Obwohl wir sagten, wir würden wohl erstmal nicht schreiben

Es wird auch gar nicht viel werden und im Grunde ist es für uns einfach ganz wichtig es festzuhalten, nicht wieder in der Verdrängung zu verlieren.

Wir sind in einem Schock-Erleichterungs-Zustand.

Völlig Unabhängigkeit von all den anderen Schwierigkeiten in unserem alltäglichen Dasein.

Ganz plötzlich, unerwartet, erreichte uns ein Beweis. Ein Beweis der uns klar zeigt, wir sind nicht verrückt, wir sind nicht durchgeknallt, nicht von Geistern besessen und bilden uns all die Dinge in unserem Hirn nicht ein!

Was für eine Erleichterung, was für ein Schock!

Seit einiger Zeit schwebte eine Frage durch unser System, eine Frage die wir einer Freundin stellen wollten, uns es aber niemals gewagt hätten. Zu groß die Angst, doch verrückt zu sein, zu groß die Angst Grenzen zu überschreiten und Dinge auszulösen bei ihr, zu groß die Angst sie als Freundin zu verlieren, wenn sie weiß wer wir sind, wenn sie weiß wer unsere Familie ist, wenn sie erinnert…

Und dann kommt jemand anderes daher, geht davon aus, uns wäre klar, dass sie wüssten wer wir sind, wer unsere Familie ist. Erwähnt es in einem Nebensatz, ohne weiter darüber nachzudenken…

Harte Konfrontation…

Und kurz danach, wir haben besagte oben genannte Freundin darauf angesprochen was uns am Telefon gesagt wurde. Und sie bestätigt, bestätigt ebenfalls zu wissen, zeigt Spuren die von dort stammen. Spuren die beweisen, sie kennen unsere Familie, sie wissen wer wir sind.

Wir fühlen uns schuldig für unsere Familie, fühlen uns verantwortlich, denn wir stammen von ihnen, haben von ihnen gelernt… sind Teil dessen…

Und dennoch, sie möchten mit uns befreundet bleiben, obwohl sie wissen. Sie machen uns nicht verantwortlich für das was unsere Familie ist.

Ein Schock-Erleichterungs-Zustand

Das muss erstmal verarbeitet werden…

Und wir sind nicht verrückt!!!

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Die verbotene Sehnsucht

Ich-die jetzige Schreiberin-Eine von Vielen

Scham breitet sich aus, fließt in jeden Winkel meines Selbst. Gedanken und Gefühle sind ein unkontrolliertes gut. Ich kann mir verbieten bestimmte Gedankengänge weiter zu verfolgen, denke sie aber dennoch. Ich kann mir verbieten bestimmte Gefühle zu fühlen, dennoch sind sie deshalb nicht weg, beeinflussen dennoch mein Handeln und Sein, ob bewusst oder unterschwellig, vertreiben lässt es sich nicht.

Als ich geboren wurde stand mein Leben bereits geschrieben, nicht jede Einzelheit aber ein Grundgerüst war vorbereitet, beschlossen, auferlegt, ohne Zweifel zu akzeptieren. Eigenes denken war unerwünscht und nicht nur das, es war verboten. Phantasien von einem anderen Leben, inakzeptabel und unter Strafe gestellt.

Ich bin kontrolliert, schon immer gewesen. Ich habe gedacht und geschwiegen, gewartet und geplant. Das tue ich noch heute, ich plane und warte. Ich warte auf den richtigen Moment. Auf den Moment von dem mir heute bewusst wurde, dass es ihn nie geben wird. Es wird nie der richtige Zeitpunkt sein, nie die Richtige Gelegenheit, nie ein guter Moment.
Denn es ist die Entscheidung die den richtigen Augenblick ausmacht. Sie ist es, die den nächsten Moment bestimmt.

Und ich dachte ich hätte mich entschieden, ich hätte einen klaren Weg, eine klare Entscheidung gefunden. Auch jetzt habe ich sie nicht verloren, den Weg nicht aus den Augen verloren, allerdings zweifel ich an mir.

