Erkenntnis über Freundschaft

Und erneut gibt es Anlass für totales Chaos. In einigen Ecken des Systems herrscht Wut, in anderen große Traurigkeit, in einigen auch Angst usw.

Ein Durcheinander von “ Ich hab euch von Anfang an gesagt das Freundschaft nicht existiert! Selbst schuld!“, “ Du weißt doch, am Ende rettet jeder nur seinen eigenen Arsch, ohne Rücksicht auf Verluste!“, “ Warum machen die das, haben die uns nicht mehr lieb?“, “ Sind wir jetzt keine Freunde mehr mit denen?“, “ Luftschlösser bauen. Da habt ihr eure scheiß Bestätigung!“, “ Wir hätten uns von Anfang an raushalten sollen, am Ende sind wir eh die gearschten.“, “ Wieso kann nicht mal einmal Rücksicht genommen werden, wenn wir hundert Mal darum bitten?“ bis hin zu Schuldvorwürfen endend in Selbsthass.

Selbsthass warum? Weil wir so dumm waren und nicht früh genug wahr haben wollten, dass man keine Rücksicht nimmt, dass Freundschaft nichts bedeutet, dass sich das Blatt jederzeit wenden kann, dass wir nicht wichtig sind usw. Es finden sich genug weitere Gründe die wir aufzählen könnten, zumal sich der Selbsthass in den letzten Tagen doch wieder ganz schön potenziert.

Sicher könnten wir auch wütend auf die betreffenden Personen sein und sind dies teilweise auch.

Viel wütender aber auf uns!

Auf unseren dämlichen Wunsch nach Harmonie, unserem dämlichen Glauben an das Gute im anderen, unsere verdammten Schwierigkeiten darin uns abzugrenzen, unserem Wunsch danach gute Freunde zu sein.

Wir solltens vielleicht einfach lassen und einsehen, dass es das, was wir unter Freundschaft verstehen, nicht gibt.

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Die verbotene Sehnsucht

Ich-die jetzige Schreiberin-Eine von Vielen

Scham breitet sich aus, fließt in jeden Winkel meines Selbst. Gedanken und Gefühle sind ein unkontrolliertes gut. Ich kann mir verbieten bestimmte Gedankengänge weiter zu verfolgen, denke sie aber dennoch. Ich kann mir verbieten bestimmte Gefühle zu fühlen, dennoch sind sie deshalb nicht weg, beeinflussen dennoch mein Handeln und Sein, ob bewusst oder unterschwellig, vertreiben lässt es sich nicht.

Als ich geboren wurde stand mein Leben bereits geschrieben, nicht jede Einzelheit aber ein Grundgerüst war vorbereitet, beschlossen, auferlegt, ohne Zweifel zu akzeptieren. Eigenes denken war unerwünscht und nicht nur das, es war verboten. Phantasien von einem anderen Leben, inakzeptabel und unter Strafe gestellt.

Ich bin kontrolliert, schon immer gewesen. Ich habe gedacht und geschwiegen, gewartet und geplant. Das tue ich noch heute, ich plane und warte. Ich warte auf den richtigen Moment. Auf den Moment von dem mir heute bewusst wurde, dass es ihn nie geben wird. Es wird nie der richtige Zeitpunkt sein, nie die Richtige Gelegenheit, nie ein guter Moment.
Denn es ist die Entscheidung die den richtigen Augenblick ausmacht. Sie ist es, die den nächsten Moment bestimmt.

Und ich dachte ich hätte mich entschieden, ich hätte einen klaren Weg, eine klare Entscheidung gefunden. Auch jetzt habe ich sie nicht verloren, den Weg nicht aus den Augen verloren, allerdings zweifel ich an mir.

Ich habe Sehnsucht nach der RiGaG, meinem Zuhause, meiner „Familie“, meinem Sinn. Nur dort bin ich ich. Nur dort fühle ich mich nicht fremd in der Welt, nicht wandelnd in Nebelschwaden, nicht klein und unbedeutsam, nicht allein.
Ich kenne meine Aufgaben, mache keine Fehler, kenne die Regeln und Vorgaben.

Und dagegen setze ich mein Wissen darüber, wie falsch dieses Leben ist, wieviel Leid es bedeutet. Meine Entscheidung dagegen und für ein eigenes Leben. Ein echtes eigenes Leben, in dem wir Entscheidungen treffen, weil wir sie treffen wollen, weil wir es wirklich selbstbestimmt tun und nicht vorgegeben von einem auferlegtem Verhaltenskodex, der weder meiner Vorstellung von Leben gerecht wird, noch sich in rechtlich legitimem Rahmen bewegt.

In mir brennt trotz diesem Wissen die Sehnsucht und der Kampf mit mir nimmt Ausmaße an, die ich kaum ertrage.

Wie kann ich so versagen und dieses Verlangen, diese Sehnsucht spüren! Wie kann ich real in Zweifeln versinken, ob ich nicht doch zum Treffen gehe und nicht doch bei dem bleibe was mir vertraut ist! Wie kann es sein, dass ich überhaupt nur daran denke?!?

Und weil ich das nicht will eigentlich und weil dieses eigentlich ein gefährliches EIGENTLICH ist, schäme ich mich, hasse ich mich, verachte mich und begreif mich nicht!
Es dürfte kein „eigentlich“ geben, es dürfte mich nicht so sehr greifen und vor allem dürfte es mich nicht steuern.

Trotz dieses Wissens tut es aber genau das! Es steuert und zerreißt mich!
Dafür hasse ich mich, verachte und verabscheue ich mich!