Ein lang durchdachtes, doch völlig ungeplantes Gespräch

Wir sind selbst noch völlig verwirrt. Erschrocken über uns selbst und gleichzeitig ein kleines bisschen erleichtert und überrascht.

Manchmal gibt es Tage, an denen recht intensive Gespräche mit unserem Sohn stattfinden.
Heute war wieder so ein Tag.

Angefangen hat es damit, dass unser Sohn wieder davon sprach, in den Sommerferien seine Oma besuchen zu wollen. Ich kann dabei bleiben und auf ihn aufpassen, dann hätte er auch keine Angst mehr vor ihr.

Wir sprechen da also wieder einmal von unserer Mutter.

Ein tiefes Durchatmen, dann der Wechsel.

Es wird mit ihm gesprochen, anders als sonst. Ein ehrliches und offenes Gespräch findet statt. Kein möglichst schnelles Themen wechseln, sondern eine Erklärung kommt über unsere Lippen.

Ich habe sie beobachtet, zugehört und unseren Sohn nicht aus dem Blick gelassen. Eigentlich hatten wir uns geeinigt noch nicht mit ihm zu sprechen, noch nicht. Dennoch, sie führte ein gutes Gespräch.

Zuerst sagte sie ihm, sie würde gern offen mit ihm reden und ob er das Gefühl hätte, es wäre gut.
Sie hat ihn gebeten ihr zu sagen, wenn ihn etwas überfordert oder er etwas nicht versteht. Erlaubte ihm, alles zu fragen, was er möchte und jederzeit mit ihr sprechen zu dürfen.

Sie erklärte ihm, dass es bei ihr auch so ist, dass sie Sehnsucht hat nach der Mutter, denn es ist eben noch immer die Mutter. Das es aber Dinge gibt die passiert sind und die vieles zerstört haben. Sie erklärte, dass es ihr nicht mehr möglich ist, mit der Mutter in einem Raum zu sein, sprach von Ängsten, Enttäuschungen und davon, dass die Mutter ihr nie Schutz geboten hat.

Sie erzählte ihm davon, dass es in der Kindheit Übergriffe auf sie gab (der Begriff sexueller Missbrauch sagt ihm bereits was) und das die Mutter sie nicht geschützt hat und sie allein damit war.

Unser Sohn hat viele Fragen gestellt, teilweise war ich sehr überrascht, wie weit der kleine Zwerg schon denkt und vor allem, was er schon alles versteht.
Und natürlich arbeitet es in ihm, denn es ist seine Mutter der das passierte und er weiß, solche Eingriffe in die Seele des Menschen, solche Übergriffe zerstören die Seele und reißen sie in Stücke.

Sie hat nichts davon erwähnt, wie schlimm es wirklich war und das es mehr als einen Mann gab und und und. Nein, sie hat einen Rahmen gefunden, der passte und darauf aufgebaut.

Plötzlich eine Frage, die uns für einen Moment erstarren ließ. Bei der wir hofften, sie würde auch jetzt eine gute und wahre Antwort geben können.

„Mama, jemand dem sowas passiert, dem reißt das die Seele in Stücke und macht den Menschen zu einem anderen. Damit mein ich, dem wird sein eigenes Selbst genommen und dann das reingemacht, was der andere will. Bist du deswegen manchmal so ein Kind oder so böse? Ich will dich nicht verletzen aber manchmal bist du anders und dann kurz danach wieder anders und manchmal sagst du was zu mir und dann weißt du es wieder nicht und dann später doch wieder. Manchmal muss ich dir alles öfter sagen, sonst vergisst du das wieder. Manchmal bist du total süß und lustig und dann wieder ganz anders plötzlich. Kommt das daher, haben die deine Seele so zerrissen und dich deshalb zu so vielen gemacht? Du bist wie mehrere in einem drin.“

Erstmal tief durchatmen… dieses Kind begreift soviel… zuviel…

Zum Glück, sie hatte eine Antwort.

Was mir gut gefiel war, dass sie ihm Bestätigung gab, seine Wahrnehmung nicht als falsch hinstellte. Sie sagte ihm, er könnte sich auf sein Gefühl verlassen, es wäre richtig.

Sie sprachen über Anteile die in jedem Menschen vorhanden sind, von einer etwas anderen Ausprägung, die es bei ihr hätte. Davon das die Anteile etwas getrennter sind als bei einem gesunden Menschen. Er stellte Fragen, war interessiert und beachtete sehr gut seine eigenen Grenzen.
Er bedankte sich für das offene Gespräch, war froh darüber das wir so offen miteinander umgehen können und verstand nun mehr, dass ein Kontakt zur Oma nicht mehr geht.

Er sagte das ich die beste Mama der Welt wäre, nein des ganzen Universums und das er nie eine andere hätte haben wollen. Er findet es toll wie seine Mama ist und das was manchmal nicht so gut läuft ist in Ordnung, denn er weiß ja warum.

Wir sind immer noch ganz baff von dem Gespräch. Seit Jahren diskutieren und grübeln wir, wie und was man mit unserem Sohn besprechen sollte. Was gut ist, was eher nicht. Wie geht man mit dem Viele sein ihm gegenüber um? Was bemerkt er und was nicht?

Therapeuten haben uns schon vor einigen Jahren dazu geraten offen mit ihm umzugehen, seine Wahrnehmung nicht kaputt zu machen, indem man ihm etwas vormacht. Denn das haben wir zum Teil auch getan, um ihn nicht zu belasten. Er sollte frei davon aufwachsen. Eine ganz normale Kindheit haben und sich keine Gedanken um seine Mutter machen.

Der ehrliche Weg, ist der gesündere. Das haben wir heute wieder deutlich gespürt. Das Gespräch hat unserem Sohn Sicherheit gegeben, es fühlte sich an, als wäre ein riesen Durcheinander langsam aufgelöst worden. Erleichterung auf beiden Seiten.

Wichtig war ihr und uns anderen auch, ihm damit keine Verantwortung uns gegenüber aufzuhalsen. Ihm ganz deutlich zu sagen, dass für uns genug Hilfe da ist und er sich keine Sorgen machen muss.

