Und sie leben noch immer

So oder so ähnlich sollte die Überschrift wohl klingen.

Es gibt nicht viel zu sagen, obwohl es eigentlich immens viel gäbe worüber man schreiben könnte, wenn man es sich denn wagen würde.

Unsere Welt steht nach wie vor Kopf. Statt das sich dieser Zustand legt, steigt er eher immer weiter. Nicht nur weil immer mehr Informationen uns erreichen und ein klareres Bild entsteht, das ist nebenbei auch der Fall, sondern weil wir die Informationen nur langsam begreifen und aus unserer Parallelwelt geworfen werden.

Wahrscheinlich um all den Wahnsinn überhaupt aushalten zu können, haben wir uns innerlich alle eingeredet, dass das Viele sein, die Gründe dafür, all diese belastenden Dinge nicht echt sind. Das wir verrückt sind und uns all das nur in unserem kranken Hirn zurecht spinnen. Das da einfach gehörig was schief gelaufen ist, die Welt draußen aber doch eigentlich okay ist, also nur in unserem kranken Kopf eben so krank.

Tja und nun müssen wir begreifen, dass dem nicht so ist, müssen begreifen, dass das kranke in unserem Kopf gar nicht krank ist sondern die Realität.
Während das hier geschrieben wird, wird wieder versucht Gründe zu finden, die es einfach nur wieder unseren kranken Kopf sein lassen und die zulassen das die Außenwelt wieder okay ist.

Inzwischen ist es aber schier unmöglich, zuvieles was von außen kommt lässt es nicht zu.

Und so setzen sich Puzzleteile zusammen, Stück für Stück mit noch tausend Fragezeichen und mindestens genauso vielen neuen.

Wir verschwinden in uns, weil wir nicht ertragen was wahr ist, weil wir entfliehen wollen vor dem Schmerz, weil wir nicht mehr aushalten können und wollen.

Weil es in uns nur den Gedanken gibt, dass man mit dieser Realität nicht leben kann und auch nicht möchte.
Raus aus diesem Leben ist aber auch nicht möglich, die Verantwortung hält.

Es offenbaren sich immer mehr Lügen aus unserem Leben die soviel ins Wanken bringen.
Und die Art und Weise wie man uns schaden möchte und uns angreift geht arg an die Substanz.
Der Wunsch in uns, all das wäre nicht wahr, all die Erkenntnisse der letzten Wochen und Tage wären nur ein böser Alptraum, schreit und wird dennoch nicht erhört und bleibt unbeachtet.

Frei schreiben können wir hier noch nicht wieder. Es muss noch nach einer Lösung gesucht werden, die es uns wieder erlaubt uns mitzuteilen und die uns dennoch sicher fühlen lässt.

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Wortlosigkeit

Es fällt uns sehr schwer momentan hier zu schreiben. Nicht nur hier auch sonst gelingt es uns kaum. Als wäre das noch nicht genug, schmeißen wir uns sämtliche anderen Hürden in den Weg, die uns das Leben weiter erschweren können. In den vergangenen Beiträgen haben wir auch schon immer mal wieder davon geschrieben, wie schwer es uns fällt, den Kontakt zu wichtigen Personen zu halten.

Niemandem von uns wird damit wirklich geholfen sein auch, wenn der ein oder andere meint, es wäre der schlauste Weg sich aus dem Staub zu machen, schnell wieder alle Fenster und Türen zu schließen, bevor wirklich jemand dahinter schaut. Bevor es wirklich jemand schafft, dass wir sie/ihn lieb haben, ins Herz schließen und schlimmer noch, bevor man uns vielleicht wirklich gern hat. Denn am Ende sind wir doch dann nur enttäuschender Ballast usw. bla bla bla… scheiß Tätergedönsgelaber!!! Dummerweise schwirrt es uns aber sowas von durchs Hirn, dass man kaum was hat zum gegensetzen und ja auch eigentlich wirklich genug Zweifel da sind, ob das alles so gut und richtig ist, wie es ist oder ob wir uns damit dann nicht doch noch die eigene Grube graben. Wo Zweifel vorhanden sind, ist es leicht die Gedanken zu vergiften. Viel zu schwer ist es, sich davon zu distanzieren, sich bewusst zu machen, dass man so eigentlich gar nicht denkt und denken möchte.

