kommen. Manchmal gar nicht einfach…

      Antwort

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