Die nächsten Schritte

Die vergangenen Tage waren beschwerlich. Wie Brei klebten selbstvernichtende Gedanke an uns, in uns und um uns herum: “ Ich bin nichts wert, wenn ich nicht funktioniere. Es lohnt sich nicht weiter zu kämpfen, denn ein normales Leben ist unerreichbar. So wird es niemals jemanden geben, der uns erträgt. Es gibt keinen Platz für uns in der normalen Welt. Wir sind fremd und fühlen uns fremd in einer Welt, dessen Spielregeln wir nur zu ganz kleinen Teilen kennen. In der wir dauernd hoffen nicht vollkommen daneben zu liegen mit Worten die über unsere Lippen in diese Welt eindringen oder mit Handlungen, die darin Raum finden. Wir haben es nicht verdient zu Leben, haben auf ganzer Linie versagt… in beiden Welten.

Während wir uns von diesen Gedanken haben völlig einnehmen lassen und kein Raum für anderes blieb, haben einzelne unseres Systems weiter an einer Zukunft und einem Leben für uns gearbeitet. Es sind starke Bemühungen bei ihnen da, uns Halt zu geben, einem Weg vorzubereiten und die selbstzerstörerischen Gedanken sein zu lassen und uns gleichzeitig die positiven Aspekte ganz bewusst zu machen.

Unsere zukünftige Handballmannschaft erwartet uns schon sehnsüchtig beim Training, mit dem Wunsch uns die letzten Saisonspiele bereits wieder einsetzen zu können. Das ist gut, sollte sich gut anfühlen und wird es dann bestimmt auch. Schließlich schadet Sport dem Körper nicht und etwas mehr Fitness ist auch ganz praktisch. Häufig half hartes Training Druck abzubauen, angestautes loszulassen und für einen Moment Freiheit. Freiheit!

Jemand unseres Systems hat es heut geschafft die Anmeldung bei der Schule abzuschließen. Jetzt sind wir offiziell angemeldet für den Abiturlehrgang, der zum Wintersemester beginnt. Auch dort konnte eine fast optimale Lösung gefunden werden die Zukunftsperspektive zulässt.

Einigen machen diese Aktivitäten große Angst. Kontakt mit anderen Menschen. Mit Mannschaftskollegen, Klassenkameraden, Lehrern…
Gespräche die kommen werden, Fragen die man gern überhören würde, Momente in denen man hofft nicht aufzufallen, Prüfungen, Erwartungen (allen voran unsere eigenen).

Manchmal ertappen wir uns dabei, wie jemand innerlich runterrattert warum wir das alles gar nicht erst anfangen sollten, Gründe gibt es immerhin genug.
Eigentlich sind wir zu dumm, Klassenkameraden werden uns nicht leiden können, die Prüfungen werden wir nicht schaffen, die Kondition und Reaktion sind viel zu schlecht geworden, man wird uns nur auslachen… etc.

Es fällt uns schwer aber wir bemühen uns die Äußerungen stehen zu lassen. Weder dagegen an zu reden, noch uns davon einnehmen und steuern zu lassen.
Wir wollen uns nicht geschlagen geben und manchmal, obwohl die Bösen Onkelz nicht gerade mein Musikgeschmack wiedergeben, hält uns eine Zeile eines ihrer Lieder auf den Beinen, in der es heißt: Ich will lieber stehend sterben, als kniend leben. Lieber tausend Male leiden, als einmal aufzugeben.

Und morgen werden wir euch ein Foto eines Bildes zeigen, welches wir vorgestern geschenkt bekommen haben. Auch das soll uns einfach ein bisschen Mut machen, neue Wege zu betreten um irgendwann unser eigenes Leben zu leben.

