Geschützt: Die Halle (Teil 1)

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Es gab keine Kraft mehr für Ausreden und Lügen

Es gibt Themen die wir in Gesprächen mit Menschen die uns nicht näher kennen gekonnt umschiffen und immer wieder fragen wir uns gleichzeitig warum wir das tun.

Natürlich, man entblöst sich nicht gern vor anderen Menschen. Selbst wenn sie nicht fremd sind und man sie vielleicht schon über einige Jahre hinweg kennt, oberflächliche Gespräche geführt hat. Es gibt Themen die wir gern vermeiden.

Auf die Frage danach was ich arbeite antworte ich also gern sowas wie:

– ach, ich gönne mir gerade eine Pause.

– ich bin auf der Suche nach etwas neuem aber derzeit braucht mich mein Sohn voll und ganz. Er ist mir da wichtiger.

– hey, guck mal drüben, der Tobias geht schon wieder dem Alex total auf die Nerven. Dem Kind würden Grenzen auch nicht schaden.

Ablenkungsstrategien gibt es so einige und sie werden fast täglich in verschiedenen Bereichen genutzt. Nein, wir sagen nicht das wir berentet sind, dass wir derzeit nicht fähig sind arbeiten zu gehen, dass wir mit dem was wir täglich um die Ohren haben vollkommen ausgelastet und teilweise schon überlastet sind. Nichts davon wird erwähnt, man lenkt ab.

In dem Moment wo wir zugeben wie es wirklich ist, muss mit weiteren Fragen gerechnet werden. Häufig, so ist unsere Erfahrung, wird man mit Lösungsmöglichkeiten überhäuft. Diese Lösungsmöglichkeiten gehen dann aber völlig an uns vorbei. Nicht, weil wir nicht möchten sondern weil sie keine Lösung darstellen. Das kann unser Gegenüber natürlich nicht wissen, wenn er/sie eigentlich gar keine Ahnung hat warum ich wirklich derzeit nicht arbeiten kann. Sie wollen helfen.

Wie wir nun auf dieses Thema kommen.

Durch unser Kind können wir nicht so zurückgezogen leben, wie wir es sonst wohl derzeit würden. Man geht zu Schulveranstaltungen, Elternabenden, Sportveranstaltungen, Training. Das ist sicherlich etwas gute, denn es ist ein Struktur die gehalten werden muss. Nicht nur für uns, vor allem für unser Kind aber natürlich profitieren wir auch davon. Auch, wenn vieles davon für uns ein wahnsinniger Kraftakt ist so hält es doch gleichzeitig im Leben.

Der Kraftakt ist, unser anders sein zu verdecken. Nicht aufzufallen, normal zu sein, normal zu scheinen, die Menschen auszuhalten, die Gespräche auszuhalten, dabei zu bleiben.

Wir sind also immer wieder mit anderen Eltern konfrontiert und wir mögen sie. Irgendwie gehören wir dazu, sie mögen uns bei sich haben, fragen uns immer wieder ob wir an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen. Hin und wieder trauen wir uns, häufig jedoch finden wir Ausreden um nicht dabei sein zu müssen. Wir mögen sie. Es ist eine kleine Truppe von Müttern, wir unterhalten uns, haben Spaß zusammen, quatschen über dies und das und hin und wieder dann auch etwas persönlicher. Dann wird es schwierig für uns, persönliches ist schwierig.

In den letzten Monaten sind wir diesen Gesprächen ausgewichen, haben nur noch die wichtigsten Termine wahrgenommen, denn es war spürbar das wir nicht mehr ausweichen können.

Heute dann waren wir wieder bei einem dieser Termine. Hofften darauf dieser Gruppe von Eltern nicht über den Weg zu laufen, ausweichen zu können. Es war nicht möglich.

Eine Mutter, die wir sehr mögen und mit der wir uns schon viel unterhalten haben, war dann plötzlich dort und hat uns auch gesehen. Nachdem wir einmal kurz an ihr vorbei gehuscht sind war klar, dass wir zumindest kurz mit ihr sprechen mussten.