Ich habe Sehnsucht nach der RiGaG, meinem Zuhause, meiner „Familie“, meinem Sinn. Nur dort bin ich ich. Nur dort fühle ich mich nicht fremd in der Welt, nicht wandelnd in Nebelschwaden, nicht klein und unbedeutsam, nicht allein.
Ich kenne meine Aufgaben, mache keine Fehler, kenne die Regeln und Vorgaben.

Und dagegen setze ich mein Wissen darüber, wie falsch dieses Leben ist, wieviel Leid es bedeutet. Meine Entscheidung dagegen und für ein eigenes Leben. Ein echtes eigenes Leben, in dem wir Entscheidungen treffen, weil wir sie treffen wollen, weil wir es wirklich selbstbestimmt tun und nicht vorgegeben von einem auferlegtem Verhaltenskodex, der weder meiner Vorstellung von Leben gerecht wird, noch sich in rechtlich legitimem Rahmen bewegt.

In mir brennt trotz diesem Wissen die Sehnsucht und der Kampf mit mir nimmt Ausmaße an, die ich kaum ertrage.

Wie kann ich so versagen und dieses Verlangen, diese Sehnsucht spüren! Wie kann ich real in Zweifeln versinken, ob ich nicht doch zum Treffen gehe und nicht doch bei dem bleibe was mir vertraut ist! Wie kann es sein, dass ich überhaupt nur daran denke?!?

Und weil ich das nicht will eigentlich und weil dieses eigentlich ein gefährliches EIGENTLICH ist, schäme ich mich, hasse ich mich, verachte mich und begreif mich nicht!
Es dürfte kein „eigentlich“ geben, es dürfte mich nicht so sehr greifen und vor allem dürfte es mich nicht steuern.

Trotz dieses Wissens tut es aber genau das! Es steuert und zerreißt mich!
Dafür hasse ich mich, verachte und verabscheue ich mich!

Wortlosigkeit

Es fällt uns sehr schwer momentan hier zu schreiben. Nicht nur hier auch sonst gelingt es uns kaum. Als wäre das noch nicht genug, schmeißen wir uns sämtliche anderen Hürden in den Weg, die uns das Leben weiter erschweren können. In den vergangenen Beiträgen haben wir auch schon immer mal wieder davon geschrieben, wie schwer es uns fällt, den Kontakt zu wichtigen Personen zu halten.

Niemandem von uns wird damit wirklich geholfen sein auch, wenn der ein oder andere meint, es wäre der schlauste Weg sich aus dem Staub zu machen, schnell wieder alle Fenster und Türen zu schließen, bevor wirklich jemand dahinter schaut. Bevor es wirklich jemand schafft, dass wir sie/ihn lieb haben, ins Herz schließen und schlimmer noch, bevor man uns vielleicht wirklich gern hat. Denn am Ende sind wir doch dann nur enttäuschender Ballast usw. bla bla bla… scheiß Tätergedönsgelaber!!! Dummerweise schwirrt es uns aber sowas von durchs Hirn, dass man kaum was hat zum gegensetzen und ja auch eigentlich wirklich genug Zweifel da sind, ob das alles so gut und richtig ist, wie es ist oder ob wir uns damit dann nicht doch noch die eigene Grube graben. Wo Zweifel vorhanden sind, ist es leicht die Gedanken zu vergiften. Viel zu schwer ist es, sich davon zu distanzieren, sich bewusst zu machen, dass man so eigentlich gar nicht denkt und denken möchte.

