Von außen betrachtet ist alles gut…

Häufig schreiben wir über die Katastrophen unseres Lebens, von denen es doch einige gibt.

Es gibt aber auch viel Gutes in unserem Leben. Es gibt Zeiten, in denen es uns sehr schwer fällt, überhaupt irgendetwas als positiv wahrnehmen zu können. Sollte es dann doch gelingen, besteht die nächste Herausforderung darin, dieses Gefühl zu halten.

Egal, im Moment liegen wir schon ziemlich am Boden. Es fällt schwer die Hoffnung nicht vollends zu begraben. Aber deshalb, genau deshalb ist es so wichtig das positive festzuhalten.

Unser Sohn hat sich hier schon sehr gut eingelebt, immer wieder erwähnt er, wie glücklich er jetzt ist. Das ist gut, nimmt ganz viel Druck und lässt etwas durchatmen. Keine ständigen Telefonate mit Lehrern, Direktoren, Psychologen, Gutachtern… Nein, es geht ihm gut, er fühlt sich wohl. Es war die richtige Entscheidung für ihn zu kämpfen, unserem Gefühl zu vertrauen und nicht darauf zu hören, was irgendwelche Leute sagen, die ihn eine Stunde gesehen haben.

Es war auch gut mit ihm über uns zu sprechen. Dazu ist aber bald ein eigener Artikel fertig.
Es wird wieder Handball gespielt. Bis auf zwei Mal sind wir immer beim Training angekommen und man konnte sich gut in die Mannschaft integrieren.
Wir sind gut darin uns unserem Umfeld anzupassen, jemand zu sein, der selbstbewusst und stark durchs Leben schreitet. Jemand der nicht auf den Mund gefallen ist und sein Leben im Griff hat.

Wenn man so auftritt, kommt es schnell dazu, dass man eingeladen wird, andere etwas mit einem unternehmen wollen, Kontakte entstehen und vielleicht auch Raum für neue Freundschaften entsteht.
Das wiederum schafft uns neue, andere Probleme. Darauf möchte ich aber jetzt an dieser Stelle nicht näher eingehen. Dazu hängt bereits ein halbfertiger Artikel in unseren Entwürfen, zwischen vielen anderen halbfertigen, die sicherlich nach und nach noch fertiggestellt und veröffentlicht werden.
Ich möchte diese Entwicklung als Chance sehen. Ich möchte sehen, dass für uns ein größeres Umfeld auch Schutz bedeutet. Hier fällt es Nachbarn auf, wenn vor unserer Tür Täter rumpöbeln und es kam bereits dazu, dass einer der Nachbarn die Polizei rief.
Polizei rufen, wieder so ein schwieriges Thema aber wir waren es nicht. Nicht wir haben dort angerufen, wir haben nichts gesagt und nichts getan und dennoch kam die Polizei und regelte es.

Wir sind eingespannt im Alltag. Essen kochen, Wohnung putzen, Trainingstermine ( Handball und Fußball) von unserem Sohn und uns, Therapie, Unternehmungen mit neuen Bekannten oder auch dem Sohn allein, neue Freunde von unserem Sohn die häufig zu Besuch kommen.

Seit heute haben wir die Bestätigung in den Abiturlehrgang aufgenommen worden zu sein. Ab August kommt dann also noch die Schule hinzu.
Noch so ein Thema für sich. Ganz viele Ängste und Sorgen sind damit verbunden aber auch das würde diesen Beitrag sprengen und sollte nochmal gesondert angegangen werden.
Aber, auch das ist gut. Wir wünschen uns sehr, endlich das Abitur machen zu können. Wenn wir all die Ängste ausblenden, sind wir froh diese Möglichkeit zu haben!

