Ich wär so gern etwas unkomplizierter

Ungefähr fünf mal haben wir nun versucht etwas zu schreiben. Kurz vor Fertigstellung wurde es wieder gelöscht, zuviel gesagt, nichts gesagt, zu schwieriges Thema, zu blöd und uninteressant, zu wenig das sagend, was man sagen wollte. Vor allem aber zuviel Themen und Gedanken.

Alles in uns schreit nach Ruhe haben wollen, durchatmen dürfen, nur einen Moment…

Sämtliche Beziehungen sind kompliziert gerade, nichts was einfach normal gut funktioniert, überall Baustellen und selbstgemachte Probleme. Zu viel interpretieren oder zu wenig, zu viel vertrauen, misstrauen, zu viel Bindung oder zu wenig, Zweifel, Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, mauern. Von allem zuviel und gleichzeitig zu wenig.

Wir sind uns selbst zu kompliziert, zu widersprüchlich, zu dämlich, zu wenig erwachsen, zu wenig kompetent, zu anstrengend, zu belastend, zu alles.

Nebenbei lebt uns unser Leben, mit all seinen Macken und lässt uns keine Zeit, diese auch nur im Ansatz zu begreifen, zu halten, zu verstehen und erst recht bleibt kein Raum für Verarbeitung.
Alles wird fleißig weggedisst. Das Leben lebt sich dennoch, mit und ohne unsere Beteiligung. Das wegdissen scheint der Weg zu überleben und zugleich fühlt es sich wie sterben an…

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Ein Wochenende zum entspannen oder so ähnlich…

Dieses nicht richtig da sein, ständig versinken, keine Kontrolle haben, verschwommen oder gar nicht wahrnehmen, kaum sprechen können der letzten Tage usw. hat etwas nachgelassen. So richtig „da“ sind wir noch immer nicht aber auch nicht mehr dauernd gefangen im Delirium.

Dafür haben wir uns eine Gehirnerschütterung zugezogen. Nicht besser, halt anders. Jede Kopfbewegung oder überhaupt Bewegung ist eine zuviel, da uns zusätzlich auch noch alles andere weh tut.

Eigentlich hätte unser Sohn dieses Wochenende bei seinem Vater verbringen sollen. Das zweite Mal wäre es gewesen, dass er dort hätte übernachten dürfen und diesmal zwei Nächte.

Und, als hätten wir es gewusst haben wir schon am Tag vor seiner Absage zu unserer Partnerin gesagt, dass es nichts wird.

Die Enttäuschung beim Zwerg war wieder groß und unsere auch. Nicht weil wir nicht damit gerechnet hätten aber weil wir gehofft haben. Es ist für unseren Sohn einfach so wichtig, was wir wirklich gut verstehen und löst soviel Angst aus, wenn es nicht klappt. Gerne würden wir ihm diese Erfahrungen ersparen aber das liegt leider nicht in unseren Händen und unseren Möglichkeiten.
Wir hätten diese zwei freien Tage auch gut gebrauchen können. Einfach mal durchatmen können und sich keine Sorgen und Gedanken machen müssen, wie man es schafft, dem Kind gerecht zu werden. Zwei Tage unseren Zustand egal sein lassen und nicht im Bedrängnis kommen, weil wir uns im schwarz verlieren.

Jetzt mit der Gehirnerschütterung, die war ja nicht eingeplant, hätte es auch hilfreich sein können, wenn man einfach wirklich liegen bleiben könnte und nicht immer wieder aufstehen müsste, um kindertechnisch was zu erledigen.

Weils ja auch so super gut ist, wenn man möglichst wenig schläft, dass Wetter und Alkohol scheinen ihr übriges zu tun, wurden wir heut Nacht erneut unsanft aus dem Schlaf gerissen.
Um kurz vor vier haben wir endlich den Dreh bekommen und konnten einschlafen. Kurz nach vier hatte es sich bereits wieder erledigt. Hilfeschreie, männliches sich gegenseitig anpöbeln, weibliches hysterisches Kreischen, rumgerenne.