Und immer wieder sind wir erstaunt was dieser kleine, neun Jahre alte Zwerg, alles begreift.

Wir sind stolz auf sie, sie hat das so gut hinbekommen.

Das ein Gespräch zu diesen brisanten Themen mit unserem Sohn so gut laufen…

M. wir sind stolz auf dich und dankbar, dass du diese Aufgabe übernommen hast und unserem ewigen rumgeeier damit ein Ende gesetzt hast.

Der Satz bildet den Boden

Vermutlich war es dieser eine Satz, dieser eine Moment vor ein paar Tagen.

Es war in einem Kontakt mit unserer Therapeutin, ein Moment in dem gedacht und gefragt wurde: “ Warum lassen wir zu, dass andere soviel Macht über uns haben?!?“

Das passierte in einem Moment in dem wir dem Aufgeben sehr nah waren. Sämtliche Hoffnung sich auflöste und in einem tiefen schwarzen Nichts endete.
Ein Moment in dem alles sinnlos schien, in dem wir selbst und andere den Glauben an uns verloren hatten.

Zwei Möglichkeiten waren gegeben, aufgeben zu kämpfen und dieses Leben beenden oder Neugestaltung, Funktion-Funktion -Funktion, umorganisieren, aufstehen, loslaufen.

Die Verantwortung siegte und dieser Satz, der uns für einen Moment erlaubte, zu glauben das wir das nicht müssen. Der es zuließ für einen Moment zu glauben, dass wir selbst diejenigen sein dürfen, die die Kontrolle über unser Leben tragen.
Gerade: wie kannst du sowas schreiben? Hast du sie noch alle? Wir die Macht über uns?!! Du weißt, dass es das nie geben wird! Wie kannst du sowas lächerliches hier aufschreiben? Auslachen werden sie dich für diese absurden Gedanken!!

Nun gut, machen wir anders weiter.
Dieser Moment war also der an dem wir nun wieder aufgestanden sind. Wackelig und mit zittrigen Beinen, in dem wir uns an unsere Verantwortung unserem Kind gegenüber klammern und gar nicht anders dürfen, als weiter zu machen.
Aufstehen und weiter geht es!

Ein bisschen ungewollt und dennoch gewollt, sind wir derzeit zum Radfahrer geworden. Wir, die sich draußen nur im Auto sicher fühlen, haben unser Auto also verliehen und fahren Rad.
Es tut gut, heut sind wir knapp 35km gefahren. Hätte nicht geglaubt, dass es in diesem absolut untrainierten Zustand so gut klappt.

Ja und dann haben wir Supermama gespielt und uns überreden lassen die Klassenfahrt unseres Zwergs,  nach den Sommer, zu begleiten.
Laut der Lehrerin können wir ja so toll mit den Kids…
Andere Geschichte aber nach dem letzten Eintrag in das Mitteilungsheft ihrerseits, war das jetzt leicht widersprüchlich.

Der Anlass zu der Bitte, die Fahrt zu begleiten, war wohl der heutige Tag der Bundesjugendspiele. Sie scheint immer wieder überrascht davon, dass wir es schaffen, die Rasselbande davon abzuhalten, sich gegenseitig zu erschlagen, in Reihen den Dominoeffekt zu testen, der entsteht, wenn der letzte in der Reihe, denjenigen vor  sich, kräftig schubst oder zu testen, wie fest die Haare der anderen Kinder am Kopf festgewachsen sind. Das es sogar möglich ist, die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse zu erlangen, um ihnen Spiele etc. zu erklären.

Seit ein paar Tagen funktionieren wir wieder besser. Wir haben es geschafft einen Termin bei unserer Psychiaterin wahrzunehmen und hatten tatsächlich mal ein nettes Gespräch mit ihr. Nicht länger als sonst, anders. Sie war aufmerksamer, wir hatten zum ersten mal das Gefühl nicht einfach an ihr vorbei zu reden.

Oh ach ja. Wir haben auch geschafft in den letzten Wochen, einmal wöchentlich zum Zahnarzt zu gehen. Diese Woche haben wir den Termin absagen müssen. Eine Situation mit unserem Zwerg, letzte Woche beim Zahnarzt, hat sehr getriggert und war so fies, dass hier alles wieder aufgebrochen ist.
Hoffentlich legt sich das möglichst bald wieder, damit wir neue Termine vereinbaren und die Behandlung fortsetzen können.

Manchmal ist spalten überlebensnotwendig… auch in diesem Fall war es die letzte Möglichkeit. Hoffen wir das wir damit erstmal gut fahren und uns bald wieder sortiert bekommen.

es nimmt seinen Lauf…

Die Situation mit unserem Sohn und seiner Therapeutin (hier hatten wir bereits davon geschrieben)  hat sich noch nicht geklärt.

Unsere Therapeutin hat erneut ein Gespräch mit ihr gehabt, allerdings blockt sie sämtliche anderen Meinungen und Vorschläge rigoros ab.

Wir sind verärgert und verstehen das alles einfach nicht mehr. Sämtliche Leute aus unserem Umfeld halten das was die Therapeutin vor hat für unangebracht. Am Elternsprechtag vor zwei Tagen haben wir mit seiner Lehrerin gesprochen, die ebenfalls nichts davon hält. Sie hat das ganze auch als lächerlich eingestuft und sagte nur, dass es ganz andere Fälle gibt mit denen das Jugendamt schon genug um die Ohren hätte und das es bei uns keinen Grund gibt so zu handeln.

Das ist sicherlich am Ende gut, dass auch die Lehrerin sich für uns ausspricht. Auch haben wir sie gefragt, ob sie ein Telefonat mit der Therapeutin gehabt hätte. Was sie direkt verneinte und sagte, dass sie nur einmal und das ist ganz am Anfang der Therapie gewesen, mit der Therapeutin gesprochen hat.

Seine Therapeutin hingegen hat gesagt, sie hätte mit der Lehrerin telefoniert und von ihr gehört, dass sich das Verhalten unseres Sohnes in der Schule extrem zugespitzt hätte. Nun gut, auch das verneinte seine Lehrerin. Sie hat also weder mit ihr gesprochen, noch ist sie der Meinung das sich sein Verhalten zugespitzt hätte. Ganz im Gegenteil, er findet sich immer besser zurecht, nicht perfekt aber okay.