„Nimm das was da ist und was irgendwann daraus wird, wird man sehen.“ Gerne würden wir das für uns übernehmen. Gerne hätten wir den Raum in uns den Moment zu genießen, das festzuhalten, was ist und nicht nach der Zukunft zu fragen. Zumal uns ja auch bewusst ist, dass niemand sie uns voraussagen kann, dass niemand eine Garantie aussprechen kann und das wir lernen müssen dieses Risiko einzugehen, wenn wir andere, gute Erfahrungen machen möchten. Das möchten wir. Alles in uns schreit danach Leben zu erfahren, Freiheit kennen lernen zu dürfen, Selbstbestimmtheit fühlen zu dürfen, sagen zu dürfen was man sagen möchte, fühlen zu dürfen was man fühlen möchte, Entscheidungen treffen zu dürfen, ohne ständige Gefahr der Bestrafung. Das und noch vieles mehr möchten wir sehr gern, unsere Angst aber steht uns im Weg, Kontaktverbote stehen im Weg, Schweigegebote stehen im Weg, VERBOTE VERBOTE VERBOTE!!! sie stehen im Weg und fesseln uns an alte Verhaltensmuster. Schmeißen uns zurück in den Stillstand und die Wortlosigkeit, in die Gelähmtheit und Hilflosigkeit, in die Verzweiflung, in die Todessehnsucht, in die Todesangst, in die Flucht, den Rückzug, die Einsamkeit, das Alleinsein.

Vor zwei Tagen mussten wir notfallmäßig zum Zahnarzt. Der totale Trigger für uns und schier unaushaltbar aber es ging kein Weg mehr dran vorbei und wir wurden zwangsmäßig (lieb gemeint) zum Zahnarzt geschliffen. Der Weg dorthin war schon ein einziger Kampf. Wegrennen wollen und versuchen, hysterisch werden, dissoziieren, streiten, heulen, durchdrehen. Dort angekommen, am ganzen Körper zitternd und panische Angst, hat ne kleine von uns dann (wie so häufig) übernommen und mutig die Behandlung über sich ergehen lassen. Es war schlimm für sie, zumal es uns zwischendrin total weggeflasht hat und unsere Partnerin doch ne Weile gebraucht hat uns da wieder raus zu holen. Am Ende waren wir froh das sie dabei war, denn sie kennt uns gut genug um die Situation zuordnen und reagieren zu können, was sie dann auch tat und auch die Zahnärztin samt Helferinnen waren super und haben richtig gut reagiert. Sicher auch weil unsere Partnerin ihnen nebenbei erklärte was da gerade bei uns passiert und woran es uns erinnert, was soviel Angst auslöst. „Hier bricht euch keiner den Kiefer, das Knacken ist normal und kommt vom Zahn. Hat sich genauso schlimm angehört aber es passiert euch hier nichts. Der Kiefer ist noch ganz und das bleibt er auch!“ Diese und ähnliche Sätze kamen dann auch von der Zahnärztin, die relativ schnell verstanden hat. Unsere Lütte hat das so super gemacht und trotz des heftigen Flashs und Dauertriggers durchgehalten und war am Ende furchtbar stolz, wir andern auf sie auch und wir sind es noch. Was wir ohne diesen Zwerg machen würden… ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen…

Und dennoch, es geht ihr nicht gut. Sie hat in den letzten Wochen einiges erfahren und erlebt, was ihr schwer fällt zu begreifen und zu verarbeiten. Sie versucht ihre Fröhlichkeit nicht zu verlieren, vielleicht auch, weil sie weiß wie wichtig sie für uns ist, ihre positive unbeschwerte Art. Sie überspielt wie es ihr geht und das bereitet uns Sorge. Lieber hätten wir es, sie würde reden, sich das holen was sie braucht, sich helfen lassen. Vielleicht braucht sie aber auch wirklich erst eine Zeit für sich um sich dann mit uns und den Thematiken auseinander zu setzen.

