Dissoziation bewahrt das Überleben

Es gibt nicht viel neues von uns. Wir kommen mit der neuen aktuellen Situation nicht klar. Überforderung an allen Ecken und Enden, krampfhafte Versuche ein möglichst normalen Alltag zu leben und immer wieder der harte Aufprall bei der Feststellung, dass es nicht funktioniert. Nicht so, wie wir es von uns erwarten.

Die Art wie unsere Beziehung nun ist, verstehen wir nicht. Wir haben keine Erfahrung darin und sind völlig verunsichert in allem was wir tun. Dementsprechend belastend und kraftraubend ist es und aus Verunsicherung entstehen große Probleme.

Ansonsten hat uns die Angst und Panik teilweise so arg im Griff, dass normale Dinge nicht mehr funktionieren.

Wir fühlen uns allein, als hätten wir alles verloren. Zu großen Teilen haben wir es auch und dennoch, wir müssen stehen bleiben.

Keiner weiß wie, keiner hat eine Vorstellung davon was funktionieren könnte. Denn eigentlich sind wir an einem Punkt wo es nicht mehr geht. Das darf aber nicht sein, also muss es…

Wir fühlen uns alleine. Das können wir aber nicht sagen, denn es gibt Menschen, denen wir etwas bedeuten. Zumindest würden wir das hören, wenn wir es sagen würden. Und dennoch, auch wenn es undankbar oder was auch immer ist, wir fühlen uns allein.  Zuviel haben wir in den letzten Monaten verloren. Zu wenig werden wir verstanden, zu wenig finden wir Worte und/oder Kommunikationswege um uns mitzuteilen, ohne falsch verstanden zu werden.

Was tun wir also, als jemand der die Dissoziation perfekt beherrscht? Wir spalten uns weiter, wir dissen uns weg, wir zerstören was noch da ist.

Wir ziehen uns zurück, möchten niemanden sehen, niemanden hören, nichts tun, weg sein, verschwinden in unserer Welt voll von Dissoziation. Immer schwerer wird es nicht darin zu bleiben und den Weg in die Realität zurück zu finden. Immer schwerer fällt es uns nicht jeden von uns zu stoßen. Immer schwerer fällt es uns zurück zu wollen…

… und eigentlich…

eigentlich möchten wir genau das nicht. Uns zurück ziehen, verschwinden…

Eigentlich würden wir gern nicht so allein sein mit allem… eigentlich…

Weil das aber nun nicht ist und das Leben sich nicht danach richtet, was wir gern hätten, müssen wir Lösungen finden die das Überleben weiter sichern.

Wir spalten. Die Sehnsucht muss weg, die Emotionen müssen unter Kontrolle gebracht werden und somit ebenfalls weg.

Ein kalter Roboter entsteht…

 

 

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nicht endende Kämpfe

Nach außen sind wir still, sprechen nur das Nötigste und nur das wonach man uns fragt.

Auch hier zu schreiben fällt uns schwer. Worte und Bedeutung miteinander zu kombinieren kostet uns viel Kraft, dann aus diesen Worten noch verständliche Sätze zu formen noch mehr.
Den heutigen Tag verbrachten wir hauptsächlich im Delirium und wie es scheint psychotisch. In kurzen klaren Augenblicken fällt uns dann auch selbst auf, dass unsere Wahrnehmung nix mit Realität und so zu tun hat.

Wir kennen diese Reaktion von uns, sie tritt entweder infolge von Programmen oder extremem Stress auf.

Diesmal klingt beides ganz passend.

Eigentlich möchten wir laut Hilfe rufen, wobei völlig unklar ist, wie diese überhaupt aussehen kann. Allein der Gedanke aber schnürrt den Hals zu.
Haben wir Hilfe doch gar nicht verdient, steht uns nicht zu und so schlimm ist es doch eigentlich auch gar nicht, also nicht so anstellen.
Zwischendurch kommt dann aber doch die Frage durch, wie schlimm es denn erst sein muss, damit wir es als solches erkennen dürfen. Was erst noch passieren muss, damit wir bereit sind anzuerkennen…
Wann der Augenblick ist an dem es kippt und untragbar ist…

Das sämtliche Beziehungen im Aussen derzeit belastet sind, macht den Kampf unaushaltbar.
Ständige Unsicherheit und Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Schuldgefühle, weil wir glauben es ist unmöglich mit uns Kontakt auszuhalten, uns auszuhalten, irgendwie zu ertragen.

Wie gern würden wir sowas sagen wie, bitte lass uns jetzt nicht allein, bitte lass dich nicht verjagen, bitte bleib auch wenn wir sagen du sollst gehen, bitte lass unsere Hand nicht los, die Gefahr das wir nicht wieder aufstehen ist so groß…

Wie gern, wenn wir könnten. Wenn wir uns wert genug halten würden, würde es vielleicht gehen. Vielleicht auch wenn wir uns nicht selbst so hassen und ablehnen würden oder aber wenn wir nicht glauben würden, dass wir nur eine Belastung sind und für jeden schädlich, der näher mit uns zu tun hat. Vielleicht würde es auch schon helfen, wenn sich das nicht dauernd bestätigen würde…

Peinlich aber wahr, die Scheinwelt bricht ein…

Wow! Heut ist ein heftiger Tag, wahnsinnig anstrengend und schwierig. Ja, wirklich schwierig, denn hier passieren Sachen… oh man!

Durch unsere Beziehungsprobleme an allen Ecken, sind wir sehr unsicher und allein unterwegs. Versuchen uns abzulenken mit irgendwelchen Tätigkeiten, funktionieren ein bisschen, leider nicht ausreichend.

Heute haben wir ungefähr fünf Stunden unser Bad geputzt, fertig ist es noch immer nicht, morgen wird weiter gemacht, zumindest ist die Hoffnung da, dass es auch morgen funktioniert. Zu tun gibt es genug.