Mit wem hat seine Therapeutin also telefoniert? Wer hat ihr gesagt, dass sich alles zuspitzen würde?

Uns kommt das alles mehr als Spanisch vor und erinnert uns sehr an das Ende unserer letzten Therapie. Da war auch von einer Woche auf die andere Schluss, mit eigentlich keiner Begründung die irgendwie Sinn ergeben hätte. Auch da war es so, dass jeglicher Versuch der Klärung ungewünscht und ungehört blieb. Wir hatten auch da schon unsere Vermutungen und den Verdacht, dass sie im Hintergrund beeinflusst wurde, wollten aber nicht paranoid sein und haben den Gedanken immer wieder verdrängt. Jetzt fragen wir uns ob ähnliches gerade bei der Therapeutin unseres Sohnes läuft.

Nun, am Montag ist dort der nächste Termin. Wir werden sehen wie es weitergeht. Sicherlich werden wir sie aber auf die Ungereimtheiten ansprechen…

Verzweiflung – Wut – Enttäuschung – Hilflosigkeit _ ANGST_

Wir werden von Gefühlen überflutet. Verzweiflung, Wut, Enttäuschung.

In unserem letzten Artikel schrieben wir vom selben Thema, heut etwas genauer.

Die Therapeutin unseres Sohnes hat sich entschieden, dass sie möchte das wir eine Familienhilfe beantragen und das Jugendamt einschalten. Grundsätzlich müssen wir dazu sagen, dass wir weder etwas gegen diese Hilfe, noch gegen das Jugendamt haben. Wenn diese Unterstützung von Nöten wäre, würden wir sie liebend gern annehmen.
Aber, sie ist es nicht. Ganz im Gegenteil, es wäre keine Hilfe, sondern eine zusätzliche, nicht notwendige Belastung für alle Beteiligten!

In die Therapie ist er gekommen, weil er zuvor für längere Zeit nicht bei uns sein konnte, sondern bei unserer Mutter war und weil er mit der Trennung von seinem Vater nicht zurecht kommt, der sich leider herzlich wenig um seinen Sohn schert. (Was so nicht mehr ganz stimmt, denn inzwischen telefonieren sie zumindest regelmäßig. Gesehen hat er ihn seit vier Jahren nicht mehr, also die Hälfte seines Lebens)

Da sind einfach Dinge, die er verarbeiten muss und mit denen er einen Umgang lernen muss. Das hat er noch nicht. Dabei sollte ihn die Therapeutin eigentlich unterstützen. Erreicht hat sie in den eineinhalb Jahren mit ihm nicht wirklich etwas. Das was erreicht wurde, ist nicht der Therapie zu verdanken, sondern ist aus unserer Arbeit mit ihm entstanden.

In diesen eineinhalb Jahren sind auch wir durch die ein oder andere Krise gewandert und glücklicherweise hat die Therapeutin unseres Sohnes uns aufgefangen als wir keinen anderen Ansprechpartner hatten. Zum Beispiel als unsere letzte Therapeutin von heut auf morgen die Therapie abgebrochen hat. Somit weiß sie auch einiges über uns aber nicht nur deshalb. Hauptsächlich weil wir es immer für wichtig gehalten haben, dass sie als Therapeutin unseres Sohnes weiß, was bei uns Zuhause so los ist. Also immer versucht so offen und ehrlich wie möglich mit ihr umzugehen. Das war, wie es aussieht ein großer Fehler. Anders als sie immer sagte, scheint sie mit dem Thema überfordert zu sein. Schön wäre es gewesen, hätte sie das einfach gesagt und wir hätten einen anderen Weg gesucht. Jetzt ist ihre einzige Reaktion nur noch aus einem Gefühl der Hilflosigkeit (zumindest vermuten und hoffen wir das das dahinter steht) heraus zu agieren und Verantwortung abzugeben.

Grundsätzlich, wäre diese Hilfe nötig, wäre das alles gar kein Problem. Dann wäre ihr Engagement tatsächlich lobenswert.

Ihr Begründung uns gegenüber ist, dass sie das nicht alles auffangen kann und möchte das unser Sohn einen weiteren Ansprechpartner hat. Nun gut, ist ja eine nette Idee. Die Situation ist aber so, dass wir ja zum einen eine Partnerin haben, die seit sechs Jahren mit uns und unserem Sohn zusammen lebt. Somit Ansprechpartnerin nach uns ist und auch Freunde da sind die für ihn jederzeit ansprechbar sind, was er auch weiß und nutzt. Vor eineinhalb Jahren, als er die Therapie dort begonnen hat, war das noch nicht der Fall. Da war kein anderer Ansprechpartner, keine Helfer oder wie auch immer, außer unserer Partnerin. In der Situation hätten wir ihre Begründung sogar noch verstanden, in der jetzigen Situation passt sie einfach nicht mehr.
Unser Sohn ist recht weit für sein Alter und kann auch schon recht klar formulieren was er möchte und was er braucht. Er hat ganz klar gesagt, dass er niemanden braucht weil er genug Leute hat mit denen er reden kann.
Er hat seiner Therapeutin auch gesagt, dass er nie wieder ein Wort mit ihr spricht, wenn sie das Jugendamt anruft. Nicht weil wir es ihm so gesagt haben, sondern weil er es selber für nicht nötig hält.

Wir haben ein sehr enges und gutes Verhältnis zu unserem Sohn und vor allen ein sehr offenes. Er ist nicht auf den Mund gefallen und äußert klar, wenn etwas für ihn nicht in Ordnung ist und wird von uns auch dazu angehalten genau das zu tun. Wir bestärken ihn immer wieder darin und sind sehr froh darüber das er es auch tut.

Wir reagieren relativ allergisch auf das Jugendamt. Nicht weil es das Jugendamt ist, sondern weil unsere Mutter, seit unser Sohn auf der Welt ist, versucht, ihn zu sich zu holen. Zwei Mal hat sie es geschafft, einmal waren es „nur“ zwei Monate, beim zweiten Mal eineinhalb Jahre. Nochmal stehen weder wir, noch unser Sohn das durch. Und leider gibt es Verbindungen von unserer Mutter (somit auch der RiGaG) zum Jugendamt, was uns grundsätzlich schon mal in eine schlechte Lage bringt.

