Ein lang durchdachtes, doch völlig ungeplantes Gespräch

Wir sind selbst noch völlig verwirrt. Erschrocken über uns selbst und gleichzeitig ein kleines bisschen erleichtert und überrascht.

Manchmal gibt es Tage, an denen recht intensive Gespräche mit unserem Sohn stattfinden.
Heute war wieder so ein Tag.

Angefangen hat es damit, dass unser Sohn wieder davon sprach, in den Sommerferien seine Oma besuchen zu wollen. Ich kann dabei bleiben und auf ihn aufpassen, dann hätte er auch keine Angst mehr vor ihr.

Wir sprechen da also wieder einmal von unserer Mutter.

Ein tiefes Durchatmen, dann der Wechsel.

Es wird mit ihm gesprochen, anders als sonst. Ein ehrliches und offenes Gespräch findet statt. Kein möglichst schnelles Themen wechseln, sondern eine Erklärung kommt über unsere Lippen.

Ich habe sie beobachtet, zugehört und unseren Sohn nicht aus dem Blick gelassen. Eigentlich hatten wir uns geeinigt noch nicht mit ihm zu sprechen, noch nicht. Dennoch, sie führte ein gutes Gespräch.

Zuerst sagte sie ihm, sie würde gern offen mit ihm reden und ob er das Gefühl hätte, es wäre gut.
Sie hat ihn gebeten ihr zu sagen, wenn ihn etwas überfordert oder er etwas nicht versteht. Erlaubte ihm, alles zu fragen, was er möchte und jederzeit mit ihr sprechen zu dürfen.

Sie erklärte ihm, dass es bei ihr auch so ist, dass sie Sehnsucht hat nach der Mutter, denn es ist eben noch immer die Mutter. Das es aber Dinge gibt die passiert sind und die vieles zerstört haben. Sie erklärte, dass es ihr nicht mehr möglich ist, mit der Mutter in einem Raum zu sein, sprach von Ängsten, Enttäuschungen und davon, dass die Mutter ihr nie Schutz geboten hat.

Sie erzählte ihm davon, dass es in der Kindheit Übergriffe auf sie gab (der Begriff sexueller Missbrauch sagt ihm bereits was) und das die Mutter sie nicht geschützt hat und sie allein damit war.

Unser Sohn hat viele Fragen gestellt, teilweise war ich sehr überrascht, wie weit der kleine Zwerg schon denkt und vor allem, was er schon alles versteht.
Und natürlich arbeitet es in ihm, denn es ist seine Mutter der das passierte und er weiß, solche Eingriffe in die Seele des Menschen, solche Übergriffe zerstören die Seele und reißen sie in Stücke.

Sie hat nichts davon erwähnt, wie schlimm es wirklich war und das es mehr als einen Mann gab und und und. Nein, sie hat einen Rahmen gefunden, der passte und darauf aufgebaut.

Plötzlich eine Frage, die uns für einen Moment erstarren ließ. Bei der wir hofften, sie würde auch jetzt eine gute und wahre Antwort geben können.

„Mama, jemand dem sowas passiert, dem reißt das die Seele in Stücke und macht den Menschen zu einem anderen. Damit mein ich, dem wird sein eigenes Selbst genommen und dann das reingemacht, was der andere will. Bist du deswegen manchmal so ein Kind oder so böse? Ich will dich nicht verletzen aber manchmal bist du anders und dann kurz danach wieder anders und manchmal sagst du was zu mir und dann weißt du es wieder nicht und dann später doch wieder. Manchmal muss ich dir alles öfter sagen, sonst vergisst du das wieder. Manchmal bist du total süß und lustig und dann wieder ganz anders plötzlich. Kommt das daher, haben die deine Seele so zerrissen und dich deshalb zu so vielen gemacht? Du bist wie mehrere in einem drin.“

Erstmal tief durchatmen… dieses Kind begreift soviel… zuviel…

Zum Glück, sie hatte eine Antwort.

Was mir gut gefiel war, dass sie ihm Bestätigung gab, seine Wahrnehmung nicht als falsch hinstellte. Sie sagte ihm, er könnte sich auf sein Gefühl verlassen, es wäre richtig.

