Geschützt: Die Halle (Teil 1)

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Eigentlich gehts um was anderes… *grummel*

Eigentlich würden wir heut gern von etwas schreiben, für das wir leider keine Worte finden. Wobei, das stimmt nicht so ganz. Wir finden Worte, sie sind da aber sobald sie aus uns herauskommen wollen, verschwinden sie wieder. Sie bilden einen Brei aus Worten die keinen Sinn mehr ergeben, aus Satzfetzen die nicht mehr zusammen passen. Frisch durch den Fleischwolf gepresst, ordentlich durchgeknetet und als nicht wiedererkennbares etwas verschließt es sämtliche Mitteilungswege.

Es geht um Bilder, die uns um die Ohren fliegen. Um Erinnerungen die keine sind, denn es fehlt uns jegliche Verbindung dazu. Wir erkennen keinen Ort, keine Person, keine Situation.
Wir wissen nicht was diese Bilder ausgelöst hat, auch da fehlt uns absolut der Zusammenhang und auch die Energie danach zu suchen.
Wir haben noch soviel um die Ohren, dass gar keine Kraft und Zeit bleibt. Pflichten die weder verschoben noch liegen gelassen werden können. Der Körper schmerzt nur noch, was häufig dann aber auch gar nicht mehr gespürt wird, Dissoziation ist alles und manchmal doch recht hilfreich.
Sämtliche Bitten und Versprechungen nach Innen uns noch die Zeit zu geben, bis es Außen etwas ruhiger ist und wir uns im Anschluss damit befassen können, verlaufen im Sande und finden keine Beachtung.

Der Versuch hier darüber zu schreiben scheitert, weil wir es nicht niederschreiben können.

Also belassen wir es nun dabei. Es bleibt ein Beitrag in dem wir drumherum schwafeln und nicht auf den Punkt kommen, uns selbst die Fallstricke zwischen die Beine werfen und dabei hoffen nicht zu doll auf die Nase zu fallen. Nun ja…

Scheiß Melodie

Heute schreiben wir um uns kurz festzuhalten und wenns nur durchs festhalten am schreiben ist um wenigstens einen kurzen Beitrag zu schaffen.

Wir sind kurz vorm durchknalln. Hier geht iwo in ner Nachbarschaft seit mehr als zwei Wochen ständig so ne scheiß Melodie. Mindestens zweimal die Stunde manchmal auch gern vier oder fünf mal. Und wenn ich wüsst woher, ich hättes schon längst vernichtet. Hauptsächlich in ner Nacht manchmal aber auch am Tag. Innen bricht voll die Panik aus unds schlaucht echt. Da soll man noch die Nerven behalten, wenn man zum hundertsten Mal erklärt, dass voll kein Grund herrscht Panik zu schieben weil ja doch nix passiert und das in ner Dauerschleife. Diese Erklärungsversuche sind eh vergäudete Mühe, weil sich dämliches Zeug zusammen gesponnen wird, was das komische Beziehungsgestrüpp einiger in der Außenwelt mit dieser scheiß Melodie zu tun hat. Oder welche inneren Zustände darauf zurück zu führen sind.
Für jedes Argument gibts nen Gegenargument und überhaupt. Ach hat ich schon erwähnt das es uns in den Wahnsinn treibt?!

Falls der/die/das Melodieverantwortliche diesen Beitrag rein zufällig lesen sollte, bitte melden. Lässt sich bestimmt ne Lösung fürs Problem finden.
Boah nee geht echt gar nicht, Versuch wars wert.

Nächtlicher Polizeieinsatz bei unseren Nachbarn

Es ist kurz nach drei, mitten in der Nacht. Der Fernseher läuft zur Ablenkung von der Nacht und all dem damit verbundenen Stress.

In der einen Hand das Kuscheltier, die andere spielt zur weiteren Ablenkung auf dem Handy.

Plötzlich reißen Hilfeschreie einer Frau uns aus unserem Aushalt-Durchhalt-Zustand.

Sie kreischt und brüllt, irgendwas unverständliches und immer wieder, Hilfe, Polizei!