Vielleicht sollte man erwähnen, dass sämtliche Personen, die uns und unserem Sohn im Alltag erleben und kennen (Partnerin, Freunde, bis vor kurzem betreutes Wohnen, Helfer) die Idee der Therapeutin ebenfalls für völlig unangebracht halten. Sie sehen genauso wenig einen Bedarf wie wir und schütteln nur den Kopf. Und vielleicht sollte man auch erwähnen, dass die Therapeutin unseres Sohnes sich bisher weigert diese Leute anzuhören um einen Eindruck gewinnen zu können, wie es nun tatsächlich bei uns Zuhause ist.
Während dem einen Gespräch mit der Therapeutin saß eine Vertraute von uns im Wartezimmer. Wir haben mehrfach angeboten das sie sich ihre Meinung dazu anhören soll, da sie jemand ist der auch beruflich damit zu tun hat einzuordnen ob in einer Familie Hilfe benötigt wird oder nicht. Sie hat sich geweigert und tut das auch immer noch.

Gestern hat sie uns dann gesagt, dass wir uns nun entscheiden können ob wir uns selbst beim Jugendamt melden (momit denn bitte?) oder ob sie das machen soll, was sie wird, wenn wir es nicht tun. Nun gut, wir könnten es jetzt natürlich schnell machen um einen guten Eindruck zu hinterlassen. So von wegen, ja die kümmert sich, sieht ihre Defizite und holt sich Hilfe. Aber das wäre einfach bescheuert, weil es keinen Grund gibt. Ganz im Gegenteil, es gibt etliche Gründe die dagegen sprechen. Also könnten wir alternativ auch beim Jugendamt anrufen und sagen, sie mögen doch bitte mal vorbei kommen und gucken ob sie nicht vielleicht ein Problem finden, welches es nötig macht das wir eine Familienhilfe bekommen. Vielleicht finden sie ja doch noch was… Nee also rufen wir nicht an, weil weder wir noch alle anderen die uns kennen, einen Bedarf sehen.

Heute hatten wir Therapie und unsere Therapeutin wird nun morgen erneut mit ihr sprechen und sie versuchen umzustimmen. Immerhin hat sie sie beim letzten Telefonat dazu bewegen können uns eine Woche Zeit zu geben bevor sie weitere Schritte einleitet. Außerdem hat die Therapeutin unseres Sohnes uns gestern im Gehen noch gesagt das sie nochmal mit uns telefonieren möchte, wenn wir mit unserer Therapeutin gesprochen haben. Sicherlich in der Hoffnung, dass unsere Therapeutin uns umgestimmt bekommt und wir uns „freiwillig“ beim Jugendamt melden.
Wir werden also auch in diesem Telefonat nochmal freundlichst versuchen zu erklären, warum wir das was sie vorhat für überflüssig und schwachsinnig halten und sie nochmal darum bitten mit den Leuten zu sprechen die uns fast täglich erleben.

Bisher weigert sie sich vehement und wahrscheinlich wird sie das auch weiterhin. Ihre Gesprächsbereitschaft ist auch relativ oberflächlich. Man darf zwar was sagen, zur Diskussion steht aber nichts. Also kann mans im Grunde auch direkt lassen oder sich mit der Wand unterhalten. Der Effekt wäre wohl der selbe.

Wir sind verzweifelt darüber das sowohl unserer Mutter als auch der RiGaG wieder der Ball zugespielt wird und uns die Hände gebunden sind, wir dem hilflos ausgeliefert sind und das einfach absolut unbegründet.

Wir kriegen die Krise, wenn wir sehen wie (ja wir wohnen in einer ziemlichen Brennpunktgegend) die Eltern hier mit ihren Kindern umgehen und das Jugendamt schaut zu und greift nicht ein, weil hier in der Gegend ist es halt so und die Kinder kennen es ja nicht anders. Das müssen wir tagtäglich sehen und stehen auch da hilflos daneben.

Wir reißen uns täglich den Ar… auf um für unseren Sohn alles richtig zu machen. Was sicher nicht heißt, dass nicht auch wir Fehler machen aber wir haben einen geregelten Alltag mit unserem Sohn, eine (meistens) glückliche Familie. Nicht nur einmal haben wir von unserer Partnerin oder auch Freunden gehört, dass wir teilweise zu viel machen.

Nee wir sind uns nicht sicher eine gute Mutter zu sein. Das werden wir sicherlich auch nie, denn dazu müssten sich unsere Erwartungen erstmal der Realität anpassen und nicht immer meilenweit darüber liegen. Dazu müssten wir „normaler“ werden und unsere Angst davor unserem Sohn zu schaden entschärfen. Aber gleichzeitig ist es genau diese Angst, die uns jeden Tag wieder antreibt unsere beste Leistung für ihn zu geben, zu funktionieren wenn er da ist, Mutter zu sein, für ihn da zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen, ihn zu versorgen, mit ihm zu kuscheln usw.
Und weil wir diese Angst haben und immer damit rechnen evtl. doch unserem Kind zu schaden, sichern wir uns ständig bei anderen ab. Bitten sie ebenfalls ein Auge darauf zu haben, uns sofort bescheid zu geben, sollten sie etwas mitbekommen was nicht in Ordnung ist. Bitten sie immer wieder um ehrliche Rückmeldung die wir auch bekommen. Und in den Punkten vertrauen wir den Leuten, es sind alles Leute denen das Wohl unseres Sohnes am Herzen liegt und die sich, sollte es nötig sein, auch gegen uns stellen würden.