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Der funktionierende Untergang

Der Umzug ist geschafft, die neue Wohnung bezogen und die Kartons ausgepackt. Wir versuchen alles richtig zu machen und zu funktionieren. Wir versuchen uns einzureden, alles wäre gut. Das muss sein, denn sonst bleibt das Funktionieren auf der Strecke. Also funktionieren… funktionieren… funktionieren

Was hinter dem nach außen funktionierenden System passiert ist nicht sichtbar, für Außenmenschen nicht wichtig. Das Funktionieren sagt doch, alles sei gut…?! Den Preis kennt keiner, er ist nicht sichtbar, findet nur im verborgenen statt.

Es ist ein schmaler Grad zwischen funktionieren und zusammenbrechen. Etwa drei Jahre hatten wir Zeit uns innerlich auf diese Situation vorzubereiten. Alles ist darauf eingestellt alltagstauglich zu bleiben. Der Fokus ist rein darauf ausgerichtet weiter vorwärts zu kommen, Struktur aufzubauen und zu halten, Stabilität auszustrahlen und möglichst das Positive im Vordergrund zu halten und den blockierenden, schwierigen Bereichen nicht soviel Macht zu geben.

Seit einer Woche leben wir nun in der neuen Wohnung, unserem Sohn geht es sehr gut, er ist angekommen, zufrieden und ausgeglichen.
Wir sind erleichtert darüber, zumindest macht es für den Augenblick den Anschein, dass wir für ihn die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir sind erleichtert, denn es zeigt sich, dass wir nicht falsch darin lagen unserem Sohn zu vertrauen und an seine Stärke und seinen Verstand zu glauben. Es zeigt sich, dass wir von Anfang an die Situation richtig eingeschätzt haben und das es sich gelohnt hat für ihn zu kämpfen. Nicht einfach den Aussagen und Einschätzungen der Lehrer und irgendwelcher Gutachter Glauben zu schenken, die sich weder intensiv genug mit ihm beschäftigt haben, noch beachtet haben, wo die tatsächlichen Probleme liegen, sondern einfach den für sich selbst angenehmsten Weg gewählt haben. Sie stellten fest, dass unser Sohn nicht ins System passt, nicht einfach funktioniert wie es das System fordert und versuchten ihn abzuschieben. Förderbedarf und Förderschule waren ihre Lösung. Für uns eine inakzeptable Lösung, die niemandem geholfen hätte. Förderung klingt nicht falsch aber sie hätte ausgerichtet sein müssen darauf, dass er ständig unterfordert war, darauf ihm mehr zu bieten, als sich über Monate hinweg mit denselben Aufgaben beschäftigen zu müssen. Es wäre hilfreich gewesen, hätte man ihm doch einfach einmal wirklich zugehört und sich die Zeit genommen ihn zu verstehen, dann hätte es schon längst eine gute Lösung geben können, denn er selbst hat immer wieder betont was schief läuft und was anders sein müsste. Soviel Verstand hat man ihm aber wohl nicht zugetraut. Es fehlte nicht ihm an Weitsicht, sodern den lieben Pädagogen, die nicht glauben wollten, dass er reif genug ist, um zu wissen was er sagt und was das bedeutet. Es ist traurig, wieviele Kinder aus reiner Überforderung von irgendwelchen Pädagogen (nee keine Sorge, ich behaupte nicht, alles Pädagogen wären unfähig oder überfordert)  in Schubladen landen, aus denen sie dann kaum noch eine Möglichkeit haben herauszukommen.
Umso erleichterter sind wir zu sehen, dass sich jeder einzelne Tag des Kampfes und davon gab es verdammt viele, gelohnt hat und unsere Einschätzung nicht Ursprung von Wunschvorstellungen ist.