Bisher kennt sie uns nur als gut funktionierende, allein erziehende Mutter, die immer springt, wenn es kein anderer tut, die organisiert, plant, gut mit Kindern umgehen kann usw. Sie würde sicher jetzt noch etliche andere Dinge aufzählen die wir tun. Mehr als einmal hat sie uns ihren Respekt ausgesprochen für das was wir tun, wie wir sind, wie wir uns für unser Kind einsetzen usw.

Angenommen haben wir es nie, denn es war immer klar, dass sie eigentlich keine Ahnung hat davon wie es wirklich ist. Woher auch?

Und nun kam es wieder zu einem dieser Gespräche. Von einem Thema zum anderen landeten wir dann irgendwann wieder beim Thema Arbeit. Wir haben keine Lust Ausreden zu finden, keine Lust irgendeine Geschichte zu erzählen, keine Lust abzulenken. Es ist uns nicht egal und gleichzeitig doch. Viel zu anstrengend, dem sind wir heut nicht gewachsen gewesen.

Man entschied sich für die Wahrheit. Ich gehe nicht arbeiten, bin derzeit berentet. Mit einem versteckten Blick versucht man ihren Gesichtszügen innerhalb von Sekunden zu entnehmen was sie nun denkt. War es falsch das nun zu sagen? Verachtet sie uns nun vielleicht? Ist all das was sie bisher gelobt hat nun überhaupt noch erwähnenswert? War das nun unser letztes Gespräch mit ihr? Etliche Fragen dringen innerhalb weniger Sekunden an die Oberfläche, Ängste, Panik. Was haben wir nur getan? Warum haben wir das nur gesagt? Machen wir damit jetzt nicht alles kompliziert und hoffentlich wirkt sich das nun nicht auf unser Kind aus?!

Das Gegenteil war der Fall. Statt tausend Fragen zu stellen, erzählte sie von ihrer Nichte. Sie ist ebenfalls berentet seit ein paar Jahren, ebenfalls wegen psychischer Probleme, zerbrochen an einer Vergewaltigung. Aber nun ist sie glücklich, lebt mir ihrer Frau (ja sie ist verheiratet) zusammen und kommt gut zurecht.

Unserer Gesprächspartnerin ist all das also nicht fremd. Sie verurteilt weder homosexuelle Beziehungen, noch psychische Krankheit, noch Unfähigkeit.

Na dann können wir ja nun weiter auspacken, teilen ihr also mit das wir ebenfalls eine Beziehung mit einer Frau haben. Ein Problem weniger, sie wird nun sicher nicht mehr versuchen uns ständig den passenden Mann zu suchen 😉

Ihre Reaktion war nett. Sie erzählte uns von einer Gruppe Mädels in unserem Alter, die sich regelmäßig treffen um einfach Zeit miteinander zu verbringen, alle mit irgendwelchen psychischen Problemen, bunt gemischt. Fragte ob daran Interesse besteht und sagte, dass sie sich vorstellen könnte, dass wir gut mit ihrer Nichte zurecht kommen würden.

Es war ein angenehmes Gespräch, nicht verurteilend, nicht verachtend sondern sie sagte uns erneut, dass sie es toll findet was wir dennoch alles schaffen. Dieses Mal konnten wir es ein bisschen annehmen, denn nun weiß sie ein bisschen zu wem sie das sagt und ein bisschen von dem was wirklich ist.

Und irgendwie sind wir dankbar.

Wir stehen nicht dazu berentet zu sein, stehen nicht dazu arbeitsunfähig zu sein und stehen nicht dazu, nichts zu leisten. Wir schämen uns dafür, fühlen uns wertlos und schlecht. Früher war das anders, als wir noch gearbeitet haben und wir uns über unsere Arbeit definiert haben. Wir erwarten grundsätzlich Ablehnung und Verachtung von anderen Menschen und glauben immer wieder, dass nur unsere Leistung uns wertvoll macht und die Berechtigung erteilt auf Augenhöhe mit anderen zu sein.