Wir mussten uns ablenken, hatten für den Abend einen Termin bei unserer Therapeutin. Der zweite nach ihrem Urlaub. Irgendwas hat sich geändert, wir haben etwas geändert. Versuchen die Beziehung wieder auf eine therapeutische Ebene zu bringen. Keine SMS mehr schreiben, das ist nicht ihr Job. Klar machen, dass sie Therapeutin ist. Nicht Mama, nicht Freundin, nicht irgendwas anderes… nur Therapeutin. Ist nicht ihr Job ständig erreichbar zu sein.
Wir fühlen uns schlecht, denn wir haben zugelassen, dass mehr gemögt wird als gut ist. Das wichtig wurde, was nicht so wichtig werden darf. Sie ist nur unsere Therapeutin. Das wurde so bewusst in der ersten Woche ihres Urlaubs, dass da einfach zuviel ist. Dissoziation hat geholfen die Zeit zu überstehen.

Und jetzt? Wir benehmen uns einfach nur komisch. Kapseln ab, weil all das nicht sein darf. Es wird weggedisst was nicht sein darf, was zuviel ist.

Innerlich schreit, heult und begreift es nicht was hier passiert und tatsächlich begreift es keiner so richtig. Zumindest hab ich so das Gefühl, dass eigentlich keiner so genau weiß, warum wir uns gerade so verhalten wie wir es tun.

Dann in der Therapiestunde waren wir doch recht… joa… wechselhaft… durcheinander…

Und dann, keiner weiß warum, schiebt sich jemand mit vor, berührt den Körper so, dass die Therapeutin verlegen reagiert, wegschaut, zu einem späteren Zeitpunkt drauf anspricht. Wir habens nicht mitbekommen, ging völlig an uns vorbei. Scham, wie konnte das passieren und vor allem warum??? Was wollte man damit erreichen?

Jetzt schreib ich darüber, über eine Sache für die ich/wir mich/uns sehr schämen, die uns verunsichert und ängstigt. Ganz schön intim und unangenehm hier darüber zu schreiben aber dennoch möchte ich es.

Dazu verleitet hat mich eine Mail die wir heute bekamen. Sie hat uns sehr bewegt, denn es wurde sich für unseren Beitrag Die verbotene Sehnsucht bedankt. Dafür, dass wir darüber geschrieben haben.
Auch das ist ein schwieriges, von Scham besetztes Thema. Eins das man lieber nicht anspricht, denn keiner will es wirklich hören und nur wenige können es nachvollziehen und verstehen.
Es fällt uns nicht leicht darüber zu schreiben, es löst viel aus, verstößt gegen sämtliche Regeln und Gebote aber auch das ist ein Teil von uns. Etwas das uns schwer fällt zu akzeptieren, denn keiner hat gern Personen/Anteile in sich, die unangemessen verhalten.
Es macht es nicht leichter zu wissen, dass in uns noch viel mehr brodelt und nur die Ausläufer das Außen erreichen.

Genau das ist aber einer der Gründe warum wir dieses Blog schreiben, wir möchten über die Dinge sprechen/schreiben die da sind. Dazu gehören auch die Teile dieses Lebens, die anders sind als meine. Auch die, für die ich mich schäme, deren Verhalten ich nicht verstehe oder lieber einfach abschaffen würde.

Irgendwie müssen wir lernen das alles auf einen gemeinsamen Weg zu bringen, möchten lernen auch die zu akzeptieren, die mir so fremd sind.

Gerade schämen wir uns unglaublich für dieses Verhalten in der Therapie und noch wissen wir nicht, wie wir es schaffen den nächsten Termin wahrzunehmen und nicht vor Scham zu versinken… aber irgendwie zeigt es so deutlich gerade unsere Schwächen und das kann ja auch eine Chance sein…

Nach der Therapie… wir waren erst eineinhalb Stunden später Zuhause. Wo wir in der Zwischenzeit waren, wissen wir nicht. Da lief etwas schief.
Danach dann verzweifeltes heulen, warum nur sind wir so? (ja ich kenn die Antwort, trotzdem scheiße!)

Schließen wir für heute ab, versuchen es erneut als eine Chance zu sehen, etwas verändern zu können. Das geht ja auch erst ab dem Moment wo man überhaupt weiß was da so passiert. Soviel Realität kann einem den Boden wegreißen. Soviel Wahrheit ist schwer zu ertragen. Amnesie für die Amnesie ist wohl gerade auch irgendwie… joa… dachte ich doch ich würde viel mehr mitkriegen, hätte einen Überblick oder so… absoluter Irrglaube. Wir müssen uns neu organisieren, unsere Scheinwelt bricht so langsam aber beständig ein…

komplexe Beziehungen oder: Beziehung mit einem multiplen System

Vor einiger Zeit fragte Sebastian (ein Partner einer Person mit DIS) wie er in Streitfällen mit seiner Partnerin umgehen soll oder wie er damit umgeht, dass es im System seiner Partnerin eine (oder auch mehrere) Unterpersönlichkeit (-en) gibt, die die Beziehung beenden möchte. (nachzulesen unter: Bist du „Viele“ oder tust du nur so?)

Ein Beziehungsleitfaden dazu gibt es leider nicht und wir werden auch keinen liefern können, noch möchten wir das. Es gibt kein System, welches einem anderen gleicht, kein immer richtig oder immer falsch.

Wir können aber von unseren eigenen Beziehungsideen schreiben, davon wie wir selbst Beziehung erleben, was uns wichtig ist und davon, dass all das jederzeit veränderbar und in Bewegung ist.

In einer Partnerschaft geht es auch immer um Kompromisse und darum eine gemeinsame Vorstellung von Beziehung zu entwickeln. Das bedeutet für uns, dass es wichtig ist über aufkommende Fragen zu sprechen, sich zu trauen Unsicherheiten und Befürchtungen anzusprechen und möglichst offen miteinander umzugehen. Was es nicht für uns bedeutet ist, dass der Partner alles wissen muss und es keine Geheimnisse geben darf. Wir empfinden es als wichtig, dass die gefundenen Strukturen und Vereinbarungen keine starren Vereinbarungen sein müssen, sondern immer wieder besprochen und angepasst werden dürfen.

Begegnet mir im System meines Partners eine Unterpersönlichkeit, die mich an ihrer Seite nicht akzeptiert, die kein Interesse an einer Beziehung hat, mich gar nicht liebt und die Beziehung vielleicht sogar beenden möchte, wäre meine erste Intension dahinter zu schauen und zu hinterfragen.