Es gibt Menschen, die uns sagen, dass sie uns lieben, das wir toll sind, dass sie stolz auf uns sind, sie uns als starke Kämpfer wahrnehmen. Sie sind nicht immer da, versuchen aber, auf ihre unterschiedliche Art uns zu zeigen, dass sie an uns denken und da sind.
Das ist ganz viel wert und damit haben wir mehr als viele andere. Es gibt Menschen denen wir etwas bedeuten, denen wir, so wir wir sind, wichtig sind.

Wenn man also so von außen auf diese Bereiche unseres Lebens schaut, ist doch eigentlich alles super gut.
Die anderen Bereiche haben hier jetzt nichts zu suchen. Alles ist gut!

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Peinlich aber wahr, die Scheinwelt bricht ein…

Wow! Heut ist ein heftiger Tag, wahnsinnig anstrengend und schwierig. Ja, wirklich schwierig, denn hier passieren Sachen… oh man!

Durch unsere Beziehungsprobleme an allen Ecken, sind wir sehr unsicher und allein unterwegs. Versuchen uns abzulenken mit irgendwelchen Tätigkeiten, funktionieren ein bisschen, leider nicht ausreichend.

Heute haben wir ungefähr fünf Stunden unser Bad geputzt, fertig ist es noch immer nicht, morgen wird weiter gemacht, zumindest ist die Hoffnung da, dass es auch morgen funktioniert. Zu tun gibt es genug.

Wir mussten uns ablenken, hatten für den Abend einen Termin bei unserer Therapeutin. Der zweite nach ihrem Urlaub. Irgendwas hat sich geändert, wir haben etwas geändert. Versuchen die Beziehung wieder auf eine therapeutische Ebene zu bringen. Keine SMS mehr schreiben, das ist nicht ihr Job. Klar machen, dass sie Therapeutin ist. Nicht Mama, nicht Freundin, nicht irgendwas anderes… nur Therapeutin. Ist nicht ihr Job ständig erreichbar zu sein.
Wir fühlen uns schlecht, denn wir haben zugelassen, dass mehr gemögt wird als gut ist. Das wichtig wurde, was nicht so wichtig werden darf. Sie ist nur unsere Therapeutin. Das wurde so bewusst in der ersten Woche ihres Urlaubs, dass da einfach zuviel ist. Dissoziation hat geholfen die Zeit zu überstehen.

Und jetzt? Wir benehmen uns einfach nur komisch. Kapseln ab, weil all das nicht sein darf. Es wird weggedisst was nicht sein darf, was zuviel ist.

Innerlich schreit, heult und begreift es nicht was hier passiert und tatsächlich begreift es keiner so richtig. Zumindest hab ich so das Gefühl, dass eigentlich keiner so genau weiß, warum wir uns gerade so verhalten wie wir es tun.

Dann in der Therapiestunde waren wir doch recht… joa… wechselhaft… durcheinander…

Und dann, keiner weiß warum, schiebt sich jemand mit vor, berührt den Körper so, dass die Therapeutin verlegen reagiert, wegschaut, zu einem späteren Zeitpunkt drauf anspricht. Wir habens nicht mitbekommen, ging völlig an uns vorbei. Scham, wie konnte das passieren und vor allem warum??? Was wollte man damit erreichen?

Jetzt schreib ich darüber, über eine Sache für die ich/wir mich/uns sehr schämen, die uns verunsichert und ängstigt. Ganz schön intim und unangenehm hier darüber zu schreiben aber dennoch möchte ich es.

Dazu verleitet hat mich eine Mail die wir heute bekamen. Sie hat uns sehr bewegt, denn es wurde sich für unseren Beitrag Die verbotene Sehnsucht bedankt. Dafür, dass wir darüber geschrieben haben.
Auch das ist ein schwieriges, von Scham besetztes Thema. Eins das man lieber nicht anspricht, denn keiner will es wirklich hören und nur wenige können es nachvollziehen und verstehen.
Es fällt uns nicht leicht darüber zu schreiben, es löst viel aus, verstößt gegen sämtliche Regeln und Gebote aber auch das ist ein Teil von uns. Etwas das uns schwer fällt zu akzeptieren, denn keiner hat gern Personen/Anteile in sich, die unangemessen verhalten.
Es macht es nicht leichter zu wissen, dass in uns noch viel mehr brodelt und nur die Ausläufer das Außen erreichen.