Tausend Bilder schießen durch den Kopf, selbstgefundene Erklärungen für die Schreie. Kurz erstarrt der Körper und Angst steigt auf. Was ist wenn da jetzt…
Jemand anderer übernimmt den Körper, schließlich muss gehandelt werden, dort braucht jemand Hilfe.
Er geht raus auf den Balkon, überprüfen von wo die Schreie kommen und abchecken ob man helfen kann. Scheint richtig was los zu sein also wurde das Handy gezückt und die Polizei gerufen.

Innerliches durchdrehen, Polizei anrufen verboten, sprechen verboten, gefährlich!!!

Außen wird gehandelt, der Notruf gewählt und die Polizei informiert. Inzwischen hatten wohl bereits andere ebenfalls angerufen, denn im selben Moment fahren zwei Polizeiwagen vor.
Sie eilen ins Nachbarhaus, sie schreit weiter, dazwischen Geschrei der Polizisten, die äußerst bemüht waren, die Situation möglichst schnell in den Griff zu kriegen. Sämtliche Nachbarn standen bereits an ihren Fenstern, schüttelten die Köpfe, tuschelten sich kleine Lästereien über die Polizisten und die betroffenen Nachbarn zu.

Die Frau hörte auf zu schreien, die Polizisten und weitere Männer aus der Wohnung gerieten wohl in Rage, zwischendurch knallte es, einer, vermutlich der Teenager-Sohn der schreienden Frau, rannte aus dem Haus und auf Socken die Straße entlang. Einer der Polizisten rief noch hinterher aber der Junge lief einfach weiter, ängstlich, überfordert und völlig neben sich stehend. Schien dann aber allen anderen Beteiligten egal.
Während dessen kümmerten sich die anderen Beamten darum, sämtliche Männer aus der Wohnung in ihre Polizeiwagen zu räumen und der Frau klarzumachen das es besser ist, wenn sie auch ihren Freund erstmal mitnehmen. Schließlich hätte er sie ja angegriffen und sie soll die restliche Nacht nutzen um sich Gedanken zu machen.
Sie war damit nicht einverstanden, entschuldigte sich bei ihrem Freund, weil er nun mit musste. Den Beamten war das dann aber nicht mehr so wichtig, sie waren fertig mit der Arbeit vor Ort und wollten wohl los.

Inzwischen sackte der Körper auf dem Balkon zusammen, die Beine versagten, zitterten unkontrolliert und konnten die Last nicht mehr tragen.

Ängstlich, auf dem Boden hockend, zusammengekauert, auf die Strafe wartend, die Hände schützend über den Kopf gehalten.

Nichts passiert, niemand kommt um sie zu bestrafen, doch sie weiß die Strafe wird kommen. Mit der Polizei darf sie nicht sprechen!

Als sich ihre Verkrampfung etwas lockert, hört sie hinter sich jemanden sprechen. Beruhigende Worte und eine weiche kuschelige Hand können sie nun erreichen. Sie zögert noch einen Augenblick, schaut nochmal ängstlich in alle Richtungen, niemand ist sonst zu sehen. Endlich kann sie loslassen und sich nach Innen begleiten lassen. Sanft, in kuschelweichen Armen wird sie fortgetragen, drückt ihr Gesicht ins Fell, um sich ganz darin zu verkriechen. Als sie bei ihren Blätterbett ankommen ist, ist sie schon viel ruhiger, atmet langsamer und gähnt. Der mit dem kuscheligen Fell wird noch bei ihr bleiben, bei ihm fühlt sie sich sicher, wenn er da ist muss sie keine Angst haben.

Der Satz bildet den Boden

Vermutlich war es dieser eine Satz, dieser eine Moment vor ein paar Tagen.

Es war in einem Kontakt mit unserer Therapeutin, ein Moment in dem gedacht und gefragt wurde: “ Warum lassen wir zu, dass andere soviel Macht über uns haben?!?“

Das passierte in einem Moment in dem wir dem Aufgeben sehr nah waren. Sämtliche Hoffnung sich auflöste und in einem tiefen schwarzen Nichts endete.
Ein Moment in dem alles sinnlos schien, in dem wir selbst und andere den Glauben an uns verloren hatten.

Zwei Möglichkeiten waren gegeben, aufgeben zu kämpfen und dieses Leben beenden oder Neugestaltung, Funktion-Funktion -Funktion, umorganisieren, aufstehen, loslaufen.