Warum möchte die Person sich trennen?
Sind es Ängste die dahinterstehen, so lässt sich vielleicht ein gemeinsamer Weg finden, diese Ängste abzubauen oder einen Umgang damit zu finden.
Will die Person sich nicht binden oder fühlt sich mit dem Partner nicht wohl, kann auch dafür eine Lösung gefunden werden. Das könnte bedeuten, dass sich diese Person zwar mit der Beziehung arrangiert, dennoch die Freiheit hat sich aus der Beziehung raus zu nehmen.
Egal was es ist, nur wenn darüber gesprochen wird, ist es möglich einen Umgang damit zu finden.

Wir hatten lange Zeit den Wunsch nach Normalität und wollten eine Beziehung wie sie sich „gehört“. Wir wollten unserer Partnerin treu sein, sie nicht hintergehen oder verletzen und dennoch, obwohl dieser Wunsch enorm stark war, ist es uns nicht gelungen und innerhalb der vergangenen Jahre hat sich unser Beziehungsmodell immer mehr anpassen müssen um bestehen zu können.
Wir ( wir als System aber auch unsere Partnerin) mussten lernen, dass nicht alle von uns bereit sind diese Beziehung zu führen.
Dass dahinter oft nicht die Intension ist, uns anderen die Beziehung zu zerstören oder zu nehmen, sondern viel mehr der Wunsch, nach eigenen Bedürfnissen leben zu dürfen oder auch uns als System vor Verletzungen und Enttäuschungen zu schützen.
Wir mussten und müssen immer noch lernen zu akzeptieren, dass es hier Unterpersönlichkeiten gibt, denen unsere Beziehung nichts bedeutet, die unserer Partnerin gegenüber abgeneigt, ablehnend, aggressiv und distanziert sind und unsere Partnerin musste lernen sich davon abzugrenzen und/oder mit entsprechenden Personen Vereinbarungen zu treffen, wie man dennoch miteinander respektvoll umgehen kann.

Für uns heißt es, ein gemeinsames Beziehungsmodell zu finden, dass sowohl für uns, als auch für unsere Partnerin passend ist. Es bedeutet loslassen von starren Beziehungsvorstellungen, loslassen von der Vorstellung eine Beziehung führen zu können, als wären wir eine Person und zu verstehen, dass unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse bestehen und das es nicht immer möglich ist einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber auch dann ist es möglich einen gemeinsamen Umgang zu finden aber das erfordert die Bereitschaft von allen Beteiligten einen guten Umgang miteinander führen zu wollen und es heißt nicht automatisch, dass das immer gelingt.
Was wir verstanden haben ist, dass wir wahrscheinlich niemals eine, von der Gesellschaft als normal deklarierte, Beziehung führen werden. Es bedeutet aber nicht, dass Beziehung nicht möglich ist. Es bedeutet vielleicht etwas mehr Gespräche, etwas mehr Verständnis füreinander aufbringen, gemeinsame Lösungssuche und Akzeptanz.

Wie geht man im Streit miteinander um.
Würd ich ein Lehrbuch schreiben, würde ich vermutlich schreiben, man solle darauf achten den Streit mit der Persönlichkeit zu klären, mit der das Problem besteht und möglichst ruhig und sachlich bleiben.
In der Realität ist das sicherlich nicht so einfach umsetzbar. Zum einen ist für den Partner nicht immer unbedingt klar, mit wem er es gerade zu tun hat (kann ja innerhalb weniger Sekunden wechseln, hintergründig wechseln usw) und zum anderen kann die Person auch während des Streits verschwinden und eine andere an ihre Stelle treten (vielleicht auch unbemerkt vom Partner). Schwierig wird es, wenn die Unterpersönlichkeit die den Körper übernommen hat, nicht weiß warum oder worüber gestritten wird, wenn sie nicht einsortieren kann warum der Partner gerade so abweisend, wütend, verzweifelt (was auch immer) ist. Vielleicht hat die nun aktive Unterpersönlichkeit gar keinen Bezug zu dem Thema, nur ein Teilwissen, streitet ab (weil sie keinerlei Erinnerung hat).

Also grundsätzlich kein einfaches Thema, denn Streit bedeutet für viele Systeme große Gefahr und je nach dem wie die Streitkultur ist, kann es auch schnell zu triggernden oder retraumatisierenden Erfahrungen kommen, ohne das es von der beteiligten Person gewollt ist.
Es ist sicher als Partner nicht leicht, wenn die Person mit der man gerade diskutiert oder streitet, einfach verschwindet und die Person die dann zum Vorschein kommt, in einer ganz anderen Verfassung ist und einen anderen oder auch keinen Bezug hat. Es ist nicht einfach dann erstmal eine Streitpause einzulegen und darum zu bitten mit der Person sprechen zu können, mit der das Problem besteht. Wenn es gelingt das zu trennen, heißt es noch nicht, dass auch die Möglichkeit besteht, betreffende Person erneut zu sprechen. Vielleicht funktioniert es gleich, vielleicht auch erst Stunden, Tage oder Wochen später. Vielleicht ist es aber auch gar nicht möglich den Streit mit der Person zu klären mit der man ihn hat. Dann wäre es sicher hilfreich mit Personen aus dem System zu sprechen, die einen Bezug dazu haben, soviel Hintergrundwissen haben, dass es möglich ist eine Klärung zu erreichen… manche Themen liegen vielleicht auch lange auf Eis und warten dort auf Klärung oder auch nicht…
In der Realität ist die Trennung gar nicht einfach umzusetzen, denn gerade in Streitsituationen ist man häufig emotional, gerät evtl. in Rage und möchte seinen Frust loswerden. Häufig entsteht auch ein Gefühl von: das muss geklärt werden und kann nicht ruhen. Manchmal entsteht eine zusätzliche Wut des Partners, weil die Person mit der man gerade streitet einfach verschwindet und man mit seiner Problematik allein zurückgelassen wird, ohne die Möglichkeit der Kärung.