Unsere Partnerin wäre die erste die eingreifen würde, sollte ihr etwas auffallen was nicht okay ist und sie ist ebenfalls so, dass sie uns sofort sagt, wenn irgendwas ist und das schon sehr frühzeitig. Sie ist auch niemand der die Augen verschließen würde und dafür sind wir sehr dankbar. Denn das vermittelt uns Sicherheit. Zu wissen, das andere Leute da sind, die schauen und aufpassen und die wir sogar darum bitten, alles was ihnen negativ auffällt zu sagen, damit wir es entweder verändern können oder, wenn es sein müsste auch unseren Sohn vor uns schützen würden.
Denn das ist etwas was wir uns geschworen haben und was nie zur Diskussion stand. Sollten wir unserem Kind schaden, sind wir die ersten die gehen und ihn in Sicherheit bringen.

Wir sind wütend und hilflos über dieses -zurück in die Hände der RiGaG/Mutter- schleudern. Wir sind enttäuscht davon, dass sie uns so hintergeht (ja so empfinden wir es), wir sind sprachlos darüber, dass sie uns nicht einmal die Chance einräumt zu zeigen wie es wirklich ist, dass sie die Leute die es beurteilen können nicht hören will, dass es sie weder interessiert was wir sagen, noch was unser Sohn sagt.

Wir sind wütend darüber, dass sie ihre Unfähigkeit mit ihm an seinen wirklichen Themen zu arbeiten, auf uns abwälzt und uns Probleme zuschiebt die nicht da sind!

Wir sind verzweifelt und hilflos, weil wir wissen wie das Spiel weitergeht und weil wir das nicht mehr aushalten…

Wir sind… einfach alles… und vor allem im Vertrauen wieder so enttäuscht, dass hier alle Schotten dicht gemacht werden. Das wiederum wirkt sich auch auf unsere Beziehung zu unserer Therapeutin aus, denn ja, sie ist Therapeutin und wird gerade mit all den anderen Therapeuten in einen Topf geschmissen, die uns übel enttäuscht haben und davon gibt es leider so einige. Man erwartet von ihr genauso wie von allen anderen, dass irgendwann der Punkt kommt an dem sie uns auch von hinten das Messer in den Rücken rammt. Und es ist unfair ihr gegenüber, denn sie hat nichts getan um dieses Gefühl zu wecken.

Wir sind so enttäuscht und verletzt, dass wir uns in den Zustand von „nur noch auf sich selbst vertrauen“ zurückziehen, niemanden mehr um uns haben wollen, niemandem mehr vertrauen wollen, auf niemanden mehr verlassen, auf niemanden mehr hoffen, einfach wieder nur für uns und unseren Sohn die Verantwortung tragen und alles andere zerstören und wegtreiben.

Wir sind so voller Angst, dass wir uns am Liebsten sofort umbringen würden, damit wir nicht mit ansehen müssen, dass unser Sohn erneut zu unserer Mutter kommt. Wir sind so voller Angst, das wir uns freiwillig ausliefern, nur damit man uns unseren Sohn nicht nimmt und ihn weiterhin Kind sein und in Frieden aufwachsen lässt.

Wir sind…

So ist es also heute…

Endlich!!! Endlich mal wieder eine Nacht mit Schlaf! Das war so gut, für den Körper so wichtig, es konnte Kraft getankt werden wieder. Wir haben uns gestern Abend mit allem zur Verfügung stehendem abgeschossen um endlich mal wieder schlafen zu können. Wahrscheinlich würde jeder Arzt den Kopf schütteln bei der Kombination an Substanzen die wir eingenommen haben. Aber das war uns egal, einfach egal. Wir wollten Ruhe und Schlaf und das um jeden Preis!

Außerdem haben wir nun angefangen nicht nur Bedarfsmedikation zu nehmen, sondern für eine gewisse Zeit jetzt erstmal den Bedarf zu einer Dauermedikation umzuwandeln. Wir schaffen es anders einfach überhaupt nicht mit den laufenden Programmen etc fertig zu werden. Normalerweise fällt es uns sehr schwer dauerhaft Medikamente zu nehmen, wir sind da sehr sehr vorsichtig und es kostet uns jedesmal eine Menge Überwindung. Bisher haben wir uns dagegen auch immer gewehrt, nur in einer Klinik hatten wir keine andere Wahl und mussten die Verordneten Medikamente, die leider aber völlig entgegengesetzte Wirkung hatten, nehmen. Zu allem Überfluss waren sie dort etwas unfähig und haben, statt einem anderen Medikament, die Dosis immer weiter hoch gesetzt, muss ja irgendwann mal die richtige Wirkung zeigen, statt einfach auf ein anderes Medikament umzusteigen. Nachdem wir aus der Klinik raus waren, haben wir die Medikamente sofort eingestellt und uns mit selbstgebastelter Bedarfsmedikation durchs Leben gemauschelt. Dabei ist nur oft das Problem, dass wir, wenn es nötig ist, gar nicht auf die Idee kommen, dass Medikamente gerade helfen können und sie darum dann vergessen und nicht nehmen. Hat man das „Glück“ von einer Außenperson daran erinnert zu werden, dass es helfen könnte etwas zu nehmen, wird es auch genommen und stellt sich oft als hilfreich heraus. Es macht das was da ist nicht weg, nur erträglicher und klarer manchmal.

Nun müssen wir uns noch überwinden bei unserer Psychiaterin anzurufen, brauchen einen neuen Termin, um auch mit ihr durchzusprechen, wie uns was wir nun nehmen. Im Grunde nehmen wir nun das, was sie uns schon längst vorgeschlagen hat, wir uns aber nicht getraut haben zu nehmen. Nun, es hilft, weswegen wir es wohl zumindest für ein paar Tage, vielleicht auch ne Woche oder zwei, bei der Medikation belassen werden. Und dennoch ist der Kampf nicht ausgestanden, aber wir können uns ihm etwas ruhiger widmen, ohne unter ständigem durchdrehen zu leiden 😉