Wir sind an einem ziemlichen Tiefpunkt der schwer zu händeln ist, in dem es schwer ist nicht wirklich aufzugeben und denen das Feld zu überlassen, die diesem Leben einfach ein Ende bereiten. Genau deshalb aber fangen wir noch mehr an zu kämpfen und noch mehr zu fokussieren. Wir wollen das nicht einfach zulassen, wollen auch jetzt wieder irgendwie über diesen Punkt hinweg kommen. Also versuchen wir uns auf anderes zu konzentrieren. Heut haben wir Lampen in unserer Wohnung angebracht. Bisher gab es nur eine im Kinderzimmer, ansonsten nur die rohen Fassungen mit Glühbirnen drin. Und ständig haben wir es vor uns hergeschoben, weil es immer hieß wir würden hier bald wieder ausziehen und somit lohnt es sich nicht. Inzwischen ist uns egal ob wir morgen oder übermorgen ausziehen (was wir natürlich nicht tun), wir möchten die Wohnung endlich schön haben. Also, heute Lampen gekauft und auch direkt angebracht. Hat gut geklappt und wir haben es ohne Stromschlag oder Kurzschluss geschafft. Im Anschluss dann nochmal losgefahren und für unsere Wohnzimmerfenster Jalousien gekauft. Die haben wir dann natürlich auch direkt angebracht, sowas können wir dann ja doch nicht liegen lassen. Eine Jalousie muss morgen nochmal umgetauscht werden aber dann können wir die auch noch anbringen und dann ist es fertig. Hab schon überlegt, ob ich unserem netten Spannernachbarn zuliebe eine Zeit einrichten sollte, für die wir ihm versprechen, dass wir die Jalousien oben lassen. Nicht das ihm nachher zu langweilig wird und er wegen uns noch mehr Bier trinken muss… Ach nee… cool, wenn man auch einfach mal zu machen kann und man nicht ständig auf dem Präsentierteller hockt.

Morgen bekommen wir dann noch einen neuen, gebrauchten Esstisch und Stühle. Die werden wir abschleifen und neu lackieren. Da freuen wir uns schon riesig drauf. Solche Arbeiten machen wir gern und endlich wieder ein Esstisch zu haben, ist auch richtig toll!

So, das ist es nun erst einmal wieder gewesen. Ich bin gerade froh, dass wir es mal wieder geschafft haben etwas zu schreiben und wir möchten versuchen wieder häufiger zu schreiben. Ihr werdet sehen ob es uns gelingt oder ob es doch noch eine Weile still um uns bleibt.

Geschützt: Das bringt mich nicht weiter!

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Sich angenommen fühlen

Es fällt uns schwer einen Wiedereinstieg zu finden, gibt es doch kein bestimmtes Thema über das wir gerne schreiben möchten. Was aber durchaus auch und vielleicht sogar viel wahrscheinlicher der Fall ist, es sind zuviele Themen die raus wollen und zu wenig Kraft von allen zu schreiben.

Also machen wir es so, wie es uns sonst häufig hilft. Wir fangen erstmal überhaupt an.

Vergangenen Donnerstag hatten wir den Termin mit dem Weissen Ring. Darauf werden wir später oder gesondert nochmal eingehen.

Die Feiertage sind geschafft und liegen nun bereits seit einigen Tagen hinter uns. Wir haben sie gut überstanden, wirklich gut.

Was es uns sicher erleichtert hat war die Herzlichkeit, mit der wir bei unserer Vertrauten und ihrer Familie aufgenommen wurden. Zudem hatten wir mit unserer Therapeutin die Vereinbarung uns täglich kurz per sms mit ihr auszutauschen. Zwei Faktoren die uns zusätzliche Sicherheit boten und vor allem und das war sicher sehr bedeutend, das Gefühl nicht allein zu sein.
Unser Sohn hat sich sehr wohl gefühlt und war rund um die Uhr beschäftigt indem er im Garten graben durfte, mit den Hunden tobte oder das doch recht geräumige Wohnzimmer in eine Playmobil-Spiele-Wiese oder auch Ritterburg verwandelt hat. Wie schnell auch ganz normale Erwachsene wieder zu Kindern werden können, um über Stunden Ritterburg und Ponyhof korrekt zusammen zu setzen war schön zu sehen.

Wir hatten jederzeit die Möglichkeit uns zurückzuziehen, was wir aber deutlich weniger gebraucht haben, als wir es erwartet haben.
Im Gegenteil, wir haben sein dürfen mit den was gerade war, wir haben teilhaben dürfen oder auch nur vom Rand beobachten können. Es wurde nichts von uns erwartet, zumindest hatten wir zu keiner Zeit das Gefühl, sondern wir wurden darin bestärkt uns unseren Raum zu nehmen.