„Nimm das was da ist und was irgendwann daraus wird, wird man sehen.“ Gerne würden wir das für uns übernehmen. Gerne hätten wir den Raum in uns den Moment zu genießen, das festzuhalten, was ist und nicht nach der Zukunft zu fragen. Zumal uns ja auch bewusst ist, dass niemand sie uns voraussagen kann, dass niemand eine Garantie aussprechen kann und das wir lernen müssen dieses Risiko einzugehen, wenn wir andere, gute Erfahrungen machen möchten. Das möchten wir. Alles in uns schreit danach Leben zu erfahren, Freiheit kennen lernen zu dürfen, Selbstbestimmtheit fühlen zu dürfen, sagen zu dürfen was man sagen möchte, fühlen zu dürfen was man fühlen möchte, Entscheidungen treffen zu dürfen, ohne ständige Gefahr der Bestrafung. Das und noch vieles mehr möchten wir sehr gern, unsere Angst aber steht uns im Weg, Kontaktverbote stehen im Weg, Schweigegebote stehen im Weg, VERBOTE VERBOTE VERBOTE!!! sie stehen im Weg und fesseln uns an alte Verhaltensmuster. Schmeißen uns zurück in den Stillstand und die Wortlosigkeit, in die Gelähmtheit und Hilflosigkeit, in die Verzweiflung, in die Todessehnsucht, in die Todesangst, in die Flucht, den Rückzug, die Einsamkeit, das Alleinsein.

Vor zwei Tagen mussten wir notfallmäßig zum Zahnarzt. Der totale Trigger für uns und schier unaushaltbar aber es ging kein Weg mehr dran vorbei und wir wurden zwangsmäßig (lieb gemeint) zum Zahnarzt geschliffen. Der Weg dorthin war schon ein einziger Kampf. Wegrennen wollen und versuchen, hysterisch werden, dissoziieren, streiten, heulen, durchdrehen. Dort angekommen, am ganzen Körper zitternd und panische Angst, hat ne kleine von uns dann (wie so häufig) übernommen und mutig die Behandlung über sich ergehen lassen. Es war schlimm für sie, zumal es uns zwischendrin total weggeflasht hat und unsere Partnerin doch ne Weile gebraucht hat uns da wieder raus zu holen. Am Ende waren wir froh das sie dabei war, denn sie kennt uns gut genug um die Situation zuordnen und reagieren zu können, was sie dann auch tat und auch die Zahnärztin samt Helferinnen waren super und haben richtig gut reagiert. Sicher auch weil unsere Partnerin ihnen nebenbei erklärte was da gerade bei uns passiert und woran es uns erinnert, was soviel Angst auslöst. „Hier bricht euch keiner den Kiefer, das Knacken ist normal und kommt vom Zahn. Hat sich genauso schlimm angehört aber es passiert euch hier nichts. Der Kiefer ist noch ganz und das bleibt er auch!“ Diese und ähnliche Sätze kamen dann auch von der Zahnärztin, die relativ schnell verstanden hat. Unsere Lütte hat das so super gemacht und trotz des heftigen Flashs und Dauertriggers durchgehalten und war am Ende furchtbar stolz, wir andern auf sie auch und wir sind es noch. Was wir ohne diesen Zwerg machen würden… ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen…

Und dennoch, es geht ihr nicht gut. Sie hat in den letzten Wochen einiges erfahren und erlebt, was ihr schwer fällt zu begreifen und zu verarbeiten. Sie versucht ihre Fröhlichkeit nicht zu verlieren, vielleicht auch, weil sie weiß wie wichtig sie für uns ist, ihre positive unbeschwerte Art. Sie überspielt wie es ihr geht und das bereitet uns Sorge. Lieber hätten wir es, sie würde reden, sich das holen was sie braucht, sich helfen lassen. Vielleicht braucht sie aber auch wirklich erst eine Zeit für sich um sich dann mit uns und den Thematiken auseinander zu setzen.