Genau das ist aber einer der Gründe warum wir dieses Blog schreiben, wir möchten über die Dinge sprechen/schreiben die da sind. Dazu gehören auch die Teile dieses Lebens, die anders sind als meine. Auch die, für die ich mich schäme, deren Verhalten ich nicht verstehe oder lieber einfach abschaffen würde.

Irgendwie müssen wir lernen das alles auf einen gemeinsamen Weg zu bringen, möchten lernen auch die zu akzeptieren, die mir so fremd sind.

Gerade schämen wir uns unglaublich für dieses Verhalten in der Therapie und noch wissen wir nicht, wie wir es schaffen den nächsten Termin wahrzunehmen und nicht vor Scham zu versinken… aber irgendwie zeigt es so deutlich gerade unsere Schwächen und das kann ja auch eine Chance sein…

Nach der Therapie… wir waren erst eineinhalb Stunden später Zuhause. Wo wir in der Zwischenzeit waren, wissen wir nicht. Da lief etwas schief.
Danach dann verzweifeltes heulen, warum nur sind wir so? (ja ich kenn die Antwort, trotzdem scheiße!)

Schließen wir für heute ab, versuchen es erneut als eine Chance zu sehen, etwas verändern zu können. Das geht ja auch erst ab dem Moment wo man überhaupt weiß was da so passiert. Soviel Realität kann einem den Boden wegreißen. Soviel Wahrheit ist schwer zu ertragen. Amnesie für die Amnesie ist wohl gerade auch irgendwie… joa… dachte ich doch ich würde viel mehr mitkriegen, hätte einen Überblick oder so… absoluter Irrglaube. Wir müssen uns neu organisieren, unsere Scheinwelt bricht so langsam aber beständig ein…

Ich wär so gern etwas unkomplizierter

Ungefähr fünf mal haben wir nun versucht etwas zu schreiben. Kurz vor Fertigstellung wurde es wieder gelöscht, zuviel gesagt, nichts gesagt, zu schwieriges Thema, zu blöd und uninteressant, zu wenig das sagend, was man sagen wollte. Vor allem aber zuviel Themen und Gedanken.

Alles in uns schreit nach Ruhe haben wollen, durchatmen dürfen, nur einen Moment…

Sämtliche Beziehungen sind kompliziert gerade, nichts was einfach normal gut funktioniert, überall Baustellen und selbstgemachte Probleme. Zu viel interpretieren oder zu wenig, zu viel vertrauen, misstrauen, zu viel Bindung oder zu wenig, Zweifel, Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, mauern. Von allem zuviel und gleichzeitig zu wenig.

Wir sind uns selbst zu kompliziert, zu widersprüchlich, zu dämlich, zu wenig erwachsen, zu wenig kompetent, zu anstrengend, zu belastend, zu alles.

Nebenbei lebt uns unser Leben, mit all seinen Macken und lässt uns keine Zeit, diese auch nur im Ansatz zu begreifen, zu halten, zu verstehen und erst recht bleibt kein Raum für Verarbeitung.
Alles wird fleißig weggedisst. Das Leben lebt sich dennoch, mit und ohne unsere Beteiligung. Das wegdissen scheint der Weg zu überleben und zugleich fühlt es sich wie sterben an…

Bruderherz, du fehlst mir!

Du fehlst mir so sehr! Sie sagen ich darf dich nicht anrufen oder dir schreiben. Ich soll dir nicht sagen wie sehr du mir fehlst. Sie meinen, nehme ich Kontakt mit dir auf, würde nur alles wieder einbrechen. Sie reden von Wunden die aufreißen, von Gefahr für unser System, von Lügen, von zurück in alte Muster abrutschen. Sie sagen du würdest mir nicht gut tun.