Die Verantwortung siegte und dieser Satz, der uns für einen Moment erlaubte, zu glauben das wir das nicht müssen. Der es zuließ für einen Moment zu glauben, dass wir selbst diejenigen sein dürfen, die die Kontrolle über unser Leben tragen.
Gerade: wie kannst du sowas schreiben? Hast du sie noch alle? Wir die Macht über uns?!! Du weißt, dass es das nie geben wird! Wie kannst du sowas lächerliches hier aufschreiben? Auslachen werden sie dich für diese absurden Gedanken!!

Nun gut, machen wir anders weiter.
Dieser Moment war also der an dem wir nun wieder aufgestanden sind. Wackelig und mit zittrigen Beinen, in dem wir uns an unsere Verantwortung unserem Kind gegenüber klammern und gar nicht anders dürfen, als weiter zu machen.
Aufstehen und weiter geht es!

Ein bisschen ungewollt und dennoch gewollt, sind wir derzeit zum Radfahrer geworden. Wir, die sich draußen nur im Auto sicher fühlen, haben unser Auto also verliehen und fahren Rad.
Es tut gut, heut sind wir knapp 35km gefahren. Hätte nicht geglaubt, dass es in diesem absolut untrainierten Zustand so gut klappt.

Ja und dann haben wir Supermama gespielt und uns überreden lassen die Klassenfahrt unseres Zwergs,  nach den Sommer, zu begleiten.
Laut der Lehrerin können wir ja so toll mit den Kids…
Andere Geschichte aber nach dem letzten Eintrag in das Mitteilungsheft ihrerseits, war das jetzt leicht widersprüchlich.

Der Anlass zu der Bitte, die Fahrt zu begleiten, war wohl der heutige Tag der Bundesjugendspiele. Sie scheint immer wieder überrascht davon, dass wir es schaffen, die Rasselbande davon abzuhalten, sich gegenseitig zu erschlagen, in Reihen den Dominoeffekt zu testen, der entsteht, wenn der letzte in der Reihe, denjenigen vor  sich, kräftig schubst oder zu testen, wie fest die Haare der anderen Kinder am Kopf festgewachsen sind. Das es sogar möglich ist, die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse zu erlangen, um ihnen Spiele etc. zu erklären.

Seit ein paar Tagen funktionieren wir wieder besser. Wir haben es geschafft einen Termin bei unserer Psychiaterin wahrzunehmen und hatten tatsächlich mal ein nettes Gespräch mit ihr. Nicht länger als sonst, anders. Sie war aufmerksamer, wir hatten zum ersten mal das Gefühl nicht einfach an ihr vorbei zu reden.

Oh ach ja. Wir haben auch geschafft in den letzten Wochen, einmal wöchentlich zum Zahnarzt zu gehen. Diese Woche haben wir den Termin absagen müssen. Eine Situation mit unserem Zwerg, letzte Woche beim Zahnarzt, hat sehr getriggert und war so fies, dass hier alles wieder aufgebrochen ist.
Hoffentlich legt sich das möglichst bald wieder, damit wir neue Termine vereinbaren und die Behandlung fortsetzen können.

Manchmal ist spalten überlebensnotwendig… auch in diesem Fall war es die letzte Möglichkeit. Hoffen wir das wir damit erstmal gut fahren und uns bald wieder sortiert bekommen.

Das hat sich gelohnt!

Wir sind gerade so erleichtert und froh und möchten auch das gern mit euch teilen.

Wir haben vor einiger Zeit einen Antrag auf Reha gestellt und bekamen zwei Wochen dann zwar die Genehmigung für die Reha, allerdings nicht für die Klinik in die wir möchten.

Die Klinik in die wir möchten kennen wir bereits und es war die erste und einzige Klinik die uns wirklich etwas gebracht und geholfen hat. Die erste aus der wir nicht desolater Heim kamen als wir rein sind, die erste in der wir wirklich gut an uns arbeiten konnten und selbst völlig geflasht davon waren, das wir anscheinend doch nicht so Therapieunfähig sind, wie wir bis dahin dachten.

Durch diese Klinik und die Erfahrungen, die wir dort machen durften, haben wir es geschafft nicht aufzugeben, weiter zu kämpfen für uns und unseren Sohn.