Sie sprachen über Anteile die in jedem Menschen vorhanden sind, von einer etwas anderen Ausprägung, die es bei ihr hätte. Davon das die Anteile etwas getrennter sind als bei einem gesunden Menschen. Er stellte Fragen, war interessiert und beachtete sehr gut seine eigenen Grenzen.
Er bedankte sich für das offene Gespräch, war froh darüber das wir so offen miteinander umgehen können und verstand nun mehr, dass ein Kontakt zur Oma nicht mehr geht.

Er sagte das ich die beste Mama der Welt wäre, nein des ganzen Universums und das er nie eine andere hätte haben wollen. Er findet es toll wie seine Mama ist und das was manchmal nicht so gut läuft ist in Ordnung, denn er weiß ja warum.

Wir sind immer noch ganz baff von dem Gespräch. Seit Jahren diskutieren und grübeln wir, wie und was man mit unserem Sohn besprechen sollte. Was gut ist, was eher nicht. Wie geht man mit dem Viele sein ihm gegenüber um? Was bemerkt er und was nicht?

Therapeuten haben uns schon vor einigen Jahren dazu geraten offen mit ihm umzugehen, seine Wahrnehmung nicht kaputt zu machen, indem man ihm etwas vormacht. Denn das haben wir zum Teil auch getan, um ihn nicht zu belasten. Er sollte frei davon aufwachsen. Eine ganz normale Kindheit haben und sich keine Gedanken um seine Mutter machen.

Der ehrliche Weg, ist der gesündere. Das haben wir heute wieder deutlich gespürt. Das Gespräch hat unserem Sohn Sicherheit gegeben, es fühlte sich an, als wäre ein riesen Durcheinander langsam aufgelöst worden. Erleichterung auf beiden Seiten.

Wichtig war ihr und uns anderen auch, ihm damit keine Verantwortung uns gegenüber aufzuhalsen. Ihm ganz deutlich zu sagen, dass für uns genug Hilfe da ist und er sich keine Sorgen machen muss.

Und immer wieder sind wir erstaunt was dieser kleine, neun Jahre alte Zwerg, alles begreift.

Wir sind stolz auf sie, sie hat das so gut hinbekommen.

Das ein Gespräch zu diesen brisanten Themen mit unserem Sohn so gut laufen…

M. wir sind stolz auf dich und dankbar, dass du diese Aufgabe übernommen hast und unserem ewigen rumgeeier damit ein Ende gesetzt hast.

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Neuste Entwicklung zum Thema Mutter

Es ist so hart! Versager auf ganzer Linie ist absolut die richtige Bezeichnung für uns. Wir sind enttäuscht, wütend, verzweifelt, traurig, erfreut, hoffend, gefährdet vollkommen abzustürzen.

Unsere Mutter, täglich Thema, täglich Kampf, täglich unbegreifen, täglich Sehnsucht, täglich Schmerz, täglich Hoffnung… die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Vor etwas mehr als zwei Jahren haben wir es geschafft den Kontakt zu der Mutter von unserer Seite abzubrechen.
Es gab Probleme die unseren Sohn betrafen, die uns die Kraft und Stärke verliehen haben, zu ihm zu stehen, zu uns zu stehen und für uns alle einzustehen und den Kontakt zu beenden.

Sie hat es wenig beeindruckt. Es gab keinen weiteren Versuch uns zu besuchen. Soweit konnte sie nicht mehr gehen, nicht solange unsere Partnerin an unserer Seite war und sie unsere gemeinsame Wohnung hätte betreten müssen.
Zwischen beiden, also zwischen der Mutter und unserer Partnerin, gab es in den vergangenen sieben Jahren einige unangenehme Zwischenfälle.
Unsere Partnerin hat die Mutter mehrfach mit ihren Taten an uns konfrontiert, hat beobachtet, sich schützend zwischen uns und unsere Familie gestellt und deutlich gezeigt, dass sie sich nicht den Mund verbieten lässt. Es gab Situationen in denen die Mutter in diesen Konfrontationen das ein oder andere zugegeben hat, um es dann zwei Stunden später wieder komplett zu verleugnen. Was sie aber nicht lassen konnte ist, unserem Sohn alle zwei bis drei Tage Post zu senden oder kleine Päckchen. Man könnte fast meinen, sie wäre eine tolle Oma/Mutter. Aber nur, solange man alles andere ausblendet.