Nun sind wir bei einem Thema angekommen, dass uns arg zu schaffen macht. Die dauernde Bestätigung eigentlich nur dann aushaltbar, okay oder liebenswert zu sein, wenn man funktioniert. Gelingt es einem nicht ist man Belastung.
Die Feststellung lässt uns allein zurück, lässt uns innerlich aufschreien, verzweifeln und resignieren. Sie lässt bei einigen den Drang zurück, sich selbst/uns zu verletzen bei anderen den Wunsch alles beenden zu dürfen. Einfach weil man weiß, man wird nie ein normales Leben führen, in dem nicht jede Handlung und Aufgabe enorme Kraft kosten wird. Man wird nie die „normalen“ Erwartungen dauerhaft erfüllen können. Man möchte nicht nur dann okay sein, wenn man es mal schafft sein Leben einigermaßen normal zu führen, erst recht nicht, wenn dieses Funktionieren nicht von uns kommt weil es geht, sondern weil es eine auferlegte Pflicht ist, um möglichst alles normal scheinen zu lassen, um niemandem unangenehm zur Last zu fallen, um nicht aufzufallen.
Immer wieder zeigt sich, dass eigentlich nur eins zählt. Unsere Anpassungsfähigkeit und Funktionalität. Damit sind wir gut, vielleicht liebenswert… vielleicht…
Ohne sind wir nichts!

In nur wenig Stunden ist alles anders

In wenigen Stunden ist fast alles anders, wäre das nicht richtiger? Unsere Welt steht so total Kopf, der Zwerg bricht sich die Seele aus dem Leib (man vermutet die Aufregung machts) und kann nicht schlafen. Wir versuchen die letzten Reste einzupacken, zwischen Bett frisch beziehen, Kind beruhigen, Bettwäsche waschen und trocknen, denn man hat schließlich schon alles an Bettwäsche weg, damit mans nicht auch noch morgen schleppen muss und zuletzt uns. Wir sind ängstlich bis panisch, grübelnd von einem Raum in den nächsten laufend, wütend, saumüde, hungrig nichts essen könnend, besorgt, verzweifelt, voller Tatendrang, endlos gelähmt, peinlich beschämt, völlig überdreht, zweifelnd und traurig.

Die letzte Nacht in dieser Wohnung,  einigen fällt es schwer sie hinter sich zu lassen andere sind froh sie bald los zu sein. Sie hatte ihre Vorteile, denn bei drei Balkonen ist Sonne sicher. Natürlich nur wenn sie scheint aber im Sommer hat es uns  so gut getan dort auftanken zu können, ohne die Wohnung verlassen zu müssen.
Es ist auch die gemeinsame Wohnung von unserer Freundin und uns, was uns teilweise auch viel Sicherheit und manchen ein bisschen Zuhause war. 
Es fühlt sich seltsam an auszuziehen, während unsere Freundin nicht hier ist und sie in eine, nur noch teilmöblierte und dem Chaos erlegene, Wohnung zurückkehren zu lassen.

Wir sind aufgekratzt und zu durcheinander und werden nun weiter packen und versuchen dabei das atmen nicht zu vergessen.

Den nächsten Artikel wird es dann bereits aus der neuen Wohnung geben.

Ein lang durchdachtes, doch völlig ungeplantes Gespräch

Wir sind selbst noch völlig verwirrt. Erschrocken über uns selbst und gleichzeitig ein kleines bisschen erleichtert und überrascht.

Manchmal gibt es Tage, an denen recht intensive Gespräche mit unserem Sohn stattfinden.
Heute war wieder so ein Tag.

Angefangen hat es damit, dass unser Sohn wieder davon sprach, in den Sommerferien seine Oma besuchen zu wollen. Ich kann dabei bleiben und auf ihn aufpassen, dann hätte er auch keine Angst mehr vor ihr.

Wir sprechen da also wieder einmal von unserer Mutter.

Ein tiefes Durchatmen, dann der Wechsel.

Es wird mit ihm gesprochen, anders als sonst. Ein ehrliches und offenes Gespräch findet statt. Kein möglichst schnelles Themen wechseln, sondern eine Erklärung kommt über unsere Lippen.

Ich habe sie beobachtet, zugehört und unseren Sohn nicht aus dem Blick gelassen. Eigentlich hatten wir uns geeinigt noch nicht mit ihm zu sprechen, noch nicht. Dennoch, sie führte ein gutes Gespräch.