Als wir also nun die Zusage für eine andere Klinik bekamen, brach hier erstmal alles ein. Wieder zuviel gewünscht, zu sehr drauf gehofft, nicht gut genug um zu dürfen, nicht verdient zu dürfen. Sämtliche Selbstzweifel und Ängste wurden freigesetzt.

Wir haben all unseren Mut zusammen genommen und in der zugewiesenen Klinik angerufen, uns informiert über deren Konzept, deren Ansichten und darüber, ob wir mit unserer Problematik dort gut aufgehoben wären. Zuerst hatten wir ein Gespräch mit dem Chefarzt welches katastrophal lief. Er verstand nicht was wir von ihm wollten und versuchte uns die ganze Zeit zu sagen, wie gut seine Klinik zu uns passen würde, wie toll dort alles ist. Wir haben ihm immer wieder versucht zu erklären das wir von unterschiedlichen Dingen sprechen und aneinander vorbei reden. Das hat er auch überhaupt nicht so gesehen.
Da er uns also gern dort haben wollte, Betten müssen ja belegt werden, bot er uns an mit der Oberärztin zu sprechen, welche bei Aufnahme auch therapeutisch für uns zuständig wäre.
Dieses Gespräch war dann schon deutlich besser. Sie verstand wovon wir sprachen und wir konnten in Ruhe klären, ob die Klinik passend sein kann oder nicht. Ende vom Lied war, sie würden uns natürlich aufnehmen, allerdings wäre es nicht möglich an unseren tatsächlichen Problemen zu arbeiten, es würde ausschließlich um Alltagsstabilität gehen. Auch die Art wie dort mit uns als System gearbeitet werden würde, entspricht genau dem, was uns überhaupt nicht hilft, sondern Indikator für weiteres abstürzen wäre.

Heute haben wir uns getraut bei unserer Rentenversicherung anzurufen und nachzufragen warum unser Klinikwunsch und der unserer Ärztin nicht berücksichtigt wurde und wir nun in eine Klinik sollen, die uns nicht helfen kann.
Ihr werdet es kaum glauben aber die Dame am anderen Ende der Leitung war sehr freundlich und hörte sich in Ruhe an welche Einwände bestehen und warum es uns so wichtig ist in die Klinik zu dürfen, von der wir wissen, dass wir dort Hilfe bekommen.

Sie schaute sich die Akten durch und nachdem sie feststellte, dass wir bereits in der Wunschklinik waren, ging sie sofort auf unseren Wunsch ein.
Wir dürfen in die Klinik in die wir so gern möchten! Wir sind sehr dankbar dafür, froh darüber uns getraut zu haben anzurufen und vor allem erleichtert und dankbar mit einem Menschen telefoniert zu haben, der sich tatsächlich dafür interessierte uns als Anrufer ernst zu nehmen und zu helfen. Keine abgedroschene, gefühlskalte Bürotuse (entschuldigt bitte den Ausdruck).

Wieder bestätigt sich, sprechenden Menschen kann geholfen werden. Es lohnt sich nicht den Kopf in den Sand zu stecken (was nicht heißt, dass wir es nicht getan hätten und immer wieder tun), sondern es lohnt sich immer weiter zu kämpfen und sich für seine Bedürfnisse einzusetzen. Auch wenn wir immer gelernt haben keine Bedürfnisse und Wünsche haben zu dürfen…

komplexe Beziehungen oder: Beziehung mit einem multiplen System

Vor einiger Zeit fragte Sebastian (ein Partner einer Person mit DIS) wie er in Streitfällen mit seiner Partnerin umgehen soll oder wie er damit umgeht, dass es im System seiner Partnerin eine (oder auch mehrere) Unterpersönlichkeit (-en) gibt, die die Beziehung beenden möchte. (nachzulesen unter: Bist du „Viele“ oder tust du nur so?)

Ein Beziehungsleitfaden dazu gibt es leider nicht und wir werden auch keinen liefern können, noch möchten wir das. Es gibt kein System, welches einem anderen gleicht, kein immer richtig oder immer falsch.

