Nächtlicher Polizeieinsatz bei unseren Nachbarn

Es ist kurz nach drei, mitten in der Nacht. Der Fernseher läuft zur Ablenkung von der Nacht und all dem damit verbundenen Stress.

In der einen Hand das Kuscheltier, die andere spielt zur weiteren Ablenkung auf dem Handy.

Plötzlich reißen Hilfeschreie einer Frau uns aus unserem Aushalt-Durchhalt-Zustand.

Sie kreischt und brüllt, irgendwas unverständliches und immer wieder, Hilfe, Polizei!

Tausend Bilder schießen durch den Kopf, selbstgefundene Erklärungen für die Schreie. Kurz erstarrt der Körper und Angst steigt auf. Was ist wenn da jetzt…
Jemand anderer übernimmt den Körper, schließlich muss gehandelt werden, dort braucht jemand Hilfe.
Er geht raus auf den Balkon, überprüfen von wo die Schreie kommen und abchecken ob man helfen kann. Scheint richtig was los zu sein also wurde das Handy gezückt und die Polizei gerufen.

Innerliches durchdrehen, Polizei anrufen verboten, sprechen verboten, gefährlich!!!

Außen wird gehandelt, der Notruf gewählt und die Polizei informiert. Inzwischen hatten wohl bereits andere ebenfalls angerufen, denn im selben Moment fahren zwei Polizeiwagen vor.
Sie eilen ins Nachbarhaus, sie schreit weiter, dazwischen Geschrei der Polizisten, die äußerst bemüht waren, die Situation möglichst schnell in den Griff zu kriegen. Sämtliche Nachbarn standen bereits an ihren Fenstern, schüttelten die Köpfe, tuschelten sich kleine Lästereien über die Polizisten und die betroffenen Nachbarn zu.

Die Frau hörte auf zu schreien, die Polizisten und weitere Männer aus der Wohnung gerieten wohl in Rage, zwischendurch knallte es, einer, vermutlich der Teenager-Sohn der schreienden Frau, rannte aus dem Haus und auf Socken die Straße entlang. Einer der Polizisten rief noch hinterher aber der Junge lief einfach weiter, ängstlich, überfordert und völlig neben sich stehend. Schien dann aber allen anderen Beteiligten egal.
Während dessen kümmerten sich die anderen Beamten darum, sämtliche Männer aus der Wohnung in ihre Polizeiwagen zu räumen und der Frau klarzumachen das es besser ist, wenn sie auch ihren Freund erstmal mitnehmen. Schließlich hätte er sie ja angegriffen und sie soll die restliche Nacht nutzen um sich Gedanken zu machen.
Sie war damit nicht einverstanden, entschuldigte sich bei ihrem Freund, weil er nun mit musste. Den Beamten war das dann aber nicht mehr so wichtig, sie waren fertig mit der Arbeit vor Ort und wollten wohl los.

Inzwischen sackte der Körper auf dem Balkon zusammen, die Beine versagten, zitterten unkontrolliert und konnten die Last nicht mehr tragen.

Ängstlich, auf dem Boden hockend, zusammengekauert, auf die Strafe wartend, die Hände schützend über den Kopf gehalten.

Nichts passiert, niemand kommt um sie zu bestrafen, doch sie weiß die Strafe wird kommen. Mit der Polizei darf sie nicht sprechen!

Als sich ihre Verkrampfung etwas lockert, hört sie hinter sich jemanden sprechen. Beruhigende Worte und eine weiche kuschelige Hand können sie nun erreichen. Sie zögert noch einen Augenblick, schaut nochmal ängstlich in alle Richtungen, niemand ist sonst zu sehen. Endlich kann sie loslassen und sich nach Innen begleiten lassen. Sanft, in kuschelweichen Armen wird sie fortgetragen, drückt ihr Gesicht ins Fell, um sich ganz darin zu verkriechen. Als sie bei ihren Blätterbett ankommen ist, ist sie schon viel ruhiger, atmet langsamer und gähnt. Der mit dem kuscheligen Fell wird noch bei ihr bleiben, bei ihm fühlt sie sich sicher, wenn er da ist muss sie keine Angst haben.

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5 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. M. Sommer
    Jul 25, 2013 @ 06:48:20

    Es berührt mich auf so vielen Ebenen. Zum einen ist da Mitgefühl mit euch und auch Hochachtung, dass ihr helfen konntet.
    Dann wieder Unverständnis, Ärger, Wut über das stupide Vorschriftshandeln der Polizei, die tut, was getan werden muss…nicht mehr, nicht weniger.

    Und mich beschäftigen solche „Geschichten“ im Außen und Innen, weil uns 2011 auf ähnliche Weise das Leben gerettet wurde und wir so dankbar für das Hinhören der Nachbarn waren und sind. Mehr können wir nicht schreiben. Ich hoffe sehr, dass ihr die Nacht gut überstanden habt und den Schrecken überwinden könnt.

    Oft werden Zeugen oder Helfer vollkommen vergessen…Unsere damalige Nachbarin ein Stockwerk tiefer meinte damals, dass sie noch Stunden gezittert hatte, weil sich die Schreie so beängstigend für sie anhörten. Damit sollte auch niemand allein sein müssen…

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jul 25, 2013 @ 16:47:03

      Leider sind wir solche Szenarien hier schon gewohnt. In der Gegend in der wir Leben kommt es häufiger zu Polizeieinsätzen jeglicher Art. Anfang der Woche musste die Polizei gerufen werden weil jemand auf dem Dach eines Hauses stand. Heut früh, beim ersten Gang auf den Balkon, erblickten wir erneut die netten Damen und Herren von der Polizei, die gerade einen Einsatz nebenan hatten.

      Aber wir sind auch immer froh, wenn wir mitbekommen, dass andere helfen indem sie die Polizei rufen und dennoch glauben wir das noch viel zu viel weggeschaut wird. Das erleben wir hier auch immer wieder, leider.

      Schön ist es zu lesen, dass euch so auch schon geholfen wurde und ihr nicht allein gelassen wurdet! An die Helfer oder die, die es mitbekommen, wird wirklich nicht häufig gedacht, dabei würde es häufig sicher schon helfen ein paar beruhigende Worte zu hören. Andererseits ist ein Polizist dafür ja auch nicht unbedingt da und ausgebildet und gar nicht in der Lage hilfreich in der Situation zu agieren. Ich hab aber auch schon gesehen, dass Polizisten sehr einfühlsam reagiert haben und Telefonnummern von Stellen ein helfen können und dafür ausgebildet sind. Das fand ich wiederum sehr gut.

      LG

      Antwort

  2. M. Sommer
    Jul 25, 2013 @ 06:48:56

    Verzeih: Viele Grüße natürlich noch:)
    M.

    Antwort

  3. lenaflynn
    Jul 25, 2013 @ 13:35:09

    Liebe Mosaiksteinchen
    Ich lese immer Deine Beiträge, ich weiss ich schreib nichts dazu, weil es manchmal einfach so wahr ist was Du schreibst und ich so gut nachfühlen kann. Wollte mal fragen, wie man denn an das Passwort kommt von den geschützten Beiträgen? Würde mich freuen, sie auch lesen zu dürfen.
    Ganz liebe Grüsse
    LenaFlynn

    Antwort

    • Mosaiksteinchen
      Jul 25, 2013 @ 16:53:33

      Hallo LenaFlynn,

      danke für deine Rückmeldung. Wir freuen uns über jeden Leser und natürlich auch über jeden Kommentar und darüber wenn unsere Texte verstanden und gefühlt werden können.
      Schau mal in deinen Maileingang 😉

      Danke und LG

      Antwort

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