Zuerst sagte sie ihm, sie würde gern offen mit ihm reden und ob er das Gefühl hätte, es wäre gut.
Sie hat ihn gebeten ihr zu sagen, wenn ihn etwas überfordert oder er etwas nicht versteht. Erlaubte ihm, alles zu fragen, was er möchte und jederzeit mit ihr sprechen zu dürfen.

Sie erklärte ihm, dass es bei ihr auch so ist, dass sie Sehnsucht hat nach der Mutter, denn es ist eben noch immer die Mutter. Das es aber Dinge gibt die passiert sind und die vieles zerstört haben. Sie erklärte, dass es ihr nicht mehr möglich ist, mit der Mutter in einem Raum zu sein, sprach von Ängsten, Enttäuschungen und davon, dass die Mutter ihr nie Schutz geboten hat.

Sie erzählte ihm davon, dass es in der Kindheit Übergriffe auf sie gab (der Begriff sexueller Missbrauch sagt ihm bereits was) und das die Mutter sie nicht geschützt hat und sie allein damit war.

Unser Sohn hat viele Fragen gestellt, teilweise war ich sehr überrascht, wie weit der kleine Zwerg schon denkt und vor allem, was er schon alles versteht.
Und natürlich arbeitet es in ihm, denn es ist seine Mutter der das passierte und er weiß, solche Eingriffe in die Seele des Menschen, solche Übergriffe zerstören die Seele und reißen sie in Stücke.

Sie hat nichts davon erwähnt, wie schlimm es wirklich war und das es mehr als einen Mann gab und und und. Nein, sie hat einen Rahmen gefunden, der passte und darauf aufgebaut.

Plötzlich eine Frage, die uns für einen Moment erstarren ließ. Bei der wir hofften, sie würde auch jetzt eine gute und wahre Antwort geben können.

„Mama, jemand dem sowas passiert, dem reißt das die Seele in Stücke und macht den Menschen zu einem anderen. Damit mein ich, dem wird sein eigenes Selbst genommen und dann das reingemacht, was der andere will. Bist du deswegen manchmal so ein Kind oder so böse? Ich will dich nicht verletzen aber manchmal bist du anders und dann kurz danach wieder anders und manchmal sagst du was zu mir und dann weißt du es wieder nicht und dann später doch wieder. Manchmal muss ich dir alles öfter sagen, sonst vergisst du das wieder. Manchmal bist du total süß und lustig und dann wieder ganz anders plötzlich. Kommt das daher, haben die deine Seele so zerrissen und dich deshalb zu so vielen gemacht? Du bist wie mehrere in einem drin.“

Erstmal tief durchatmen… dieses Kind begreift soviel… zuviel…

Zum Glück, sie hatte eine Antwort.

Was mir gut gefiel war, dass sie ihm Bestätigung gab, seine Wahrnehmung nicht als falsch hinstellte. Sie sagte ihm, er könnte sich auf sein Gefühl verlassen, es wäre richtig.

Sie sprachen über Anteile die in jedem Menschen vorhanden sind, von einer etwas anderen Ausprägung, die es bei ihr hätte. Davon das die Anteile etwas getrennter sind als bei einem gesunden Menschen. Er stellte Fragen, war interessiert und beachtete sehr gut seine eigenen Grenzen.
Er bedankte sich für das offene Gespräch, war froh darüber das wir so offen miteinander umgehen können und verstand nun mehr, dass ein Kontakt zur Oma nicht mehr geht.

Er sagte das ich die beste Mama der Welt wäre, nein des ganzen Universums und das er nie eine andere hätte haben wollen. Er findet es toll wie seine Mama ist und das was manchmal nicht so gut läuft ist in Ordnung, denn er weiß ja warum.

Wir sind immer noch ganz baff von dem Gespräch. Seit Jahren diskutieren und grübeln wir, wie und was man mit unserem Sohn besprechen sollte. Was gut ist, was eher nicht. Wie geht man mit dem Viele sein ihm gegenüber um? Was bemerkt er und was nicht?