Unsere Empfehlung (und man bedenke dabei das wir keinerlei gesunde Erfahrung in der Streitkultur haben und selbst hart daran arbeiten müssen, Streit gut und überhaupt klären zu können) ist, möglichst ruhig und sachlich zu bleiben, bei sich zu bleiben und nicht in die Anklage zu gehen. Während dem Streit darauf zu achten, ob ein Wechsel stattfindet und zu überprüfen ob es möglich ist den Streit/das Gespräch weiter zu führen oder ob es mehr Sinn macht, etwas zu vertagen und erneut anzugehen.

Für uns ist es ganz wichtig zu lernen und zu verstehen, dass ein Streit nicht dazu führen muss, dass wir verlassen werden, dass wir bestraft oder erniedrigt werden und dennoch sind es diese Ängste, die in Streitmomenten dominieren und unser Verhalten (und somit auch Wechsel) beeinflussen. Es bedarf immer wieder einer Überprüfung der Situation und dem Bezug zur Realität, denn häufig finden Übertragungen von alten Erfahrungen auf die neue Situation statt und häufig auch, ohne das es einem bewusst ist.

Ansonsten gilt für eine Beziehung mit einer Multiplen das selbe wie für jede andere Beziehung.
Ein rücksichtsvoller und respektvoller Umgang und reden… rede… reden…

Kontakt – Abbruch – Programme

Ein Abbruch steht kurz bevor oder anders formuliert, wir schaffen es nicht. Wir schaffen es nicht Kontakte zu halten. Vor allem Kontakte zu Helferpersonen.

Sobald jemand zu hilfreich wird, zuviel da ist, zuviel erfährt, zuviel tatsächlich unterstützt, landet sein Name automatisch auf der roten Liste, der zu entfernenden Personen.

Es ist schwer darüber zu schreiben, gefährlich mitzuteilen zumal uns eh bereits alles um die Ohren fliegt. Aber es ist ein Auflehnen, ein Versuch all dem entgegen zu wirken. Wir wollen SIE nicht gewinnen lassen, uns nicht von ihnen kontrollieren und steuern lassen.

Erpressungen und Drohungen haben gewirkt, es hat einige „Rückschritte“ gegeben in den vergangenen Wochen. Daraus ergeben sich weitere Probleme.

Gerade die Beziehungen zu Helfern, Vertrauten, Freunden, Therapeutin sind so wichtig für uns. Sie sind das was uns einen Anker in der „normalen“ Welt bietet, das woran wir uns festhalten können, wenn unsere Welt nur noch dunkel und ohne leben ist, wenn bei uns nur noch Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit walten.

Genau deshalb sind sie unseren Tätern/der RiGaG ein Dorn im Auge. Ohne diese Beziehungen, ohne den Halt in der „normalen“ Welt, ohne den Glauben daran das es ein anderes Leben gibt, ohne die Hoffnung auf Änderung/Besserung, ohne all das funktionieren wir doch so viel besser!

Wir verschleißen einen Helfer nach dem nächsten, einen Freund nach dem anderen, weil wir nicht in der Lage sind, diese Beziehungen aufrecht zu erhalten.

Eine Freundin hat uns vor zwei Jahren an wichtigen RiGaG-Feiertagen geschützt, war bei uns, war da und hat geholfen selbst da zu bleiben. Danach bzw. seit dem können wir kaum noch mit ihr sprechen. Manchmal gehen zwischendurch Kleinigkeiten, manchmal nicht einmal oberflächliches Geplenkel weil keine Kommunikation erlaubt ist.

Ende vergangenen Jahres hat wieder eine Freundin viel Zeit bei und mit uns verbracht, hat geholfen eine sehr schwere Entscheidung durchzustehen, geholfen den Glauben nicht zu verlieren. Seit dem kann auch zu ihr kein Kontakt mehr gehalten werden, nicht mehr gesprochen werden, sich nicht mehr ausgetauscht werden.

Und nun trifft es die nächsten zwei so wichtigen Kontakte. Versuchen wir dennoch Kontakt aufzunehmen, strecken uns heftigste Schmerzen über Stunden nieder, geraten wir in einen innerlichen Strudel, in eine Abwärtsspirale und der Sog ins dunkle Nichts reißt uns mit. Die Todesangst und Panik steigt ins Unermessliche und vor lauter abstürzen ist dann gar kein Kontakt mehr möglich, womit das Ziel dann ebenfalls erreicht wäre.

Wir kämpfen dagegen an, versuchen die Schmerzen, den Schlafentzug, den Essensentzug, den Suiziddrang, den Selbstverletzungsdruck auszuhalten, versuchen dennoch irgendwie weiter an diesen Kontakten festzuhalten, wollen sie nicht verlieren, nicht aufgeben, nicht allein sein, nicht haltlos durch die Gegend wanken. Wir kämpfen Stundenlang um eine SMS oder Mail zu schreiben und ertragen davor und danach die Strafe, den Schmerz, die Panik, das Chaos. Und wir haben Angst, wirklich Angst auch diese Kontakte wieder zu zerstören, auch diesen Halt wieder zu verlieren, auch diese Menschen wieder aus unserem Leben zu verbannen.

Und eigentlich, eigentlich sind wir nur noch traurig und erschlagen. Dieses ständige Kämpfen, dieses ständige aushalten müssen, dieses ständige eigentlich nicht mehr können. Wir sind müde und wissen das wir uns das überhaupt nicht erlauben dürfen. Das wir nicht aufgeben dürfen, dass die RiGaG diesen enormen Druck nur ausübt, weil wir nicht mehr einwandfrei funktionieren, weil sie sich Sorgen machen.

Wir wissen das wir an diesem Punkt nicht erneut einbrechen dürfen!!!

Wir fühlen uns nur noch klein, hilflos, ausgeliefert und müssen aber groß und stark sein, kämpfen und aushalten!

Etwas anderes erleben und abschalten

Das sollte also der so lang ersehnte, schöne, freie Abend mit unserer Partnerin werden.

Nach Jahren, ja wirklich, wahrscheinlich so irgendwas zwischen drei und vier Jahren, haben wir endlich, endlich, ENDLICH mal wieder Zeit gehabt miteinander auszugehen.