Wir sind an einem ziemlichen Tiefpunkt der schwer zu händeln ist, in dem es schwer ist nicht wirklich aufzugeben und denen das Feld zu überlassen, die diesem Leben einfach ein Ende bereiten. Genau deshalb aber fangen wir noch mehr an zu kämpfen und noch mehr zu fokussieren. Wir wollen das nicht einfach zulassen, wollen auch jetzt wieder irgendwie über diesen Punkt hinweg kommen. Also versuchen wir uns auf anderes zu konzentrieren. Heut haben wir Lampen in unserer Wohnung angebracht. Bisher gab es nur eine im Kinderzimmer, ansonsten nur die rohen Fassungen mit Glühbirnen drin. Und ständig haben wir es vor uns hergeschoben, weil es immer hieß wir würden hier bald wieder ausziehen und somit lohnt es sich nicht. Inzwischen ist uns egal ob wir morgen oder übermorgen ausziehen (was wir natürlich nicht tun), wir möchten die Wohnung endlich schön haben. Also, heute Lampen gekauft und auch direkt angebracht. Hat gut geklappt und wir haben es ohne Stromschlag oder Kurzschluss geschafft. Im Anschluss dann nochmal losgefahren und für unsere Wohnzimmerfenster Jalousien gekauft. Die haben wir dann natürlich auch direkt angebracht, sowas können wir dann ja doch nicht liegen lassen. Eine Jalousie muss morgen nochmal umgetauscht werden aber dann können wir die auch noch anbringen und dann ist es fertig. Hab schon überlegt, ob ich unserem netten Spannernachbarn zuliebe eine Zeit einrichten sollte, für die wir ihm versprechen, dass wir die Jalousien oben lassen. Nicht das ihm nachher zu langweilig wird und er wegen uns noch mehr Bier trinken muss… Ach nee… cool, wenn man auch einfach mal zu machen kann und man nicht ständig auf dem Präsentierteller hockt.

Morgen bekommen wir dann noch einen neuen, gebrauchten Esstisch und Stühle. Die werden wir abschleifen und neu lackieren. Da freuen wir uns schon riesig drauf. Solche Arbeiten machen wir gern und endlich wieder ein Esstisch zu haben, ist auch richtig toll!

So, das ist es nun erst einmal wieder gewesen. Ich bin gerade froh, dass wir es mal wieder geschafft haben etwas zu schreiben und wir möchten versuchen wieder häufiger zu schreiben. Ihr werdet sehen ob es uns gelingt oder ob es doch noch eine Weile still um uns bleibt.

Es hätte doch ein guter Tag werden sollen!

Wir haben uns wirklich vorgenommen, dass es uns besser geht. Das wir einfach wieder versuchen zu leben, nicht nur rumkrebsen und jammern.

Es reicht aber nicht, reicht nicht es nur zu wollen, einfach dem negativen kein Gehör mehr zu geben, es brüllt viel zu laut, lässt nicht los und nutzt jede sich bietende Gelegenheit um uns in die Knie zu zwingen. Bei einem so instabilen Gerüst, wie wir es derzeit haben, ist das relativ leicht. Kleinigkeiten genügen.

Nachdem die vergangene Nacht wieder relativ schlaflos vorüberging, heißt eine knappe Stunde haben wir tatsächlich geschlafen, haben wir uns heut früh versucht gut gelaunt in den Tag zu stürzen. Erstmal den Zwerg wach gekuschelt (schöner kann ein Tag nicht anfangen) und danach ab in die Küche, Kaffee kochen für die Liebste, Essen bereiten für den Zwerg, die Katzentiere mit Futter versorgen und dabei ein bisschen vor sich hinträllern. Und dann die Frage aus dem Bad: „Alles klar bei dir? Was seid ihr so gut drauf? Alles in Ordnung?“
Öhm ja. Nö, in Ordnung?! Nee aber wir wolltens halt mal versuchen. Aufgehört zu trällern, Kind in die Schule geschickt, die Liebste zur Arbeit, allein sein. Gut! Sehr gut! Nix mehr mit trällern, nix mehr mit gut gelaunt anfangen, war was falsch? Haben wir gestört? Hätten wir einfach nur ruhig unsere Arbeit verrichten sollen? Natürlich nicht aber soweit konnten wir dann schon gar nicht mehr denken. Rückzug, nicht auffallen, leise sein, nicht auffallen, funktionieren, nicht auffallen, Mund halten, nicht auffallen, keinen Raum einnehmen, nicht auffallen, nicht zuviel sein, nicht auffallen!!! ARGH

Wir waren falsch, was falsches gemacht, falsch benommen, rücksichtslos, egoistisch, zu laut, zu fröhlich, zu ALLES!
(Natürlich waren wir das eigentlich nicht aber hey, warum nicht selbst das Leben schwer machen?)