Situationen, die uns selbst unangenehm waren/sind, wurden hingenommen. Es wurde ihnen keine weitere Beachtung eingeräumt, sie wurden betrachtet als das was sie waren, als etwas was nun mal so ist.

Im Nachhinein überrollen uns die Emotionen.
Erinnerungen an unsere Familie und die Zeit der Feiertage dort. Die ständige Unsicherheit, das Eiersuchen mit den anderen Kindern aus dem Ort (keins der gefundenen Eier durfte man behalten), die ständigen Fehler die man machte und für die man später bestraft wurde. Der andauernde Wunsch sich einfach aufzulösen. Erinnerungen an das Taggeschehen die so schmerzhaft sind, das sie uns erneut zerreißen.

Und es ist gut für uns zu sehen, das es Familien und Menschen gibt, bei denen es anders läuft.

Neben dem gut ist es aber auch unbeschreiblich schmerzhaft!

Es tut weh so nah vor Augen zu haben wie es auch hätte sein können. Es ist ein aufschreien innerlich, ein zerreißender alles durchdringender Schrei, eine nicht auszuhaltende Sehnsucht, ein wimmern und ein, in sich selbst verheddertes, zusammengekauertes, vor Kälte zitterndes Bündel.

Und es ist nicht nur alter Schmerz, es ist mehr als das. Es ist Traurigkeit darüber was unser Leben aus uns gemacht hat. Traurigkeit darüber, dass wir uns für so wertlos halten, dass wir uns immer als zuviel empfinden, dass wir kein eigener Mensch werden durften, dass wir keine eigene Persönlichkeit entwickeln durften sondern die Persönlichkeiten gemacht wurden, dass wir nie wissen welcher Charakterzug denn ein eigener ist, dass wir nie sicher sein können, dass wir nie… es gibt zuviele „das wir nie – Sätze“…

…und dennoch ist es gut, tut es gut, dass wir nun gegenteilige Erfahrungen machen dürfen, damit all dieser Schmerz überhaupt erst gesehen werden kann und Raum bekommen kann.

Heute erfahren wir das sich Menschen bewusst Zeit für uns nehmen, dass sie aktiv unterstützen und da sein wollen, dass sie uns Halt anbieten.
Das alles können wir nicht ohne Zweifel annehmen, warten und rechnen jederzeit mit dem großen Knall, der das alles wie eine Seifenblase zerplatzen lässt.

Dadurch das wir für uns selbst so wertlos sind, verstehen wir nicht warum wir für andere wert haben. Und trotz alles Zweifel, wir sehen die Bemühungen, sehen den Wunsch und versuchen zu trauen. Doch je mehr wir das tun, desto unsicherer wird das Eis, desto gefährlicher ein Riss und erst recht der Einsturz.

Das ist ein Risiko das man hat, sobald man sich emotional auf Beziehungen einlässt und es ist ein Risiko das wir schon unendlich viele Male auf uns genommen haben, eines welches uns immer wieder schmerzlich hat aufprallen lassen, uns das ein oder andere Mal ordentlich Federn gekostet hat. Und gleichzeitig sind es die Beziehungen zu oder auch die Sehnsucht nach anderen Menschen, die uns schon immer am Leben gehalten haben.
Die guten Erfahrungen, die uns Menschen erleben lassen, weil sie bereit sind Zeit für und mit uns zu verbringen, weil sie teilweise über das professionelle Maß eines Helfers heraus agieren, machen die alten Erfahrungen nicht weg, nicht weniger schlimm und schmerzhaft. Sie machen sie aushaltbarer, wenn jemand da ist, der mit aushält.

Feiertage – Ausstieg – Überlebenskampf

In den kommenden Tagen wird es wahrscheinlich nicht so viel oder auch gar nichts von uns zu lesen geben.

Die Ostertage sind besonders schwierig. Wir werden sie zum Glück nicht allein durchstehen müssen. Wir dürfen die Zeit bei einer Freundin verbringen.