Anhand der Wortfetzen die man mitbekam, konnte erkannt werden, dass es unsere polnischen Nachbarn waren und es um familiäre Streitigkeiten ging, angeheiratete Familie, wo der eine mit dem andern und das obwohl er doch eigentlich mit jemand anders verheiratet ist und, ach egal.
Also Handy geschnappt, möglichst vorsichtig und schnell in die Senkrechte begeben und vom Balkon geschaut, ob Polizei benötigt wird oder es sich auf verbale Streitigkeiten beschränkt. Leider tat es das nicht, woraufhin wir die Polizei benachrichtigten und direkt im Anschluss auf den Balkon gingen, um dem sich prügelndem Getümmel mitzuteilen, dass sie nun aufhören könnten, da die Polizei bereits informiert ist und wir doch bitte einfach schlafen möchten. Naja, es hat sie zumindest kurzfristig abgelenkt und irritiert und als sie sich von dem Schreck, dass wir uns eingemischt haben, erholt hatten und wieder aufeinander losgehen wollten, bog gerade die Polizei um die Ecke und fing direkt an das Knäul zu entwirren.
Nach und nach rückte Verstärkung an, bis sie es nach einer dreiviertel Stunde, mit vier Streifenwagen, geschafft haben, die Situation zu beruhigen und einige der Beteiligten mit den Wagen auf die Wache zu begleiten.

Danach war dann an schlafen erstmal nicht mehr zu denken.

Auch wenn wir den Winter nicht mögen, so hat er doch seine Vorzüge. Schätzungsweise, gezählt haben wir es noch nicht, ist die Zahl der Polizeieinsätze im Sommer mindestens doppelt, wenn nicht sogar dreimal so hoch.
In dieser Woche haben wir nun drei Einsätze mitbekommen und wahrscheinlich sind noch mindestens zwei an uns unbemerkt vorbei gezogen.

Schade, dass gerade der Sommer mit all seinen schönen Seiten gleichzeitig für viele Saufgelage genutzt wird, in denen soviele ihre Grenzen nicht kennen und sich und anderen damit die Tage erschweren.

Gefangen im Delirium

Seit zwei oder drei Tagen, genau lässt sich das nicht rekonstruieren, sind wir versunken. Irgendwo zwischen den Welten hängend, im schwarzen Strudel der Endlosigkeit. Ohne etwas spürbares, greifbares schweben im luftleeren, leblosen, klebrigen schwarz des Nichts.

Wenige klare Momente bilden die Lichtblicke des Tages, doch selbst in diesen, ist der Sog zurück ins schwarze Nichts spürbar stark und begrenzt sie auf wenige Minuten.

Ein Gespräch zu führen ist mit uns nahezu unmöglich. Je nach dem, welchem Zustand anwesende Körperperson gerade ausgesetzt ist, unterscheidet es sich zwischen wahrnehmen das mit einem gesprochen wird aber nichts verstehen, gar nicht realisieren oder hören das mit einem gesprochen wird, versinken in komatösen Wachzuständen, verstehen aber keine Worte für eine Antwort aneinanderreihen können und während des Versuchs vergessen worüber gesprochen wurde oder gar nicht ansprechbar sein. Manchmal auch Antworten auf etwas was gar nicht gefragt wurde, völlig am Thema vorbei und mit etwas Glück noch merken das man nichts sinnvolles gesagt oder getan hat.

Dieser Beitrag ist über Stunden entstanden mit wenig Minuten tatsächlichem daran schreiben, weil das schwarze Nichts uns komplett einsaugt und nur wenige Momente mit klaren Gedanken überhaupt die Möglichkeit geben zu schreiben.

Wir sind kaum in der Lage zu stehen, geschweige denn ein paar Schritte zu gehen und wenn wir es dann doch mal geschafft haben, fallen wir bei der ersten sich bietenden Gelegenheit um, liegen reglos da und hängen im klebrig, schwarzen Nichts.

Nächtlicher Polizeieinsatz bei unseren Nachbarn

Es ist kurz nach drei, mitten in der Nacht. Der Fernseher läuft zur Ablenkung von der Nacht und all dem damit verbundenen Stress.

In der einen Hand das Kuscheltier, die andere spielt zur weiteren Ablenkung auf dem Handy.

Plötzlich reißen Hilfeschreie einer Frau uns aus unserem Aushalt-Durchhalt-Zustand.

Sie kreischt und brüllt, irgendwas unverständliches und immer wieder, Hilfe, Polizei!

Tausend Bilder schießen durch den Kopf, selbstgefundene Erklärungen für die Schreie. Kurz erstarrt der Körper und Angst steigt auf. Was ist wenn da jetzt…
Jemand anderer übernimmt den Körper, schließlich muss gehandelt werden, dort braucht jemand Hilfe.
Er geht raus auf den Balkon, überprüfen von wo die Schreie kommen und abchecken ob man helfen kann. Scheint richtig was los zu sein also wurde das Handy gezückt und die Polizei gerufen.