Kommen wir nun zum eigentlichen Problem. Vor einigen Tagen hatte eine enge Freundin der Mutter Geburtstag und da auch sie uns und unserem Sohn zwischendurch Pakete schickt und wir uns für das letzte noch nicht bedankt haben, wollten wir ihr eine kurze Nachricht mit Geburtstagsgrüßen senden. Jemand aus unserem System hielt es für nötig, ohne unser Mitbekommen oder unsere Zustimmung, ihr unsere neue Adresse und die neue Handynummer mitzuteilen. Nachdem das bemerkt wurde, brach eine völlige Panik aus. Natürlich war uns sofort klar, dass wahrscheinlich genau in diesem Moment auch unsere Mutter davon erfuhr, da sie mit großer Wahrscheinlichkeit zu Gast auf ihrer Geburtstagsfeier war. Wieder übernahm jemand anders die Kontrolle über den Körper und schrieb der Mutter eine Entschuldigung und ebenfalls die neue Adresse.
Das war für sie natürlich die beste Einladung die sie von uns bekommen konnte. Damit ist der Damm gebrochen, die Einladung zu erneutem Kontakt ausgesprochen. Wie erwartet hat sie umgehend reagiert und uns zurück geschrieben.

Damit haben wir enorme Rückschritte gemacht und wenn wir das nicht ganz schnell wieder in den Griff bekommen, sind die vergangenen vier Jahre für die Katz und wir zerstören alles, was wir uns erarbeitet und aufgebaut haben.
Das Dilemma ist groß. Wir wissen nicht, wie wir das wieder in Ordnung bringen können. Eine einfache Nachricht mit dem Hinweis keinen Kontakt mehr haben zu wollen, lässt sich nicht umsetzen.

Wir haben furchtbare Angst, können nicht mehr klar denken und sind völlig am Ende. Außerdem sind wir so wütend auf uns, weil das überhaupt passiert ist und passieren konnte, dass es uns extrem schwer fällt, uns nicht stark zu verletzen, den Kopf vor die Wand zu schleudern, die Klinge zu nehmen um den Körper mit neuen Mustern weiter zu zerstören oder so lange mit den Fäusten auf Bäume einzuschlagen, bis die Hände ordentlich aufgerissen, vielleicht gebrochen, zumindest aber stark demoliert sind.
Bei vielen in uns schreit es nur noch nach Ende. Nach nicht mehr sein wollen, nicht mehr sein müssen. Nicht nochmal diesen Kampf kämpfen zu müssen, nicht erneut all das damit verbundene aushalten zu müssen.

Wir sind so überfordert mit all diesen Baustellen, die jede für sich schon Aufgabe genug wären.

Wir können nicht mehr, wir wollen nicht mehr und dieses ständige trotzdem müssen, raubt uns den letzten Nerv.

Wir haben zu tun… soviel…
Stattdessen sitzen wir hier und tun nichts.