Erkennst du die Lüge dahinter?

Ich soll ihm jetzt also nicht schreiben dürfen? Darf mich nicht erkundigen wie es ihm geht? Warum, wer bestimmt das denn? Nie hast du mir geschadet, so oft hast du mich gerettet.

Das wollen sie nicht hören und auch nicht verstehen. Sie wollen mich vom Gegenteil überzeugen, dich mit denen, die uns beiden so viel angetan haben, in einen Topf schmeißen, meinen ich wüsste nicht was los ist.

Du weißt das es anders ist, du weißt, dass ich dich liebe und niemals zulasse zu vergessen was du für mich getan hast. Ich lass nicht zu von dir getrennt zu werden!

Jetzt soll ich mit der Therapeutin darüber sprechen, es würde mir helfen, behaupten sie.

Erkennst du auch da wieder die Lüge?

Es geht ihnen nicht um mich, auch nicht um dich. Sie wollen mich überzeugen oder von der Therapeutin weich klopfen lassen.

Was denkst du, wer von uns mit ihr reden soll? Sie haben da doch das Problem!

Ich vergesse nie unseren Bund, ich halte mein Versprechen!

Das hat sich gelohnt!

Wir sind gerade so erleichtert und froh und möchten auch das gern mit euch teilen.

Wir haben vor einiger Zeit einen Antrag auf Reha gestellt und bekamen zwei Wochen dann zwar die Genehmigung für die Reha, allerdings nicht für die Klinik in die wir möchten.

Die Klinik in die wir möchten kennen wir bereits und es war die erste und einzige Klinik die uns wirklich etwas gebracht und geholfen hat. Die erste aus der wir nicht desolater Heim kamen als wir rein sind, die erste in der wir wirklich gut an uns arbeiten konnten und selbst völlig geflasht davon waren, das wir anscheinend doch nicht so Therapieunfähig sind, wie wir bis dahin dachten.

Durch diese Klinik und die Erfahrungen, die wir dort machen durften, haben wir es geschafft nicht aufzugeben, weiter zu kämpfen für uns und unseren Sohn.

Als wir also nun die Zusage für eine andere Klinik bekamen, brach hier erstmal alles ein. Wieder zuviel gewünscht, zu sehr drauf gehofft, nicht gut genug um zu dürfen, nicht verdient zu dürfen. Sämtliche Selbstzweifel und Ängste wurden freigesetzt.

Wir haben all unseren Mut zusammen genommen und in der zugewiesenen Klinik angerufen, uns informiert über deren Konzept, deren Ansichten und darüber, ob wir mit unserer Problematik dort gut aufgehoben wären. Zuerst hatten wir ein Gespräch mit dem Chefarzt welches katastrophal lief. Er verstand nicht was wir von ihm wollten und versuchte uns die ganze Zeit zu sagen, wie gut seine Klinik zu uns passen würde, wie toll dort alles ist. Wir haben ihm immer wieder versucht zu erklären das wir von unterschiedlichen Dingen sprechen und aneinander vorbei reden. Das hat er auch überhaupt nicht so gesehen.
Da er uns also gern dort haben wollte, Betten müssen ja belegt werden, bot er uns an mit der Oberärztin zu sprechen, welche bei Aufnahme auch therapeutisch für uns zuständig wäre.
Dieses Gespräch war dann schon deutlich besser. Sie verstand wovon wir sprachen und wir konnten in Ruhe klären, ob die Klinik passend sein kann oder nicht. Ende vom Lied war, sie würden uns natürlich aufnehmen, allerdings wäre es nicht möglich an unseren tatsächlichen Problemen zu arbeiten, es würde ausschließlich um Alltagsstabilität gehen. Auch die Art wie dort mit uns als System gearbeitet werden würde, entspricht genau dem, was uns überhaupt nicht hilft, sondern Indikator für weiteres abstürzen wäre.