Innerliches durchdrehen, Polizei anrufen verboten, sprechen verboten, gefährlich!!!

Außen wird gehandelt, der Notruf gewählt und die Polizei informiert. Inzwischen hatten wohl bereits andere ebenfalls angerufen, denn im selben Moment fahren zwei Polizeiwagen vor.
Sie eilen ins Nachbarhaus, sie schreit weiter, dazwischen Geschrei der Polizisten, die äußerst bemüht waren, die Situation möglichst schnell in den Griff zu kriegen. Sämtliche Nachbarn standen bereits an ihren Fenstern, schüttelten die Köpfe, tuschelten sich kleine Lästereien über die Polizisten und die betroffenen Nachbarn zu.

Die Frau hörte auf zu schreien, die Polizisten und weitere Männer aus der Wohnung gerieten wohl in Rage, zwischendurch knallte es, einer, vermutlich der Teenager-Sohn der schreienden Frau, rannte aus dem Haus und auf Socken die Straße entlang. Einer der Polizisten rief noch hinterher aber der Junge lief einfach weiter, ängstlich, überfordert und völlig neben sich stehend. Schien dann aber allen anderen Beteiligten egal.
Während dessen kümmerten sich die anderen Beamten darum, sämtliche Männer aus der Wohnung in ihre Polizeiwagen zu räumen und der Frau klarzumachen das es besser ist, wenn sie auch ihren Freund erstmal mitnehmen. Schließlich hätte er sie ja angegriffen und sie soll die restliche Nacht nutzen um sich Gedanken zu machen.
Sie war damit nicht einverstanden, entschuldigte sich bei ihrem Freund, weil er nun mit musste. Den Beamten war das dann aber nicht mehr so wichtig, sie waren fertig mit der Arbeit vor Ort und wollten wohl los.

Inzwischen sackte der Körper auf dem Balkon zusammen, die Beine versagten, zitterten unkontrolliert und konnten die Last nicht mehr tragen.

Ängstlich, auf dem Boden hockend, zusammengekauert, auf die Strafe wartend, die Hände schützend über den Kopf gehalten.

Nichts passiert, niemand kommt um sie zu bestrafen, doch sie weiß die Strafe wird kommen. Mit der Polizei darf sie nicht sprechen!

Als sich ihre Verkrampfung etwas lockert, hört sie hinter sich jemanden sprechen. Beruhigende Worte und eine weiche kuschelige Hand können sie nun erreichen. Sie zögert noch einen Augenblick, schaut nochmal ängstlich in alle Richtungen, niemand ist sonst zu sehen. Endlich kann sie loslassen und sich nach Innen begleiten lassen. Sanft, in kuschelweichen Armen wird sie fortgetragen, drückt ihr Gesicht ins Fell, um sich ganz darin zu verkriechen. Als sie bei ihren Blätterbett ankommen ist, ist sie schon viel ruhiger, atmet langsamer und gähnt. Der mit dem kuscheligen Fell wird noch bei ihr bleiben, bei ihm fühlt sie sich sicher, wenn er da ist muss sie keine Angst haben.

Mutter-Oma-Familie-Kontakt

Wieder dieses Mutter-Familien-Thema.
Das Kind vermisst seine Oma, hat ihr einen Brief geschrieben den er morgen in den Kasten schmeißen will.
Süß gemacht hat er es, sich Mühe gegeben, nach seinen Freunden  gefragt.

Können wir erlauben das er den Brief schickt? Können wir ihm das verbieten?

Chaos, Panik, Durcheinander

Alles schwankt, der Boden ist nicht mehr spürbar, versinken im Nichts.

Selbst schuld! Die regelmäßige Post der Mutter an das Kind haben vor ein paar Tagen jemanden unseres Systems veranlasst ihm zu sagen, es solle doch der Oma zurückschreiben. Sie würde ihm ja schließlich so häufig schreiben und man müsste wenigstens mal ein Danke zurück senden.

Selbst schuld!
Schlechtes Gewissen! Bin keine gute Tochter! Familie zerstört, Oma genommen, Enkel genommen dabei lieben sie sich doch. Sorge um Mama!

Aber ich muss doch auf ihn aufpassen, auf uns aufpassen. Dann wäre all der Kampf der letzten Monate umsonst gewesen.
Hilflos! Ich kann doch nicht die Oma nehmen, beiden so weh tun… und überhaupt, was ist wenn alles nur eine Lüge ist? Ein Hirngespinnst in das ich mich verrannt habe?