Das war wohl nix, oder : die geschaffene Katastrophe

Gestern schon waren wir ziemlich durch den Wind und es potenziert sich. Morgen beziehungsweise jetzt bereits heute, also Samstag, hat unsere Oma Geburtstag. Wir wünschen uns so sehr bei ihr sein zu können, mit ihr Zeit zu verbringen, gemeinsam spazieren zu gehen, uns ein paar Lästereien über unsere Mutter oder unseren Onkel anzuhören und, wie früher, einfach nur neben ihr her schlendern, die Sonnenstrahlen gemeinsam in uns aufsaugen, dem rauschen vom Wind in den Blättern der Bäume lauschen und den Vögeln beim zwitschern zuhören. Oder ein gemeinsamer Spaziergang über den Strand der Ostsee, mit den nackten Füßen durchs Wasser laufen, den Wellen und Möwen zuhören, die Surfer auf dem Wasser beobachten.
Wie sehr wir uns diese Situationen zurück wünschen ist kaum zu beschreiben. Die wenigen glücklichen Momente unserer Kindheit erlebten wir mit ihr, wenn wir zusammen am Strand im Sand gesessen haben mit den Füßen im Wasser, wenn wir gemeinsam den Sonnenuntergang beobachteten und uns einfach an dem schönen Anblick erfreut haben, wenn wir bei Gewitter auf ihrem Schoß zusammengekauert hockten, während sie uns immer und immer wieder mit ruhiger Stimme erklärte, dass nichts schlimmes passiert und uns versuchte, die Schönheit des Gewitters zu vermitteln.
Uns fehlt das Gefühl das sie uns immer vermittelt hat. Dieses Gefühl etwas ganz besonderes und einmaliges zu sein.

Wie gern würden wir ihr sagen, wie sehr sie uns fehlt, wie leid es uns tut, wie alles auseinander gebrochen ist und noch viel mehr, dass wir uns so lange nicht gemeldet haben. Wir würden uns entschuldigen, weil wir sie allein gelassen haben und uns nicht mehr um sie gekümmert haben.

Wenn das alles nicht geht und das tut es leider nicht, dann möchten wir zumindest mit ihr telefonieren, ihr all das am Telefon sagen, falls sie überhaupt noch mit uns sprechen würde…

Ich befürchte, dass wir wegen dieser Sehnsucht, dem Wunsch, dass alles gut ist, heute zugelassen haben, dass unser Sohn unsere Mutter anrufen darf. Das Verbot konnte nicht aufrecht erhalten werden. Die Katastrophe kommt ins rollen.
Unser Glück, dass war wirklich einfach nur mega Glück, war besetzt auf ihrem Telefon und das auch bei seinem zweiten Versuch, eine halbe Stunde später.

Innerlich sind wir vollkommen durchgedreht in der Zwischenzeit, die totale Panik und größtes Durcheinander brachen aus.

Glücklicherweise hat genau dann eine Freundin angerufen, danach waren wir verabredet und mussten schnell los, somit konnte unser Sohn es nicht nochmal probieren.

Jetzt steigt die Angst vor morgen bzw. heute und obwohl das sonst eher seltener der Fall ist, wünschten wir, die Nacht würde nie zuende gehen.

Sollte er uns dann wieder fragen, wissen wir nicht wie wir es schaffen sollen, es zu untersagen. Wir wissen noch nicht einmal, wie wir es schaffen sollen, nicht selbst dort anzurufen. Selbst das fühlt sich ausweglos an.

Wir verzweifeln, denn es würde uns alles zerstören und trotz dieses Wissens fühlt es sich unmöglich an.

Mutter-Oma-Familie-Kontakt

Wieder dieses Mutter-Familien-Thema.
Das Kind vermisst seine Oma, hat ihr einen Brief geschrieben den er morgen in den Kasten schmeißen will.
Süß gemacht hat er es, sich Mühe gegeben, nach seinen Freunden  gefragt.

Können wir erlauben das er den Brief schickt? Können wir ihm das verbieten?

Chaos, Panik, Durcheinander

Alles schwankt, der Boden ist nicht mehr spürbar, versinken im Nichts.

Selbst schuld! Die regelmäßige Post der Mutter an das Kind haben vor ein paar Tagen jemanden unseres Systems veranlasst ihm zu sagen, es solle doch der Oma zurückschreiben. Sie würde ihm ja schließlich so häufig schreiben und man müsste wenigstens mal ein Danke zurück senden.

Selbst schuld!
Schlechtes Gewissen! Bin keine gute Tochter! Familie zerstört, Oma genommen, Enkel genommen dabei lieben sie sich doch. Sorge um Mama!