Heute hat es sich gut angefühlt nicht lügen zu müssen und nicht nach Ausreden ringen zu müssen. Wir hätten nicht die Kraft dafür gehabt und gerade deshalb sind wir dankbar für die Reaktion. Es hat sich nichts verändert im Kontakt, außer das Gefühl vor ihr nicht mehr wegrennen zu müssen.

Günther Jauch, Sendung vom 03.02.

Bisher ist es uns gut gelungen uns von dem großen Aufschrei der letzten Woche fern zu halten. Nicht zu lesen, nicht selbst aufzuschreien, wegzugucken.

Es interessiert uns durchaus, allerdings sind wir den Diskussionen dazu nicht gewachsen. Wir regen uns zu sehr auf, können nur schwer Distanz schaffen.

In schlaflosen Nächten wie diesen, schaltet man durchs Fernsehprogramm, sucht nach irgendwas sinnvollem, was bei dem Angebot gar nicht so einfach ist.

Hängen geblieben sind wir dann bei der Wiederholung der Sendung von Günther Jauch zum Thema „In Gottes Namen- wie gnadenlos ist der Konzern Kirche und uns schlackern noch immer die Ohren.

Was Martin Lohmann so von sich gegeben hat, lässt uns aufschreien. Zeigt es doch mal wieder wie (aus unserer Sicht) verblendet und realtitäsfern so manch einer lebt.

Er würde also, sollte seine Tochter Opfer einer Vergewaltigung werden, erwarten, dass sie, sollte sie schwanger werden, das Kind austrägt und Mutter ist?!

Kirche ist immer für Leben, nie für den Tod!

Und das Barbara Steffens sich für die selbstbestimmte Entscheidung der betreffenden Frau einsetzt, somit also die Pille danach befürwortet, ist ja ach so erschreckend, sie ist ja schließlich von den Grünen. Da kann es doch nicht sein das sie nicht für das Leben entscheidet!

Nein, ich wünsche niemandem vergewaltigt und schwanger zu werden, um verstehen zu können, was das für die betreffende Person bedeutet und zwar nicht nur für sie, sondern auch für das Kind!

Was ich mir aber wünsche ist, dass Menschen wie Martin Lohmann nur einmal nachfühlen könnten/müssten und sei es nur für einen Tag! Ich würde mir wünschen, dass sie ihre Scheuklappen von den Augen nehmen und hinsehen! Das sie sehen, welches Leid diese Frauen durchleben, das sie nachfühlen und versuchen zu verstehen! Vor allem aber, dass sie aufhören an Vorstellungen festzuhalten, die absolut nicht zeitgemäß sind, das sie der Realität ins Auge sehen und ihre Wertvorstellungen überprüfen!

Macht es denn wirklich Sinn an einem eventuellen Leben festzuhalten, wenn am Ende zwei Leben, dass der Mutter und das des Kindes, daran zerbrechen? Macht es wirklich Sinn, darüber zu diskutieren, ob eine Frau das Recht haben darf, selbst zu entscheiden, ob sie in der Lage ist, ein Kind aus einer Vergewaltigung liebevoll aufwachsen zu lassen?

Welches Recht nimmt sich die Kirche heraus, so über das Leben einer Frau zu urteilen?

Mit welchem Recht glaubt sie bestimmen zu dürfen, dass diese beiden Lebewesen mit diesem Schicksal zu leben haben? Völlig egal, ob sie dazu in der Lage sind oder nicht?

Macht es denn wirklich Sinn, eine Frau dazu zu zwingen, Tag für Tag das Ergebnis ihrer Vergewaltigung vor Augen zu haben, wenn sie weiß, dass sie nicht in der Lage ist, dieses Schicksal zu tragen?!

Wir sind in unserem Leben ständig und immer mit seltsamen und fragwürdigen Glaubenssystemen erzogen worden, dennoch macht es uns sprachlos und hilflos zu sehen, welchen Raum solche Ansichten bekommen, welche Macht dahinter steht!