Wir können aber von unseren eigenen Beziehungsideen schreiben, davon wie wir selbst Beziehung erleben, was uns wichtig ist und davon, dass all das jederzeit veränderbar und in Bewegung ist.

In einer Partnerschaft geht es auch immer um Kompromisse und darum eine gemeinsame Vorstellung von Beziehung zu entwickeln. Das bedeutet für uns, dass es wichtig ist über aufkommende Fragen zu sprechen, sich zu trauen Unsicherheiten und Befürchtungen anzusprechen und möglichst offen miteinander umzugehen. Was es nicht für uns bedeutet ist, dass der Partner alles wissen muss und es keine Geheimnisse geben darf. Wir empfinden es als wichtig, dass die gefundenen Strukturen und Vereinbarungen keine starren Vereinbarungen sein müssen, sondern immer wieder besprochen und angepasst werden dürfen.

Begegnet mir im System meines Partners eine Unterpersönlichkeit, die mich an ihrer Seite nicht akzeptiert, die kein Interesse an einer Beziehung hat, mich gar nicht liebt und die Beziehung vielleicht sogar beenden möchte, wäre meine erste Intension dahinter zu schauen und zu hinterfragen.

Warum möchte die Person sich trennen?
Sind es Ängste die dahinterstehen, so lässt sich vielleicht ein gemeinsamer Weg finden, diese Ängste abzubauen oder einen Umgang damit zu finden.
Will die Person sich nicht binden oder fühlt sich mit dem Partner nicht wohl, kann auch dafür eine Lösung gefunden werden. Das könnte bedeuten, dass sich diese Person zwar mit der Beziehung arrangiert, dennoch die Freiheit hat sich aus der Beziehung raus zu nehmen.
Egal was es ist, nur wenn darüber gesprochen wird, ist es möglich einen Umgang damit zu finden.

Wir hatten lange Zeit den Wunsch nach Normalität und wollten eine Beziehung wie sie sich „gehört“. Wir wollten unserer Partnerin treu sein, sie nicht hintergehen oder verletzen und dennoch, obwohl dieser Wunsch enorm stark war, ist es uns nicht gelungen und innerhalb der vergangenen Jahre hat sich unser Beziehungsmodell immer mehr anpassen müssen um bestehen zu können.
Wir ( wir als System aber auch unsere Partnerin) mussten lernen, dass nicht alle von uns bereit sind diese Beziehung zu führen.
Dass dahinter oft nicht die Intension ist, uns anderen die Beziehung zu zerstören oder zu nehmen, sondern viel mehr der Wunsch, nach eigenen Bedürfnissen leben zu dürfen oder auch uns als System vor Verletzungen und Enttäuschungen zu schützen.
Wir mussten und müssen immer noch lernen zu akzeptieren, dass es hier Unterpersönlichkeiten gibt, denen unsere Beziehung nichts bedeutet, die unserer Partnerin gegenüber abgeneigt, ablehnend, aggressiv und distanziert sind und unsere Partnerin musste lernen sich davon abzugrenzen und/oder mit entsprechenden Personen Vereinbarungen zu treffen, wie man dennoch miteinander respektvoll umgehen kann.

Für uns heißt es, ein gemeinsames Beziehungsmodell zu finden, dass sowohl für uns, als auch für unsere Partnerin passend ist. Es bedeutet loslassen von starren Beziehungsvorstellungen, loslassen von der Vorstellung eine Beziehung führen zu können, als wären wir eine Person und zu verstehen, dass unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse bestehen und das es nicht immer möglich ist einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber auch dann ist es möglich einen gemeinsamen Umgang zu finden aber das erfordert die Bereitschaft von allen Beteiligten einen guten Umgang miteinander führen zu wollen und es heißt nicht automatisch, dass das immer gelingt.
Was wir verstanden haben ist, dass wir wahrscheinlich niemals eine, von der Gesellschaft als normal deklarierte, Beziehung führen werden. Es bedeutet aber nicht, dass Beziehung nicht möglich ist. Es bedeutet vielleicht etwas mehr Gespräche, etwas mehr Verständnis füreinander aufbringen, gemeinsame Lösungssuche und Akzeptanz.