Gestern hatten wir dann nochmal ein Gespräch mit der Partnerin, darüber ob und wie wir unseren Sohn aufklären. Dazu hatten wir vor ein paar Tagen schon mal hier geschrieben.
Nun, nachdem wir uns vorher eigentlich einig waren, dass es an der Zeit ist, ihm ein bisschen mehr zu erlären, zu erklären wie seine Mutter ist, was da manchmal mit ihr passiert etc., haben wir ein Buch dazu bestellt, welches wir uns dann auch gemeinsam angeschaut haben. Mit dem Ergebnis, dass wir alle der Meinung waren, dass es so wie es geschrieben ist, nicht für ihn geeignet ist. Also ging die Suche weiter, nach Möglichkeiten, den Kleinen aufzuklären. Wir haben also selbst angefangen zu schreiben und dabei auch Ansätze und Ideen, die uns gefielen, aus dem bestellten Buch übernommen. Noch längst nicht fertig, dafür fehlt die Konzentration und die Zeit aber man arbeitet dran.
Gestern dann sagt die Partnerin, dass sie es besser finden würden, wenn wir das noch weiter hinauszögern, warten bis er älter ist. Wahrscheinlich hat sie Angst, es könnte ihn verunsichern, verängstigen oder in eine Krise stürzen. Wir sind uns unsicher, denken aber dennoch, dass es ihm eher zum Verständnis dienen würde. Wir glauben nicht, dass es ihn tatsächlich verunsichert, schließlich würde er „nur“ eine Erklärung für etwas erhalten, für  etwas das ihm eh schon bekannt ist.
Gerade vor ein paar Tagen hatten wir wieder ein beiläufiges Gespräch mit dem Kleinen. Während wir gemeinsam das Zimmer aufräumten, sagte er wieder das wir anders sind als andere Mütter. Daraufhin fragten wir nach, wie er das meinen würde und er sagte uns, dass man mit uns andere Sachen machen kann, dass wir manchmal wie ein Kind sind beim Spielen oder so. Wir haben ihm zugestimmt und gefragt ob ihn das stört, worauf er sagte, dass er es total cool findet, weil das einfach viel mehr Spaß bringt.
Da fragen wir uns, würde es ihn wirklich verwirren, wenn er weiß warum wir so sind? Oder würde es ihm nicht viel mehr helfen können, mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können? Wir sind nun auch wieder total verunsichert.

Heute hätten wir eigentlich einen Termin bei seiner Therapeutin gehabt, um genau darüber zu sprechen und auch nochmal gemeinsam zu überlegen, wie man am Besten an das Thema rangehen kann. Sie war auch dafür ihm das zu erklären. Leider hat die Grippewelle auch seine Therapeutin erreicht und der Termin konnte nicht stattfinden. Nun warten wir, wann wir einen neuen Termin bekommen können und wann sie wieder fit ist.

Wir werden uns nun an die Hausarbeit machen, versuchen uns damit weiter abzulenken, den destruktiven Gedanken, uns selbst zu zerstören, keinen Raum geben. Das gestaltet sich leider nicht so leicht, es ist viel zu allumfassend, alles ergreifend, alles betreffend. Es hat sich wie ein schwarzer Mantel über alles gelegt und erdrückt, nimmt die Luft zum Atmen, den Raum sich frei zu bewegen. Aber wir wollen uns davon nicht erdrücken und einnehmen lassen, kämpfen immer weiter dagegen an und geben die Hoffnung nicht auf, dass es nachlässt, wieder ruhiger wird, wieder weniger zwanghaft und sicherer.

Wir müssten das Haus verlassen, müssten einkaufen gehen, müssten Post wegbringen und einen Antrag für einen Klinikaufenthalt besorgen. Ob wir das heut schaffen ist noch dahingestellt. Hoffnung ist noch nicht aufgegeben. Bisher sieht es nicht danach aus, dass wir auch nur einen Fuß vor die Wohnungstür bekommen aber noch ist der Tag ja nicht vorbei, schaun wir mal.

Mutter und multipel (Teil 2)

Vor einiger Zeit haben wir über multipel und Mutter sein geschrieben. Da dieses Thema so viele Aspekte hat, wird es darüber sicher immer wieder mal etwas zu lesen geben. So auch heute.

Immer wieder zeigt sich, dass wir um ein wichtiges Thema drum herum schleichen, abwarten, aufschieben, verschieben, verdrängen, noch ein bisschen warten.

Thema: Aufklärung

Kinder sind äußerst sensible Wesen, die Einen mehr, die Anderen weniger. Sie merken recht schnell, wenn sich in ihrer Umgebung etwas verändert, wenn sich jemand plötzlich anders oder komisch verhält, wenn sich die Aura verändert, wenn andere Energie durch den Raum fließt.

So war es für unser Kind immer normal, mit unterschiedlichen Leuten hier zu tun zu haben, er hat es gar nicht anders gekannt. Das musste gar nicht immer ein harter (also deutlich sichtbarer) Wechsel sein, er hat auch gespürt, wenn Veränderungen in der „zweiten Reihe“ stattgefunden haben.

“ Wer bist du gerade, du bist nicht meine Mama?!“ oder auch “ Sei wieder meine Mama, ich will dich so nicht!“

Diese Sätze ließen schon recht früh darauf schließen, dass er es bemerkt, selbst wenn wir noch so sehr versuchen zu deckeln, nicht aufzufallen, nicht anders zu sein.

Leider haben Therapeuten uns zu Beginn unserer bewussten Arbeit als Viele, erzählt man müsste die Anderen einfach wegdrängen, nicht beachten, nicht zulassen. Sie würden irgendwann verschwinden, wenn klar wäre das sie nicht mehr gebraucht werden. Und man möge doch bitte dem Kind gegenüber als ein Ich auftreten oder zumindest darauf achten, dass es die Wechsel nicht bemerkt.

Das führte bei uns dazu, dass wir alle genau das versuchten. Niemand von uns wollte dem Kind schaden, jeder wollte sein möglichst Bestes dafür tun, dass er möglichst frei von unserer Problematik aufwachsen kann. Sprach er also in Zukunft einen Wechsel an, bemerkte etwas, wurde umgehend hektisch rumgewechselt bis seine Mutter wieder vor ihm saß, um dann zu sagen, dass doch alles okay wäre und sie natürlich seine Mutter sei.

Wozu führte dieses Verhalten?