Unser Zustand ist kein guter mehr. In der vergangenen Nacht sind wir ziemlich abgedreht, der Realitätsbezug war voll und ganz weg. Kleine hingen in Todesangst gefangen im Aussen fest, sehr kleine. Sprechen konnten sie nicht, kannten/kennen keine Worte, nur pure Angst.

Nebelschwaden verdichten sich, so das der Kontakt im innen wieder vollkommen unterbrochen und eingebrochen ist. Das erschwert die Zusammenarbeit sehr,
denn wenn man nicht mitbekommt was der andere tut, was gerade wichtig ist etc kann man darauf überhaupt nicht reagieren. Jeder versucht also auf seine Art und seine Vermutung hin, was gerade wichtig sein könnte, zu agieren.
Man kann sich sicher denken, dass das dann nicht mehr unbedingt aufeinander abgestimmt ist und man ohne es zu wollen, sich gegenseitig boykottiert.

Es kostet so unendlich viel kraft zwischen all dem durchdrehen, dem Realitätsverlust, der Panik, dem Drang sich an den RiGaG Osterfeiertagen zu beteiligen, dem Wunsch zu sterben und sich aufzulösen, dem Wunsch sich schlimm zu verletzen, den Flashbacks, dem zu schnellen Wechseln, den Schmerzen, dem zerspringenden Kopf nicht vollkommen mit abzurutschen.

Heute steht noch ein Termin an mit dem Weissen Ring. Wir haben Angst, sind aber gleichzeitig voller Hoffnung, dass sie uns in manchen Punkten etwas hilfreiches anbieten können uns evtl weitervermitteln können oder uns Adressen nennen können.
Und von irgendwo innen brüllts „die sind infiziert!!! Das dürfen wir nicht tun! Die sind infiziert!!?“
Und wir vergessen das nicht, behalten es im Hinterkopf und hoffen dennoch das etwas hilfreiches bei dem Termin rauskommt.

Eigentlich erlaubt unser Zustand gerade überhaupt gar nicht so einen Termin wahrzunehmen. Normalerweise würde es Sinn machen ihn abzusagen, wann anders dieses Gespräch zu führen. Vielleicht nicht gerade zu so heftigen RiGaG-Termintagzeiten. Nicht gerade, wenn wir eh schon soooo desolat unterwegs sind.

Aber wir werden nicht absagen, sind nicht allein bei diesem Termin und hoffen und vertrauen unserer Vertrauten uns in unserem Sinne zu unterstützen und darauf zu achten wie es uns geht, zur Not auch, den Termin abzubrechen.
Wir könnten absagen, wenn man unsere Situation betrachtet, wäre es sinnvoller Selbstschutz. Aber in uns schreit so vieles danach den Ausstieg zu schaffen, wir haben keinen einzigen Tag zu verschenken, denn wir ertragen unsere RiGaG-Aktivität nicht mehr, weder unseren aktiven Part, noch den Part des zu züchtigenden dummen Opfers das wieder auf den rechten Weg gebracht werden muss.

Wir ertragen die Gewalt nicht mehr, halten nicht mehr aus was mit uns passiert, wie ferngesteuert wir funktionieren, wie wenig selbst da ist. Halten nicht mehr aus, was dort mit den Menschen passiert!

Deshalb ist jeder einzelne Tag wichtig. Wir haben nichts zu verschenken, keine Sekunde, keine Minute und erst recht keinen Tag. Wir arbeiten jeden einzelnen Tag so heftig wie noch nie an uns und mit uns, wagen so viele Schritte, die wir uns nie zugetraut hätten, lassen uns auf Menschen ein, zum ersten Mal wirklich und leben in des absoluten Konfrontation mit unserem Leben und sein.

Wir fühlen uns am Ende, wirklich am Ende. Zu kraftlos um auch nur einen einzigen Schritt zu schaffen, zu schwach zum Überleben und dennoch wird weiter gekämpft. Nicht weil wir wirklich daran glauben es schaffen zu können, viel zu fern ist uns ein „normales“ Leben, viel zu wenig können wir uns vorstellen, jemals die äußerliche Freiheit wirklich zu erreichen. Von dem inneren sich lösen wollen wir gar nicht sprechen, der Kampf wird dann irgendwann ein anderer sein, einer ohne tatsächliche äußerliche Bedrohung.