Wie geht man im Streit miteinander um.
Würd ich ein Lehrbuch schreiben, würde ich vermutlich schreiben, man solle darauf achten den Streit mit der Persönlichkeit zu klären, mit der das Problem besteht und möglichst ruhig und sachlich bleiben.
In der Realität ist das sicherlich nicht so einfach umsetzbar. Zum einen ist für den Partner nicht immer unbedingt klar, mit wem er es gerade zu tun hat (kann ja innerhalb weniger Sekunden wechseln, hintergründig wechseln usw) und zum anderen kann die Person auch während des Streits verschwinden und eine andere an ihre Stelle treten (vielleicht auch unbemerkt vom Partner). Schwierig wird es, wenn die Unterpersönlichkeit die den Körper übernommen hat, nicht weiß warum oder worüber gestritten wird, wenn sie nicht einsortieren kann warum der Partner gerade so abweisend, wütend, verzweifelt (was auch immer) ist. Vielleicht hat die nun aktive Unterpersönlichkeit gar keinen Bezug zu dem Thema, nur ein Teilwissen, streitet ab (weil sie keinerlei Erinnerung hat).

Also grundsätzlich kein einfaches Thema, denn Streit bedeutet für viele Systeme große Gefahr und je nach dem wie die Streitkultur ist, kann es auch schnell zu triggernden oder retraumatisierenden Erfahrungen kommen, ohne das es von der beteiligten Person gewollt ist.
Es ist sicher als Partner nicht leicht, wenn die Person mit der man gerade diskutiert oder streitet, einfach verschwindet und die Person die dann zum Vorschein kommt, in einer ganz anderen Verfassung ist und einen anderen oder auch keinen Bezug hat. Es ist nicht einfach dann erstmal eine Streitpause einzulegen und darum zu bitten mit der Person sprechen zu können, mit der das Problem besteht. Wenn es gelingt das zu trennen, heißt es noch nicht, dass auch die Möglichkeit besteht, betreffende Person erneut zu sprechen. Vielleicht funktioniert es gleich, vielleicht auch erst Stunden, Tage oder Wochen später. Vielleicht ist es aber auch gar nicht möglich den Streit mit der Person zu klären mit der man ihn hat. Dann wäre es sicher hilfreich mit Personen aus dem System zu sprechen, die einen Bezug dazu haben, soviel Hintergrundwissen haben, dass es möglich ist eine Klärung zu erreichen… manche Themen liegen vielleicht auch lange auf Eis und warten dort auf Klärung oder auch nicht…
In der Realität ist die Trennung gar nicht einfach umzusetzen, denn gerade in Streitsituationen ist man häufig emotional, gerät evtl. in Rage und möchte seinen Frust loswerden. Häufig entsteht auch ein Gefühl von: das muss geklärt werden und kann nicht ruhen. Manchmal entsteht eine zusätzliche Wut des Partners, weil die Person mit der man gerade streitet einfach verschwindet und man mit seiner Problematik allein zurückgelassen wird, ohne die Möglichkeit der Kärung.

Unsere Empfehlung (und man bedenke dabei das wir keinerlei gesunde Erfahrung in der Streitkultur haben und selbst hart daran arbeiten müssen, Streit gut und überhaupt klären zu können) ist, möglichst ruhig und sachlich zu bleiben, bei sich zu bleiben und nicht in die Anklage zu gehen. Während dem Streit darauf zu achten, ob ein Wechsel stattfindet und zu überprüfen ob es möglich ist den Streit/das Gespräch weiter zu führen oder ob es mehr Sinn macht, etwas zu vertagen und erneut anzugehen.

Für uns ist es ganz wichtig zu lernen und zu verstehen, dass ein Streit nicht dazu führen muss, dass wir verlassen werden, dass wir bestraft oder erniedrigt werden und dennoch sind es diese Ängste, die in Streitmomenten dominieren und unser Verhalten (und somit auch Wechsel) beeinflussen. Es bedarf immer wieder einer Überprüfung der Situation und dem Bezug zur Realität, denn häufig finden Übertragungen von alten Erfahrungen auf die neue Situation statt und häufig auch, ohne das es einem bewusst ist.

Ansonsten gilt für eine Beziehung mit einer Multiplen das selbe wie für jede andere Beziehung.
Ein rücksichtsvoller und respektvoller Umgang und reden… rede… reden…

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