Therapeuten haben uns schon vor einigen Jahren dazu geraten offen mit ihm umzugehen, seine Wahrnehmung nicht kaputt zu machen, indem man ihm etwas vormacht. Denn das haben wir zum Teil auch getan, um ihn nicht zu belasten. Er sollte frei davon aufwachsen. Eine ganz normale Kindheit haben und sich keine Gedanken um seine Mutter machen.

Der ehrliche Weg, ist der gesündere. Das haben wir heute wieder deutlich gespürt. Das Gespräch hat unserem Sohn Sicherheit gegeben, es fühlte sich an, als wäre ein riesen Durcheinander langsam aufgelöst worden. Erleichterung auf beiden Seiten.

Wichtig war ihr und uns anderen auch, ihm damit keine Verantwortung uns gegenüber aufzuhalsen. Ihm ganz deutlich zu sagen, dass für uns genug Hilfe da ist und er sich keine Sorgen machen muss.

Und immer wieder sind wir erstaunt was dieser kleine, neun Jahre alte Zwerg, alles begreift.

Wir sind stolz auf sie, sie hat das so gut hinbekommen.

Das ein Gespräch zu diesen brisanten Themen mit unserem Sohn so gut laufen…

M. wir sind stolz auf dich und dankbar, dass du diese Aufgabe übernommen hast und unserem ewigen rumgeeier damit ein Ende gesetzt hast.

Neuste Entwicklung zum Thema Mutter

Es ist so hart! Versager auf ganzer Linie ist absolut die richtige Bezeichnung für uns. Wir sind enttäuscht, wütend, verzweifelt, traurig, erfreut, hoffend, gefährdet vollkommen abzustürzen.

Unsere Mutter, täglich Thema, täglich Kampf, täglich unbegreifen, täglich Sehnsucht, täglich Schmerz, täglich Hoffnung… die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Vor etwas mehr als zwei Jahren haben wir es geschafft den Kontakt zu der Mutter von unserer Seite abzubrechen.
Es gab Probleme die unseren Sohn betrafen, die uns die Kraft und Stärke verliehen haben, zu ihm zu stehen, zu uns zu stehen und für uns alle einzustehen und den Kontakt zu beenden.

Sie hat es wenig beeindruckt. Es gab keinen weiteren Versuch uns zu besuchen. Soweit konnte sie nicht mehr gehen, nicht solange unsere Partnerin an unserer Seite war und sie unsere gemeinsame Wohnung hätte betreten müssen.
Zwischen beiden, also zwischen der Mutter und unserer Partnerin, gab es in den vergangenen sieben Jahren einige unangenehme Zwischenfälle.
Unsere Partnerin hat die Mutter mehrfach mit ihren Taten an uns konfrontiert, hat beobachtet, sich schützend zwischen uns und unsere Familie gestellt und deutlich gezeigt, dass sie sich nicht den Mund verbieten lässt. Es gab Situationen in denen die Mutter in diesen Konfrontationen das ein oder andere zugegeben hat, um es dann zwei Stunden später wieder komplett zu verleugnen. Was sie aber nicht lassen konnte ist, unserem Sohn alle zwei bis drei Tage Post zu senden oder kleine Päckchen. Man könnte fast meinen, sie wäre eine tolle Oma/Mutter. Aber nur, solange man alles andere ausblendet.