Es führte zu Unsicherheit auf beiden Seiten. Bei uns führte es dazu, dass nicht mehr die Person da war, die passend für die jeweilige Situation gewesen wäre, sondern möglichst die die es sein musste. Das führte zu Überforderung, weil seine Mutter gar nicht in der Lage war, alles allein zu schaffen, sie in andere Dinge verstrickt war, die es ihr unmöglich machten 24 h am Tag da zu sein, Mutter zu sein und alles andere auch noch zu schaffen.

Bei unserem Kind führte es zu Verunsicherung, weil er seiner Wahrnehmung nicht mehr trauen konnte. Schließlich wurde ihm abgesprochen die Situation richtig eingeschätzt zu haben. Überforderung und Unsicherheit führten ihn in Abwehr, Angst, Aggression. Anteile mit denen er bis dahin gerne zusammen war, machten ihm Angst, weil sie anders waren als seine Mutter, er das wahrgenommen hat, es aber so nicht sein durfte.

Aus der früher sich sicher anfühlenden Frage “ Wer bist du gerade, du bist nicht meine Mama?“ wurde ein aggressives uns verängstigtes “ Verschwinde, du bist nicht meine Mama!!! Gib mir meine Mama zurück!“

Keine gute Entwicklung und nicht der richtige Weg. Das wurde uns sehr schnell klar, jedoch wussten wir auch nicht wie wir es anders handhaben sollten. Schließlich war es das, was uns Therapeuten empfohlen hatten, die mussten es ja schließlich wissen.

In unserem letzten Klinikaufenthalt hatten wir dann glücklicherweise kompetentere Ansprechpartner. Nach einer Weile dort trauten wir uns unterschiedliche Therapeuten der Klinik zu fragen, was sie denken, wie man am sinnvollsten damit umgeht. Wie wir uns dem Kind gegenüber verhalten sollen, was wir ihm sagen sollen/dürfen/können, ohne ihm zu schaden. Wir fühlten uns nicht wohl ihm immer und immer wieder seine Wahrnehmung, die doch eigentlich so richtig und gut war, abzusprechen und ein Gerüst aus Lügen aufzubauen.

Wir haben ein sehr enges Verhältnis zu unserem Kind und da für uns Ehrlichkeit eine sehr wichtige Rolle spielt, sozusagen eine tragende Säule bildet, war für uns klar, dass wir diesen Weg nicht weiter gehen wollten. Ein anderer musste her!

Die Therapeuten dort in der Klinik sagten uns alle, dass sie es für sehr wichtig halten, dass wir einen ehrlichen und offenen Umgang mit ihm finden. Ihm seine Sicherheit zurück geben, die er verloren hat in all dem Unverständnis.

Also haben wir entschieden, ihm Antworten auf Fragen zu geben. Sie nicht mehr abzutun, nicht mehr zu überspielen, nicht mehr abzuwiegeln. Hinzu kommt, dass er älter wird, immer besser kommunizieren kann und benennen kann, immer mehr mitbekommt, immer mehr Fragen stellt. Er bekommt mit wie andere Mütter sind und erkennt einen Unterschied zu seiner, auch wenn er den noch nicht klar benennen kann, so weiß er doch, seine Mutter ist anders.

Durch unseren offenen Umgang ist es aber wieder zu etwas geworden, was nicht schlimm ist. Etwas was sein darf und in Ordnung ist. Meistens ist er sogar stolz darauf, dass seine Mama viel cooler ist, man mit ihr ganz andere Dinge als mit andern Mamis machen kann und ein bisschen verrückt sollte doch jeder sein, oder?

Nun kommen wir aber zu dem nächsten Problem. Die Fragen werden mehr, das Mitbekommen wird mehr und langsam kommen wir um Erklärungen nicht mehr drum rum. “ Mama was war denn da los vorhin, als du nicht mehr ansprechbar warst? Hattest du  Schmerzen?“ Oder auch Fragen zu anderen Themen, wie: “ Warum können wir eigentlich keinen Kontakt mehr zu deiner Familie haben? Ich vermiss die schon manchmal Mama!“

Fragen über Fragen und wir möchten antworten, möchten ihm das Gefühl geben, all das Fragen zu dürfen, möchten ehrliche Antworten finden, Antworten die ihn nicht überfordern, ihm aber dennoch gerecht werden. Da das passende Maß zu finden ist gar nicht so leicht.

Nun schauen wir schon seit längerem nach Büchern, die helfen könnten zu erklären, zu verstehen. Nach Erfahrungsberichten anderer multipler Mütter oder sonstigem Material.

Leider ist da noch nicht viel zu auf dem Markt.

Deshalb auch hier die Frage. Vielleicht gibt es den ein oder anderen Leser, der uns an seinen Erfahrungen teilhaben lassen mag?

Wir haben nun das Buch “ Vom Körperhaus und seinen Bewohnern: was es bedeutet multipel zu sein.“ gefunden und überlegen, ob das vielleicht etwas sein könnte.

Kennt das jemand und kann uns dazu vielleicht noch was sagen? Für welches Alter ist es sinnvoll? Evtl. Erfahrungsbericht?

 

Multipel und Mutter- passt das zusammen?

Ein Thema über das ich immer wieder gestolpert bin und was mich nicht los lässt ist: Multipel und trotzdem Mutter ober können psychisch kranke gute Mütter sein?

Zuerst war die Überlegung den Fakt, selbst Mutter zu sein, aus unserem Blog fern zu halten. Wir haben uns nun aber dagegen entschieden.

Die Gründe dafür sind, dass unser Leben sehr geprägt davon ist Mutter zu sein. Wir leben vom Vater des Kindes getrennt und bezeichnen uns hauptsächlich als allein erziehend. Das ist, um unsere Argumentation zu dem oben genannten Thema einordnen zu können, sicher auch von Vorteil zu wissen.

In den meisten Fällen, in denen wir mit diesem Thema konfrontiert waren, trafen wir entweder auf das eine Extrem oder das Andere. Einerseits: psychisch Kranken sollte es verboten sein Kinder zu bekommen! Andererseits: psychisch Kranke, die sich ihrer Krankheit bewusst sind, sind oft die besseren Mütter!

Nun wir vertreten keine dieser Meinungen und finden uns irgendwo dazwischen wieder. Natürlich aus der Sicht einer psychisch kranken Mutter.