Alles war wunderbar organisiert, unsere Partnerin hat sich frei genommen, sonst arbeitet sie sieben Tage in der Woche. Also heute endlich mal frei und jemanden zu dem wir unseren Sohn bringen konnten. Die besten Voraussetzungen für einen schönen Paarabend, Erwachsenenabend, Ausgehabend. Es ist schon etwas anderes, wenn sonst immer das Kind dabei ist, da ist man als Paar nicht da oder zumindest anders da. Da ist man Familie, nicht Paar. Die Beziehung verschiebt sich dann. Es sollte also mal wieder anders sein, nur Zeit für uns zwei.

Geplant hatten wir zuerst Kino und danach mal schauen, vielleicht etwas Essen gehen oder einen Cocktail trinken. Halt irgendwas schönes was man sonst nicht macht.

Wir haben uns wirklich riesig gefreut. Ablenkung, einen Abend aussteigen, einen Abend nicht nachdenken müssen, nicht vor irgendwas fliehen müssen, sich nicht verstecken oder verkriechen müssen, keine Pläne schmieden müssen, wie man es schafft Zuhause zu bleiben. Nichts davon, einfach einen ruhigen schönen Abend zu zweit!

Der Tag began anders als geplant. Wir hatten große Schwierigkeiten am Morgen überhaupt  aufzustehen, überhaupt irgendwas zu realisieren, weggedriftet, abgedriftet, im Nebel versunken. Sämtliche Verbindungen in die Realität verloren.

Der innere Kampf began. Aufstehen, irgendwie durch den Nebel nach vorne kommen, Platz im Körper einnehmen, durch diese undurchlässige Masse drängen, quetschen, ziehen, festklammern an irgendetwas was aus der Realität zuwinkt, irgendetwas an dem man sich halten kann, was einen ziehen kann, locken kann, helfen kann. Nicht! Nichts greifbares, der Körper nicht zu erreichen, nicht zu bewegen, weg.

Aufstehen, wir müssen aufstehen, den Tag beginnen, Kind versorgen, einkaufen, Wohnung aufräumen, all solche Dinge.

Zeit ist weit entfernt, nicht greifbar aus dieser weit entfernten Nebelwelt, schwammig, genau wie alles andere. Sie verrinnt wie Sand zwischen den Fingern, verschwindet kaum spürbar im Nichts, gleitet dahin mit einem leisen, unverständlichen ticken.

Nachdem das dann irgendwann überwunden war, keiner weiß wie lang der Kampf gedauert hat, der Blick aufs Handy der nichts gutes erkennen ließ. Anrufe verpasst, ungelesene Emails, ungeöffnete SMS. WUMMMM!!! Wieder im Nebel versunken, wieder durch den klebrigen Morast kämpfen, die Realität zurückerobern. Ein kurzer Blick aus dem Fenster ließ erkennen, wir werden bereits erwartet. Gestern hätten wir dort sein sollen aber wir waren hier. In unseren vier Wänden, in unserem sicheren Schloss, auf unserem Rettungsankern, in unserem Verlies.

Nach kurzem abchecken, was am Tag nun so ansteht, was erledigt werden muss, ob irgendwelche Termine oder Verabredungen anstehen und vor allem, welcher Tag überhaupt ist, entschied man sich dafür so zu tun als hätte man nichts bemerkt. Keine Email gesehen, keine SMS auf dem Handy gehabt, kein Auto vor der Türe, keine Anrufe. Wir rufen jemanden an, wollen da bleiben, Realität halten, in der Wohnung bleiben, nicht reagieren. Jemand nimmt ab, Verwirrung, eine Männerstimme. Damit hat man nicht gerechnet aber irgendwie dringt auch noch die Information durch, dass das der Mann von der Person ist, die man anrufen wollte. Ein kurzes stottern in den Hörer und dann wurden wir auch schon weitergereicht. Verstanden wurden wir nicht aber immerhin wurde verstanden, wen wir sprechen wollten. Und dann die Stimme der Person gehört. Das hat alles gut gemacht, befreit, erleichtert, nicht mehr allein, reden können. Das stottern war weg, die Angst soweit im Griff das wir ganz normal reden konnten. Einfach reden über irgendwas, Ablenkung, Leben.

Und dann, trotz soviel Angst davor die Frage, ob wir zu ihr fahren dürfen, ob sie ein kleines bisschen Zeit hat. Wir durften…

Und dann ging es. Man konnte wieder agieren, konnte wieder ein bisschen denken (nicht allzu viel, aber besser als nichts 😉 )

Ab unter die Dusche, kurzes umorganisieren des Tages, Kind geschnappt, einkaufen und hinfahren dürfen. Wieder war es einfach schön. Wir können es noch nicht ganz verstehen. Es ist seltsam schön, ungewohntes Leben, fremdes, interessantes Leben. Wir nehmen es wahr, diesen Umgang untereinander in einer normalen Familie, in einer Familie in der man sich liebt und liebevoll miteinander umgeht. Seltsames Gefüge, verwirrende Zustände und gut. Es tut uns gut zu sehen, wie Familie auch sein kann. Es tut uns gut zu sehen, dass es Familien gibt die wirklich Familien sind. Wir wissen damit nicht so recht umzugehen, es verunsichert uns und verwirrt uns. Wir schwirren irgendwo dazwischen rum, voller Neugier und saugen alles auf. Wie ein ausgetrockneter Schwamm der ein paar Tropfen Wasser bekommt.

Wirklich seltsam und wir dürfen es erleben, leben, teilhaben, dabei sein. Verwirrend!

Auch da ging dann die Zeit etwas verloren und wir sind nicht pünktlich wieder weg gekommen. Also musste der Plan ein kleines bisschen umgeschmissen werden und wir mussten unseren Sohn direkt von dort dann wegbringen zu seiner Abendbetreuung.

Schwierig wurde es dann, weil man nicht mehr wusste, wie man dorthin kommt, wo man hin musste. Die Adresse nicht mehr bekannt war und man eigentlich gar keinen Plan hatte wie man von A nach B kommt.

Mit einem Anruf und dem Handy sei Dank, Navigationssystem, hat man es dann doch noch gefunden… auch schon wieder peinlich, echt!