Heute haben wir uns getraut bei unserer Rentenversicherung anzurufen und nachzufragen warum unser Klinikwunsch und der unserer Ärztin nicht berücksichtigt wurde und wir nun in eine Klinik sollen, die uns nicht helfen kann.
Ihr werdet es kaum glauben aber die Dame am anderen Ende der Leitung war sehr freundlich und hörte sich in Ruhe an welche Einwände bestehen und warum es uns so wichtig ist in die Klinik zu dürfen, von der wir wissen, dass wir dort Hilfe bekommen.

Sie schaute sich die Akten durch und nachdem sie feststellte, dass wir bereits in der Wunschklinik waren, ging sie sofort auf unseren Wunsch ein.
Wir dürfen in die Klinik in die wir so gern möchten! Wir sind sehr dankbar dafür, froh darüber uns getraut zu haben anzurufen und vor allem erleichtert und dankbar mit einem Menschen telefoniert zu haben, der sich tatsächlich dafür interessierte uns als Anrufer ernst zu nehmen und zu helfen. Keine abgedroschene, gefühlskalte Bürotuse (entschuldigt bitte den Ausdruck).

Wieder bestätigt sich, sprechenden Menschen kann geholfen werden. Es lohnt sich nicht den Kopf in den Sand zu stecken (was nicht heißt, dass wir es nicht getan hätten und immer wieder tun), sondern es lohnt sich immer weiter zu kämpfen und sich für seine Bedürfnisse einzusetzen. Auch wenn wir immer gelernt haben keine Bedürfnisse und Wünsche haben zu dürfen…

Bemühungen um mich? Was Helfer so tun…

Ich geh kaputt! So viele Bemühungen um mich??? Gut, nicht explizit um mich aber ja dennoch ein bisschen. Egal, so viele Bemühungen um uns??? Es wird nicht zugelassen das wir die Kontakte abbrechen, wir werden nicht fallen gelassen, obwohl wir derzeit wirklich schwierig sind. Von hinter mir schallt es ein: „Ja noch nicht du Idiot!!!“, aber das werde ich überhören. Selbst wenn es nur ein noch nicht ist und wir diese Kontakte verlieren, weil wir doch zu viel werden, weil die Situation zu sehr fordert, weil wir zu strange sind oder oder oder, Gründe gibt es genug, selbst dann erleben wir gerade eine Art von Hilfe, wie wir nie auch nur getraut hätten zu glauben das es sowas gibt. Nein, wir haben tatsächlich niemals danach gesucht, nicht in der Form. Das hätten wir auch gar nicht gekonnt. Wie soll man nach etwas suchen, von dem einem nicht bewusst ist, dass es existiert. Und wenn wir ganz ehrlich sind, vor  gar nicht allzu langer Zeit haben wir uns in Gesprächen, mit einer unser besten Freundinnen, eher negativ geäußert. „Nein von einem Therapeuten möchte ich nicht in den Arm genommen werden, das gehört da nicht hin“ oder “ Außerhalb der Sitzungen Kontakt, nee das muss nicht sein. Höchstens mal ne Mail schicken oder so wäre gut. Aber das muss schon alles auf der professionellen Ebene bleiben.“ sind so typische Sätze, wie man sie noch vor kurzem von uns gehört hätte.

Tja, Zeiten ändern sich. Vielleicht, so kann ich inzwischen darüber denken, waren wir nur unglaublich neidisch auf diejenigen, die gute Therapie machen durften und verzweifelt darüber, selber keine Hilfe finden zu können. Diese Verzweiflung hat sich zu all den bisherigen Erfahrungen mit Therapeuten durchgewuselt und wir haben uns aus Schutz vor Verletzung und Abweisung nicht erlaubt überhaupt solche Hilfe haben zu wollen, geschweige denn, sie als hilfreich anzusehen.
Inzwischen machen wir so gegenteilige Erfahrungen, dass wir völlig ins Rudern kommen.
Denn tatsächlich ist es so, dass wir diese enorme Unterstützung gerade bekommen. Sicherlich aus unterschiedlichen Gründen aber sie ist real und sie ist gut!