Was wenn ich einfach verrückt bin und all das in meinem Kopf nur dort stattfindet und im Außen alles ganz anders ist? Was ist wenn doch alles stimmt was sie sagen? Was…

Das kann nicht gut gehn!

Geschützt: Schmerzliche Erkenntnis

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Der Satz bildet den Boden

Vermutlich war es dieser eine Satz, dieser eine Moment vor ein paar Tagen.

Es war in einem Kontakt mit unserer Therapeutin, ein Moment in dem gedacht und gefragt wurde: “ Warum lassen wir zu, dass andere soviel Macht über uns haben?!?“

Das passierte in einem Moment in dem wir dem Aufgeben sehr nah waren. Sämtliche Hoffnung sich auflöste und in einem tiefen schwarzen Nichts endete.
Ein Moment in dem alles sinnlos schien, in dem wir selbst und andere den Glauben an uns verloren hatten.

Zwei Möglichkeiten waren gegeben, aufgeben zu kämpfen und dieses Leben beenden oder Neugestaltung, Funktion-Funktion -Funktion, umorganisieren, aufstehen, loslaufen.

Die Verantwortung siegte und dieser Satz, der uns für einen Moment erlaubte, zu glauben das wir das nicht müssen. Der es zuließ für einen Moment zu glauben, dass wir selbst diejenigen sein dürfen, die die Kontrolle über unser Leben tragen.
Gerade: wie kannst du sowas schreiben? Hast du sie noch alle? Wir die Macht über uns?!! Du weißt, dass es das nie geben wird! Wie kannst du sowas lächerliches hier aufschreiben? Auslachen werden sie dich für diese absurden Gedanken!!

Nun gut, machen wir anders weiter.
Dieser Moment war also der an dem wir nun wieder aufgestanden sind. Wackelig und mit zittrigen Beinen, in dem wir uns an unsere Verantwortung unserem Kind gegenüber klammern und gar nicht anders dürfen, als weiter zu machen.
Aufstehen und weiter geht es!

Ein bisschen ungewollt und dennoch gewollt, sind wir derzeit zum Radfahrer geworden. Wir, die sich draußen nur im Auto sicher fühlen, haben unser Auto also verliehen und fahren Rad.
Es tut gut, heut sind wir knapp 35km gefahren. Hätte nicht geglaubt, dass es in diesem absolut untrainierten Zustand so gut klappt.

Ja und dann haben wir Supermama gespielt und uns überreden lassen die Klassenfahrt unseres Zwergs,  nach den Sommer, zu begleiten.
Laut der Lehrerin können wir ja so toll mit den Kids…
Andere Geschichte aber nach dem letzten Eintrag in das Mitteilungsheft ihrerseits, war das jetzt leicht widersprüchlich.

Der Anlass zu der Bitte, die Fahrt zu begleiten, war wohl der heutige Tag der Bundesjugendspiele. Sie scheint immer wieder überrascht davon, dass wir es schaffen, die Rasselbande davon abzuhalten, sich gegenseitig zu erschlagen, in Reihen den Dominoeffekt zu testen, der entsteht, wenn der letzte in der Reihe, denjenigen vor  sich, kräftig schubst oder zu testen, wie fest die Haare der anderen Kinder am Kopf festgewachsen sind. Das es sogar möglich ist, die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse zu erlangen, um ihnen Spiele etc. zu erklären.

Seit ein paar Tagen funktionieren wir wieder besser. Wir haben es geschafft einen Termin bei unserer Psychiaterin wahrzunehmen und hatten tatsächlich mal ein nettes Gespräch mit ihr. Nicht länger als sonst, anders. Sie war aufmerksamer, wir hatten zum ersten mal das Gefühl nicht einfach an ihr vorbei zu reden.

Oh ach ja. Wir haben auch geschafft in den letzten Wochen, einmal wöchentlich zum Zahnarzt zu gehen. Diese Woche haben wir den Termin absagen müssen. Eine Situation mit unserem Zwerg, letzte Woche beim Zahnarzt, hat sehr getriggert und war so fies, dass hier alles wieder aufgebrochen ist.
Hoffentlich legt sich das möglichst bald wieder, damit wir neue Termine vereinbaren und die Behandlung fortsetzen können.

Manchmal ist spalten überlebensnotwendig… auch in diesem Fall war es die letzte Möglichkeit. Hoffen wir das wir damit erstmal gut fahren und uns bald wieder sortiert bekommen.

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