Kommen wir nun zum eigentlichen Problem. Vor einigen Tagen hatte eine enge Freundin der Mutter Geburtstag und da auch sie uns und unserem Sohn zwischendurch Pakete schickt und wir uns für das letzte noch nicht bedankt haben, wollten wir ihr eine kurze Nachricht mit Geburtstagsgrüßen senden. Jemand aus unserem System hielt es für nötig, ohne unser Mitbekommen oder unsere Zustimmung, ihr unsere neue Adresse und die neue Handynummer mitzuteilen. Nachdem das bemerkt wurde, brach eine völlige Panik aus. Natürlich war uns sofort klar, dass wahrscheinlich genau in diesem Moment auch unsere Mutter davon erfuhr, da sie mit großer Wahrscheinlichkeit zu Gast auf ihrer Geburtstagsfeier war. Wieder übernahm jemand anders die Kontrolle über den Körper und schrieb der Mutter eine Entschuldigung und ebenfalls die neue Adresse.
Das war für sie natürlich die beste Einladung die sie von uns bekommen konnte. Damit ist der Damm gebrochen, die Einladung zu erneutem Kontakt ausgesprochen. Wie erwartet hat sie umgehend reagiert und uns zurück geschrieben.

Damit haben wir enorme Rückschritte gemacht und wenn wir das nicht ganz schnell wieder in den Griff bekommen, sind die vergangenen vier Jahre für die Katz und wir zerstören alles, was wir uns erarbeitet und aufgebaut haben.
Das Dilemma ist groß. Wir wissen nicht, wie wir das wieder in Ordnung bringen können. Eine einfache Nachricht mit dem Hinweis keinen Kontakt mehr haben zu wollen, lässt sich nicht umsetzen.

Wir haben furchtbare Angst, können nicht mehr klar denken und sind völlig am Ende. Außerdem sind wir so wütend auf uns, weil das überhaupt passiert ist und passieren konnte, dass es uns extrem schwer fällt, uns nicht stark zu verletzen, den Kopf vor die Wand zu schleudern, die Klinge zu nehmen um den Körper mit neuen Mustern weiter zu zerstören oder so lange mit den Fäusten auf Bäume einzuschlagen, bis die Hände ordentlich aufgerissen, vielleicht gebrochen, zumindest aber stark demoliert sind.
Bei vielen in uns schreit es nur noch nach Ende. Nach nicht mehr sein wollen, nicht mehr sein müssen. Nicht nochmal diesen Kampf kämpfen zu müssen, nicht erneut all das damit verbundene aushalten zu müssen.

Wir sind so überfordert mit all diesen Baustellen, die jede für sich schon Aufgabe genug wären.

Wir können nicht mehr, wir wollen nicht mehr und dieses ständige trotzdem müssen, raubt uns den letzten Nerv.

Wir haben zu tun… soviel…
Stattdessen sitzen wir hier und tun nichts.

Kaum scheint wieder die Sonne…

… und die Winterdepressionen verabschieden sich.

Wie jedes Jahr, nehme ich mir vor, mir einzugestehen totale Winterdepressionen zu haben und auf jeden Fall, im kommenden Winter, Antidepressiva zu nehmen. Könnte helfen. Mal schauen, ob ich mich im Herbst noch daran erinnere.

Nun, egal. Viel mehr wollte ich positives mitteilen. Nämlich, dass heute ein (überwiegend) guter Tag war.

Wir haben wieder Kisten und ein paar kleine Möbel in die neue Wohnung gefahren, uns über die Sonne während der Fahrt gefreut, Musik gehört und laut mitgesungen, die Landschaft genossen. Ja, es war schön und hat mir sehr gut getan!
Langsam wird die neue Wohnung voller, in der alten, jetzigen, herrscht das reine Chaos aber heut stresst es mich nicht (zumindest rede ich mir das jetzt ein), denn wir haben etwas geschafft.

Wir freuen uns über unseren neuen Vermieter. Er scheint ein freundlicher, zuvorkommender und hilfsbereiter Mensch zu sein, mit dem es mir Freude bereitet eine Unterhaltung zu führen. Er strahlt Lebensfreude aus und das tut mir gut. Einfach nur, weil es mir zeigt, dass es das gibt (auch wenn es sich, für den ein oder anderen, blöd anhört).