Die Zeiten gerade sind hart, die innerlichen und auch äußerlichen Kämpfe kosten uns enorm viel Kraft und derzeit stoßen wir täglich an die Grenzen des für uns aushaltbaren. Aber wir sind da und machen weiter. Häufig ist es so, das wir nicht wissen wie wir die nächsten Minuten geschweige denn Stunden oder Tage überstehen sollen. Woher wir die Kraft nehmen sollen morgens nochmal aufzustehen und nicht einfach im Bett liegen zu bleiben und langsam auszusterben. Aber wir stehen immer wieder auf, machen immer einfach weiter, lächeln, tanzen, singen, arbeiten. Arbeiten an uns, so hart und so konfrontativ wie nie zuvor.
Rückzug und Kontaktabbruch sind noch nicht vom Tisch, es ist auch nicht so, das nicht immer mal wieder der ein oder andere Zwischenfall kommt, der uns noch mehr in diese Richtung zieht. Aber wir wollen nicht aufgeben, wollen uns nicht selbst wieder alles nehmen und es uns erst recht nicht wieder zerstören lassen.

Manchmal ist es gut, wenn jemand da ist und uns zeigt was wir alles schaffen oder geschafft haben (herzlichen dank an unsere Therapeutin!).
Manchmal ist das gut, weil es neben all den Katastrophen eben doch auch kleine Siege gibt die wir gern man übersehen weil wir nur mit dem aushalten der Katastrophen beschäftigt sind.

Ist aber ganz wichtig das auch immer wieder zu sehen.
Wir haben den Kontakt zu den zwei wichtigen Menschen nicht abgebrochen, agieren gegensätzlich und versuchen zu kommunizieren welche Schwierigkeiten bestehen und nicht wie sonst zu verschwinden sondern zu halten, zu bleiben.

Und weil wir so angetan sind von der Unterstützung die wir gerade erfahren dürfen, möchten wir das hier gern teilen. Es ist einfach etwas besonderes was diese Menschen leisten.

Die eine Person, unsere ehemalig ambulante Betreuerin, hat uns nicht aufgegeben als wir die Betreuung nicht mehr finanzieren konnten. Sie ist geblieben:-) nicht mehr als Betreuung sondern als Freundin und Vertraute. Als jemand der bereit ist zu unterstützen, den man anrufen darf (wenn man es schafft), den man besuchen darf, mit dem man etwas unternehmen darf. Als jemand dem wir nicht egal sind!

Und dann ist da unsere Therapeutin die einfach so ganz anders ist als das was wir bisher mit Therapeuten erlebt haben. Andere Therapeuten etc. würden ihre Unterstützung teilweise sicher als unprofessionell abtun. Und vielleicht haben sie recht, denn sie unterstützt nicht nur in einer Stunde in der Woche, sondern ist da. Man darf ihr mailen, darf ihr sms schreiben und bekommt Antworten. Man hat Unterstützung erhalten in manchen Nächten. Telefonisch, per Mail, per sms. Vor allem aber sind wir ihr wichtig. Weil man nicht egal ist und nicht allein. Weil sie uns nicht das Gefühl vermittelt nichts wert zu sein. Weil sie auch bei Rückschlägen da ist, hält und auf das hinweist was gut war, was funktioniert hat.

Unsere Helfer tauschen sich miteinander aus. Beraten über Situationen, helfen Lösungen zu finden, unterstützen sich gegenseitig.
Und genau das, genau diese „un-„professionelle Art zu helfen und da zu sein, gibt Halt und bewirkt unglaublich viel in uns!