Aber ich muss doch auf ihn aufpassen, auf uns aufpassen. Dann wäre all der Kampf der letzten Monate umsonst gewesen.
Hilflos! Ich kann doch nicht die Oma nehmen, beiden so weh tun… und überhaupt, was ist wenn alles nur eine Lüge ist? Ein Hirngespinnst in das ich mich verrannt habe?

Was wenn ich einfach verrückt bin und all das in meinem Kopf nur dort stattfindet und im Außen alles ganz anders ist? Was ist wenn doch alles stimmt was sie sagen? Was…

Das kann nicht gut gehn!

Es ist das Gesicht der Mutterfrau

Seit einigen Tagen erschrecke ich, schaue ich in den Spiegel und sehe mein Gesicht.

Ich erstarre, der Puls steigt spürbar und sprunghaft an. Ich sehe das Gesicht dieses Körpers mit der Fratze der Mutterfrau. Mit ihren Gerichtszügen, ihrem starren, eiskalten, alles durchdringenden Blick, diesem unausweichlichen Bösen!

Panik!!! Ich ertrage eine Menge aber das geht zu weit! Ich ertrage diesen fratzenhaften Blick nicht! 

Alles vermischt sich, Ereignisse überschlagen sich. Ich will nicht werden wie die Mutterfrau! Ich will nicht ihre Fratze tragen müssen als meine Maske! Ich will, will, will das nicht!

Panik, ich will mir die Haut vom Gesicht reißen, um diese Fratze nicht sehen zu müssen! Ich will schreien doch der Hals ist zu, komplett verengt, lässt nur noch das geringste an Luft hindurch, gerade genug, nicht umzufallen, gerade genug zum überleben.

Alles verschwimmt, Realität kleingehackt, vermengt mit Angst und Panik, Vergangenheit als Zusatzgewürz.

Ich will nicht werden wie sie! Will nicht aussehen wie sie, diese Teufelsfratze nicht in meinem Gesicht wiedererkennen!

Erfolgreiches Gespräch

Das Gespräch mit der Therapeutin des Sohnes lief gut. Wie geplant sind wir allein hingefahren, denn es war uns wichtig nun erstmal die Situation zu klären, bevor es „normal“ weiter läuft.

Man sprach über Vertrauen und die Enttäuschung die es nun gegeben hat. Darüber, warum man sich übergangen und hintergangen fühlt und warum man nicht versteht, was da gerade passiert. Welche Probleme daraus nun für uns und auch für die Therapie entstanden sind und wie man nun damit umgehen möchte.

Wir konnten uns ihre Meinung anhören und können vieles davon gut verstehen. Es sind Sorgen und eine gewisse Hilflosigkeit die dahinter stehen, Überforderung und Unwissen. Bei genauerer Betrachtung aber alles Dinge die sich ausräumen lassen, wenn man die Situation betrachtet wie sie ist und sich nicht in der Sorge und Hilflosigkeit verliert.

Was wir nicht verstehen konnten war ihre rigorose Haltung in der sie niemanden mehr anhören wollte, keinen anderen vielleicht abschwächenden Eindruck zulassen konnte und darüber konnten wir auch sprechen.

Sie hat sich selbst erlaubt nochmal zu hinterfragen. Anzuhören was wir zu sagen haben, Revue passieren zu lassen was sie im Gespräch mit unserer Therapeutin gehört hat und (dafür sind wir dankbar) äußerte ihre tatsächlich dahinter stehenden Ängste. Nämlich die, irgendwann festzustellen, dass es besser gewesen wäre zu handeln. Absolut nachvollziehbare und verständliche Gedanken. Wir konnten ihr auch nochmal klar machen, dass wir nicht wütend oder enttäuscht sind, weil sie sich darüber Gedanken macht, dass evtl. andere Unterstützung notwendig ist, sondern das es uns Probleme bereitet hat, wie sie das alles angegangen ist. Die Hilflosigkeit und das Ausgeliefert sein in das sie uns befördert hat und in der kein Anker mehr greifbar war, weil sämtliche Fäden aus unseren Händen gezogen wurden ohne die Möglichkeit sie festhalten und mitreden zu können.