Niemals wach

Etwas was hier immer existiert ist eine konstante Müdigkeit. Sehr selten nur fühlen wir uns wirklich wach und fit, die Augen brennen fast immer vor Müdigkeit und schreien danach geschlossen zu werden.

Wir wissen nicht, ob der Ursprung tatsächlich in der Vergangenheit liegt, es fühlt sich aber oft so an. Zumindest scheint da eine Verbindung zu sein.

Als wir noch bei der Mutter gelebt haben, war Schlaf eines der Dinge, die nicht einfach erlaubt waren.

Schlafen wenn man müde war, sich hinlegen oder hinsetzen, mal auf der Couch zurück lehnen, dass alles sind Dinge die man nicht einfach durfte.
Geschlafen wurde, wenn die Mutter es angeordnet hat, keine Sekunde früher und keine Sekunde länger als erlaubt.

Hat jemand von uns es dennoch gewagt sich hinzulegen oder hinzusetzen, hatte das grundsätzlich eine Strafe zur Folge. Welche das war, war abhängig von ihrer Stimmung. Manchmal durften wir aus verschiedenen Strafen die wählen, die uns noch am liebsten ist. Ein Beispiel für diese Strafen ist, für Stunden (wie lang wissen wir nicht), nackt in einem stockdunklen Raum eingesperrt sein. Man durfte sich nicht hinsetzen, nicht anlehnen, nur stehen und warten. Warten bis die Strafe abgesessen bzw. abgestanden war. Viel man vor Erschöpfung um folgten weitere Strafen wie Elektroschocks, Schläge (mit oder ohne Gegenständen), stehen in Eiswasser, Vergewaltigung usw. Manchmal wurde zur Umsetzung der Strafen der Bruder hinzugezogen, der dann ausführen musste, was die Mutter von ihm verlangte.
Ist man eingeschlafen, wenn man es nicht durfte, musste man damit rechnen auf eine schmerzhafte Art und Weise wieder geweckt zu werden. Manchmal überschüttete die Mutter den Körper mit kochendem Wasser, drückte eine ihrer Zigaretten auf ihm aus, peitschte ihn aus oder würgte ihn so das man keine Luft bekam. Beißende Schmerzen und Todesangst rissen uns dann aus dem Schlaf und man fand sich unsanft auf dem Boden der Realität wieder.

Am Nachmittag war schlafen manchmal erlaubt, man musste fit sein für das Nachtleben. Von 16- 19 Uhr, drei Stunden Schlaf müssen dem Kind reichen, manchmal noch ein oder zwei Stunden bevor man in die Schule durfte, manchmal aber auch nicht. Auch heute werden wir häufig um 16 Uhr so müde, dass wir uns hinlegen müssen, um zumindest kurz zu schlafen. Wir waren schon als Kind immer müde, sind manchmal im Unterricht einfach eingeschlafen. Das war ebenfalls gefährlich, denn der Direktor unserer Schule war Teil der RiGaG, persönlich gut befreundet mit der Mutter, er hatte freie Hand bei uns. Durfte uns angemessen bestrafen, für jedes einzelne Fehlverhalten in der Schule oder auf dem Pausenhof und wir konnten immer davon ausgehen, dass unsere Mutter bereits informiert war über jede Kleinigkeit, wenn wir von der Schule nach Hause kamen.

Die Müdigkeit die wir als Kind schon immer mit uns rumschleppten ist geblieben. Was aber vor allem geblieben ist, ist immer das Gefühl nie genug Schlaf zu bekommen und ein durchgängig schlechtes Gewissen, wenn man geschlafen hat. Auch heute noch können wir oft nicht schlafen (oder es zumindest versuchen), bevor wir nicht die Erlaubnis der Person um uns haben, dass wir es auch zu dürfen. Immer ist die Angst dabei, die Person könnte böse auf uns werden, wenn wir schlafen möchten oder geschlafen haben.