Die nächsten Stunden weggedisst, verkriechen, wegwollen, einfach nicht sein müssen, Zeit ist nur noch Nebensache, nicht mehr wahrgenommen. Verletzen wollen, bestrafen wollen, schneiden wollen. So schlimm derzeit, der Drang sich zu schneiden, das Bedürfnis das Blut über die Arme laufen zu sehen, zu sehen, dass mans wieder in Ordnung gebracht hat. Unglaubliche Angst diese Grenze wieder zu überschreiten. Lang waren wir dem nicht mehr so nah, in den lezten Jahren gab es nur wenige Ausnahmen. Und jetzt, wir sehnen uns danach, sehnen uns nach dem Schneiden, dem Blut. Die Angst es nicht wieder lassen zu können hält uns (noch) ab. Wie lang wird sie ausreichen um es nicht zu tun? Wie lang schaffen wir es dem Drang zu widerstehen?

Anruf vom Zwerg nach der Schule holte uns zurück. Umschalten, Mama sein, da sein, Kind versorgen, Essen, spielen, Hausaufgaben. Funktionieren!!! Durchhalten!!! Aushalten!!! Zusammenreißen!!!

Der Nachmittag wurde damit verbracht den Haushalt in Ordnung zu bringen, die Kids (inzwischen war ein Freund vom Zwerg da) im Zaum zu halten und immer mal wieder im Bad zu verschwinden um durchatmen zu können, ausagieren, neu sortieren, weiter funktionieren.

Und um den Tag noch ordentlich abzurunden, am späten Nachmittag mit der Liebsten diskutiert, über Schwachsinn, einfach nur weil eh schon alles unsicher war, man nur noch alles falsch machen konnte (aus der eigenen Sicht), alles persönlich genommen hat und überhaupt. Manchmal soll es einfach nicht sein.

Kontakt mit anderen Menschen ist so schwer gerade, nicht einmal Smaltalk gelingt uns wirklich. Die Sehnsucht nach Nähe und nicht allein sein ist so groß und dennoch geht nichts anderes, nicht einmal zu der Liebsten können wir gehen und uns einkuscheln. Nicht weil es nicht gehen würde, wir können nicht, total gesperrt. Normalerweise können wir schlafen, wenn wir in ihren Armen liegen, wissen das sie da ist, auf uns aufpasst. Seit einiger Zeit geht auch das nicht mehr, getrennte Zimmer sind nötig, warum weiß keiner, wir nehmen uns selbst das was uns gut tut.

Morgen steht uns ein Termin beim Zahnarzt bevor. Die Panik steigt immer mehr an. Wir werden nicht allein gehen müssen, was wohl auch nicht schaffbar wäre, aber wir müssen gehen. Am liebsten würden wir einfach nur verschwinden, nicht da sein, nicht auf diesen Stuhl müssen. Angst!!!

Ach ja, dann kam heut noch das Buch an, von dem wir hier schon geschrieben haben. Nachdem wir es nun erstmal selbst angeschaut haben, haben wir entschieden es unserem Sohn nicht zu geben. Es passt nicht richtig. Also werde wir selbst schreiben, vielleicht ein paar Ansätze und Ideen übernehmen ansonsten aber selber machen. Ist am Ende sicherlich einfach passender. Da können wir es so schreiben und anpassen, dass die uns wichtig scheinenden Dinge vertreten sind und sie auf unsere Situation passen. Manchmal sollte man vielleicht auf die Empfehlungen hören und es direkt selber machen 😉 Wenn man aber natürlich immer davon überzeugt ist, sich eh nicht ausdrücken zu können, es eh nicht so hinzukriegen wie man es gern hätte, ist es schwer einen Anfang zu finden. Egal, wir versuchen den Leuten die uns gegenteiliges immer wieder bestätigen zu glauben und versuchen es. Damit wäre dann schon mal ein Projekt für die nächsten Tage geschaffen.

Diese scheiß Zeitschrift und der Brief unserer Mutter hätte heut auch nicht sein müssen! Wirklich nicht, es ging uns auch ohne schon blöd genug. Immer wieder neue Dinge, mit denen man nicht rechnet, auf die man nicht vorbereitet ist. Ne ne, einfallslos sind sie nicht, das muss man ihnen ja wirklich lassen!