Dann schnell nach Hause, sollte ja ins Kino gehen und so langsam sollte die Partnerin auch von der Arbeit zurück sein. Noch schnell ein bisschen was im Haushalt getan, Einkauf ausgeräumt und gewartet. Nachdem dann der Film bereits begonnen hatte, kam der Anruf. Die Partnerin steckte auf der Autobahnraststätte und hatte den Deckel fürs Öl vom Auto verloren und ihn auch nicht wiederfinden können. Also ging es auf zur Raststätte, Deckel suchen, Partnerin beruhigen, weiter suchen, Motorraum durchwühlen. Ach ja, vielleicht sollte man noch erwähnen das es saumäßig kalt war und wir nur in einem Top dort standen. Schließlich waren wir eigentlich dafür gekleidet auszugehen und hatten eine weisse Bluse an, die wir uns ungern mit Öl oder sonstigem Motorendreck versauen wollten. Nachdem auch wir den Öldeckel, der wahrscheinlich immer noch im Motorraum liegt, nicht finden konnten (schon blöd das die Arme zu kurz sind und da auch nur ein Gelenk zum knicken ist), suchten wir also eine andere Verschlussmöglichkeit. Ein bisschen Improvisation und die erstmal perfekte Lösung war gefunden. Danach ging es dann erstmal wieder nach Hause. Kino hatte sich inzwischen erledigt. Nun stellte sich also nur noch die Frage, ob man es nun einfach lässt, den Sohn abholt und Daheim bleibt oder ob man den Plan umschmeißt, schaut ob der Sohn noch etwas länger untergebracht werden kann und irgendwas anderes nettes macht. Wir entschieden uns für letztere Variante, schließlich haben wir nur seltenst die Möglichkeit einen Abend zu zweit zu verbringen und ja, das letzte Mal ist schon so lang her, dass wir es nur gaaanz dunkel erinnern.

Wir sind dann gemeinsam Essen gegangen. Man hatte sich für ein Restaurant entschieden, in das man schon seit längerem mal gehen wollte und die Freude war groß als wir feststellen, dass dort noch ein Tisch frei war.

Vielleicht noch erwähnenswert. Als wir auf dem Parkplatz ankamen, stellen wir fest, dass unsere Hose an der Sitzfläche sehr nass war. Der Partnerin ist eine Flasche Wasser ausgekippt im Stress auf der Suche nach dem Öldeckel. Hatte sie leider vergessen zu sagen. Dementsprechend sah es aus als hätten wir in die Hose gemacht. Nicht unbedingt der äußerliche Zustand in dem man sich gern in der Öffentlichkeit zeigt und auch nicht unbedingt der in dem man gern in ein Restaurant geht. Egal! Wir haben uns vorgenommen einen schönen Abend zu haben, also haben wir das auch!  Nach kurzem überlegen  haben wir dann den Mantel der Partnerin angezogen, etwa zwei Nummern zu groß und auch nicht unbedingt Restauranttauglich aber auch das war uns inzwischen egal. Also rein ins Restaurant und irgendwie war es ganz anders als wir es erwartet hatten. Ungemütlich, zu laute Musik, zu lautes Publikum und überhaupt, wohlgefühlt haben wir uns nicht.

Kurzer Blickaustausch mit der Partnerin ließ erkennen, dass ihr das selbe durch den Kopf ging und ein kurzes Lächeln bestätigte es. Nein, wir lassen uns den Abend nicht kaputt machen, wollen doch einfach nur mal wieder einen schönen Abend zusammen haben. Mehr will doch niemand.

Das Essen war nicht gut und dafür wiederum zu teuer, unterhalten konnte man sich nicht, es sei denn man schrie sich an. Alles in Allem ein nicht gelungener Abend. Danach haben wir es dann auch einfach gelassen. Unsere Partnerin ist nach Hause und müde ins Bett gefallen und wir haben unseren Zwerg abgeholt und dann auch ins Bett befördert. Fand er zwar doof, wollt doch gern noch länger wach bleiben (man betone, er war bereits zwei Stunden länger wach, als er eigentlich am Wochenende darf) und versuchte noch den ein oder anderen Trick uns doch noch überreden zu können. Aber nee, falscher Zeitpunkt.

Und zwischendurch setzten uns üble Unterleibschmerzen immer mal wieder ausser Gefecht. Aber auch davon haben wir uns nicht unterkriegen lassen. Wir wollten wirklich einen schönen Abend haben auch wenn es uns irgendwie nicht gegönnt war.

Und dennoch, der Abend war schön. Wir haben Zeit mit unserer Partnerin verbracht, haben gemeinsam über all die dämlichen Sachen lachen können und haben uns die Laune nicht wirklich verderben lassen auch wenn es anders sicherlich schöner gewesen wäre. Egal! Es war gut! Es war gut mal wieder raus zu kommen, nicht nur mit unserem ständigen Kampf beschäftigt zu sein, andere Gedanken haben zu dürfen.

Verzweiflung – Wut – Enttäuschung – Hilflosigkeit _ ANGST_

Wir werden von Gefühlen überflutet. Verzweiflung, Wut, Enttäuschung.

In unserem letzten Artikel schrieben wir vom selben Thema, heut etwas genauer.

Die Therapeutin unseres Sohnes hat sich entschieden, dass sie möchte das wir eine Familienhilfe beantragen und das Jugendamt einschalten. Grundsätzlich müssen wir dazu sagen, dass wir weder etwas gegen diese Hilfe, noch gegen das Jugendamt haben. Wenn diese Unterstützung von Nöten wäre, würden wir sie liebend gern annehmen.
Aber, sie ist es nicht. Ganz im Gegenteil, es wäre keine Hilfe, sondern eine zusätzliche, nicht notwendige Belastung für alle Beteiligten!

In die Therapie ist er gekommen, weil er zuvor für längere Zeit nicht bei uns sein konnte, sondern bei unserer Mutter war und weil er mit der Trennung von seinem Vater nicht zurecht kommt, der sich leider herzlich wenig um seinen Sohn schert. (Was so nicht mehr ganz stimmt, denn inzwischen telefonieren sie zumindest regelmäßig. Gesehen hat er ihn seit vier Jahren nicht mehr, also die Hälfte seines Lebens)

Da sind einfach Dinge, die er verarbeiten muss und mit denen er einen Umgang lernen muss. Das hat er noch nicht. Dabei sollte ihn die Therapeutin eigentlich unterstützen. Erreicht hat sie in den eineinhalb Jahren mit ihm nicht wirklich etwas. Das was erreicht wurde, ist nicht der Therapie zu verdanken, sondern ist aus unserer Arbeit mit ihm entstanden.