Wir möchten das erwähnen, weil uns bekannt ist, welchen Gegenwind diese Helfer teilweise bekommen, weil sie zu weit gehen, vorgegebene Grenzen überschreiten, es zu privat ist, unprofessionell mit einem Patienten in der Nacht Mails zu schreiben, smsn hin und her zu schicken oder zur Not auch zu telefonieren.

Vielleicht ist es unprofessionell aber es ist eine Hilfe und Unterstützung, die eine wirkliche Hilfe und Unterstützung ist!!!

Lass den Weg nicht enden

Der Kopf ist voll. Voller Gedanken, voller Angst, voller Verzweiflung, voller Freude, voller Verwunderung und noch so viel mehr.

Wir kommen kaum dazu hier zu schreiben, es fehlt die Zeit dafür und wenn die Zeit da ist, verlieren sich die Themen ineinander, verrutschen, werden ungreifbar, entgleiten, brechen ab, ersetzen sich mit neuen.

Es war ein guter Tag. Unser Sohn hat seinen Vater nach vier Jahren endlich wieder gesehen und das Treffen war gut, wirklich gut. Beide haben es genossen und es gibt Aussichten, dass es weiterhin Kontakt geben kann. Wir haben so oft dafür gekämpft, so oft ausgehalten, so oft gebettelt, so oft geweint, so oft unsere eigene Verzweiflung unserer eigenen Kindheit spüren müssen, so oft halten müssen, so oft verzeihen müssen, so oft neue Chancen geben müssen, so oft hoffen müssen, so oft streiten müssen, so oft uns beschimpfen und erniedrigen lassen müssen. Und das alles ist okay. Es ist okay, wenn das Ergebnis sein kann, dass wieder neuer Kontakt entsteht. Wir sind skeptisch, hinterfragen, beobachten, zweifeln und hoffen.

In der Zwischenzeit haben wir mir einer Freundin einen Stadtbummel gemacht, sind stundenlang durch Läden gehuscht. Die Ablenkung war super und wir konnten nicht ganz in das innerlich bestehende Chaos abrutschen. Das war sehr gut.

Dennoch kommen wir nicht zur Ruhe, es ist einfach wieder zuviel los. Ein Thema jagt das andere, eine Katastrophe die nächste und ständig begleitet uns das Gefühl, der nächsten Katastrophe schon mit ausgebreiteten Armen entgegen zu laufen. Ja ja, ich weiß, erwartet man eine Katastrophe kommt sie auch. Naja, erwarte ich sie nicht, kommt sie auch 😉 macht also keinen Unterschied. Außer vielleicht den einen, winzig kleinen: Wir sind darauf vorbereitet, rechnen damit, stehen in Alarmbereitschaft.

Wir müssen kämpfen weiter Kontakt zu Helfermenschen halten zu können. Es wird schwierig, sie sind zu sehr da, zu bereit, zu gefährlich, zu… da…

Wir rudern zurück, wollen es aber gar nicht. Das Bedürfnis alle Kontakte abzubrechen ist stark. Es zerrt und zieht, jeder Kontakt ist Kampf und Herausforderung, regt Widerstand, ist ein riesen Fragezeichen, eine Bedrohung mit Ausrufungszeichen, ein in Brei versinkendes Wirrwar, ein Luft abschnürendes Bündel.

Wir machen es anders, sprechen über die entstehenden Probleme und hoffen darauf, damit einem Kontaktab-/einbruch entgegenzuwirken. Wir preschen vor in unbekanntes Terrain und wir werden dabei gehalten, nicht vergessen, nicht stehen gelassen, nicht allein zurück gelassen.

Wir wünschen uns, uns selbst diesen Halt nicht nehmen zu müssen! Wir wünschen uns (und ja, ich weiß es ist verboten Wünsche zu haben und erst recht sie zu äußern, ABER), wir wünschen uns das wir den Weg weiter gehen dürfen/können. Wir wünschen uns, uns weiter einlassen zu dürfen/können und wir wünschen uns, dass der Weg dieses Mal weitergehen darf!

 

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