Hier wurde die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, zu einem Zeitpunkt getroffen, in dem wir uns unserer eigenen Geschichte nicht bewusst waren. Zu einer Zeit in der uns nicht bewusst war viele in einem Körper sein. Wir waren verheiratet und hatten einen Mann, der sich ein Kind mit uns sehr wünschte. Soviel erst einmal dazu…

Unserer Meinung nach, sollten solche Diskussionen einen ganz anderen Titel haben. Nämlich ist die Frau, die ein Kind bekommen möchte, sich der Verantwortung und ihrer Aufgabe bewusst. Denn am Ende ist das doch die entscheidende Frage.

Als Mutter ist es meine Aufgabe mein Bestes dafür zu tun, das mein Kind eine glückliche, freie Kindheit (sofern es in der heutigen Gesellschaft möglich ist) erleben kann. Eine Kindheit in der es sich möglichst frei entfalten und entdecken kann, in der es das Leben kennen-lernen kann. Das Wohl meines Kindes sollte ganz oben auf meiner Liste stehen.

Als Mutter trägt man Verantwortung für sein Kind und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit zumindest bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres.

Mein Kind kann auch glücklich und frei aufwachsen, wenn ich eine dissoziative Identitätsstörung habe. Allerdings ist das eine große Herausforderung. Aber auch eine Mutter die nicht multipel ist stößt an ihre Grenzen und erlebt in der Erziehung ständig Herausforderungen, denen sie mehr oder weniger gewachsen ist.

Nun gut, wir haben uns oft mit dem Gedanken auseinander gesetzt ob wir unserem Kind schaden weil wir multipel sind.

Hätten wir uns, mit unserem heutigen Wissen über uns und unsere Geschichte, auch zu einem Kind entschieden?  Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, können wir das verneinen. Wir hätten anders entschieden. Nicht weil wir unser Kind nicht unglaublich lieben, ohne ihn möchten wir absolut nicht sein. Sondern, weil es vieles in der eigenen Heilung, Findung etc. deutlich erschwert. Und gleichzeitig ist es ein unglaublicher Anker der mit dem Leben verbindet.

Kann man eine gute Mutter sein? Was bedeutet gute Mutter, wann bin ich eine?

Bei der Entscheidung ein Kind zu bekommen, darf nicht vergessen werden, was Mutter sein bedeutet.

Es bedeutet nach einer schlaflosen Nacht aufzustehen, egal ob ich mich dementsprechend fühle oder nicht, denn mein Kind braucht mich.

Es bedeutet die Schmerzen zu ignorieren, die Ängste zu unterdrücken und entgegen aller Bedürfnisse, trotzdem zu funktionieren.

Es bedeutet meinem Kind einen guten Start in den Tag zu ermöglichen, unabhängig davon wie ich dem Tag innerlich begegne.

Es bedeutet meinem Kind die Möglichkeit geben die Welt zu entdecken, Fehler zu machen, zu lernen, auch wenn ich die Welt kaum ertrage.

Es bedeutet mein Kind mit offenen Armen empfangen, wenn er mich braucht. Auch wenn ich vielleicht viel lieber allein wäre in dem Moment.

Es bedeutet die Schönheiten des Lebens zu vermitteln, auch wenn ich sie selbst kaum erkennen kann.

Es bedeutet, obwohl es vielleicht nötig wäre, nicht in eine Klinik gehen zu können, wenn man sein Kind nicht bei irgendwelchen fremden Menschen unterbringen möchte.

Es bedeutet lieben, obwohl man kaum versteht was es bedeutet.

Es bedeutet sich selbst zu reflektieren, die Augen zu öffnen für Dinge vor denen man sie lieber verschließen würde.

Es bedeutet Entscheidungen treffen, Regeln aufstellen und durchsetzten.

Diese Liste könnte noch um unzählige Aufzählungen fortgesetzt werden, doch am Ende stehen wir immer wieder vor der gleichen Aussage. Eine Mutter sollte sich ihrer Verantwortung ihrem Kind gegenüber bewusst sein, dann hat sie die Möglichkeit eine gute Mutter zu sein.

Wir werden nicht immer allem gerecht, es gibt Zeiten in denen es gut funktioniert und Zeiten in denen es nicht so gut funktioniert. Nicht so gut heißt, wir werden unseren eigenen Ansprüchen manchmal nicht gerecht, die wir an uns als gute Mutter haben.

Wir bemühen uns unserem Kind gegenüber offen zu sein. In Zeiten in denen es uns nicht so gut geht offen mit ihm zu sprechen, damit er die Situation einschätzen kann und nicht unsicher sein muss. Offen bedeutet nicht das wir ihm unsere Geschichte auf die Nase binden. Dafür ist er zu klein und es würde ihn belasten. Nein, offen bedeutet für uns, ihm die Möglichkeit zu geben mit uns umgehen zu können. Fragen offen zu beantworten, dem Alter und den Fähigkeiten des Kindes entsprechend. Es bedeutet für uns, unserem Kind nicht das Gefühl zu geben, verantwortlich für unser Befinden zu sein. Es bedeutet für uns, Fehler eingestehen, Defizite erkennen und an uns arbeiten und immer und zu jedem Zeitpunkt die Augen offen behalten und selbstreflektiert Leben.

Und manchmal fällt es uns schwer Situationen richtig einzuschätzen und wir sind immer wieder dankbar für Rückmeldungen aus unserem Umfeld, von Menschen die uns kennen und von außen einen Blick auf die Situation haben. Kritik ist nichts schlechtes und konstruktive Kritik hat uns bereits einiges lernen lassen, Fehler haben uns lernen lassen und jeden Tag bemühen wir uns soviel wir können dazu zu lernen. Das ist unser Weg eine möglichst gute Mutter zu sein.

Wir sind krank, unser Kind bekommt es mit, denn er lernt uns so kennen wie wir sind. Für ihn sind wir nicht krank. Manchmal ein bisschen verrückt, manchmal ein bisschen komisch, manchmal ne wirklich schräge Mama, manchmal überfordert. Meistens aber eine Mama bei dem ihr Kind sich wohl fühlt und sein kann. Ist das nicht wirklich wichtig?