In diesen eineinhalb Jahren sind auch wir durch die ein oder andere Krise gewandert und glücklicherweise hat die Therapeutin unseres Sohnes uns aufgefangen als wir keinen anderen Ansprechpartner hatten. Zum Beispiel als unsere letzte Therapeutin von heut auf morgen die Therapie abgebrochen hat. Somit weiß sie auch einiges über uns aber nicht nur deshalb. Hauptsächlich weil wir es immer für wichtig gehalten haben, dass sie als Therapeutin unseres Sohnes weiß, was bei uns Zuhause so los ist. Also immer versucht so offen und ehrlich wie möglich mit ihr umzugehen. Das war, wie es aussieht ein großer Fehler. Anders als sie immer sagte, scheint sie mit dem Thema überfordert zu sein. Schön wäre es gewesen, hätte sie das einfach gesagt und wir hätten einen anderen Weg gesucht. Jetzt ist ihre einzige Reaktion nur noch aus einem Gefühl der Hilflosigkeit (zumindest vermuten und hoffen wir das das dahinter steht) heraus zu agieren und Verantwortung abzugeben.

Grundsätzlich, wäre diese Hilfe nötig, wäre das alles gar kein Problem. Dann wäre ihr Engagement tatsächlich lobenswert.

Ihr Begründung uns gegenüber ist, dass sie das nicht alles auffangen kann und möchte das unser Sohn einen weiteren Ansprechpartner hat. Nun gut, ist ja eine nette Idee. Die Situation ist aber so, dass wir ja zum einen eine Partnerin haben, die seit sechs Jahren mit uns und unserem Sohn zusammen lebt. Somit Ansprechpartnerin nach uns ist und auch Freunde da sind die für ihn jederzeit ansprechbar sind, was er auch weiß und nutzt. Vor eineinhalb Jahren, als er die Therapie dort begonnen hat, war das noch nicht der Fall. Da war kein anderer Ansprechpartner, keine Helfer oder wie auch immer, außer unserer Partnerin. In der Situation hätten wir ihre Begründung sogar noch verstanden, in der jetzigen Situation passt sie einfach nicht mehr.
Unser Sohn ist recht weit für sein Alter und kann auch schon recht klar formulieren was er möchte und was er braucht. Er hat ganz klar gesagt, dass er niemanden braucht weil er genug Leute hat mit denen er reden kann.
Er hat seiner Therapeutin auch gesagt, dass er nie wieder ein Wort mit ihr spricht, wenn sie das Jugendamt anruft. Nicht weil wir es ihm so gesagt haben, sondern weil er es selber für nicht nötig hält.

Wir haben ein sehr enges und gutes Verhältnis zu unserem Sohn und vor allen ein sehr offenes. Er ist nicht auf den Mund gefallen und äußert klar, wenn etwas für ihn nicht in Ordnung ist und wird von uns auch dazu angehalten genau das zu tun. Wir bestärken ihn immer wieder darin und sind sehr froh darüber das er es auch tut.

Wir reagieren relativ allergisch auf das Jugendamt. Nicht weil es das Jugendamt ist, sondern weil unsere Mutter, seit unser Sohn auf der Welt ist, versucht, ihn zu sich zu holen. Zwei Mal hat sie es geschafft, einmal waren es „nur“ zwei Monate, beim zweiten Mal eineinhalb Jahre. Nochmal stehen weder wir, noch unser Sohn das durch. Und leider gibt es Verbindungen von unserer Mutter (somit auch der RiGaG) zum Jugendamt, was uns grundsätzlich schon mal in eine schlechte Lage bringt.

Vielleicht sollte man erwähnen, dass sämtliche Personen, die uns und unserem Sohn im Alltag erleben und kennen (Partnerin, Freunde, bis vor kurzem betreutes Wohnen, Helfer) die Idee der Therapeutin ebenfalls für völlig unangebracht halten. Sie sehen genauso wenig einen Bedarf wie wir und schütteln nur den Kopf. Und vielleicht sollte man auch erwähnen, dass die Therapeutin unseres Sohnes sich bisher weigert diese Leute anzuhören um einen Eindruck gewinnen zu können, wie es nun tatsächlich bei uns Zuhause ist.
Während dem einen Gespräch mit der Therapeutin saß eine Vertraute von uns im Wartezimmer. Wir haben mehrfach angeboten das sie sich ihre Meinung dazu anhören soll, da sie jemand ist der auch beruflich damit zu tun hat einzuordnen ob in einer Familie Hilfe benötigt wird oder nicht. Sie hat sich geweigert und tut das auch immer noch.

Gestern hat sie uns dann gesagt, dass wir uns nun entscheiden können ob wir uns selbst beim Jugendamt melden (momit denn bitte?) oder ob sie das machen soll, was sie wird, wenn wir es nicht tun. Nun gut, wir könnten es jetzt natürlich schnell machen um einen guten Eindruck zu hinterlassen. So von wegen, ja die kümmert sich, sieht ihre Defizite und holt sich Hilfe. Aber das wäre einfach bescheuert, weil es keinen Grund gibt. Ganz im Gegenteil, es gibt etliche Gründe die dagegen sprechen. Also könnten wir alternativ auch beim Jugendamt anrufen und sagen, sie mögen doch bitte mal vorbei kommen und gucken ob sie nicht vielleicht ein Problem finden, welches es nötig macht das wir eine Familienhilfe bekommen. Vielleicht finden sie ja doch noch was… Nee also rufen wir nicht an, weil weder wir noch alle anderen die uns kennen, einen Bedarf sehen.