Nein, wir sind nicht böse, wenn jemand unsere Situation hinterfragt, sind nicht sauer, wenn sich jemand Sorgen um unseren Sohn macht oder darum wie es hier zu Hause sein könnte. Dafür sind wir eher dankbar und genau das benötigen wir um eine gewisse Sicherheit haben zu können. Wir benötigen ein Umfeld das hinterfragt, die Augen offen hält, bereit ist Kritik zu äußern, bereit ist Missstände anzusprechen, bereit ist auch Dinge zu sagen, die uns vielleicht weh tun oder die wir lieber nicht sehen möchten, bereit ist uns zu widersprechen und vor allem auch im Notfall bereit ist gegen uns und für unseren Sohn zu handeln. Es ist wichtig, denn allein auf unsere Wahrnehmung können und möchten wir da nicht vertrauen.

Ergebnis des Gesprächs ist, dass es nun doch einen Termin geben wird, in dem sie sich mit unserer Partnerin und einer weiteren Vertrauten unterhalten wird und sich deren Sicht der Situation anzuhören. Bis dahin wird erstmal nichts weiter passieren. Versprochen hat sie, dass sie nichts unternehmen wird ohne das vorab nochmal mit uns besprochen zu haben. Das wofür sie diese Unterstützung gern hätte, kann und wird eine Familienhilfe nicht bieten, das wird ihr langsam bewusst. Sie zweifelt nicht an das wir ein super Verhältnis zu unserem Sohn haben, auch nicht das er weder vernachlässigt, noch geschlagen oder sonstiges wird. Nein, sie äußert sogar sehr deutlich, dass sie sieht, dass da alles okay ist und wir sehr bemüht sind, trotz unserer eigenen Probleme, eine gute und fürsorgliche Mutter zu sein. Das wir da nicht nur bemüht sind sondern es in weiten Teilen auch schaffen. Sicher, das ein oder andere ist nicht immer perfekt aber damit müssen wir leben, denn auch wir wachsen an unseren Aufgaben als Mutter und wissen nicht immer unbedingt was richtig oder falsch ist, wie alles funktioniert. Aber wir kämpfen uns durch und bemühen uns immer und zu jeder Zeit unser bestmögliches zu tun. Das hat unser Sohn einfach auch verdient, denn er ist einfach toll (ja gut, okay, er hat auch seine Macken) aber nee, er soll anders aufwachsen dürfen, als wir es durften. Er soll Kind sein dürfen und aus eigenen Erfahrungen lernen dürfen, entdecken dürfen, wachsen dürfen…

Wir fühlen uns miserabel

Wir machen gerade so etwas in Richtung Beschäftigungstherapie mit bisher mäßigem Erfolg. Aber dazu müsste man es vielleicht auch länger machen und nicht nur zwei Tage und Nächte? Seit dem gönnen wir uns keine ruhe mehr. Es wurde geputzt, Möbel wurden gerückt, Marmelade gekocht, gebastelt, Katzen gebürstet.

Wir rennen und rennen und rennen. Ruhiger wird es dennoch nicht

Es fällt uns so schwer den Glauben nicht zu verlieren, nicht „einfach“ das Handtuch zu schmeißen und uns alles egal sein zu lassen.

Wir fühlen uns miserabel.

Wir verstehen nicht warum es Menschen gibt die uns mögen, die sich für uns einsetzen, uns helfen und womöglich noch wirklich an uns glauben. Wir verstehen nicht warum sie trotz ständiger Enttäuschungen bleiben und nicht selbst einfach das Handtuch schmeißen. Es wäre so viel leichter!
Und häufig um das überhaupt aushalten zu können, beruhigen wir uns indem wir uns immer wieder sagen, dass sie uns einfach überschätzen. Immer wieder lassen wir uns dieses Schlupfloch sagen zu können, man würde uns nur noch nicht genug kennen, sonst würde man auf dem schnellsten Wege zusehen das man Abstand gewinnt.