Lustig war auch, als ich in der Küche stand hörte ich ganz nah einen… ähm okay… einen Vogel ( soviel dazu… vorhin wusste ich noch was es für einer war…).
Egal, es klang so nah, das ich zuerst vermutete er sei in der Wohnung… aber so ganz passte das auch nicht. Die kleineren Innens sind der Meinung er wäre über uns im Dachboden gewesen. Auf jeden Fall war er die ganze Zeit da und ich fand es so schön ihm zuzuhören.
Die Neugier der Kleinen hat uns dann fast auf den Dachboden getrieben, um zu schauen ob er dort ist aber es war schon dunkel und wir haben uns nicht mehr getraut.
Nun sind wir gespannt, ob wir ihn noch häufiger hören… oder vielleicht sogar auf dem Dachboden finden. Ein kleines Abenteuer.

Für mich war es heute jedes Mal ein aufatmen, sobald wir die Stadt verlassen haben, in der wir wohnen. Mir ist bewusst, dass es an unserer Sicherheit oder den äusseren Umständen überhaupt nichts positiv verändert, dennoch, ich habe jedes Mal tief Luft geholt und es fühlte sich gut an.

Den ganzen anderen Schman will ich heut nicht. Ich mag davon heut einfach nichts wissen. Andere würden jetzt gern eine ganz andere Sicht des Tages schildern aber ich mag heut das positive stehen lassen und es nicht vermengen und zu einem unschönem Brei werden lassen.

Und sie leben noch immer

So oder so ähnlich sollte die Überschrift wohl klingen.

Es gibt nicht viel zu sagen, obwohl es eigentlich immens viel gäbe worüber man schreiben könnte, wenn man es sich denn wagen würde.

Unsere Welt steht nach wie vor Kopf. Statt das sich dieser Zustand legt, steigt er eher immer weiter. Nicht nur weil immer mehr Informationen uns erreichen und ein klareres Bild entsteht, das ist nebenbei auch der Fall, sondern weil wir die Informationen nur langsam begreifen und aus unserer Parallelwelt geworfen werden.

Wahrscheinlich um all den Wahnsinn überhaupt aushalten zu können, haben wir uns innerlich alle eingeredet, dass das Viele sein, die Gründe dafür, all diese belastenden Dinge nicht echt sind. Das wir verrückt sind und uns all das nur in unserem kranken Hirn zurecht spinnen. Das da einfach gehörig was schief gelaufen ist, die Welt draußen aber doch eigentlich okay ist, also nur in unserem kranken Kopf eben so krank.

Tja und nun müssen wir begreifen, dass dem nicht so ist, müssen begreifen, dass das kranke in unserem Kopf gar nicht krank ist sondern die Realität.
Während das hier geschrieben wird, wird wieder versucht Gründe zu finden, die es einfach nur wieder unseren kranken Kopf sein lassen und die zulassen das die Außenwelt wieder okay ist.

Inzwischen ist es aber schier unmöglich, zuvieles was von außen kommt lässt es nicht zu.

Und so setzen sich Puzzleteile zusammen, Stück für Stück mit noch tausend Fragezeichen und mindestens genauso vielen neuen.

Wir verschwinden in uns, weil wir nicht ertragen was wahr ist, weil wir entfliehen wollen vor dem Schmerz, weil wir nicht mehr aushalten können und wollen.

Weil es in uns nur den Gedanken gibt, dass man mit dieser Realität nicht leben kann und auch nicht möchte.
Raus aus diesem Leben ist aber auch nicht möglich, die Verantwortung hält.

Es offenbaren sich immer mehr Lügen aus unserem Leben die soviel ins Wanken bringen.
Und die Art und Weise wie man uns schaden möchte und uns angreift geht arg an die Substanz.
Der Wunsch in uns, all das wäre nicht wahr, all die Erkenntnisse der letzten Wochen und Tage wären nur ein böser Alptraum, schreit und wird dennoch nicht erhört und bleibt unbeachtet.

Frei schreiben können wir hier noch nicht wieder. Es muss noch nach einer Lösung gesucht werden, die es uns wieder erlaubt uns mitzuteilen und die uns dennoch sicher fühlen lässt.

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