Heute hatten wir Therapie und unsere Therapeutin wird nun morgen erneut mit ihr sprechen und sie versuchen umzustimmen. Immerhin hat sie sie beim letzten Telefonat dazu bewegen können uns eine Woche Zeit zu geben bevor sie weitere Schritte einleitet. Außerdem hat die Therapeutin unseres Sohnes uns gestern im Gehen noch gesagt das sie nochmal mit uns telefonieren möchte, wenn wir mit unserer Therapeutin gesprochen haben. Sicherlich in der Hoffnung, dass unsere Therapeutin uns umgestimmt bekommt und wir uns „freiwillig“ beim Jugendamt melden.
Wir werden also auch in diesem Telefonat nochmal freundlichst versuchen zu erklären, warum wir das was sie vorhat für überflüssig und schwachsinnig halten und sie nochmal darum bitten mit den Leuten zu sprechen die uns fast täglich erleben.

Bisher weigert sie sich vehement und wahrscheinlich wird sie das auch weiterhin. Ihre Gesprächsbereitschaft ist auch relativ oberflächlich. Man darf zwar was sagen, zur Diskussion steht aber nichts. Also kann mans im Grunde auch direkt lassen oder sich mit der Wand unterhalten. Der Effekt wäre wohl der selbe.

Wir sind verzweifelt darüber das sowohl unserer Mutter als auch der RiGaG wieder der Ball zugespielt wird und uns die Hände gebunden sind, wir dem hilflos ausgeliefert sind und das einfach absolut unbegründet.

Wir kriegen die Krise, wenn wir sehen wie (ja wir wohnen in einer ziemlichen Brennpunktgegend) die Eltern hier mit ihren Kindern umgehen und das Jugendamt schaut zu und greift nicht ein, weil hier in der Gegend ist es halt so und die Kinder kennen es ja nicht anders. Das müssen wir tagtäglich sehen und stehen auch da hilflos daneben.

Wir reißen uns täglich den Ar… auf um für unseren Sohn alles richtig zu machen. Was sicher nicht heißt, dass nicht auch wir Fehler machen aber wir haben einen geregelten Alltag mit unserem Sohn, eine (meistens) glückliche Familie. Nicht nur einmal haben wir von unserer Partnerin oder auch Freunden gehört, dass wir teilweise zu viel machen.

Nee wir sind uns nicht sicher eine gute Mutter zu sein. Das werden wir sicherlich auch nie, denn dazu müssten sich unsere Erwartungen erstmal der Realität anpassen und nicht immer meilenweit darüber liegen. Dazu müssten wir „normaler“ werden und unsere Angst davor unserem Sohn zu schaden entschärfen. Aber gleichzeitig ist es genau diese Angst, die uns jeden Tag wieder antreibt unsere beste Leistung für ihn zu geben, zu funktionieren wenn er da ist, Mutter zu sein, für ihn da zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen, ihn zu versorgen, mit ihm zu kuscheln usw.
Und weil wir diese Angst haben und immer damit rechnen evtl. doch unserem Kind zu schaden, sichern wir uns ständig bei anderen ab. Bitten sie ebenfalls ein Auge darauf zu haben, uns sofort bescheid zu geben, sollten sie etwas mitbekommen was nicht in Ordnung ist. Bitten sie immer wieder um ehrliche Rückmeldung die wir auch bekommen. Und in den Punkten vertrauen wir den Leuten, es sind alles Leute denen das Wohl unseres Sohnes am Herzen liegt und die sich, sollte es nötig sein, auch gegen uns stellen würden.

Unsere Partnerin wäre die erste die eingreifen würde, sollte ihr etwas auffallen was nicht okay ist und sie ist ebenfalls so, dass sie uns sofort sagt, wenn irgendwas ist und das schon sehr frühzeitig. Sie ist auch niemand der die Augen verschließen würde und dafür sind wir sehr dankbar. Denn das vermittelt uns Sicherheit. Zu wissen, das andere Leute da sind, die schauen und aufpassen und die wir sogar darum bitten, alles was ihnen negativ auffällt zu sagen, damit wir es entweder verändern können oder, wenn es sein müsste auch unseren Sohn vor uns schützen würden.
Denn das ist etwas was wir uns geschworen haben und was nie zur Diskussion stand. Sollten wir unserem Kind schaden, sind wir die ersten die gehen und ihn in Sicherheit bringen.

Wir sind wütend und hilflos über dieses -zurück in die Hände der RiGaG/Mutter- schleudern. Wir sind enttäuscht davon, dass sie uns so hintergeht (ja so empfinden wir es), wir sind sprachlos darüber, dass sie uns nicht einmal die Chance einräumt zu zeigen wie es wirklich ist, dass sie die Leute die es beurteilen können nicht hören will, dass es sie weder interessiert was wir sagen, noch was unser Sohn sagt.

Wir sind wütend darüber, dass sie ihre Unfähigkeit mit ihm an seinen wirklichen Themen zu arbeiten, auf uns abwälzt und uns Probleme zuschiebt die nicht da sind!

Wir sind verzweifelt und hilflos, weil wir wissen wie das Spiel weitergeht und weil wir das nicht mehr aushalten…

Wir sind… einfach alles… und vor allem im Vertrauen wieder so enttäuscht, dass hier alle Schotten dicht gemacht werden. Das wiederum wirkt sich auch auf unsere Beziehung zu unserer Therapeutin aus, denn ja, sie ist Therapeutin und wird gerade mit all den anderen Therapeuten in einen Topf geschmissen, die uns übel enttäuscht haben und davon gibt es leider so einige. Man erwartet von ihr genauso wie von allen anderen, dass irgendwann der Punkt kommt an dem sie uns auch von hinten das Messer in den Rücken rammt. Und es ist unfair ihr gegenüber, denn sie hat nichts getan um dieses Gefühl zu wecken.

Wir sind so enttäuscht und verletzt, dass wir uns in den Zustand von „nur noch auf sich selbst vertrauen“ zurückziehen, niemanden mehr um uns haben wollen, niemandem mehr vertrauen wollen, auf niemanden mehr verlassen, auf niemanden mehr hoffen, einfach wieder nur für uns und unseren Sohn die Verantwortung tragen und alles andere zerstören und wegtreiben.

Wir sind so voller Angst, dass wir uns am Liebsten sofort umbringen würden, damit wir nicht mit ansehen müssen, dass unser Sohn erneut zu unserer Mutter kommt. Wir sind so voller Angst, das wir uns freiwillig ausliefern, nur damit man uns unseren Sohn nicht nimmt und ihn weiterhin Kind sein und in Frieden aufwachsen lässt.

Wir sind…

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