Die Aktion der Therapeutin unseres Sohnes stürzt uns mehr ins Chaos als wir uns selbst eingestehen wollten.
Es sind wahnsinnige Ängste damit verknüpft und die Drohungen unserer Täter, uns unser Kind zu nehmen, in Verbindung mit dem Wissen darüber wie da wiederum die Verbindungen im Hintergrund sind, tun ihr übriges.
Es schleudert uns gefühlt meilenweit zurück. Treibt uns in Verhaltensweisen zurück, von denen wir dachten, wir hätten sie hinter uns.
Wir wollen nicht denken, wir wollen nicht mitbekommen, wir können nicht aushalten zu fühlen!

Es macht uns traurig uns selbst bei diesem andauernden Überlebenskampf zuzusehen. Wir sind traurig darüber ständig nur damit beschäftigt zu sein irgendwie weiter zu leben. Wir hangeln uns von Termin zu Termin mit Helferpersonen und versprechen uns dann immer wieder bis zum nächsten Termin auszuhalten. Nur bis zum nächsten Termin und dann entscheiden wir neu.

Seit einigen Jahren gibt es in diesem Haushalt keine Rasierklingen mehr, da wurde peinlichst genau drauf geachtet. Immer wieder wurde gezielt danach gesucht um sie in Fall des Falles entsorgen zu können. Sind sie da nutzt man sie auch schneller.

Beim letzten Mal als sich geschnitten wurde, war das sicher einer der Gründe, weshalb wir dazwischen kamen und es sich in einem oberflächlichen schnibbeln bewegte. Ihr würdet lachen, würde ich euch erzählen, wie viele Messer probiert wurden und wieder zurück gelegt wurden, weil sie zu stumpf waren um sich damit anständig verletzen zu können. Bis man dann irgendwann auf eine altbekannte, schlechte Lösung des Problems kam, verging einiges an Zeit.

Derzeit können wir nur in wenigen Momenten überhaupt einkaufen gehen. Nicht nur, weil wir gerade überhaupt nicht mit Geld umgehen können, keiner weiß wohin und wofür es verschwindet und man sowieso nicht das kauft war man wollte oder braucht, sondern hauptsächlich weil wir es nicht schaffen an den Klingen vorbei zu gehen. Weil wir sofort die Bilder davon vor Augen haben was wir mit uns machen wollen/müssen/würden. Und weil wir sofort wissen, dass wir es tun, wäre die Gelegenheit da.

Und unsere Angst unsere Helfer und Freunde zu sehr zu belasten ist so groß. Die Angst zuviel zu bekommen, der Gedanke, es stehe einem nicht zu und sie würden ihre Energie und Zeit in die falsche Person investieren. Die Strafe wird kommen… irgendwann…

Wir haben doch gar nichts dafür getan und was sollten wir auch tun. Wir sind ja gar nicht mehr in der Lage wirklich etwas zu tun, dafür reicht die Energie längst nicht mehr. Gut wir könnten in altbekannten, gut erlernter Manier sexuelle Dienste anbieten, zu Dienst stehen für egal was man von uns möchte, kein Problem, das können wir, darin sind wir gut, da wissen wir was wir können.

Warum wissen wir es da aber bei all den anderen Dingen, wo es so nötig wäre, fehlt uns jegliches Selbstvertrauen. Selten wirken wir so. Eher noch wirken wir häufig selbstbewusst, manchmal ein bisschen arrogant, manchmal etwas überheblich aber auf jeden Fall nicht wie jemand der sich selbst nichts zutraut (ausser vielleicht das zu tun was andere verlangen).

Morgen/Heute bzw in ein paar wenigen Stunden ist ein Termin bei der Therapeutin unseres Sohnes. Es sollte ein Termin für ihn sein, allerdings haben wir entschieden ohne ihn hin zu gehen. Wir möchten nochmal ein klärendes Gespräch mit ihr, ohne den Druck im Rücken das unser Sohn im Wartezimmer hockt und sich langweilt, ohne Rücksicht auf ihn nehmen zu müssen.
Das Gespräch wird nicht mehr viel ändern können aber wir möchten zumindest besprechen können, wie es weitergeht und außerdem erhoffen wir uns vielleicht noch den ein oder anderen Hinweis, was sie antreibt.

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