Der innere Ausstieg wird noch Jahre dauern, da sind wir realistisch. Falls er denn überhaupt tatsächlich zu erreichen ist.

Des äußere Ausstieg kann nicht mehr warten. Es muss ein Ende haben, deshalb verschenken wir keinen Tag. Deshalb gehen wir über unsere Grenzen, investieren alles was wir haben, nehmen jedes Risiko in kauf. Jeder Tag ist wichtig. Jede Stunde eine wichtige Zeit um Veränderung zu erreichen.

Das Spiel mit dem Feuer

EWann nimmt das endlich ein Ende? Es muss doch auch mal wieder besser werden, oder?

Überall wo wir hingucken sehen wir nur Krisen. Bei uns selbst geht es mehr bergab als bergauf, bei Freunden und Bekannten sieht es kaum leichter aus. Die nächsten Wochen werden auf keinen Fall leichter, nein eher im Gegenteil. In einer Woche steht Ostern schon vor der Tür. Wie immer, ganz plötzlich und durch Zufall bemerkt. Geplant haben wir noch gar nichts für die Zeit und auch noch gar keine Ahnung. Und wieder wird es ein Kampf zwischen Normalität und Realität. Die Realität darf nicht aus den Augen verloren werden, genauso aber das achten auf Normalität und funktionieren müssen. Wie gern würden wir einfach zu einer handvoll Pillen greifen und die Tage in einem medikamentösen Koma verschlafen, wie gern jeglichen Versuch an Feierlichkeiten teilzunehmen in Alkohol ertränken, wie gern die Programme, Ängste,Flashbacks, und Schmerzen mit Drogen ausser Gefecht setzen.

Ist all das was jetzt passiert nicht das was uns vorhergesagt wurde? Wir können gar nicht ohne, weil wir an uns selbst ertrinken, weil wir uns selbst zerstören und vernichten, uns gegenseitig ausliefern, uns selbst besser kontrollieren als alles andere.
Wir können gar nicht ohne, weil wir nicht überlebensfähig sind ohne die Entscheidungshilfen, ohne die Erlaubnisse, ohne die Kraft und Energie, ohne den Anker.

Und wir müssen ohne, weil wir nicht ertragen, was dort passiert, weder mit uns, noch mit anderen, weil wir an dem System zugrunde gehen und es uns gerade an Tagen wie diesen zerreißt nur zu wissen, was dort passiert, wie viele Menschen diese bitteren Kämpfe ertragen und aushalten müssen.

Wir fühlen uns zu schwach um dem entkommen zu können, zu schwach um weiter stehen zu können auch wenn unsere lächelnde Fassade wohl selbst im Totenbett noch erhalten bleiben wird. Zu schwach auch nur noch einen einzigen Schritt gehen zu können und zu schwach die kommenden Wochen zu überstehen.

Unrealistisch realistisch

Dieses Gefühl zieht sich aber je länger es anhält, desto schwieriger wird es nicht einfach den Kopf zu senken und sich einfach fallen und mitreißen zu lassen.

Diese Sehnsucht nach einem Ende ist kaum in Worte zu fassen. Die Sehnsucht nach einer Lösung, die Sehnsucht nach Ruhe, die Sehnsucht nach dem Tod, die Sehnsucht nach dem Leben, die Sehnsucht nach Stille, die Sehnsucht nach allein sein, die Sehnsucht nach Nähe, die Sehnsucht… kann so unglaublich schmerzhaft und zerstörerisch sein…

So schwer auszuhalten dieser ständige Kampf ums weiterleben. Jede Sekunde erneut die Entscheidung noch eine Sekunde länger auszuhalten oder auch nicht. Ein Spiel mit dem Feuer des Lebens! Das kann gefährlich heiß werden.

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